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Jüdische Presse · 1923-01-26 · 4 (26.1.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
4 (26.1.1923)
Date
1923-01-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 22 JÜDISCHE PRESSE Nr. 4 Deut$cD$$ttmicD. Breitbarth für da8 Jüdische Hilfswerk. Der populäre Eisenkönig S. Breitbarth, der auch ein großer Philanthrop ist, hat sich liebenswürdiger Weise bereit erklärt, für das Jüdische Hilfswerk am 17. Februar bei Ronacher ein Matinee zu geben. Karten bei der Kasse. Generalversammlung der Talmud-Thora Volks- und Bürgerschule. Unter zahlreicher Beteiligung tand die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Talmud-Thora Volks- und Bürgerschule Wien, IL, Malzgasse 16 statt. Im Rahmen der Generalversammlung wurde eine Tratierfeier nach dem verdienstvollen Mitgliede des Vorstandes akademischer Maler Dawid Kohn s. A. abgehalten. Die Gedenkrede hielt, da Herr Rabbiner Dr. P. Kohn selbst durch einen Trauerfall verhindert war, Rabbiner Dr. Joel Pollak. Er entwarf ein Lebensbild des Verblichenen und hob besonders seine Verdienste um die Talmud-Thoraschule hervor, die er lange Jahre hindurch fast allein erhalten und geführt hat. Nach der Trauerfeier fand der geschäftliche Teil der Generalversammlung statt, worüber wir in unserer nächsten Nummer berichten. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe Brigittenau, XX., Bäuerlegasse 20, veranstaltet jeden Abend um halb 8 Uhr in ihrem geheizten Lokal eine Gemore- Schiur. Herr Hersch Preminger hat in liebenswürdiger Weise das Vorlernen bei diesen Schiur übernommen. Wir ersuchen höfl. um zahlreiches Erscheinen. Aus dem Leben der orthodoxen Bethäuser. Gedenkfeier nach David Kohn s. A. im Marpe Lanefesch. Im Bethausverein Marpe Lanefesch, II., Glockengasse 4, fand Donnerstag abends, am ersten Jahrzeitstage nach akad. Maler David Kohn s. A., eine ebenso spontane wie ergreifende Trauerkundgebung statt. Nach der Ansprache des Rabbiners N. Friedmann ergriff Herr I. 1. Tnmim, ein langjähriger guter Freund des Verblichenen, das Wort zu einer tiefempfundenen und tief in die Herzen der Zuhörer dringenden Würdigung der wunderbaren menschlichen und jüdischen Tugenden David Kohns s. A. Siumfeier im Emunas Awes. Der orthodoxe Bethausverein Emunas Awes im XIV. Bezirk, Storchengasse 21, welcher auf einen Bestand von mehr als 60 Jahren zurückblickt, wird allmählich mehr und mehr seiner Aufgabe, der Mittelpunkt für die Getreuen, die in den äußeren vier Bezirken zerstreut leben, denen das Erbe der Väter kein Jeerer Schall ist, gerecht. Nebst der Talmud Thora, um die sich Herr Jakob Omer, Obmann derselben, besonders bemüht, welche von mehr als 100 Kindern besucht wird, wird auch für die Erwachsenen Sorge getragen, für die nach nilD lechzenden Bale Batim, die nach des Tages Mühen von Nah und Fern sich einfinden, hält Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Aron Weiß verschiedene Schiurim ab, DW JOttJl nPJlPtt so daß ein jeder nach seinem Wissensgrade auf seine Rechnung kommt. Die rege Teilnahme an dieser altjüdischen Lehrweise kam besonders zur Geltung bei der Siumfeier auf rüDtt ITCTD, bei welcher Gelegenheit Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Aron Weiß schöne min v"Dh1 bei Verbindung des Endes mit dem Anfang des Traktates sprach und auf den höheren Gedanken des Ift^l hinwies, welches nur durch Einigkeit im Ziele und durch edlen Wetteifer miteinander bewerkstelligt werden kann, auch andere ITA u. a. Herr Kastner, Bahrer, Kreiuer würzten die Feier