Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 41 (12.10.1923)
- Date
- 1923-10-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2629891-2629999-2630039--1170-2632893- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 320 Nr. 41 JÜDISCHE PRESSE Es unterliegt keinem Zweifel, dass sogar das europäische Judentum, das unter dem Eindrücke der Erschütterungen der letzten Jahre so schwer gelitten hat, in dem vollen Bewusstsein seiner heiligen Pflicht für Erez Jisroel mit der denkbar grössten Anstrengung sich an der Realisierung des Projektes beteiligen wird. Die Initiatoren des Projektes auf der Breslauer Konferenz haben daher in Anbetracht der günstigen Voraussetzungen trotz der eventuell eintretenden Schwierigkeiten die Gründung der Bank für notwendig erachtet. In Anerkennung des angeführten Umstandes hat die Konferenz dem Projekte ihre rückhaltlose Zustimmung erteilt und somit der Gedanke reale Formen angenommen. Dass das von den Antragstellern der Konferenz vorgelegte Projekt allseits mächtigen Widerhall gefunden hat, erhellt aus der Tatsache, dass die breiten Schichten des jüdischen Volkes für die Idee einer orthodoxen Palästina-Bank ganz begeistert sind. Zahlreiche Ortsgruppen haben bereits mit der praktischen Arbeit eingesetzt und eine Reihe ansehnlicher Beträge gezeichnet. Hierin kann das litauische Judentum als beispielgebend hervorgehoben werden. In einer kurzen Spanne Zeit ist es unseren Gesinnungsgenossen in Litauen gelungen, einen für litauische Dimensionen verhältnismässig grossen Betrag ־ zu sammeln. Für die nächste Zukunft sind die Aussichten die besten, zumal schon die Leiter der Aktion durch ihre Persönlichkeit auf ein günstiges Resultat ,schliessen lassen. Das Beispiel Litauens wird zweifelsohne auf die Tätigkeit unserer Brüder in den materiell besser gestellten Ländern befruchtend ein- Wirken. Die Kenessio Gedaulo, ein wahrhafter Kibuz Gölioth, die für die künftige Entwicklung des gesetzestreuen Judentums bahnbrechend gewirkt und alle Erwartungen übertroffen hat, hat auch die Bank- Sache ihrer Lösung näher gebracht. Nach den langwierigen Vorbereitungsarbeiten ist es nunmehr ge- Jungen, die Bankgründung bis in ihr letztes Realisierungsstadium zu führen. Indem das Projekt sich' auf der Kenessio Gedaulo die ungeteilten Sympathien der breiten jüdischen Massen erworben hat, hat es mit dem gleichzeitigen Eintritt hervorragender finanzieller Persönlichkeiten an innerem Gehalt gewonnen. II. Die Bankgründung ist demnach eine vollzogene Tatsache. Sie wird mit einem Gründungskapital von 101.000 Pfund Sterling gegründet, wovon schon grosse Summen gezeichnet wurden. So werden wir bereits in nächster Zeit über das mit Ungeduld erwartete Kreditinstitut verfügen, das dem wirtschaftlichen Wiederaufbau des heiligen Landes und der. Erstarkung des glaubenstreuen Judentums in Palästina dienen soll. Der Charakter der Bank ist ein synthetischer. Die Tätigkeit der Bank erstreckt sich daher auf folgende drei Gebiete: 1. Auf die Durchführung aller Arten von Bank- Operationen, gewöhnlichen Masstabes. 