Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1923-08-31 · 35 (31.8.1923) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
35 (31.8.1923)
Date
1923-08-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2629891-2629999-2630035--1129-2632848
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

w. 19. 1», JÜDISCHE PRESSE (»JÜDISCHE KORRESPONDENZ») ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichte;: Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich, Der UnIVer S i t ä>־t 31)iUl i0th.0l^Jjam!f Warschau,’ Konto Polen öst. K 80.000. Tschechoslowakei Kü. 70, Schweiz J. , Franzens ring SpaVkäsS Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, F «stsp.-Amt Äpinm.Ko.N! 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Einzelnummer öst. ■ CtCo, Bukarest; für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Nr. 35 Wien-Bratislava, 31. August 1923 .־ בע״ה דנדדפרעססכר־ג יט״ אלול תיפ״ג 9. Jahrg. Ein Bekenntnis. Wie Träumende waren wir gewesen und als wir erwachten, war der Traum zur Wirklichkeit ge* worden, zu der seligen Gewissheit, dass des Allmächtigen Wort in uns lebt. Dieses Leben äussert sich nicht bloss in der Tatsache, dass die gewaltigen Grössen des Thorawortes, die ragenden Menschen des Thoralebens bei uns, mit uns und über uns waren, sondern es hat sich wiederholt der Tag, von dem es in der heiligen Schrift heisst: Es hat aber der Ewige dich heute benannt und erhoben, dass du Ihm zum Volke seiest. Dies eigentlich ist die geschichtliche Btdeutung der Kenessio Gedaulo. Dies war die klarste Antwort auf die Forderung des Tages, denn nur infolge der Armut der modernen Sprache ergeben sich die Qualen der jüngsten Jahre in der bangen Frage, wie sich denn nun eigentlich die Enkel Abrahams zu all den fiationalästischen Und völkischen Bestrebungen stellen, die zum Unheil und zum Unsegen, künstlich in die Menschheit unserer Tage hineingepeitscht wurden. Für alles, was unmittelbare Beziehungen zum Ewigen Ausdrücken soll, ist die Sprache der Menschen nicht ausreichend; gilt dies schon für das Leben des Einzelnen, um wie viei mehr ist dies dann der Fall, wenn solche innige Beziehungen, zwischen ganzen Mensohengruppen und dem Allmächtigen, unserem Verständnis näher gebracht werden sollen. Und nun ist der Qual ein Ende bereitet: So wie wir es im Wochenabschnitt lesen, dass die freudigste Stunde des Einzelmenschen, die Stunde des Bewusstseins treu erfühlter Pflicht, sich umgestalitet zu einem ernsten ״Wortes JEtekejmtaissesv- Ueber die Beziehungen zur Umwelt, so haben auch wir, träumend das Leben meisternd, uns vereinigt und emporgeschwungen zu einem geschichtlichen Bekenntnis. Wenn künftighin, eben infolge der Armut der Sprache, ein jüdischer Mensch das Wort ״Volk“ gebraucht, so soll er wissen und weiss es auch, dass damit nicht gesagt ist, ein Volk gleicht dem anderen, ein Volk mit demselben Ansprüchen, wie andere Völker, ein Volk mit denselben Auswirkungen für den Einzelnen und für die Gesamtheit, wie bei• anderen Völkern, ein Volk geschieden von anderen Menschen, nach demselben Grundsatz wie andere Völker, sondern ein Volk gefügt für eine besondere Aufgabe durch den Ewigen selbst, ein Volk, zerfallen und der Vernichtung preisgegeben, sobald es diese Aufgabe verleugnet. Ein Volk für die Menschheit, Träger des Glückes unter dem Gesichtswinkel der Werte der Ewigkeit, seine Begründung und sein Bestand ist die Thora, seine Erfüllung ist die Erlösung der Menschheit. Das alles ist nicht ein Traum, sondern heilige beseelende Wirklichkeit. P. K. Die Glorie der Erkenntnis. Wenn diese Tage, die wir jetzt verlebten, gar keine Geltung hätten vor dem höchsten Gerichte der Geschichte, wenn sie vergehen würden ohne Spur und Echo, sie wären grösser, denn alle Tat die fest besteht auf Erden. Die Erfolge nach aussenhin können bezweifelt und bekrittelt werden, nicht aber all das Schöne und Grosse, dass die Seelen aller Anwesenden läuterte und allen tiefer Blickenden das höchste