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Jüdische Presse · 1923-08-31 · 35 (31.8.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
35 (31.8.1923)
Date
1923-08-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 284 JÜDISCHE PRESSE Nr 35. d uf den schweren finanziellen Schaden hinweist, aen die Unternehmer bei Stillegung ihrer Betriebe n Sabbattagen erleiden mussten, so haben die Arbeiter darauf hinzuweisen, dass wenn sie ihre wenigen, schwer erworbenen Pfennige opfern müssen 11m Sabbat zu halten, so ist es kein •ungerechtes Verlangen, wenn man von den schweren Kapitalisten dieses“ Opfer verlangt, ohne welches man kein vollwärtiger Jude sein kann. Mit einem Freimut, der an Klarheit nichts zu wünschen übrig Hess, haben die Arbeiter darauf hingewiesen, dass selbst die orthodoxen Unternehmer, vor allem Kapitalisten sind und nachher erst thoratreue Juden. Mit derselben Entschiedenheit haben aber die Vertreter der Arbeiter erklärt, dass sie keinen Kiassenkampf in die Reihen der thoratreuen Judenheit hineinzu־ tragen beabsichtigen. Sie glauben, dass im Geiste der Thora die Gegensätze zwischen den Interessen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer voll auszugleichen sind, man soll nur den Geist der Thora respektieren. Es ist zu hoffen, dass die neue Leitung der Agudas Jisroel diese Anregungen nicht nur verwerten, sondern dass sie mit kraftvoller Energie dazu beitragen wird, dass die Arbeit für die Heilighaltung des Sabbattages dessen religiöse, soziale und politische Bedeutung so gewaltig ist, den gebührenden Platz in der künftigen Agudatätigkeit ein nehmen soll. p. D er Kol Kore des Moezes Gedaule Hatauroh. (Uebersetzt aus dem Hebräischen) I. An unsere thoratreuen jüdischen BrUder in allen Ländern des Golus! Die Kenessio Gedaulo, die Versammlung der Führer des jüdischen Volkes und seiner Mandatare, die Versammlung der Thoragrössen aller Länder, die in Wien ihre Beratungen vom 4. bis zum 12. Ellul 5683 abgehalten haben, die zusammengekommen sind, um die heilige Thora zu stärken und zu ihrer früheren Grösse im jüdischen Volke zurückzubringen, die zusammenkamen, um über alle geistigen und materiellen Probleme des jüdisehen Volkes Beschlüsse zu fassen, wendet sich hiemit an das G-ttesvolk! Brüder! Mit einem Herz voll Leid und Bitternis, mit tränenvollen Augen betrachten wir die traurige Lage unseres Volkes im heiligen Lande und in der Diaspora. Wir haben uns überzeugt, dass die Lage furchtbar und schrecklich ist. Tausende jüdischer Seelen sind in die Abgründe der Unwissenheit und des falschen, irreführenden Freisinns geraten. Der Weltkrieg hat alles Gute im jüdischen Volk vernichtet, die Grenzen, die unser heiliges Thoragesetz für das jüdische Leben geschaffen hat, zerrissen. Der heilige Sabbath wird entweiht, die Thoralehrstätten, die Talmud-Thoras und Jeschiwos sind verödet. Wehe uns, dass dieses Schreckliche in unseren Tagen geschieht. Brüder! Die Lage ist furchtbar. Der Glaube wird von Tag zu Tag schwächer und jüdische Kinder werden von fremden verderblichen neuen Strömungen mitgerissen. Die Thora trauert in Sack und Asche, ob ihrer Herabwürdigung und die ganze Zukunft des jüdischen Volkes ist bedroht. Nun ist keine Zeit zum Schweigen, keine Zeit zu gleichgültigen Beobachtungen. Wir haben einstimmig beschlossen, unsere Stimmen zu erheben und an alle Teile des jüdischen Volkes den Ruf zu richten: Stärket