2. Die Bildung einer Zentralstelle für alle kollektiven und kooperativen Unternehmungen, die ihr angegliedert sind, d. h. die Unterstützung kooperativer Häuserbaugenossenschaften, Kreditgenossenschaften, Leih-Sparkassen, Volksbanken u. dergl., die durch sie gegründet und finanziert werden. sprechen. Der greise Rabbi hatte es sich auch nicht nehmen lassen, Tage hindurch Kranke ohne Unterschied des Glaubens zu besuchen und ihnen Trost und Mut zuzusprechen, die häufig wie die beste Arznei auf das schwerbedrückte Gemüt der Erkrankten wirkten. Es kann nicht wundernehmen, dass angesichts des Lebens eines Mapnes, das so voll und ganz wie eine Verkörperung der höchsten Lehren der Religion erschien, die Verehrung für Rabbi Akiba Eger in immer weiteren Kreisen Platz griff, dass der Ruf seines selbstlosen, nur dem Dienste Gottes und der Menschheit gewidmeten Daseins ihm immer grössere Scharen begeisterter Anhänger verschaffte. So schlicht und einfach er sich auch gab, so knüpfte sich doch allmählich der Nimbus, der das Haupt grosser,* ungewöhnlicher Erscheinungen in Israel umstrahlte, auch an die Gestalt Rabbi Akiba Egers. Tiefen Eindruck hatten bereits, gleich anfangs bei seinem Einzug in Posen, zwei Vorfälle gemacht, die allenfalls jeden seltsam berühren mussten. Ein Fleischer halte sich höhnisch über die Feierlichkeilen geäussert, die man zu Ehren des neuen Oberrabbiners veranstaltete; der Mann hatte kaum seine lästernde Rede beendet, als er tot zu Boden fiel. Einer der hitzigsten Vertreter der Reformpartei in Posen hatte sich, als die Wahl des Oberrabiners geplant wurde, geäussert, dass, solange er lebe, Rabbi Akiba Eger auf diese Stelle nicht gelangen werde. Er starb just an dem Tage, als Rabbi Akiba Eger in Posen zu seinem Amtsantritte eintraf. (Schluss folgt.) fjemn* und Damenpelze f _ © 1 aller Art in feinster Aus« ® © fübrung und in jeder Preislage © © g Pelzhaus g g M.Bermann&Co.! X Wien, 2• Bezirk, Taborsftraße 1 י u 0 1. Stock, Telephon 46-7-61 ® Filiale: 2. Bezirk Taborstr. 17 B || jg ® ® Reparaturen und © 5״ Umarbeitungen werden raschest ® ® und billigst effektuiert ® 0 0 @©0©©0©00©©000©00©0 3. Vor allem die Kreditgewährung an Bankaktionäre, entsprechend dem Kreditmodus der Volksbanken ihren Mitgliedern gegenüber. Die Bank dient ausserdem als Sammel- und Sparkasse für die breiten Schichten. Durch ständige Erwerbung von Bahnaktien von Zeit zu Zeit, sowie durch grössere Aktienbestände ist dem Eigentümer die Möglichkeit gegeben, auf Grund dieser Aktien eine Kreditgewährung seitens der Bank zu erhalten, für den Fall, dass er Eigentum in Palästina erwerben will. Die Bedeutung eines derartigen Spar- und Leihinstitutes ist gar nicht abzuschätzen. Dadurch ist jedem Juden der Weg nach Palästina erschlossen. Die neugegründete Bank wird also einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor ausmachen, der nicht bloss in der Durchführung gewohnlicher Kreditoperationen sichtbar wird, sondern auch ein gewaltiges Zentrum der Initiative sein, die auf eine rasche Wiederbesiedlung des heiligen Landes hinausläuft, wird der Gruppierungspunkt all derer sein, denen die Einwanderung und Besetzung im heiligen Lande ein grosser Wunsch ist und die sich nicht den notwendigen;Kredit verschaffen können, durch ein wirtschaftliches Zentrum, das vorangehen soll mit der Schaffung organisierter Handelsunternehmungen. Das Gründungskapjtal• der־ Bank beläuft sich auf 100.000 Pfund Sterling. Wir sind uns aber darüber klar, dass es sich bei diesem Betrage nicht wird bewenden lassen. Zusammen mit der aufstrebenden Industrie, mit dem Handel;und Gewerbe und den anderen Zweigen der jüdischen Wirtschaft