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Jüdische Presse · 1923-10-12 · 41 (12.10.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
41 (12.10.1923)
Date
1923-10-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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w. I». Vi. (״JÜDISCHE KORRESPONDENZ1*) ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Olea, II., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise! Qanzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Life, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Einzelnummer öst. K 1,600. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkasscnamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag. Konto Nr. 53.386; fflr Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.317; f.Ramünien: Banca Marmarosch Blanc ft Co für Florent ft Co, Bukarest;für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Np. 41 Wien-Bratislava, 12. Oktober 1923 ,ב״ה ויענה־פרעססבורג ב* חשה תיפ״ד 9■ Jahrg. 'ersitatsblbliothek Franzengring JÜDISCHE PT Augenblick und Ewigkeit. Das Prophetenwort von diesem Sabbat bringt uns das Bild eines merkwürdigen Kontrastes, in dem sich geschichtlich das Verhältnis zwischen dem Allmächtigen und Israel darstellt. Das Wort spricht von einem Augenblick, Sn dem der Allmächtige sich zürnend abwendet, und von der Ewigkeit, in der seine gnadenvolle Liebe uns umfängt. Was dieser Gedanke an unerschöpflichem Trost in banger Stunde uns bietet, kann im knappen Rahmen nicht wiedergegeben werden. Man mag aber daraus auch für unsere Entschlüsse die Warnung und Erkenntnis schöpfen, ׳dass jeder Augenblick die Geburtsstunde einer Ewigkeit sein kann. Man mag ferner die für einen Augenblick gefassten Beschlüsse daraufhin prüfen, ob sie selbst unter veränderten Verhältnissen den Keim der Ewigkeit in sich tragen. Das ist der Gesichtspunkt, von dem aus wir dlie jüngsten Ereignisse innerhalb der jüdischen Gemeinde Wiens betrachten und an den wir bestimmte Hoffnungen kiriipfen. Wir gestehen freilich zu, dass es einer ziemlich hohen Warte bedarf, um derart komplizierte Verhältnisse losgelöst von allem Parteiwesen und frei von allen persönlichen Rücksichten zu beurteilen. Aus einem ganz bestimmten Anlasse erfolgte jüngst der Aufschrei der Orthodoxie in der Gemeindestube Wiens. Es ist das tatsächlich das Produkt einer Ent- Wicklung von über 50 Jahren und die Führer der Orthodoxie haben in die Zukunft geschaut und sind zu der Erkenntnis gekommen, dass sie vor dem kommenden Geschlechts es nicht verantworten können, wenn sie ihm׳ die entsetzlich sohwere Aufgabe des Augenblicks ungelöst hinterlassen. Man sollte nun glauben, dass die Lösung so schwer nicht sein könnte, da es sich in. keiner Weise um materielle Dinge handelt. Was aber die Idee betrifft, so ist es ein Ruf, ein fragender Ruf an alle Juden Wiens, ob es nicht heilige Pflicht der Gesamtheit ist, gerade der Anschauung dlie Möglichkeit des völligen Sichauslebens zu geben, die unbestrittenerweise die ununterbrochene, geradlinige Fortsetzung des Judentums ist• Es ist eine sinnlose Forderung, diie Einheitsfront gegen einen äusseren Feind zu verlangen, wenn man gleichzeitig mit viel giftigeren Waffen, als der äussere Feind, das alte Judentum innen bekämpft. Es ist einer Gemeinde wie Wien nicht würdig, sich auf veraltete Gesetze zu stützen, um einen Gewissenszwang auszuüben, an den im Mittelalter kaum der äussere Feind dachte. So mag denn von dieser hohen Warte aus die Hoffnung nicht unberechtigt sein, dass alle Faktoren der Wiener Kultusgemeinde diesem grossen Augenblick gerecht werden und der endlich zur Selbständigkeit erwachten Orthodoxie freie Bahn geben zum Wohle der gesamten Gemeinde Wiens. Schon jetzt aber legen wir fürsorglich dagegen Verwahrung ein, dass nun etwa auch in Wien das Schlagwort von den Separatisten geprägt wird. Wer also den Aufschrei eines gequälten Gewissens bezeichnet, der vergiftet einen solchen Augenblick, in dem in ehrlicher Weise Weltanschauungen