mit schönen jüdischen Worten. Die Teilnehmer giugen mit dem gehobenen Bewußtsein heim, daß die durch das PH lfi Lernen sich zusammenfindenden Jereim in diesen Bezirken hoffentlich viel zur Hebung des echt jüdischen Lebens beitragen und noch manchen Segen bringen werden. Deutschland. Breslau. Nach Redaktionsschluß kommt uns die erschütternde Nachricht zu, daß Herr Georg Löwy in Breslau einer heimtückischen Krankheit erlegen ist. Er hat noch vor 2 Monaten die Vorbereitungenzur Breslauor Tagung mit großer Begeisterung begonnen; leider war es ihm nicht mehr gegönnt der Tagung selbst beizuwohnen. Trotz der heißen Gebete der Zentralratstagungsteilnehmer hat seine Krankheit in erschreckend rascher Zeit solche Fortschritte gemacht, daß wenig Hoffnung mehr für das Gesundwerden dieses überaus frommen und den Klalinteressen des jüdischen Volkes tief ergebenen ausgezeichneten Mannes gehegt werden konnte. Die Thoratreue Judenheit in Deutschland und die Breslauer Jereim .verlieren einen ihrer wertvollsten Männer. Mit ihnen und mit der Familie trauert „Agudas Jisroel" um das Hinscheiden dieses schlichten ehrlichen pflichtbewußten aufopferungsvollen Mannes. Der Thesaurus Ben Jehudah gesichert. (.1. C. Ii.) Seitdem 'Vöde lien Johudah's wird in jüdischen, wie 'internationalen Hebraistenkreisen mit einer gewissen Besorgnis die Frage erörtert, ob durch wen da« große Lebenswerk Ben Jehudalv's, das ursprünglich auf zwölf Lexikabände angelegte wissenschaftliche hebräische Wörterbuch ..Thesaurus tetius Hebraicae". von dem bis jetzt die ersten fünf Bände in Druck erschienensind, vollendet werden wird. Wie nun dem J. V. B. seitens des Verlages des Thesaurus. Langenseheidl-Berliu, mitgeteilt wird, liegt das Geaamtwerk so gut wie vollendet vor. Das Manuskript zu den Bänden VI, VII und VIII ist bereits von Ben Jehudah selbst druckfertig hergestellt. In der nächsten Zeit wird die Witwe Ben Jehudah' aus Jerusalem in Berlin eintreffen, wo dann mit dem Satz begonnen werden wird. Von Band IX, mit dem der eigentliche Würterbuehteil abschließt, liegen zwar nur die Materialien vor, die Ben Jehudah wahrend des Krieges in Amerika vorbereitet hatte, allein diese sind so vollständig, da Li der Band unter der Edition des Sohnes Ben Jehudah's in absehbarer Zeit ebenfalls durckfertig vorliegen wird. Die Blinde X und XI werden die Einleitung und das Quellenmaterial zu den langjährigen wissenschaftlichen und sprachgeschichtlichen Forschungen des großen Ueleliilen enthalten. Auch diese Materialien liegen zum größten Teil druckfertig vor., Dio Ausgabe eines zwölften Bandes wird nicht mehr erfolgen. Somit kann das große Lebenswerk Ben Jehudah's als gesichert angesehen werden. Polen. Die Gefahr eines Sehächtverbotes in Neupolen behoben. (JPZ) In vielen Städten der früheren Provinzen Posen und Westp"reussen wurde von den polnischen Ortsbehörden versucht, auf Grund einer alten preussischen Verordnung das Schächten zu unterbinden oder einzuschränken. Auf eine Bitte der jüdischen Gemeinde Könitz unternahm der Sejm- Abgeordnete Kirschbraun sofort die nötigen Schritte beim Kultusministerium und bewirkte eine ministerielle Verordnung für Könitz, wonach dem Schächteverfahren keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen seien. In einem Rundschreiben wird zugleich erläutert, daß besagte preussische Verordnung falsch interpretiert werde, und daß sie keinerlei Handhabe -zu einem Schächtverbote biete. Religiöse Toleranz an den polnischen städtischen Schulen. (J. G. B.) Der Schulrat hat auf Ersuchen einer Reihe