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Jüdische Presse · 1923-08-31 · 35 (31.8.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
35 (31.8.1923)
Date
1923-08-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 35 Ankunft behilflich zu sein und dafür Sorge zu tragen, dass das Milieu für wahrhaft thoratreue Chaluzim geschaffen wird. 4. Die von der Agudas Jisroel gegründete Krankenstation in Jaffa soll weiter ausgebaut werden. Jüdisches Hilfswerk. Die Kenessio Gedaulo beschliesst zur Erfassung der sozialen Tätigkeit der Agudas Jisroel die Gründüng der Organisation ״Jüdisches Hilfswerk der Agudas Jisroe 1“. 1. Das jüdische Hilfswerk hat sein Hauptbureau am Sitz der Zentrale, Landeszentralen befinden sich in den einzelnen von Juden bewohnten Ländern, und erstreckt seine Tätigkeit über die ganze Erde. 2. Das jüdische Hilfswerk untersteht dem Zentralraf der Agudas Jisroel. 3. Die Tätigkeit des ״Jüdischen HilfsWerkes“ ist: a) Zusammenfassung der bestehenden sozialen Institutionen, die auf religiöser Grundlage geführt vTv 71V yiv JÜDISCHE PRESSE werden, zwecks Systematisierung desVerwaltungswesens, b) Gründung und Erhaltung von sozialen Institutionen (Krankenי■ und Waisenhäuser, Lehrwerk- Stätten, Säuglings- und Altersversorgung), c) Schaffung und Ausbau von Fürsorge- und Beratungsstellen, d) Gründung und Erhaltung von gemeinnützigen Banken zur Förderung von Kaufleuten und Gewerbetreibenden, e) Errichtung von Bureaus für Rechtschutz und Berufsberatung, f) rascheste Organisierung besonderer Hilfsaktionen für den Fall plötzlich eintretenden Massenelends. Organisation. — Delegation nach Amerika. Angesichts des gewaltigen Zuströmens orthodoxer jüdischer Massen nach Amerika, betrachtet es die Kenessio Gedaulo als )!eilige Pflicht der Organi- NACHRICHTEN. Seite 287 satiorr, dem Rufe der in Amerika organisierten Orthodoxie Folge zu geben und der. Erhaltung und Pflege des Geistes der Thoratreuen im Leben und Erziehung die grösste Aufmerksamkeit zu widmen. Demzufolge beschliesst die Kenessio Gedaulo, an die Herren (folgen die Namen) die Bitte zu richten, vor Ende Oktober für drei Monate nach Amerika zu reisen, um dort Leharoma Kerim Hathauroh Wefrairo zu wirken und Gemeinden und einzelne Persönlichkeiten durch ihren Einfluss zu stärken und zu festigen. Kooption. Angesichts des Ümfanges und der Bedeutung der Geschäfte, ist die sachgemässe Führung für die Folge nur denkbar, wenn die wichtigsten Ressorts durch hauptamtliche Leiter besetzt werden. Der Geschäftsausschuss wird daher von der Kenessio Gedaulo ermächtigt, bis zu drei Sitzen hauptamtliche Ressortleiter, als stimmberechtigte Mitglieder ■ zu kooptieren. 7I\ 7IS, 71\ yiv mmm vom Tage mmrn Die neue Zeitrechnung. Die erste Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel ׳hat eine Resolution angenommen, welche der Einführung einer neuen Zeitrechnung gleichkommt. Der Oberräbbimer von Sanok hat in seinem viel bewunderten Cliinuchreferate vorgeschlagen, dass vom ersten Tage Rosch-Haschano an, jeder Agudist ein Blatt aus dem Talmud fortlaufend ׳durchnehmen soll und jeder Tag, der eben das Tagesp'ensum ausmacht, Soll nach der Seitenzahl des Talmudtraktates bezeichnet werden. Die Begeisterung mit welcher diese Idee aufgenommen wurde, hat nur allzu rasch einer trübseligen Ernüchterung Platz gemacht. Viele befürchten, dass in der Kalendcrrechnung ein Chaos cintreten wird. Das jüdische Volk hat schon sehr viele Berechnungen und historische Momente zur Grundlage seines Kalenders genommen. Bald war der Aus- Zug aus Aegypten, bald der Aufbau des Heiligtums in Jerusalem, der historische Wendepunkt, von dem man bei der Zeitrechnung ausging. Nachher wurde