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Jüdische Presse · 1923-10-12 · 41 (12.10.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
41 (12.10.1923)
Date
1923-10-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 41 Seite 321 JÜDISCHE Pft&SE Mittel sind notwendig, denn die alten sind zu klein ^Jnd zu schwach geworden. Sich selbst erkennen, der eigenen Tugenden und Schwächen bewusst werden, unbekümmert um das Geschrei derjenigen, denen das Schicksal die klagliehe Rolle zuteilte, den anderen die Fenster einzuschlagen. Alle noch schlummernden Kräfte zu wecken und gleichmässig zu verteilen und sich selbst Grenzen setzen für eigenes Können und Wollen. Dies muss die grosse Arbeit dieser Tage werden. Die Bewegung, die das thora׳treue jüdische Volk neu beleben will, und die bereits solche Dirnensionen angenommen hat, muss von einem tadellos funktionierenden Regulativ kontrolliert sein und von einer kristallreinen Klarheit durchflutet werden• Selbstkritik ist das beste Mittel, den Gefahren, die durch Ablenkung von den grossen Zielen von innen und durch die Anfeindungen von aussen drohen, zu begegnen. Denn es steht Gewaltiges ׳auf dem Spiele. Der grosse Gedst eines grossen Volkes. —z. Die Stellung und die Aufgaben der jüdischen Frau. Von Pessle Wolk, Kowno. I. Eines der wichtigsten Probleme unserer Zeit ist die Frauenfrage, ist die Stellung der Frau im gesellschaftlichen Leben. Welche und wie geartet sind die Aufgaben, Pflichten und Rechte der Frau m der neuen fortgeschrittenen Gesellschaft? Nimmt die Frau Anteil an der öffentlichen gesellschaftlichen Arbeit? Und wenn ja, in welchem Masse und in welcher Art? Ist die Frau dem Manne politisch und gesellschaftlich gleichberechtigt oder nicht? Und noch eine ganze Reihe von derartigen Fragen könnte hier aufgeworfen werden• Dieses Problem mit allen seinen Nebenfragen steht ständig auf der Tagesordnung. Zeitweise in den Hintergrund gerückt, zeitweise wiederum höchste Aktualität besitzend, ist diese Frage trotz aller Versuche bis zum heutigen Tage ungelöst geblieben. Die Ursachen dessen könnten vielleicht durch die unnatür״ liehen Beziehungen erklärt werden, oder richtiger gesagt, durch die rein subjektive Beziehung aller derjenigen, die das Problem gestellt und zu lösen versucht haben. Die Unnatürlichkeit, die Subjektivität dieser Beziehung beruht darin, dass die Mehrzahl Das neu etablierte Atelier für feinste Herrengarderoben Weldler & Fürst Wien, II., Hollandstrasse 16 empfiehlt sich den P. T. Bekannten bei Bestellung von Herrengarderoben aller Art nach Mass mit eigenem feinsten oder mit mitgebrachtem Stoffe. Durch Beschäftigung erster Arbeitskräfte sind wir in der angenehmen Lage, die verwöhntesten Ansprüche, der uns mit Aufträgen beehrenden Kunden vollauf zu befriedigen. derjenigen, die sich mit der Sache befassten, eine eigene Lösung des Problems mitgebracht haben und auf alle Fragen ihre eigenen Antworten erteilt wissen wollten.. Dadurch ist das ganze Problem bis zum heutigen Tage ungelöst geblieben und es .besteht wenig Hoffnung, dass die Lösung in der nächsten Zeit gefunden werden soll. Das Frauenprobllem hat im letzten Jahrhundert ein neuartiges Aussehen bekommen. Es i־st auch zum grössten Teile deshalb ein modernes Problem geworden, weil es eine Staatsfrage für Parlamente und Politiker geworden ist, weil e's Verteidiger und Kämpferinnen gefunden hat, die für die Lösung mit allen politischen Mitteln kämpfen und weil es schliesslich ein wichtiger Teil der neuen