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Jüdische Presse · 1922-08-18 · 30 (18.8.1922) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
30 (18.8.1922)
Date
1922-08-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 186 JUDISCHE PRESSE Nr, 30 Braun, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Baden, die ehrwürdigen Herren Rabbiner Abraham Heschel, Kapocynsky, Leiser Hager, VVysnitze Fleischmann und Horowitz. Ferner Frau Präsidentin Braun, Frau Glück, Frl. Dr. Glück, Frau Lilly Fischer, Frau E. Fischer, Frau E. Freund, Frau Herz, Fr.Kohn, Frl. Koppel, Wr.-Neustadt, Frau Hofrat Goldfaden. Weiters die Herren S. Adler, B. Affenkraut, D. Daniel, Josef Brody, Brüder Fischer, Brüder Felsenburg, Direktor Grünstein, I. Hofbauer, David Lemberger, R. Leitner, Moosbacher, Frankfurt a. M., S. Nüssenbaum, Perlstein, Komet jr., E. Kohn, I. Kessler, Smetana, Spitzer, A. Stroh, Serabransky, Dr. Trieber, S., L. und F. Türkl, Präsident I. I. Thumim, Weber u. v. a. Nach den Ansprachen begann es im Hause und Garten mit der eigentlichen festlichen Lebhaftigkeit. Hier hörte man die Kinder jüdische Lieder singen, dort den Ausrufer einer Wohltätigkeitsaktion seine Waren anpreisen und da kredenzten Mitglieder des Badner Frauenvereins, mit Frau Präsidentin Braun an der Spitze, allerhand Leckerbissen, gegen hohe, aber freiwillig geleistete Bezahlung. An anderer Stelle verkauften Damen Lose zum Glücksrade und beim Ausgange war das „Goldene Buch" aufgelegt, in das die Gäste hohe Spendensummen einzeichneten. Besonderer Dank gebührt allen genannten und nichtgenannten Damen und Herren, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben. Insbesondere Frau Lilly Fischer, Herrn B. Affenkraut, Smetana, J. Spitzer etc. Erwähnenswert erscheint noch die erfreuliche Tatsache, daß sowohl in Mödling, wie am Semmering, ja sogar in Wiener-Neustadt, bedeutende Beträge gesammelt wurden. In Sauerbrunn rief der dort zu Kur weilende Rabbiner Baumgarten aus Wien die Gäste in einer besonderen Ansprache zu werktätiger Hilfe auf, die ihre Wirkung nicht verfehlte. In Mattersdorf hat der Gemeindevorstand sich bereit erklärt, die Sammlung für das Aguda-Waisenhaus in einer Woche später durchzuführen. Für Vöslau selbst mußte der Hilfstag für Dienstag, den 15. August, aus technischen Gründen verschoben werden und werden wir hierüber noch ergänzende Berichte bringen. Gedenkfeier nach Rabbiner Krämer s. A. Sonntag, den 19. Ab (13. August) vormittags versammelte sich eine ansehnliche Zahl von Freunden und Verwandten am Zentralfriedhofe beim Grabe von Rabbiner Kram er, um sein Andenken bei der Grabsteinstellung zu ehren. Im Namen des Gemeinderabbinates sprach Rabb. Dr. Funk, im Namen des Bethausvereines „Achdus Jisroel" Herr Freuder, dann nojch Herr Perlberg, Getlis und Rabb. Grünwald (Meran). Abends wurde in der Rembrandtsynagoge eine Keren-Kajemett-Tafel enthüllt, wobei Rabbiner Dr. Pollak die Gedenkrede hielt. Zur Beachtung1! Die Redaktion und Administration der „Jüdischen Presse" befindet sich seit dem 15. August IL, Malzgasse 12 a. Aguda im XX. Bezirk. Der XX. Bezirk besitzt seit längerer Zeit bereits seine Aguda-Jugendgruppe, die in den Kreisen der dort wohnhaften Gesinnungsgenossen den Agudagedanken pflegt und die Verbindung mit der allgemeinen Wiener Jugendgruppe aufrechterhält. Seit einigen Wochen besitzt sie auch ein eigenes Lokal in der Bäuerlegasse 