die Zer- Störung-des Tempels, dann der Sieg über Seleucos, als der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Erst vom Maimuni an, nachdem die Wandelbarkeit des Schicksales ׳das ewige Volk gelehrt hat, historischen Ereignissen keine allzugrosse Bedeutung beizulegen, ging man allgemein zu d’er jetzt üblichen Zeitrechnung über, die die Erschaffung der Welt als den festen Ausgangspunkt des jüdischen Kalenders betrachtet. Weder die . Balfourdeklaration, noch der Zusam- 'mentritt der ersten Kenessio Gedaulo wird einen neuen Ausgangspunkt für die Berechnung der Jahre .bilden können. Doch glauben wir, dass der Vorschlag des Sanoker Rabbiners sehr beachtenswert ist. Es. ist eine traurige Tatsache, dass die jetzt bei uns übliche Zeitrechnung von d'er Erschöpfung der Welt beginnend, vielfach vernachlässigt wird. Teils aus praktischen Gründen, teils weil man nicht mehr an die Erschaffung der Welt glaubt. M׳an muss erst• Thora lernen und aus der Thora die Grundsätze für das alltägliche Leben holen, um die jüdischen Jahre, von der Weltsch'öpfung an zu zählen. In diesem Sinne möchten ■wir die neue Kalenderrechnung des Sanoker Raws gewertet wissen. Wird man die grauen Alltage des Jahres nach der Seitenzahl der Traktate bezeichnen, die zu studieren, Pflicht eines jeden Agudisten gemacht wurde, so werden wir unsere jüdischen Jahre auch künftighin von der Weltsohöpfung an zählen können. Von jener Welt- Schöpfung an, die wie ein tiefes Wort unserer Weisen sagt, nach den Prinzipien ׳der Thora und im Dienste der ׳Thora vorgenommen wurde. Die Tage des Jahres nach der Seitenzahl der durchstudierten Folianten zu bezeichnen, ilst somit keine neue Zeitrechnung, sondern ein origineller Gedanke, die alte jüdische Zeitrechnung von der Welt- Schöpfung beginnend, sinngemäss zu stärken und in dem Bewusstsein eines jeden Juden zu befestigen. Entdeckungsreisen mit Schwierigkeiten. Die erste Kenessio Gedaulo hat Aufmerksamkeit weiter Kreise auf die religiöse Judenheit im allgemeinen und auf die Aguda- Organisation im besonderem, ׳gelenkt. Dass diese Aufmerksamkeit nicht überall hinreichte, richtig zu sehen, ist nur allzu selbstverständlich. Viele glaubten schon, dass die alte religiöse Judenheit nicht mehr lebt. Diese Exjuden, zu denen auch der Jude des ״Morgen“ gehört, haben in ihrem A. A A A A A A. A A A A A A A A A A A A A A. A A A. A A A A A A A. A A A A A A Passende t ochzsitsgesclienke sowie kompl. Silberkassetten, Leuchter, Girandole und כלי קודש ZU billigsten Preisen. JUWELIER ABRAHAM SCHAPIRA Wien, II. Bezirk, Rotensterngasse 13 SCHEITELN, PERÜCKEN u. Transformationen in feinster u.moderrster Ausführungl Hit elnemGrlff DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren von 250.000 Kronen aufwärts. Als besondere Spezialität: SCHEITELN AUE HAUT gearbeitet, gänzlich unkenntlich Im Tragen. Sämtliche Reparaturen wie auch Wassei wellungen werden übernommen Provinzversand wird prompt e fektuiert Erste Wiener Werkstätte für moderne Haarkonfektion FR. JEREMIAS M.LIPPEL Wien, II., Stefanlestrasse 7 (jetzige Ho verknöcherten Liberalismus die Zugkraft der Religion und religiösen Ideen so hartnäckig g'eleugnet, bis sie die Gefangenen der eigenen Ideen wurden. Sie haben wirklich geglaubt, dass, wenn sie nicht mehr an religiöse Bindungen glauben, diese Bindungen überhaupt nicht existieren. Die wunderbare Manifestation der thoratreuen, gläubigen Judenheit musste für sie 1eine bittere Enttäuschung sein. Diese Enttäuschung raubte ihnen den klaren Blick. Weil sie sieb eingebildet haben, dass religiöse Erlebnisse für einen modernen Menschen unbedingt und unter allen Umständen beschämend sind, so können selbe bloss in