Glück geboten hat, das Glück der Besinnung und der Erkenntnis. Im Paroxistnus einer kranken Zeit war auch das jüdische Volk schwach und krank geworden. Wann immer sich das Auge erhob, um die Gegenwart zu sehen, oder die Zukunft zu schauen, gähnte ein wüster Abgrund jenem Auge entgegen. Und Klage über Klage aus tiefstem Herzen, schlug neue Wunden, gellte im Ohre unvergesslich und hoffnungslos trübe. Das Schauderhafteste, das ein Individuum oder ein Volk treffen kann, schien unser Schatten, blutloses Gespinst unbekannter Mächte. Wesenslosigkeit — gibt es Fürchterlicheres für ein Lebewesen? Und doch, wjr sahen oft, wenn neue Schläge aus feindlichem Lager uns trafen und wir unsere eigenen Reihen musterten, wie rasch die Reste warmen Blutes entflohen, wie sich der uralte Geist verflüchtigte, die alte Form verunstaltete und wie Eigenschaft, die Jahrtausende leuchtendes Merkmal gewesen, sich zum Stigma unheilbaren Verderbens verbildete, lind alle weinten und trauerten und waren Feind sich selbst, sogar im grössten Leide. Wir waren einst ein G-ttesvolk! Jetzt mussten die Beherzten und Grossen mit eigenen Brüder und mit fremden Mächten kämpfen und streiten, damit wir bloss noch als ein Volk betrachtet werden. Und als es schon gelang, ein Volk genannt zu sein? Krankten wir in letzten Jahrzehnten nicht weiter? Starben nicht weiter ab vom Stamme die besten, stärksten Aeste unserer Gemeinschaft? Ein Volk — ein Volk und weiter nichts? Kann , man ein Volk nicht ausrotten, wenn solche Waffen im Kampfe gebraucht und solche Mächte in Bewegung gesetzt werden wie gegen uns? Nein, wir können nicht den anderen ,gleich nur als ein Volk durch die Zeiten wandeln. Solange wir nicht mehr sind als ein Volk, solange werden wir nicht die Gesundung erlangen. Nenne man es Schicksal, Strafe und Busse, ewige Zeichnung, oder Grösse und Mission, Gnade oder Auserwähltheit. Wir waren einst ein>. :Qv^espioUv und G-ttes Volk heisst unser einziger Name. Unser Leben und unser Tod, unsere Grösse und tiefster Niedergang, ein G־ttesvolk, ein G-ttesvolk! In den Tagen der Hoffnungslosigkeit und der Verzweiflung, was war es, dass nicht liess, dass wir ganz im Elend versinken? Welche Macht hielt uns wach und liess nicht zu, dass wir verzweifeln und tatenlos dem Verfalle uns selbst überliefern? Und wenn der Jude dieser Zeit in die Fremde ging und sich dort neue Götter fand und sie anbetete, das Volk, die Rasse, und wenn er sehr kühn gewesen, so nannte er es Glaube an das Schicksal. Es half ihm nichts, der äussere Flitter verdeckte nur inneres Geschwür. So mancher wünschte sich den Tod herbei und Fäulnis war sein trauriges Geschick. Jetzt aber kamen in eine Stadt diejenigen zusammen, die die alte Fahne der Jahrtausende hochhielten, auf der mit eigenem Blut im leuchtenden Sonnenglanze die ewige Wahrheit steht, die uns einst das Leben geschenkt hat, uns durch die blutigen Jahrtausende am Leben erhielt und unsere düstere Gegenwart zukunftsfroher macht: Wir sind wieder ein G־ttesvolk! Und wir alle, die wir zweifelten und trostlos in die dunkle Zukunft schauten, wir sahen mit eigenen Augen die Menschen und hörten mit eigenen Ohren die Worte und fühlten mit unseren Herzen und unserem Blute, dass unsere Leere ausgefüllt wird, mit alten, neuen Inhalt, dass unsere Stärke, unsere Wahrheit und unser Glaube wiederkehrt, dass wir wieder ein G־ttesvolk sind. Deshalb wollen wir nicht gierig nach Erfolgen fahnden, die auch anderen sichtbar sind und wollen nicht den Keim, der im fruchtbaren Erdboden gelegt, aller Gefahr blosslegen. Gläubig wollen wir hoffen, dass seine Saat herrlich aufspriessen und allem Volke Rettung und Heil bringen wird. Wir sind umstrahlt von den Jahrtausenden• Die Glorie der Erkenntnis erhellt die finstere Nacht der gegenwärtigen Tage. So wollen wir frohen Herzens und lauteren Gemütes dem Feinde und dem Bruder die grosse Nachricht künden: Wir sind wieder ein G-ttesvolk 1 —z. Los zu sein: Ein ewiger irrender, verlorener Die Sabbatfrage