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Jüdische Presse · 1923-08-31 · 35 (31.8.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
35 (31.8.1923)
Date
1923-08-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 286 JÜDISCHE PRESSE Nr. 35 - Schechita. Gegenüber den antisemitischen Angriffen, stellt die Kenessio Gedaulo fest, däss nach biblischer Vor- Schrift die Tötung des Tieres durch den Akt der Schechita (des Schächtens) für den thoratreuen Juden die unerlässliche Voraussetzung jedes Fleischgenusses bildet. Die Kenessio Gedaulo bittet die Staaten und Völker, der gegen die Schechita gerichtete, ungerechtfertigte antisemitische Propaganda nicht durch Ersohwerungen des Schächtens, oder Erlass von Schächtverboten Folge zu geben und sofern derartige Verbote, die für den thoratreuen Juden einen unerträglichen Gewissenszwang herbeiführen, bereits erlassen sind, diese wieder aufzuheben. Jewish Agency. Die Kenessio Gedaulo erneuert die hinsichtlich der ״Jewish Agency“ vom Zentralrate in seiner Sitzung vom 8. Thebet zu Breslau gefassten Be- Schlüsse. Erez Jisroel Arbeit. I. Für die Arbeit der Agudas Jisroel in Erez Jisroel wird bei jeder Landesorganisation ein Merkas Erez Isroel errichtet. Dieser entsendet je ein Mitglied in . den Merkas Kloli (Allgemeine Palästinazentrale). Der Palästina-Zentralrat wählt eine Exekutive (Waad Hapoel), der die Ausführung aller Beschlüsse des Palästina-Zentralrates obliegt. Alle in der Agudas Jisroel für Erez Jisroel gesammelten Gelder, sind ausschliesslich nach Jerusalern zu Händen der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel zu überweisen. Die Verwendung der Gelder geschieht ausschliesslich nach den Beschlüssen des Merkas Hakloli durch die Exekutive (Waad Hapoel). Die Erez Jisroel-Kommission bittet den rabbinisehen Rat der Agudas Jisroel, zu erklären, dass jedes Mitglied der Agudas verpflichtet sei, sich nach Kräften mit seinem Vermögen zum Aufbau von Erez Jisroel al pi hathauroh zu beteiligen. Zu diesem Zwecke möge jeder Delegierte und jeder Besucher der Kenessio Gedaulo sofort einen erheblichen Beitrag für praktische Erez Jisroel-Arbeit der Exekutive übergeben. Ferner mögen die einzelnen Landsmannschäften sofort sich zur Aufbringung einer bestimmten Summe . innerhalb der nächsten zwei Monate verpflichten. Bezüglich der praktischen Erez Jisroel- Arbeit begrüsst die Kenessio Gedaulo jegliche Privatinitiative in Erez Jisroel und wünscht, dass der Waad Hakloli jeder praktischen Arbeit von Einzelpersonen weitgehendste Förderung angedeihen lässt. Insbesondere soll der Waad Hapoel die Vermittlung unter einzelnen Industriellen übernehmen und alle Auskünfte für, dieselben durch eine ehestens zu schaffende Wirt- Schaftsvertretung in Erez Isroel vermitteln. Die wirtschaftliche Erez Jisroel-Arbeit der Agudas Jisroel soll sich zunächst auf B 0 d e n e rwerb, Häuserbau, Landwirtschaft und Industrie erstrecken. Zur Durchführung dieser Programmpunkte soll der Waad Hapoel eine Aktiengesellschaft mit dem Sitz in London oder Jerusalem gründen, die nach kaufmännischen Grundsätzen zu leiten ist. Die Reihenfolge der Ausführung der einzelnen Projekte, wird dem Waad Hakloli übertragen. Der Waad Hapoel wird beauftragt, sofort in Erez jisroel Schritte zum Ankauf von Ländereien zu unternehmen, sobald die hiezu erforderlichen Mittel vorhanden sind. Jle jckSnste# GcsclwlU kaufen Sie in der Kunstu. Antiquitätenhandlung Adele Hirscliler, Wien, I., Fleischmarkt 18 SCHIFFE DER WELT! FILIALEN: . WIEN/IV. ARGENTINIERSTR.62״ i G0SSING / STEFAN KLEE f ״ GRAZ/. § AUSKÜNFTE WERDEN STETS GERNE ERTEILT.*! Brautausstattungen Billigste Ei kaufsquelle in Leinen- und Damastwaren, Chiffone, sowie m Taschen- und Tischtüchern etc. Leopold Lederer g ies), Te^phon 65-3-71 ־a־JSTBEXDXJ<TC3־T XiES3S3STI Info'ge Anhäufung der Lagerbestä'nde verkaufen wir für kurze Zeit komplette Küchen, und zwar: 1 Kredenz mit Ornamentverglasung. 1 Abwaschtisch mit 2 Zmkschaffeln. 1 Kohlenkiste, t iVbstkiste. 1 Stockerl, alles prima weiss emaillackiert1 statt K 1,80u 000 zum äusserst billigen Preis von K 1.390.000. 