miteinander ringen. Ehrlicher Kampf führt nie zur lieblosen Treunung. Ehrlicher Kampf weist jedem den Boden zu, auf dem er ohne Fessel und ohne Hemmung der Gesamtheit dienen kann. Dieses Glück allen Juden Wiens zu bieten, ist der letzte Sinn des in ernster, männlicher Weise bekundeten Willens der Wiener Orthodoxie. P. K. Die jüdische Erez Jisroel-Bank Für Kooperation, Handel, Jfidustrieund Häuserbau. ••״־־• *■־׳ * 1. Der Gedanke einer jüdischen Erez Jisroel-Bank zur Förderung der wirtschaftlichen Arbeit, treubleibend dem Geiste und den Gesetzen der Thora, ist nicht neu. Schon die Konferenz der orthodoxen Verbände in Zürich im Jahre 1919 hat diese Frage zum Gegenstand eingehender Beratungen gemacht und hiebei die Gründung einer solchen beschlossen. Tatsächlich wurde unmittelbar nach der Züricher Konferenz eine spezielle Bankkommission ins Leben gerufen, die bereits die diesbezüglichen Vorarbeiten durchgeführt und Verhandlungen mit den promlnentesten finanziellen Persönlichkeiten Deutschlands, Oesterreichs, der Schweiz und anderer Länder gepflogen hat. Der plötzliche, nicht aufzuhaltende Umschwung der valutarischen Verhältnisse in Oesterreich und Deutschland (welche zu der Finanzierung des Unternehmens wesentlich beitragen sollten) hat aber die Arbeit schon in ihren ersten Entwicklungs- Phasen zunichte gemacht. Das vorbereitende Komitee sah sich daher in die betrübliche Notwendigkeit versetzt, die Arbeit einzustellen, in der Absicht, nach einer durchgreifenden Stabilisierung der Verhältnisse mit dem Wiederaufbau sofort zu beginnen« Die daran geknüpften Erwartungen haben sich aber in keiner Weise erfüllt, und so musste mit einer gänzlichen Sistierung des Betriebes vorgegange» werden. Anlässlich der Breslauer Tagung des Zentralrates der Agudas Jisroel im Jänner 1923 wurde die Frage neuerlich aufgeroilt. Diesmal kam die Anregung von anderen Kreisen, von den Vertretern derjenigen Länder, die bereits über eine stabilisierte Valuta verfügen und die allenfalls keinen Grund darin sehen, das erwähnte Projekt fallen zu lassen, wenn auch die äusseren Bedingungen gerade nicht die besten seien. Ohne sich der Erwartung auf eine absehbare Sanierung der stark zerrütteten Währtmgen hinzugeben, waren die auf der Breslauer Konferenz erschienenen Herren dennoch der Ansicht, dass die Aufbringung der in Betracht kommende» Summen im Bereich der Möglichkeit sei, gestützt auf das all weltliche' glaubenstreu» Judentum. We»0 auch : durch den unglücklichen Ausgang des Welt-; krieges das wirtschaftliche Los der breiten jüdische» Massen im Osten ein trauriges ist, wenn auch die gewaltigen Kraftzentreri jüdischen Lebens in dem ehemalig russischen Imperium vernichtet sind, so vermag doch das allweltliche Judentum noch neue Zentren impulsiven jüdischen Lebens (Anierika, Afrika) zu schaffen, neue Zentren, wo Millionen Juden laut g-ttlicher Vorsehung eine neue Heimat gefunden haben und so dadurch Stützpunkte für die übrigen Teile des Judentums geworden sind für diejenigen, die das Unglück hatten, weiter in Osteuropa bleiben zu müssen. Männern kaum hätte übertroffen werden können. Selbst der Teil der Gemeinde, der durch seine reformatorischen Gelüste anfangs zu einer schroffen Haltung gegen Rabbi Akiba Eger gedrängt worden war, konnte sich auf die Dauer dem Zauber, der seiner von den idealsten Tugenden umstrahlten Persönlichkeit innewohnte, nicht erwehren und es wurde ihm in Posen bald allgemein die Achtung und Verehrung gezollt, die seine Wirksamkeit zu einer so erfolgreichen gestaltete. Mit weitschauendem Geiste erkannte Rabbi Akiba die verhängnisvolle Gefährlichkeit der von Berlin, Hamburg und Arad ausgehenden, mit dem fadenscheinigen Mäntelchen oberflächlicher talmudischer Gelehrsamkeit verhüllten destruktiven Refoimbestrebungen und er stellte sich mit einer Hingebung in den Dienst der Abwehr dieser Reform, die ihm für alle Zeiten neben Rabbi Moses Sofer einen ruhmreichen Platz in der Geschichte der gesetzesireuen Judenheit