euch und kehret zu G־tt unserem Herrn zurück. Stärket euch und ermutigt euch und nehmet euch diese Worte zum Herzen, dass wie damals, auch jetzt das jüdische Volk ein heiliges und von G-tt erwähltes ist, dessen ganze Existenz und Wesen nur auf der heiligen Thora beruht. Es ist ein Wunder G-ttes, dass wir ungeachtet aller Stürme, die über uns hinweggegangen sind, noch existieren und es ist nur diesem Umstand zu verdanken, dass wir unser Leben für unsere heilige Thora und ihre Gebote opferten. Brüder! Ein ewiges Volk sind wir. Wir haben am Sinai geschworen, dass wir ewig das heilige Gesetz der Thora bewahren. Auch in den fernsten Orten der jüdischen Zerstreuung und in der kleinsten jüdischen Gemeinschaft ist es Pflicht der jüdischen Menschen, für die Wahrung der Thoragesetze in allen Einzelheiten, Sorge zu tragen. Und so wenden wir uns an das jüdische Volk, mit dem Rufe zgr Rettung des Volkes und zur Rettung seines Geistes. Erziehet eure Söhne und eure Töchter im Geiste der Thora und gebet es auf keinem Fall zu, dass eure Söhne und Töchter von fremden Strömungen mitgerissen werden. Bemühet euch, die Thoralehrstätten zu festigen, bemühet euch den Sabbath zu heiligen und das jüdische Familien rein und züchtig zu erhalten. Liebe Brüder! Erkennet eure Aufgaben in dieser folgenschweren Stunde und werdet einig mit uns in einem Rate, mit einem Herzen nnd mit einem Willen, die Thora zu fördern, ihre Anstalten in der ganzen Zerstreuung zu festigen und für den Aufbau des heiligen Landes im Sinne der Thora und ihrer Gesetze zu sorgen. Teure Brüder! Wir sind zur Ueberzeugung gekommen, dass nur durch die Vereinigung aller, die auf das G-tteswort hören, die Rettung Israels herbeigeführt werden kann. Wir sind zur Ueberzeugung gekommen, dass die Welto’rgansation der Agudas J i s r o e 1, deren Führer die Gedaulo Hathauroh Wehajiroh sind, jene Organisation ist, die uns zu dem Ziele führt, das־ private und öffentliche Leben des jüdischen Volices wieder unter die Botmässigkeit der Thora und ihre Gebote zu bringen. Und dass es die Organisation ist, die bestrebt ist, die Herzen des jüdischen Volkes zu ihrem Vater im Himcnel zurückzubringen. Jüdische Brüder! Hört darum auf die Stimme der Kenessio Gedaulo, als auf die Stimme der jüdischen Gesamtheit und reichet uns eure Hände und vereinigt euch mit uns in Agudas Jisroel um denWillenG-ttes mit vollem Herzen zu erfüllen. Und das G-tteswerk wird g e 1 i n g e n. II. An unsere jüdischen Brüder in allen Teilen der Diaspora! Bei der Kenessio Gedaulo, der Versammlung der geistigen Führer des jüdischen Volkes in den Tagen vom 4. bis 12. Ellul 5683 in Wien, sahen wir die Lage des jüdischen Volkes und fanden sie schrecklieh. Das heilige und auserwählte jüdische Volk, das Volk, dessen Lebensgrundlage die Thora und ihre Gebote sind, ist schrecklich tief gesunken. Mit ,trauervollem Herzen, stehen wir bekümmert vor der furchtbaren Lage unserer Generation im heiligen Lande und in der Diaspora. Wir müssen erkennen, dass viele tausende Seelen der jüdischen Jugend in den Abgrund der Unwissenheit gestürzt sind. Der Krieg mit seinen traurigen, schweren, geistigen und materiellen Folgen, hat uns ein ganzes Geschlecht entrissen und es der Thora und ihrem Geiste fremd gemacht. In vielen Städten Israels gibt es keine religiösen Anstalten — Talmud- Thoras und Jeschiwahs hörten auf zu bestehen. Der Sabbath wird entweiht