sozialen Fragen ist. War aber das Problem nicht schon in früheren Zeiten vorhanden? Ist es erst im letzten Jahrhundert entstanden? War das Frauenprobleim nicht bereits in uralter Zeit vorhanden? Die Fraueinfrage ist eine uralte Weltfrage, wenn auch nicht behauptet werden kann, dass das Problem gleichzeitig mit der Geburt der Menschheit entstanden ist und mit dem Ende der Menschheit ver- Schwinden wird. Denn dieses Problem, insofern es natürlich ohne jedwede künstliche Verschrobenheit gestellt wird# insofern es die Frau als Teil des menschlichem Geschlechtes behandelt, ist schon lange gestellt und gleichzeitig gellöst worden in dem grossem, uralten und doch ewig jungem ,,Buche der Offenbarungen“, in unserer heiligen Thora. In der geschriebenen, wie auch in der mündlich überlieferten Thora finden wir das Problem ganz weitschweifig bearbeitet, sowie gleichzeitig das verwickelte und schwere Problem auch durch die Offenbarung gelöst worden ist. Die Offenbarung bedeutet in diesem Falle die natürliche Auffassung der Frau in den natürlichen Grenzen ihres spezifischen Frauenlebens auf Grund der natürlichen Eigenschaften ihres Geschlechtes. Mit diesem Massstabe sind ihre Pflichten und ihre Rechte zu messen, mit diesem Masstabe auch die Aufgaben der Frau zu Hause und in der Geseülschaft auch zu bemessen• Frauengleichberechtigung? Schon die erste Frau ־war gleichberechtigt ihrem Manne an dem Tage, an welchem sie beide für ihre gemeinsame Sünde schwer bestraft worden sind. Die Frau wurde gleichgestellt nicht nur in ihren Rechten, sondern auch in den Pflichten und in der Verantwortlichkeit, im weft• ehern Umstande am abstraktesten der Gedanke der Gleichheit und Emanzipation ausgedrückt worden ist. ״Mit Schmerzen wirst du deine Kinder zur Welt bringen.“ Das ist die Strafe der Frau, angepasst ihrer Natur und ihrem Geschlechte, ohne die Sünde selbst verbergend oder sie unbestraft lassend. Beging die Frau eine Sünde, so muss sie auch die Verantwort- Iichkeit dafür tragen, aber nur in jenem Masse, in welichem sie die Strafe tragen kann als Frau. Anders ist aber die Strafe für den Mann, seine Busse für die durch ihn begangenen Verbrechen. ״Im Schweisse deines Angesichtes wirst du dein Brot essen.“ Das ist die natürliche Strafe für den Mann, nach seiner Beschaffung, mehr angepasst seinem Können und seinen physischen Kräften. So löst die heilige Thora das schwere Problem von Mann und Weib: Natürlich auffassend, wird jeder auf Grund seimer natürlichen Kräfte, seiner Bestimmung behandelt. Die natürliche Bestimm u n g, das ist das Hauptfundament des ganzen Rechts- und Pflichten- Systems der Thora und diese Anschauung wird letzten Endes der Grundstein sein müssen für die Menschheit, wenn sie sich zu der hohen Moral und Ethik der Thora erheben will. (Fortsetzung folgt.) m NACHRICHTEN Vom Tage mm Die Woche, mSS Smanbeglnn. Würden wir statt des sonderbar Mingenden!Wortes, das als Spitzmarke diesen Zeilen vorangeht, Sem esterbeginn schreiben, so könnten wir bei unserem Leserkreise eher auf Verständnis rechnen. Doch Semesterbeginn würde .unwillkürlich den Glauben erwecken, als ob wir an dieser Stelle mit jenem Komplex des Antisemitismus uns beschäftigen möchten, der an den Hochschulen Ost- und Mitteleuropas gegen die Juden wütet. Wir halten auch diesen Teil des Antisemitismus für beschränkt und kulturwddrig, •jedoch glauben wir, dass er eher der Ausdruck der schweren Erkrankung der!Völker als eine Todesgefahr für das jüdische Volk ist. Es liegt uns vielmehr