mittelaltcrlichen auf einer primitiven Kulturstufe stehenden Kreaturen existieren. Weil sie sich eingebildet haben, dass der mittelalterliche Mensch fanatisch, unduldsam und herrschsüchtig ist, ist es für uns nicht überraschend, dass diese Kette von Einbildungen sie, die Fanatiker eines blutleeren Liberalismus dazu bringt, nun die religiöse Judenheit, die wahrlich noch nirgends andere beherrscht und überall so wunderbare Beispiele der Selbstbeherrschung geboten hat; für fanatisch mittelalterlich und herrschsiichtig zu erklären. Diese Gruppe von Entdeckungsreisenden hat auf das unbekannte Gebiet urwüchsigen, jüdischen Lebend vorher gefasste und abergläubisch festgehaltene Meinungen mitgebraoht. Sie haben in der Manifcstation der glaubenstreuen Judenheit bloss die Spiegelbilder ihrer eigenen Gedanken gesehen. Es ist nicht überrasohend, dass sie ein Zerrbild der thoratreuen Judenheit gesehen haben. Die Welt aber, die nach den Verwüstungen des nationalen Fanatismus, nach den Schrecken der sozialen Unduldsamkeit nach Klarheit und Wahrheit lechzt, urteilt anders.! Die grosse Welt, die wohl das Judentum, seine Lehren, seine Bekenner nicht kennt, bat doch in der Sehnsucht nach Erneuerung gefühlt, dass hier Menschen zusammenkamen, die seit Jahrtausenden nach bestimmten Grundsätzen leben und für Ideen kämpfen, für die sie oft •gestorben sind, mit denen sie aberfür sich und die grösste Welt ein besseres, harmonisch ausgeglichenes Leben erringen wollen. 2?ie Woche, mmm New York. Henry Ford, ׳gegen welchen der Herausgeber der ״Jewish Tribüne“, Hermann Bernstein, eine Verleumdungsklage richtete, versucht sich der VerantwOrtung zu entziehen, indem er sich gänzlich von New York fernhält oder nur incognito die Stadt besucht. New. York. Während der Fahrt aus Amerika nach Europa ist an Bord des Schiffes ״München“ Oberrabbimer von Bremen, Dr. Rosenak, plötzlich verschieden. Der Verstorbene erwarb sich ungeheure Verdienste ״in der Hilfstätigkeit zugunsten der amerikanischen Auswanderer. Kapstadt. Bei Eröffnung des jüdischen Waisenhauses in Johannesburg sprach der südafrikanische 1Premferminister General Smuts der jüdischen Bevölkerung für ihren oft bewiesenen Opfer(w׳illen seinen Dank aus. Fürth. Prof. Dr. F e i 1 c h e n f e 1 d. Direktor ׳ der israelitischen Realschule in Fürth, verschied jm Alter von 63 Jahren. Kowno. Der litauische Sejm hat das Budget des jüdisehen Ministerium in der Höhe, von 78.800 Lit. Rubel bestätigt. Wilna. Im Städtchen Wilejka in der Umgebung vom Wilna, verleitete der antisemitische Pfarrer das Dienstmädchen eines jüdischen Bäckers, bei dem das Militär Brot bestellt hat, Arsenik in den Teig zu schütten. Glücklicherweise wurde dieses vom Sohne des Bäckers bemerkt. Der Pfarrer und das Dienstmädchen wurden verhaftet. Moskau. Aus Barrisow (Gouvernement Minsk) wird gemeldet, dass die grosse Synagoge, ln den letzten Wochen von den jüdischen Kommunisten ״konfisziert“ wurde, um aus ihr ein ״Kulturhaus“ zu machen. Moskau. Es wird berichtet, dass Oberrabbiner M a s 0 aus Moskau, infolge einer Gehirnentzündung erblindet ist. Jerusalem, Der katholische Patriarch Mgr. Bar- 1 a s s i n a will eine arabische Universität in *Jerusalem gründen. Die Vorlesungen sollen ׳in englischer und arabischer Sprache stattfinden. Zürich. Der Züricher Theologieprofessor Ludwig Köhler, wies in der ״Neuen Züricher Zeitung“ nach, dass die sogenannten Protokolle der Waisen vom Zion, eine törichte und boshafte Fälschung sind. Sie sind wörtlich dem im Jahre 1864 in Brüssel erschienenen Pamphlet unter dem Titel ,.Ein Dialog zwischen Machiaveli und Montesquieu in der Unterwelt“ entnommen. Deut$clrä$t<rrticb. Wien. Talmud Thora. Die