wird sicherlieh die Bank auch einen grossen Aufschwung nehmen, wird gewiss die Grenzen überschreiten, die ihr jetzt vorgezeichnet sind. Aber schon in dem jetzigen Rahmen erweist sich dieser Schritt von weittragender Bedeutung, sei es in. bezug auf das Land, sei es in bezug auf die Einwanderer. Es ist über jeden Zweifel erhaben, dass jeder Jude, der irgendwie nur in der Lage ist, sich an dem Aktienerwerb rege beteiligen wird. Nicht bloss dem Grosskapital, sondern auch dem Volke, ist die Möglichkeit geboten, sich an der Bank aktiv zu beteiligen. Durch die Herausgabe von Aktien im Werte eines Pfund Sterlings ist jeder in die Lage versetzt, an diesem Werke mitzuarbeiten, an dem er hierbei sich ein praktisches Eigentum erwirbt. Das ist keine Spende, sondern ein unveräusserlicher Besitz, dessen Früchte sich schon im Anfänge zeigen werden. III. Am Schlüsse unserer Ausführungen legen wir aber besonderen Wert darauf, festzustellen, dass der Bank keinerlei parteipolitischer Aufgabenkreis umschrieben ist. Bestrebt, durch ihren Einfluss und ihre Kraft, auf die spezifischen Formen des jüdischen Wirtschaftslebens einzuwirken, muss schon aus diesem Grunde jede politische Färbung ausgeschlossen sein. Nur als gesunde produktive Organisation lässt sich das Unternehmen als massgebender wirtschädlichen Faktor erhoffen. Und noch etwas: Wir halten es für besonders wichtig, auf die Bedeutung des territorialen Gebietes unserer Tätigkeit und auf die ökonomische Möglichkeit des wirtschaftlichen Aufbaues in Palästina hinzuweisen. Eines der berühmtesten Verkehrszentren von: den Uranfängen der historischen Entwicklung bis' auf den heutigen Tag, ein Land, das als geographischer Mittelpunkt ohnegleichen dasteht als Schlüssel zu den verschiedensten Erdteilen, ist bisher ein, in allen wirtschaftlichen Beziehungen, unberührter Boden geblieben. Schon aber die im Laufe des letzten Jahrzehnts auf dem Gebiete der Agrikultur vorgenommenen Proben haben dem wirtschaftlichen Aufbau ganz wunderbare Möglichkeiten erschlossen und lassen noch weiteres für die Zukunft erwarten. Unter dem Protektorate der englischen Mandatarmacht sind auch für andere Gebiete, Handel, Industrie neue Wege geebnet worden. Gerade die Unberührtheit des Bodens ist bei der nunmehr freien und gesicherten Entwicklung hinreichend Grund genug, um unvergleichlich grössere Ergebnisse erwarten zu können. Das Fundament hierzu muss aber erst geschaffen werden. Es kann keine Rede von einem progressierenden Handel, wie auch von einer industriellen Tätigkeit sein, ohne eine sichere Kreditierung, die in solider Weise für verschiedene Korporationen in ihren Aktionen zur Seite treten müsste. Es ist eine erwiesene Tatsache, dass bei einer befriedigenden Kreditierung der jüdische Handel und viel mehr auch die Industrie einen ganz bedeutenden Aufschwung genommen hätte. Ohne sich auf zweifelhafte Operationen einzulassen, ist dennoch die Landwirtschaft auch imstande, die ihr gewährten Kredite im weitgellendsten Masse auszunützen. Wenn wir das Grundkapital der Bank mit 100.000 Pfund Sterling bemessen haben, sind wir dennoch, wie schon vorher gesagt, der festen innerlichen Ueberzeugung, dass nicht 100.000 Pfund und nicht eine halbe Million Pfund genügen, um alle Kreditbedürfnisse der aufstrebenden wirtschaftlichen Ent- Wicklung in Palästina zu befriedigen. Mit dem vorhergehenden