jüdisch-orthodoxer Eltern, deren Kinder städische Schulen besuchen, die Frage behandelt, ob man diese Kinder von dem Besuch der Schule an den Sonnabenden befreien solle. Der Schulrat beschloß, daß die Kinder prinzipiell vom Schulbesuch an den Sonnabenden nicht zu befreien sind. Nur soll man sie nicht zwingen dürfen zu schreiben oder eine Tätigkeit zu verrichten, die man nach orthodoxer Auffassung als Arbeitsleistung betrachten könne. Nur in Ausnahmefällen darf der Schulrat ein Kind von dem Schulbesuch am Sonnbbend überhaupt befreien. Amerika. Einweihung des neuen Agudaheimes in New York, Die Aguda hat in 410 Grandstreet ein neues Heim bezogen, in welchem sich nebst dem Bureau auch ein schöner, großer Versammlungssaal befindet. Am ersten Chanukaabend fand die feierliche Eröffnung statt. Das Arrangement hatte die Zeire Agudas Jisroel übernommen. Ghairman war der rührige verdienstvolle Mr. Beyman, der einen Ueberblick über die Entwicklung der Zeire Agudas Jisroel bot. „Die Aguda lebt mit dem jüdischen Volke" schloß er. Hierauf sprach Rabbi Benjamin Halberstamm (Rudniker Rebbe) über die Bedeutung des Ghanukafestes schöne Diwre'Thora. Rabbi Dr. Young sprach über das Wesen der Aguda, er bestreifet es, daß es schwer sei gläubiger Jude zu sein. Rabbi Garfinkel erläuterte hierauf das Wesen und die Bedeutung der Aguda und wies energisch alle Angriffe gegen die Aguda zurück. Rabbi Lückstein aus Bronwille sprach im Namen der dortigen Jugendgruppe, ferner der Arzt Dr. Bienenfeld. Hierauf richtete Mr. Beymann einen Appell an die Anwesenden für Kinjan Sforim. Es liefen auch zahlreiche wertvolle Spenden ein. Der große Saal war vollgefüllt von einem begeisterten Auditorium, das alle Redner stürmisch akklamierte. Es wurde eine Resolution zur Begrüßung .der Gesinnungsgenossen in Erez Israel erbracht. Eine neue Jesohiwa. Das „Beth-Hamidrasch Ansehe Polen" hat nunmehr ein eigenes Gebäude gekauft, wo die Synagoge und auch eine Jeschiwa mit dem Namen „Jeschiwas Rabbi Akiba Eger" unterbracht wurde. Samuel Bettelheim in Amerika. Am 11. Dezember 1922 traf Bettelheim in New York ein. Er wurde von einem Komitee, geführt von Mr. Engelmann, empfangen und begrüßt. Den Interviewern teilte Bettelheim mit, daß die Not in Mitteleuropa durch die Valutaschwankungen in der Tschechoslowakei und Deutschland gewachsen sei und eine Belebung der Reliefaktionen nötig sei. Am 13. Dezember sprach Bettelheini vor dem Frauenverband der Ohaw Zedek-Gemeinde für die Organisierung von ' Frauenverbänden für arme Bräute in den notleidenden Ländern von Europa. Am 20. Dezember sprach Bettelheim gelegentlich einer Festvorstellung im dichtbesetzten Second-Avenue-Theater. Dr. Büchler begrüßt in herzlichen Worten den Gast als Gründer der Federation, worauf Bettelheim vom Publikum stürmisch begrüßt, die Notlage in Mitteleuropa mit ergreifenden Worten schilderte. Am 3. Jänner fand im „Pensylvania*, dein vornehmsten Hotel New Yorks, ein feierlicher Empfangsabend zu Ehren Bettelheims statt. Die Einigungsverhandlungen der zionistischen Organisation mit der Brandeis-Gruppe ergebnislos. Am 7. Dezember 1922 fand in New York eine Konferenz zwischen den Vertretern der zionistischen Organisation und dem Vorstande der Brandeis- Gruppe statt. Auf den Einigungsvorschlag der zionistischen Organisation antwortete der Richter Mack, daß die Brandeis-Gruppe sich nur an sozialökonomischen Arbeiten und Unternehmungen in Palästina beteilige. Aus diesem Grunde sei es der Leitung unmöglich, den Vorschlag der zionistischen Organisation anzunehmen. Hingegen