am!Herzen, von jenen Hochschulen zu sprechen, wo die reine Quelle des gesunden jüdischen Lebens sprudelt,' von jenen Hochsohulen, wo mit dem beginnenden ״Sman” nach den hohen Feiertagen sich die Pforten! öffnen, um die Schüler, die sich G. s. D.!von!Sman zu Sman in steigernder Zahl melden, aufzunehmen. ״Die Pforte" ist eigentlich eine Phrase, die mit dem ״Semesterbeginn" eher zu jenen Hochschulen ׳passt, wo leider nur allzu oft Giftquellen erschlossen werden, in denen die antisemitische Jugend ihre jüdischen Kameraden ersäufen will und doch letzten Endes selbst ertrinkt. Die Hochschulen, wo die reinen Quellen des ewig frisclhen Judentums erschlossen werden, haben keine Pforten. Unsere ׳Botej iMedroschim sind, als Bauten betrachtet, nicht so grossartig, dass man durch Pforten zu ihnen kommen müsste. Ganz einfache kleine Türen sind es, die sich mit dem Smanbeginn öffnen, um unserer Jugend zu den Stätten Einlass zu gewähren, •wo der Rabbi der künftigen Generation die Fermente vergangener Grösse und Weisheit übermittelt. .Diese Hochschulen haben wohl ihren eigenen Ruhm, doch glauben iwir, dass ihre wissenschaftliche Bedeutung und ihr moralischer Wert selbst in der jüdischen Welt noch allzu wenig bekannt ist. Grosse Telle des jüdischen Volkes horchen erschreckt auf, wenn von irgendeiner Universität im bodenlosem Hass gegen die ״Kulturwidrigkeit" des Jiudentums gesprochen wird, sie verharren aber in dumpfer Interesselosigkeit, wenn von den grössten rabbinischen und moralischen Aütoriätten des .jüdischen Volkes ergreifende Rufe an sie ergehen, um die Stätten der ewigen wundersamen jüdischen Kultur zu retten und sie ökonomisch zu heben. Semesterbeginn ist ein Avohibekannter Begriff bei •ihnen, nur zittern! sie vor jedem Semesterbeginn, in der furchtvoilen Erwartung neuer Angriffe gegen das Judentum. Smanbeginn ist ein unbekanntes Wort für sie und sie ahnen nicht -die Süsse, die ein jüdisches Herz erfüllt, wenn es mit dem Smanbeginn׳'an die Jugend denkt, die in die Werkstätte zieht, wo die ewig junge, leuchtende tüdlsche Seele geschmiedet wird. Leipzig: Der Herausgeber des antisemitischen ״Hammer“, der berüchtigte Theodor F r i t s c h, wurde vom Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik wegen Beleidigung des ermordeten Ministers Rathenau zu vier Monaten Gefängnis und sechs Millionen Mark Geldstrafe verurteilt. In der. Urteilsbegründung wurden die Beschimpfungen, die der Angeklagte ausgesprochen hat, als überaus gemein, niederträchtig und verwerflich bezeichnet. Warschau: Die antisemitische Presse in Polen erhebt gegen die Juden die Beschuldigung, während des Krieges polnische Bürger bei der deutschen Okkupationsbehörde denunziert zu haben. Infolge dieser Beschuldigung ist eine Reihe von Juden verhaftet worden. Kischfnew: Die rumänische Regierung ha!t dem vom Innenminister erlassenen Ausweisungsbefehl an die auf rumänischem Territorium befindlichen ukrainischen Flüchtlinge bestätigt. Die Flüchtlinge müssen demnach bis zum 1. Oktober Rumänien verlassen haben. Paris: Das französische Wochenblatt ״La Vieille France”, das sich besonders in der Propaganda des Barnphlets ״Die Weisen van Zion“ hervorgetan hat, muss nun nach fünfjährigem Bestehen aus Geldmangel zu erscheinen aufhören. In der letzten Nummer klagt der Ghefredakteur Urban C a h i e r, /der zur Zeit des Dreyfus- •Prozesses Mitarbeiter von Glemenceaus ״L’aurore” war, dass der Antisemitismus jetzt in Frankreich keinen Boden und keine Entwicklungsmöglichkeiten ha׳t. Kowno: Die antijüdischen Exzesse in Litauen mehren sich in letzter *Zeit. In Poniewiescn wurden die städtische Synagoge und das Gebäude der Arbeiterbank in Brand gesteckt. Bukarest: Die gewaltsame Evakuierung der russisehen Flüchtlinge hat bereits begonnen. Es wird gemeldet, dass die Abschiebung mit äusserster Brutalität vor sich geht. Einzelne Beamte haben sich auch aus der Not der jüdischen Flüchtlinge eine neue Einnahmsquelle gesohaffen. Paris: Die Academie francaise hat unter ihre vierzig Unsterblichen nunmehr den dritten Juden aufgenommen. Der erste war Ludovic Halevy, der Nette des Komponisten, ein in Paris überaus populärer. Romancier und Dramatiker. Ihm folgte der Philosoph Henri Bergs o n und nunmehr ist der 74jährige Dramatiker G e 0 rges de Porte Riehe in die Akademie eingezqgen- Riga; Wie aus Kiew gemeldet wird, brach in einer Synagoge infolge plötzlichen Erlöschens der Beleuchtung eine Panik aus, bei der etwa 60 Personen den Tod fanden und gegen 100 verletzt wurden. Plozk: Aus Plozk wird gemeldet, dass Erzbischof Kowalski, der in Plozk wohnt, in einem Interview seine Meinung ausdrückte, dass Rabbiner Schapira unschuldig ist. Otsttmicb. Wien. Wenn ׳wir ,bisher zur aktuellen Frage der Wahlen zum österreichischen Nationalrat und zum Gememderat geschwiegen haben, so geschah es deshalb, weil wir es für unsere journalistische Pflicht halten, in gewisse Entwicklungen nicht störend einzugreifen. Wir betonen ausdrücklich, dass die folgenden Darlegungen nicht etwa auf Wunsch der Leitung der örtlichen Agudagruppe Wien geschrieben sind, sondern dass sie lediglich die Meinung der Redaktion dieser Zeitung wiedergöben. Es sind für jeden Juden, der zur Wahl schreitet, zwei Gesichtspunkte möglich. ,Entweder er beurteilt den Einfluss auf die Entwicklung der österreichischen Verhältnisse, soweit dies von parlamentarischen Vorgängen bedingt ist, nach der Richtung, ob nicht die Stellungnähme zu jüdischen Fragen auch auf •das allgemeine Schicksal Oesterreichs eine Einwirkung ausübt, oder er steht ,auf dem Standpunkt, dass für die grossen und kleinen Fragen des Staates Oesterreich die jüdisehen Fragen irrelevant sind. Je nachdem würde man es für notwendig halten, dass in dem Parlament in gewissem Sinne ein einwandfreier Sachverständiger für jüdische Fragen vorhanden ist. Wir unterstreichen diesen Gedankengang doppelt, weil wir für ai|e Juden ohne Unterschied ihrer sonstigen Anschauung unbedingt in Anspruch nehmen, dass sie stets und immer das Wohl des Staates Oesterreich im Auge haben. Ueber diese Selbstverständlichkeit sind hier Worte •nicht zu verlieren. Betrachtet man aber den Augenblick der Wahl und die Tatsache der Wahl von diesem hohen Standpunkte aus, so wäre es Pflicht eines jedes einzelnen Juden, sich von diesem Standpunkt durch keine irgendwie geartete Rücksicht auch nur um eines Haares Breite abdrängen zu lassen, nicht durch andere Erwägungen oder Tatsachen, die auf niedrigem Niveau stehen. Denn wenn man im Sinne unserer einleitenden Worte im Interesse Oesterreichs das Vorhandensein eines Sachveständigen in jüdischen Dingen für notwendig hält, so genügt es nicht, wenn man etwa die ,Einheitsfront gegen Angriffe vor^ aussen als Schiff5 Pelzwarenhaus En gros und Erzeugung!.,Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel. 67302־ Detailverkaufs -Niederlage: I■! Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pelzaafbewabrang geg•■ VertJaktniag üb«8 •41 ־tnu«nMa«te

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