und man findet keine Tahara. Wehe, dass es so in unseren Tagen kam. Das Herz eines jeden Juden bricht beim Anblick der geistigen Zerstörung unseres Geschlechtes und ׳der Herabwürdigung der Thora, zusammen. Die kleinen Kinder in den Schulen werden der jüdischen Religion entfremdet -und alle Elemente ׳der Religion, für die wir immer unser Leben opferten, sind der Vernichtung preisgegeben. Gross ist der Abfall. Jüdisehe Brüder! Bei Betrachtung dieser Lage müssen wir uns sagen, dass es nicht Zeit ist, zu schweigen, sondern dass wir unsere Stimmen erheben müssen, wie einen Schofar nach allen Seiten des Golus. Jüdische Brüder! Wachet auf und sammelt Euch um die Fahne des Ewigen! Wir haben hier, bei der Kenessio Gedaulo einen Fonds zur Hebung des Thorastudiums und zur Stärkung der Religiosität mit dem Namen Keren- Jabne gegründet. Seine Aufgabe ist es, die religiöse Erziehung des jüdischen Volkes in allen Ländern des Golus und in Erez Jisroel zu stützen. Zu sorgen für die Erhaltung der Grundfesten der Thora und der Religion, der Thoralehranstaltsn. Die Bestehenden zu erhalten und so weit es möglich und notwendig ist, neue zu errichten. Wir wenden uns an das jüdische Volk in allen Ländern der Zerstreuung und fordern sie auf, mit G-ttes Hilfe uns die Hand zu reichen, uns mithäufigen regelmassigen Gaben für den Jabne-Fond zu Rabbi Akiba Eger. Unter den vielen grossen rabbinischen Autoritäten, die in Israel zur Zeit des Wirkens Rabbi Akiba Egers blühten, ragt die imponierende von Strahlenglanz ungewöhnlicher Popularität beleuchtete Persönlichkeit dieses Mannes ganz besonders hervor. Rabbi Akiba Eger war, ganz ״abgesehen von seiner grossen Gelehrsamkeit, durch seine menschiichen Eigenschaften, durch die Fülle der Tugenden und Vorzüge, die er in sich vereinigte, schon bei Lebzeiten eine fast mythische Persönlichkeit geworden, die schliesslich Ehrfurcht und staunende Bewunderung selbst, in jenen Kreisen hervorrief, die in religiösen Fragen ganz und gar nicht seinen Standpunkt teilten. Das Leben Rabbi Akiba Egers, der als die Verkörperung demutsvoller Selbstlosigkeit und Bescheidenheit gelten konnte, war von frühester Jugend an, ganz von der Liebe zu Gott, der werktätigen Hilfsbereitschaft für Arme und Kranke erfüllt Wenn je von einem Menschendasein gesagt werden konnte, dass es auf Thora, Awaudoh und Gemiluth Chasodim aufgebaut sei, so konnte man es von dem Leben des Rabbi Akiba Eger sagen, denn es stand unausgesetzt im Dienste der Gotteslehre und der Humanität. Rabbi Akiba Eger, der später als ״Meor hagolah“ (Licht der Exulanten) gepriesen wurde, erblickte am 11. Marclieschwan 5522 (1762) in Eisenstadt das Licht der Welt. Sein Vater Moses Gins war ein frommer Mann, voll jüdischen Wissens, seine Mutter hiess Gitl und war eine geborene Eiger, Tochter des gefeierten Pressburger Rabbiners Rabbi Akiba Eger, der 38 Jahre alt starb und dessen Name in unserem Akiba wieder auflebte, denn dieser wurde nach seinem Grossvater mütterlicherseits genannt. Väterlicherseits war sein Urgrossvater der berühmte Rabbi Abraham Broda, Verfasser d$s ״Eschel Awrohöin" und des ״Tau!