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Deshalb beschliesst die Kenessio Gedaulo eine energische Tätigkeit bei der Förderung der bereits bestehenden alten Talmud-Thoras, welche im Geiste der Thora geführt sind, zu entfalten und all überall, wo nur irgendwie die Möglichkeit gegeben ist, Schulen in dem nämlichen Geist zu gründen. Neben der Sorge für die Talmudthoras und die Jeschiwas, hat Agudas Jisroel, auch insbesondere zu sorgen für a) Schulen in den Kolonien, b) orthodoxe Mädchenschulen, c) orthodoxe Kindergärten. Zu diesem Zwecke ist ein eigener Fonds unter dem Namen Keren Hathauro einzurichten. 2. Agudas Jisroel hat auch die Aufgabe, in denselben Schulen, welche dem Thorageiste entfremdet sind, diese wieder für die alte jüdische Mehrheit zurückzugewinnen. 3. Agudas Jisroel wendet sich an alle thoratreuen Juden mit der heissen Bitte, bei der Unter- Stützung des Erziehungswerkes in Erez Jisroel im Geiste der Thora behilflich zu sein. 4. Besonderes Augenmerk hat Agudas Jisroel auf die Erziehung der Kinder der sefardischen Gemeinden zu legen, da diese sonst dem thoratreuen Judentum völlig entfremdet werden. Bei der Unter- Stützung der palästinensischen Juden ist ein bestimmter Prozentsatz für die sefardischen Schulen zu verwenden. 5. Agudas Jisroel soll die Gründung einer grossen Jeschiwah in die Wege leiten, deren Besucher sich aus den besten Bachurim der übrigen Jerusalemer Jeschiwohs zusammensetzen soll. (נ'. Die Kenessio Gedaulo drückt ihren tiefen Dank an die Leiter der Thoraanstalten in Erez Jisroel und ihre Förderer in der Diaspora aus. 7. Die für die in Erez Jisroel zu schaffenden Verwaltungsorgane werden, sofern die obigen Beschlüsse keine andere Wahl vorsehen, durch den Geschäftsausschuss gewählt. Chisuk Hadass. 1. In Kenntnis der traurigen Lage des religiösen Lehens in-den Kolonien von Erez Jisroel, beschliesst die Kenessio Gedaulo die moralische und materielle Unterstützung, aller religiösen Institutionen in den Kolonien, insbesondere die Sorge für Schulen, Synagogen, Lehrer, Schochtim, Mohalim, sowie die Voraussetzung zur Erfüllung aller Pflichten, wie Trumo, Masser und Schmitto. 2. Die Kenessio Gedaulo übernimmt die Verpflichtung, nach besten Kräften die. Landesorganisation der Agudas Jisroel in Erez Jisroel sowie deren Presseorgan ״Kol Jisroel“ zu fördern. 3. Agudas Jisroel hat die Verpflichtung, ein Einwanderungsamt für Chaluzim in Jerusalem und Jaffa einzurichten, um diesen in den ersten Tagen ihrer heerender Feuerbränd, der in Lissa ausbrach und von 481 Häusern — darunter 196, die Juden gehörten — bloss neun unversehrt übrig Iiess, machte auch den Schwiegervater Rabbi Akiba Egers zu einem armen Mann und umsomehr den Schwiegersohn, der bis dahin keine Nötigung empfunden, sich um die Basis eines eigenen Lebensunterhaltes zu sorgen. Die einst wohlhabende jüdische Gemeinde in Lissa, war bettelarm geworden. Rabbi Akiba selbst war mit Weib und Kindern plötzlich der grössten Not preisgegeben. Er hatte fast alles verloren was er besessen, auch, was ihn am meisten schmerzte, seine kostbare hebräische Bibliothek. Geblieben war ihm nur sein unerschütterliches Gottvertrauen, das ihn auch während des Jahres, das er in Rawitz, man muss es sagen, in bitterer Not, oft darbend, verbrachte, aufrecht erhielt. Damals befreundete er sich mit dem Gedanken, den er bis dahin immer von sich gewiesen: einen Posten als Rabbiner anzunehmen. Seine bereits unermüdliche Bescheidenheit und die grosse Gewissenhaftigkeit, die ihn nur an hohen Pflichten mahnten, die er mit der Annahme eines Rabbinersitzes verbunden hielt, hatte ihn bis dahin in dem Entschlüsse, die Rabbinerwürde abzulehnen, bestärkt. Vielleicht mochte Rabbi Akiba Eger, der sich bewusst war. über kein Rednertalent zu verfügen, auch in diesem Mangel einen Fingerzeig erblicken, dass er sich auf die Führung einer Jeschiba beschränken solle. Er bedachte •n seinem demütigen Sinne nicht, dass ein Mann wie er, durch sein Leben und sein Beispiel allein erhebender wirkt, als es die glänzendsten Reden vermöchten. Nun aber sprachen die zwingenden V rhältnisse ein entscheidendes Wort und er bewarb sich im Jahre 1791 um das eben freigeworden R.ihbinat in Märkisch-Friedland. (Fortsetz!