sichert. Für ganz Deutschland wurde Rabbi Akiba der Mittelpunkt aller auf Erhaltung und Pflege des traditionellen Judentums gerichteten Bestrebungen und die ältesten, grössten rabbinischen Autoritäten im Lande wandten sich an ihn, um, seinem weisen Rat und seinem Beispiele folgend, den Kampf zu l ühren. Mit welchem schier prophetisch richtigen Blick Rabbi Akiba Eger die Ziele der Reformhelden und die Konsequenzen ihrer Methoden erkannte, dafür bietet die traurige Tatsache einen Beweis, dass die Nachkommen der Stürmer und Dränger, die angeblich nur von der glühenden Liebe zur Religion Israels geleitet waren, fast ausnahmslos im Hafen des Christentums landeten. Rabbi Akiba Eger. (Fortsetzung^ In Posen, wo Rabbi Akiba Eger von 1815 bis 1837, bis an sein Lebensende wirkte, hatte der durch David Friedländer, Isak Euchel und Israel Jakobson genährte Geist der Reform bei einer Minogtät der Gemeinde Anklang gefunden und es kam dadurch zu Misshelligkeiten und Streitigkeiten, infolge welcher die Wähl des Oberrabbiners wiederholt hinausgeschoben wurde. Am 14. März 1814 war neuerlich der Gesamtvorstand zu einer Beratung über die Wahl zusammengetreten, der auch die grössten Talmudgelehrten der Gemeinde zugezogen wurden, und diese lenkten die Aufmerksamkeit auf Rabbi Akiba Eger, in dessen Geistes- und Charaktereigenschaften sie die Gewähr erblickten, dass er der geeignetste Mann für diese hochragende Stelle sei. Rabbi Akiba Eger wurde gewählt. Aber er erbat sich Bedenkzeit und da die Gegenpartei diese Zwischenzeit zu Protesten und Angriffen gegen diese Wahl benützte, dauerte es geraume Zeit, bis zwischen den Parteien ein Kompromiss hergestellt wurde. Erst Ende August 1815 entschloss sich Rabbi Akiba Eger infolge des Drängens seiner Familie endlich zur Annahme dieser Berufung. 52 Jahre alt, bezog Rabbi Akiba seinen neuen Rabbinatsposten, in welchem ertrotz seiner Kränklichkeit und der Schwäche seiner Konstitution eine segensreiche, von unermüdlichem Eifer beseelte Tätigkeit entwickelte, die staunenswert genannt werden muss and in der er wohl von den jüngsten und kräftigsten Neben der unermüdlichen Tätigkeit im Dienste des Gesamtjudentums widmete sich Rabbi Akiba in Posen auch genau wie auf seinem früheren Rabbinatsposten neben dem Lernen und Lehren mit aller Hingebung den Aufgaben, die er als Rabbiner in der Gemeinde zu erfüllen hatte. An ihn wandten sich aber die Mitglieder seiner Gemeinde um Rat auch in wichtigen Familienangelegenheiten, vor ihn brachten sie ihre Streit- Sachen, denn seine Klugheit und sein hohes Rechtsgefühl waren so anerkannt, dass oft selbst Christen in einem Prozess mit Juden sein Urteil anriefen. Aber der Kreis seiner Tätigkeit erstreckte sich auf noch weitere Gebiete und es ergab sich die ebenso merkwürdige als seltene Tatsache, dass der im Studium altgewördene Gelehrte nicht nur ein ausserordentliches Verständnis für die praktischen Notwendigkeiten der Zeit, sondern auch ein grosses organisatorisches Talent bekundete. Vieledem Wohle der Armen gewidmeten Institutionen wurden durch ihn angeregt, auch die Gründung eines grossen Krankenhauses in Posen — zu dem die Geldmittel allerdings von anderen herbeigeschafft wurden — war auf seine Initiative zurückzuführen. Als die asiatische Cholera im Jahre 1831 auch in Posen wütete und zahlreiche Opfer forderte, fanden die weisen Massnahmen, die Rabbi Akiba zur Bekämpfung der Seuche vorschlug und für deren Durchführung er mit Energie und nie ermüdender Hilfsbereitschaft sorgte, solche Anerkennung der Behörden, dass der König Friedrich Wilhelm 111. sich veranlasst sah, in einem Kabinettsschreiben der Tätigkeit Rabbi Akiba Egers sein besonderes Lob auszu- Pessl Wien i. Erstes und grösstes Wiener Haus Kärntnerstrasse 28 Gegründet 1894 fUr künstlerisch ausgeführte Scheitel, Perücken und Transformationen aus allerbestem, dauernd gewelltem Naturhaar. Versand der reich illustrierten Frisurenmappe kostenlos.

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