hindere sie nichts, in wirtschaftlichen Unternehmungen für Palästina mit der zionistischen Organisation gemeinsam zu arbeiten. Jedoch darf durch diese gemeinsame Arbeit weder die Aktion für Keren- Hajesod noch die Sammeltätigkeit des Joint Distribution-Gomitee oder anderer größerer jüdischer Organisationen gestört oder behindert werden. England. London. Nach kurzer Krankheit verschied hier Frau Ch. L a n d a u im 69 jährigen Alter. Sie war die Mutter von Solizitor Landau, der in den Londoner Agudnkreisen eine führende Stellung hat und die Schwester von Rabbiner Dr. P. Kohn, Leiter des Zentralbüros der Agudas Jisroel in Wien. Weizmann für eine Föderation arabischer Staaten0 (JPZ) Die Londoner „Jewish Times" meldet aus Jerusalem, daß Dr. Weizmann und Golonel Kish sich für eine Föderation der arabischen Staaten erklärt haben. Dies habe bei der jüdischen Bevölkerung Palestinas eine große Aufregung hervorgerufen. Die hebräische Presse und der Waad Leumi kritisieren scharf diese Politik des Präsidenten der Zion. Org. nud des politischen Leiters, die sie als ein politisches Abenteuer bezeichnen, obwohl Dr. Weizmann klar gemacht hat, daß er zur Bedingung gestellt habe, daß England weiter als Mandatsmacht in Palestina bleiben und die Araber Garantien für ein jüdisches Palestina geben müssen. Die Frage der Bodenverteilung an die ehemaligen jüdischen Legionäre. (J. G. B.) Eine Delegation ehemaliger jüdischer Legionäre erschien bei dem Zivilsekretär der Palästina-Regierung Sir Wyndham Deeds und besprach mit ihm die Frage der Uebergabe von Bodenflächen in Palästina an Angehörige der ehemaligen jüdischen Legionen. Die Abordnung wies darauf hin, daß diese Frage noch vor drei Jahren aufgeworfen wurde, ohne daß es bis heute zu irgend einem Resultat gekommen sei. Sir Deeds versprach der Abordnung, daß er sich,, nunmehr mit dem Material vertraut machen und für eine beschleunigte Erledigung der Angelegenheit wirken werde. Die Wahlen in den palästinensischen gesetzgebenden Rat. (J. G. B.) Der Oberkommissär Sir Herbert Samuel äußerte sich dieser Tage in einem Gespräch dahin, daß die Vorbereitungen zu den Wahlen in den gesetzgebenden Rat Palästinas beendigt sind und die Wahlen am 1. Februar kommenden Jahres beginnen werden. Die Wasserversorgung Jerusalems. (J. G. B.) Der Generalsekretär der Palästina-Regierung veröffentlicht die Bekanntmachung, daß die Wiedereröffnung der aus dem Altertum herrührenden Wasserversorgungsanlage Jerusalems „Bircath Schlomoh" (Segen Salomo's) geplant sei. In dem Aufruf heißt es unter anderem: „Das Geschehnis hat eine große historische Bedeutung. Nach einer Pause von vielen Jahrhunderten, versorgt die ,Bircath Schlomoh' die Heilige Stadt wieder mit Wasser." Es wird erzählt, daß das Departement für öffentliche Arbeiten vor einiger Zeit damit beauftragt wurde, die alte historische Anlage zu restaurieren und die 1918 durch die Okkupationstruppen hergestellten Röhren zu benützen. Die Arbeit erwies sich als viel schwerer, als man anfangs dachte. Da die Löcher des untersten Basins nicht rechtzeitig festgemacht werden konnten, konnte sich dieses Bassin zur Zeit des ersten Frühlingsregens nicht anfüllen, seither fiel aber kein Regen mehr. Dennoch enthalten die Bassins genug Wasser, um Jerusalem auf drei Monate zu versorgen. Es ist •zu hoffen, daß bis zur kommenden Winterregenperiode neben dem mittleren auch das untere und das obere Bassin normal funktionieren werden. Im oberen Bassin werden die Arbeiten erst begonnen.

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