20, wo sie ihre Zusammenkünfte abhält. Nun schreitet sie zur Ausdehnung ihrer Tätigkeit auf alle anderen Gebiete, mit denen sich die „Agudas Jisroel" beschäftigt. Zunächst soll eine rege Propaganda und Organisationstätigkeit entfaltet werden, um die religiösen Juden des XX. Bezirkes zu einem wertvollen zusammenhängenden Teil der Wiener Aguda zu gestalten. In der am 23. Juli unter Vorsitz des Herrn S. Aschkenazy stattgefundenen Sitzung wurde zunächst der Vorstand erweitert. Es gehören ihm nun die Herren: L. J. Kahane, M. L. Biegeleisen, Schabbatei Schönfeld, Joel Aschkenazy, Nuchim Biegeleisen, Jacob Barbasch, David Ochs und Berisch Kornblum an. Demnächst findet eine größere Versammlung unter Mitwirkung hervorragender Aguda-Führer statt. Auch wird die Herausgabe einer Lokalzeitung in jüdischer Sprache vorbereitet. Näheres wird bekanntgegeben werden. Geregelte wirtschaftliche Verhältnisse müssen eintreten, wenn Staat und Volk in einigem Zusammenwirken den Wiederaufbau stützen. Die Geldentwertung anfzuhalten ist unser nächstes Ziel. Schon arbeiten berufene Stellen an der Stabilisierung der Währung, die nicht ohne Einfuhrung von Sparmaßnahmen durchzuführen ist. Sparen ist die geraeinsame Losung aller Oesterreicher. Und wer hier dem Staate in seiner Bedrängnis die Treue halten will, muß neue S«hatzscheine der Emmission 19 2 2 erwerben, die bei ungekündigtem Jahresbesitz 7-4 Prozent an Zinsen tragen. Alles Nähere über Rentabilität und Sicherheit geben das Postsparkassenamt, die Banken und Sparkassen bereitwilligst bekannt. Ungarn. Die Kunszentmikloser ortk. isr. Kultusgemeinde wählte Jakob Fischer, den Sohn des Oberrabbiners Fischer in Gyönk, einstimmig zu ihren Rabbiner. Herr Rabb. Jakob Fischer ist ein Zögling der Preßburger Jeschiba. (Wir gratulieren.) Abraham Peldmann, der seit Begründung der Budapester aut. orth. isr. Kultusgemeinde, also seit 50 Jahren Schächter der Kultusgemeinde war, ist in seinem 76 Lebensjahr gestorben. Herr Isaak Feldmann, Vizepräsident der Schas' Chewra betrauert in dem Verschiedenen seinen Vater. Die jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen in Budapest. Mr. Dr. Leo Frankel und Mr. David Brow, die Delegierten des American Jew. Relief Gomite, die zum Studium der Lage der durch den Krieg ins Elend geratenen Judenschaft Europas, Polen, Litauens, die Ukraine und Rumänien bereisten, sind Sonntag in Budapest eingetroffen und besichtigten sämtliche Institute und Wohlfahrtseinrichtungen der Pester Israelitischen Kultusgemeinde, wie Spitäler, Greisenasyle, Blindeninstitute, Waisenhäuser, Schulen und sonstige Wohlfahrtseinrichtungen. Montag vormittag hatten sie eine Besprechung mit den leitenden Persönlichkeiten der ungarischen Judenschaft, wobei sie ihre Bewunderung über die werktätigen Institutionen der Pester Israelitischen Kultusgemeinde aussprachen und feststellten, daß diese Institutionen von dem Zusammenbruch bedroht seien, falls keine Hilfe von außen komme. Sie versprachen deshalb bei der amerikanischen Zentrale in dem Sinne zu wirken und erklärten, die Hilfe erstrecke sich in vier Richtungen: Kriegswitwen und -waisen, Sanitäts- und Flüchtlingswesen und Rekonstruktionsarbeiten. Die Delegierten setzten gestern ihre Reise nach Wien fort. (J. G. B.) Deutschland. Herr Dr. Moses Auerbach, früher Pessach-Tikwa und Warschau, hat die Berufung zum Dozent im Rabbiner-Seminar in Berlin angenommen und