auf der Kenessio. In der grossen Fülle von Problemen, welche die Tagesordnung der ersten Kenessio der Agudas Jisroel bildeten, nahm die Sabbatfrage eine wichtige Rolle ein. Es ist jedem thoratreuen Juden selbstverständlich, dass der Sabbat den Grundstein des jüdischen Lebens bildet. Der Sabbat ist ein untrüglicher Gradmesser des jüdischen Lebens. Wo er heiliggehalten wird, dort ist das jüdische Leben gesund. Wo der Sabbat entweiht wird, dort ist der jüdische Volkskörper von schweren Krankheiten gefährdet. An der Kenessio wurde das Sabbatproblem von drei Referenten, vön drei verschiedenen Gesichtspunkten aus, behandelt. Rabbiner Doktor Jung, New-York befasste sich mit der Sabbatfrage in ihren Beziehungen zu den Staaten. Der moderne Staat führt überall die Sonntagsruhe ein. Die Sonntagsruhe legt aber den sabbathaltenden Juden schwere, fast unerträgliche Lasten auf. Der Kampf um die Existenz, zwingt einen Grossteil der jüdischen Kaufleute, Fabrikanten und Arbeiter den Sabbattag preiszugeben. Der moderne Staat zwingt mit seiner Sonntagsruhe den Juden zur^ Verleugnung seiner angestammten Religion. Dieser Zwang ist demnach ein historisches Unrecht, denen gegenüber, die den Sabbatgedanken der moderuen Menschheit gegeben haben. Dieser Zwang des modernen Staates ist aber nicht nur Unrecht, er ist auch ein Fehler sich selbst gegenüber. Der Jude, der zur Verleugnung seiner Religion gezwungen wird, wird leicht ein Spielball, erst der religiösen, dann aber auch der sozialen D estru kti ön. Der moderne Staat würde sozial gerecht und politisch klug handeln, falls er den jüdischen produktiven Kräften, die Möglichkeit geben würde den Sabbattag heilig zu halten. In diesem Sinne wurden die Resolutionen abgefasst in denen man die Aufmerksamkeit der Parlamente und Staatenlenker auf dieses brennende Problem des jüdischen Volkes aufmerksam gemacht hat. Oberrabbiner Schapira behandelte die Sabbatfrage vom Standpunkte des C h i s u k Hadass aus. Es ist unleugbar, dass eine Förderung des religiösen Lebens eine Stärkung der religiösen Gefühle ohne Hebung des Sabbattages schlechthin unmöglich ist. Mehr als bei. dem modernen Staat ist selbst bei dem modernen Juden zu erreichen durch Aufklärung und Belehrung. Es sollen populäre Schriften abgefasst werden, in denen die Bedeutung des Sabbattages für die Fortexistenz des jüdischen Volkes und die Stellung des Sabbattages im jüdischen Volke und in seiner Vergangenheit dargelegt werden sollen. Diese Propaganda und Aufklärung soll erreichen, dass die Gleichgesinnten sich zusammenschliessen und über den Rahmen einzelner Städte und Provinzen hinaus, durch Selbsthilfe, die schweren Schäden des modernen Wirtschaftslebens soweit sie den Sabbattag betreffen, wettzumachen trachten. Die Vertreter der Arbeiter und An gestellten behandelten die Sabbatfrage vom Standpunkte der Arbeitnehmer. Unter stürmischem Beifall der Kenessio lehnte der temperamentvolle Arbeiterführer Ackermann aus Lodz die Bevorzugung der orthodoxen Arbeiter vor anderen Arbeitern ab. Dies würde nur zu Unstimmigkeit und fortwährenden Reibereien unter den Arbeitern führen. Hingegen stellte er die Forderung auf, dass die jüdischen Unternehmungen und Fabrikanten ihre Betriebe am Sabbattage ruhen lassen sollen, denn wenn diese Betriebe am Sabbattage arbeiten, so ist es für den sabbathaltenden Arbeiter unmöglich, selbst bei guter Qualifikation, eine Arbeitstelle zu finden. Also nicht einen Vorzug vor den anderen Arbeitern verlangen die thoratreuen Arbeiter, sondern eine Möglichkeit, unter gleichen Bedingungen Arbeit zu finden. Wenn man Pessl Wien I. Kärntnerstrasse 28 Gegründet 1894 Erstes und grösstes Wiener Haus NNNNNNMNNNHHMHNHNHHNNNHHMNHNMNHMnNNHMHHNHHNaNNNHHNHNHNHHHNHHNHNNNHHHHHNNNNH■■ für künstlerisch ausgefUhrte Scheitel, Perücken und Transformationen aus allerbestem, dauernd gewelltem Naturhaar. Versand der reich illustrierten Frisurenmappe kostenlos.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.