־ dauth Awrohom", der zuletzt als Rabbiner in Frankfurt am Main wirkte und nicht nur durch seine bedeutenden talmudischen Werke, sondern auch durch seine wechselreichen Lebensschicksale, eine interessante Erscheinung bildete. Sowohl der Vater wie die Mutter unseres Akiba stammten aus altberühmten Rabbinerfamilien, die viele hochgefeierte Männer hervorgebracht hatten, die sich durch ihre gelehrten Werke ein dauerndes und ruhmvolles Andenken sicherten. Es waren unter ihnen auch Persönlichkeiten — zu denen auch einige Träger des Namens Schlesinger zählten — die nicht nur durch Frömmigkeit und Wissen, sondern auch durch ihr segensreiches Wirken für ihre Glaubensgenossen hohes Ansehen erworben hatten. Markus Schlesinger, aus der durch Jahrhunderte berühmten Familie Margolies-Jafe, war, als er 1683 zur Feier des Neujahrsfestes von Wien nach Nikolsburg reiste, in Klosterneuburg ermordet worden. Dieses furchtbare Ereignis warf einen düsteren Schatten auf die Geschichte dieser, bis dahin von der Glückessonne beleuchteten Familie, aber seinen Nachkommen war es bald wieder beschieden — wie ein berühmter Historiker, Professor David Kaufmann, bemerkt — ״den alten Glanz der Familie und ihren angestammten Hochsinn wieder in .Wien zu entfalten". Von den grossen rabbinisehen Zelebritäten aus dieser Familie, die schon in früherer Zeit ein Ruhmesblatt in der jüdischen Geschichte gefüllt, seien hier nur einige erwähnt: Rabbi Jakob Margolies wird als einer der gefeiertesten Rabbiner der altehrwürdigen Gemeinde Worms genannt. Dessen, dem Vater an Gelehrsamkeit ebenbürtige Sohn, Isak Margolies starb 1525 als Oberrabbiner von Prag; sein Sohn Samuel Margolies wird im Jahre 1527 als Oberrabbiner von Grosspolen und Masowien gefeiert. Elieser ben Mose Jafe zeichnet 1531 als Rabbiner von Mantua. Diese und noch viele andere Rabbiner, die aus dieser Familie entsprossen, haben fast alle, durch wertvolle talmudische Werke die Wissenschaft des Judentums bereichert. Die Familiengeschichte fand in den alten Zeiten bei den jüdischen Gelehrten nicht jene Pflege, die ihr durch genaue Aufzeichnungen die sicherste und lückenlose Historizität verbürgt hätte. Die Familiengeschichte wurde zumeist nur pietätvoll behandelt, sogar in höchstem Masse aber mehr durch mündliche Ueberlieferung, als durch schrittliehe Darlegung bewahrt und erhalten. Aber gar oft bestätigte sich hier das Wort: Das Gesprochene verfhegt, nur das Geschriebene bleibt. Kein Zweifel, dass Rabbi Akiba Eger als Kind schon Erzählungen seiner frommen Eltern über die grossen Vorfahren lauschen durfte und dass infolge dessen, schon früh in seiner Seele der glühende Wunsch erwachen konnte, dereinst als der würdige Abkömmling dieser Männer, in Israel genannt zu werden. Aber auch Akibas Eltern durften sich schon frühzeitig mit freudigem Stolze sagen, dass ihr Kind zu der Hoffnung berechtige, er weide sich an die Reihe der Grössten anschliessen, die aus ihren beiderseitigen Familien hervorgegangen waren. Akiba war nie ein Kind wie andere gewesen; nie hatte er an kindlichem Spiel Gefallen gefunden und immer nur an einem Freude gehabt: am Lernen. Der körperlich schwächliche Knabe entwickelte sich geistig geradezu phänomenal und galt bald selbst zu der Zeit, wo die geisiig früh* reifen jüdischen Kinder keine Seltenheit waren und Vierjährige des Lesens und Schreibens Kundige häufig gefunden wurden, als eine ausserordentliche Erscheinung. Von Natur mit einem ausserordent- Perücken aus dauergewelltem Naturhaar, garantiert unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien, 1. Bezirk, Kärntnerstrasse 8 (nächst dem Stefansplatz, am die Ecke)

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