wird seine Lehrtätigkeit mit Beginn des Winters aufnehmen. Man knüpft daran die Hoffnung, daß der universelle Blick des Dozenten bestimmend für die künftige Rabbiner-Generation sein wird. Polen. Mahnung. Die p. t. Abonnenten im Auslande, besonders in Polen, werden dringend ersucht, sich der ihnen zugestellten Posterlagscheine zu bedienen und ihre rückständigen Abonnements zu bezahlen. Die Administration. Erfolgreiche Intervention der Aguda. Warschau, 14, August. (J. C. B.) Auf Grund des seinerzeitigen telegraphischen Protestes der Aguda an die Genua- Konferenz betreffend die Verfolgungen der jüdischen Religion in Rußland erhielt die Leitung der Aguda seitens des Völkerbundes die Aufforderung, das betreffende Material dem Völkerbund zur Verfügung zu stellen. Orthodoxische Blättlach. Am 1. Ab ist die dritte Nummer dieses gediegenen Jugendblattes in Lodz erschienen. Uebertragung des Baron Hirsch-Fonds nach Warschau. Delegierte der Ica sind in Warschau eingetroffen und haben mit dem Premierminister Novak eine Konferenz abgehalten, deren Inhalt die Frage der Uebertragung des Domizils des Baron Hirsch-Fonds von Wien nach Warschau bildete. Der Fond ist als eine legale jüdische Institution in Galizien bereits bestätigt. Wie es heißt ist die Frage in der Besprechung mit dem Premierminister positiv entschieden worden. (J. G..B.) Rumänien. Oberrabbiner David Sperber aus Havasmezö wurde von der orth. isr. Kultusgemeinde in Kronstadt an die vakante Oberrabbinerstelle berufen. Ein Opfer der Pflichterfüllung. Unter tragischen Umständen ist Rabbi Jisroel Chajim Friedmann, Oberrabbiner von Roho, das Opfer seiner Pflichterfüllung geworden. Der greise Oberrabiner machte sich in Begleitung von zwei Herren auf den Weg, um die Milchprodukte der in der nahen Gebirgsgegend zerstreut wohnenden jüdischen Milchproduzenten auf ihre Qualität zu prüfen. Unterwegs brach ein furchtbares Gewitter aus. Ein rasch angeschwollener Gebirgsbach rieß den greisen Gelehrten mit sich und schleuderte ihn in einen Abgrund. Er wurde nach wenigen Tagen tot aufgefunden. Die Aguda Jisroel in Beßarabien ist im Begriff in Palästina eine Kolonie auf dem Namen ihres bedeutenden Führers, des hochwürdigen Herrn Oberrabbiners Jirelson aus Kisheneff, zu errichten, die zunächst für 200 jüdische Bauern bestimmt ist. Sie will die Auswahl so treffen, daß das bewußte Beispiel einer religionstreuen Siedelung in Palästina neue Bahnen weist. England. Der kostspielige Dr. Weizmann. In einem Artikel mit der Ueberschrift »Ein Mann, der Millionen verschwendet", wendet sich die seriöse Londoner Zeitschrift „Daily Expreß" sehr scharf gegen die auch von uns bereits oft gerügte Verschwendungssucht des Dr. Weizmann auf Kosten der Allgemeinheit. „Dr. Weizmann — schreibt das Blatt — ist der größte Geldverschwender aller Bewohner der britischen Imperie. Er kostet den englischen Steuerzahlern jährlich 2—3 Millionen Pfund Sterling (!?). Auch die russischen Generale Wrangel und Kornilaw haben sehr viel gekostet, doch mit ihnen hat man bereits abgerechnet, Dr. Weizmann ist aber eine ständige Last." Bede des Chiefrabbi von Großbritannien am XXII. internationalen Friedenskongreß. (JPZ) Anläßlich des XXII. internationalen Friedenskongresses, der am 25. Juli in Mansion House abgehalten wurde, ergriff unter den prominenten Rednern auch der Ghiefrabbi Dr. Hertz das Wort. Er erklärte, er betrachte es als Privilegium, den