•..׳ folgt.) Skizzen aus der Schlnssitzung. Jakob R o s e n •h e i m spricht: Der g-tfbegnadete Redner, in dem Politik nicht die Ehrlichkeit, Kultur nicht die Jüdischkeit erschlagen, Führertum nicht die Reinheit beeinträchtigt hat, will der Konferenzabschluss durch eine seiner Reden verschönern, aber Tränen rauben Ihm die Stimme. Man fragt nicht wie sonst, wie Rosenheim gesprochen, was Rosenheim gesagt hat; man hört Ihn nioht, sieht ihn nur, wie er ekstatisch die Lippen •bewegtte, empfindet mit ihm, und glaubt sich erdentrückt, wie er es scheint. Der C h o f e z C h a׳ j i m ׳hat das Wort. S p r e c h e n kann man das nicht nennen, das ist eine Offenbarung, die Verkündung g-ttlichen Willens אשרי עין לאתה זאת Der Wilnaer Roschbesdin Rabbi Chajim Ojser Grodzensky: Man muss sich erst zum Bewusstsein bringen, dass dieser einfache, bescheidene Mensch mit dlem durchgeistigten Gesicht, der personifizierte Sinai ist. Und wie er Agudas Jisroel, die Kenessio Gedaulo begrüsst, ist es gleichsam, als wollte die Tauroh danken, für all das, was hier zu ihrer Erhaltung beschlossen und durcihgeführt wurde. Ein lebendiger מוסר ist das Erscheinen des R a b b. Perlmutter auf der Tribüne. Der Aahzigijährige, der zwei Tage vorher, als er die Leiden Judas schilderte, einen Ohnmachtsanfall erlitten hatte, ihat sich g-ttlob wieder so weit erholt, dass er hiehereilen konnte. Er, der Godaul betauroh, der unermüdliche Askon bezorch Zibür, den Freund liebt und Feind verehrt, dessen Erscheinen der . Tagung Glanz verleiht, dankt dem Allmächtigen tränenden Auges dafür dass er ihm die Seühijoh gegeben, sich an dieser Kenessio zu sonnen. Ihm schliesst sich an der gleiahalterige. jugendfrische Lubli^er Raw Klatzkdn, um mit weithin hallender Stimme in einer ausgezeichneten thoragewürzten Rede die Kenessio zu begrüssen. Man fragt sich zweifelnd, ob unser Geschlecht imstande sein wird, solche Männer hervorzubringen, in denen körperliche Kraft mit geistiger Bedeutung und seelischer Grösse zur vollen Entfaltung gebracht, einte wunderbare Harmonie ergeben. Die Jugend meldet sich zum Wort: Restlose Anerkennung der Teurohautorität, unbedingten Gehorsam den Alten, verkündet der Beauftragte der Jugendkonferenz. Die Jugend erhebt siah van den Sitzen, die Alten applaudieren stürmisch; frenetischer Beifall feiert das Ideal- Verhältnis von Sekenim und Zedrim. ׳Dr. Pinkas Kohn schliesst den Reigen der Redner. Der Mann, der wie kein zweiter sein Leben, das!ganze Seih der Aguda geopfert, der den Grundstein zur polnischen Aguda gelegt, welohe die gute Entwicklung der Gesamtaguda bestimmt hat, der in Wien das Lebenswerk Wolf Pappenheims mit Jugendfrisohe und Organisationstalent befruchtet hat, der die Kräfte erforscht und mobilisiert hat, welche die Kenessio Gedaulo hier ermöglichten, der unermüdliche Arbeiter, der Tag und Nacht in seinem Arbeitszimmer die Fäden der Verhandlungen konzentrierte, hier konferierte Differenzen ausgliah, Vorschläge erteilte, wendet sich •in seiner nüchternen Art an die Konferenz. Und nur ein Pfliahtmensoh wie R. Pinkas Kohn konnte inmitten der jubelnden Begeisterung die trockenen Worte sprechen: ״Auf zur Arbeit! Die erste Kenessio Gedaulo ist geschlossen.“- Nach der Sitzung. Der Sanoker Raw spricht. Er verdolmetscht die Gefühle aller. Dass die erste Kenessio einen solchen Kidusch!haschem bringen wird, hatte niemand zu hoffen gewagt. Alle, die dabei waren, wissen nunmehr, wie sie in Agudas Jisroel zu ׳arbeiten haben., Wien kann sich glücklich schätzen, zu dem כנ1ם צדיקים soviel beigetragen zu haben. Wi'en hat bewiesen, was es zu tun imstande ist. Mögen diese Kräfte nunmehr auch für die lokale Arbeit zur Verfügung sein und möge als Folge der Kenessio Gedaulo eine Keniessio ketauoh erstehen, die alle ehrlichen יראים Wiens,, losgelöst von taurohwidrigem Einfluss umfasst.

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