Grundkapital beginnend, behalten wir es dennoch vor, nach Massgabe der Möglichkeit dasselbe zu erhöhen. Selbstkritik. Die Kenessio Gedaulo■’ hat unter den Gegnern einen Sturm hervorgerufen. Es wurden überlaute Stimmen erhoben gegen ihre Ziele, gegen ihre Taktik, ja sogar gegen ihren Namen, der manchen Neidern zu gross erschien• Trotz vielfacher Verdrehungen, Unterschiebungen, Missverständnisse, trotz aller von Parteipolitik, persönlicher Missgunst und Unverständnis diktierten feindlichen Angriffe konnte man doch den Grundton aller dieser Auslassungen feststellen und dieser war — Ueberraschung. Man sah, dass die Gegner von dem Umfange, von der Qualität der teilnehmenden Personen, von dem Gehalte der Verhandlungen und den Resultaten, die die Kenessio zeitigte, überrumpelt wurden. Sie alle muteten der Orthodoxie eine solch gewaltige Demonstration nicht zu. Um ihre Ueberraschung irgendwie zu verbergen, griffen die Gegner des thoratreuen Judentums zu Kleinlichen Mitteln, niedrigen Invektiven, Verdrehungen und Verkleinerungen, bis sie, doch einsehend, dass sie sich vor der Geschichte einer Unwahrheit schuldig machen, sich eines Besseren besannen und unter verschiedenen Verklausulierungen ■und Verriegelungen, doch die wahre grosse Bedeutung der Kenessio zugegeben haben. Aber nicht nur die Feinde und Gegner waren überrascht. Auch die (Freunde und Anhänger, die Pioniere und Mitarbeiter erlebten an der Kenessio ein wunderbares Ereignis, das ihre kühnsten Träume weitaus überstieg. Sie, die jahrelang in die Klein־ arbeit mühseliger Vorbereitungen eingesponnen gewesen ■sind, sie, die über Kattowitz und Breslau mit fortwährenden Hindernissen und Fussangeln zu tämpfen hatten und tagaus und tagein in den aufreibenden Nichtigkeiten ihre Energien aufbrauchen mussten, standen plötzlich vor ■einer impulsiven, gewaltigen Manifestation, deren Umfänge weit, weit über den bekannten Horizont hinaus sich erstreokten. Die Kenessio Gedaulo war auch für sie eine Ueberraschung, oder besser die Art ihrer Empfindung ׳bezeichnend, ein Wunder, das sie wohl erhoff^, doch nie erwartet haben. Und als in ׳einem Saale alle Vertreter thoratreuen Geistes, alle Führer thoratreuer Menschen versammelt waren und ihnen aus tausend fehlen der Gruss Abertausender entgegen- Mauste, da fühlten auch sie, dass ihre Kräfte und Mittel allzugering geworden sind, um diese Bewegung zu beherrschen und zu lenken. Bis zur Kenessio Gedaulo war das thoratreue Judentum unorganisiert. Jetzt ist es ein Organismus, an den sich die einzige Hoffnung des jüdischen Volkes klammert. Tie Hoffnung der Besten im Volke• Was die Führer und Lenker der Agudas Jisroel bis zur Kenessio Gedaulo geleistet haben, ist gewaltig, hre Namen werden für ewige Zeiten in der Geschichte des Volkes leuchten. Nun stehen sie an der Schwelle einer neuen Epoche. Einer Epoche, in der alles, was plötzlich wie durch ein Wunder dagewesen ist, feste Wurzeln zu fassen und in das Stadium d'es Wachstums einzutreten hat. Geackert und gesät wurde schon. Jetzt rückt di'e kritische Zeit heran, in der man den Samen behüten, die junge sprossende Aehre hegen muss und schützen vor den vielen drohenden Gefahren Neue Perücken aus dauergewelltem Naturhaar, garantiert unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien, 1. Bezirk, Kärntnerstrasse 8 (nächst dem Stefansplatz, um die Ecke)