Einsdhrei׳bungen in die Talmud-Thora, Wien, II. Malzgasse 16, beginnen am Montag den 3. September. Wien. Der L u a c h der Talmpd-Thora für das Jahr תרפ״ד ist bereits erschienen und ist im Sekretariate der Talmud-Thora, Wien, II. Malzgasse 16, erhältlich. Aguda-Abzeichen. Die während der Kenessio Gedaulo so populär gewordenen Aguda-Abzeichen, sind noch in beschränkter Anzahl in der Administration der ״Jüdischen Presse“ Wien, II. Malzgasse 12a, ,und in der Jugendgruppe, Wien, II. Flossgasse 1, erhältlich. . Schulnachricht. Die Einschreibungen an der Jesod Hatliora für den Kindergarten, den ganztägigen Kurs als auch für die Knaben- und Mädchen-Religionsschule findet Sonntag und. Montag den 1. und 2. Tag Slichos (1. und 2. September) von 10 bis 12 Uhr vormittags, im Schulgebäude, II. N’estroygasse 11, י statt. Schüler werden nur in Begleitung der Eltern oder des Vormundes aufgenommen. Neueintretende Schüler (Schülerinnen) müssen einen Geburtsschein, für den Kindergarten ein Impfzeugnis beibringen. Die P. T. Eltern werden aufmerksam gemacht, dass in diesem Schuljahre auoh ein ganztägiger Kurs für Gemore und Meforschim neuerlich eröffnet wird. Durch Bestellung einer bewährten Kraft als Kindergärtnerin ist die Erziehung der Knaben und Mädchen nach bester Methode und in vorzüglichster Weise gewährleistet, weshalb die P. T. Eltern mit derselben Beruhigung als bisher ihre Kinder dem Kindergarten der Jesod Hathora anvertrauen können. Die Schulleitung macht auf-' merksam, dass die Eimsohreibungsfrist unbedingt eing׳ehalten werden muss, da sonst eine spätere Aufnahme nur bei ganz besonders berüoksichtigungswürdigen Fällen stattfinden kann. Pole». Posen. Die Lage der jüdischen Gemeinden in der Provinz P q s e n ist katastrophal. Es gibt nur noch sechs jüdische Gemeinden mit Rabbinern, in der früher so judenreichen Gegend, und zwar in Posen, Bromberg, Inowrazlaw, Gnesen, Kempten und Bidgosohtz. Dutzende jüdischer Gemeinden sind von ihren Mitgliedern ganz verlassen, die Synagogen geschlossen, nachdem die Thorarollen herausgenommen sind. In den verlassenen Gemeinden ist ein Pole angestellt, um die Gräber auf dem jüdischen Friedhof zu bewachen. Die Schlüssel zu den verlassenen Synagogen werden in Posen aufbewahrt. In der Stadt Posen (früher 6000 Juden) leben höchstens 1000. Immer noch geht die Auswanderung nach Deutschland weiter. Der Grund ist hauptsächlich in dem fanatischen Hass der Bevölkerung zu suchen; der künstlich durch die Presse geschürt wird. Von der Tätigkeit der |ca. Warschau. Die Jewih Colonisation Association (Ica) unterstützt, ihren letzten Berichte zufolge, 235 Kreditanstalten in Polen, denen sie 3 Milliarden Mark zur Verfügung gestellt hat. Auch in Bessarabien hat sie 4000 jüdischen Familien, die von der Regierung Grundbesitz erhalten haben, die Mittel zur Beschaffung von landwirtschaftlichen Geräten zur Verfügung gestellt. Koscher-Waschbecher aus Rein-Aluminium (mit 2 Henkeln), in jedem orth. Haushalt unentbehrlich, ist nun wieder in allen einschlägigen Detailgeschäften zu haben BEZUGSQUELLE FÜR WIEDERVERKÄUFER Sigmund Bondy & Bruder Hausu. Küchengeräte en gros WEN, 1. BEZIRK. GONZA GAG A SSE Nr. 12 ACHTUNG Brautpaare! Komplette Küchenausstattungen zu billigsten Fabrikspreisen. Besondere Abteilung für Hqchxeitggeschenke in praktischen Chinasilber«' und Alpakka״Gebrauchsgegenständen, ebenso wie in sämtlichen modernsten Wirtschafts״ masehinen. Gelegenheitskäufe in Porzellan״Speise״, Kaffee'׳, Tee״ und Mbkka״, sowie in Glas״ Wein״, Bier״ und Likör-Servicen. Ludwig Adler, Wien, IV. Wledner Hauptstrasse 10 (Freihaus) Telephon 51 -0-62 modern frisiert

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