Kongreß im Namen des Judentums, der Mutter der Religionen, zu begrüßen und als Vertreter eines Glaubens zu sprechen, der bereits vor 3000 Jahren der Welt das erstemal das Ideal einer vereinigten Menschheit gegeben hat und die Vision einer Friedenswelt aufzeigte, in der die Schwerter zu Rebenmessern verwandelt würden. Er erinnerte an die Leiden der Armenier während des Krieges und wies auf die andauernden Leiden der Juden in der Ukraine und auf das Hungerelend in Rußland hin. Würde man die Ausgaben für die Kriegführung eines Tages den Hungerleidenden geben, könnten Millionen Menschen von den Martern eines schrecklichen Todes verschont bleiben. Italien. Rabbinerwahl in Florenz. Als Nachfolger des verstorbenen Oberrabbiners Margulies ist Professor G a s s u t o zum Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde in Florenz gewählt worden. Gassuto ist als Schüler und vertrauter Mitarbeiter des verstorbenen Oberrabbiners in weiten Kreisen sehr beliebt. « Litauen. Kowno. Im Litauischen Parlament hielt ein Mitglied der Achdus-Partei Rabb. Popel eine jiddische Rede, die in Sejm großes Aufsehen machte. Es geschah nämlich zum ersten Male, daß ein Abgeordneter sich der jiddischen Sprache bediente. Rabb. Popel ergriff zum Gesetzentwurf über Abschaffung der Todesstrafe das Wort und hielt eine großangelegte Rede für die Abschaffung. Die Rede wurde nachher ins Litauische übersetzt und machte einen sehr guten Eindruck. Lettland. Ein neues Aguda-Organ. Seit 1. d. erscheint in Riga ein trefflich redigiertes Wochenblatt mit einer „Gut-Sehabbos" -Beilage. 4 Entlassung jüdischer Beamten in Palästina. Eine Abordnung des vad Leumi führte beim Oberkommissär Sir Herbert Samuel Beschwerde gegen die in jüngster Zeit erfolgten Entlassungen jüdischer Beamten insbesonders aus dem Eisenbahn- und Telegraphendienst. Unter den Entlassenen befindet sich auch der Vizegouverneur von Tiberias Doktor Mibaschan. Sir Samuel versicherte dem aad Leumi, daß bei den Entlassungen die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nationalität keine Bedeutung haben konnte. Er versprach die Angelegenheit persönlich zu untersuchen, da keinem Beamten aus dem Grunde, daß er Jude sei, ein Unrecht zugefügt werden dürfe. (J. C. B.) Fortdauernde Drosselung der jüdischen Einwanderung. Aus den hier veröffentlichten offiziellen Einwanderungsziffern gehtliervor, daß die Immigrationsvorschriften noch immer mit äußerster Schärfe gehandhabt werden. Es scheint vorläufig noch keinerlei Aussicht auf die Wiederherstellung der freien Einwanderung in irgend einem Ausmaße vorhanden zu sein. In der letzten Zeit wurden 125 jüdische Einwanderer die im Besitze von Visen waren aber einigen Bedingungen nicht entsprechen konnten an der Landung verhindert und zur Rückreise gezwungen. (J. G. B.) Waffenfunde in Palästina. Die Polizeibehörden haben in der Nähe von Hebron und von Nablus (Sieben) eine Anzahl von Waffen darunter 450 Revolver gefunden. — Ein im Besitze einer Waffe befindlicher Ghaluz in der Arbeitersiedlung Nahlal wurde wegen unbefugten Waffentragens zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. (J. G. B.) Palästina nach der Mandatsratifizierung. Der Oberkommissär Sir Herbert Samuel und der Zivilsekretär Sir Windham Deeds besuchten den Emir Abdullah, um die erregte Stimmung in Transjordanien zu beruhigen. (J. G. B.) Abwehr eines Angriffes auf eine jüdisohe Kolonie. Bei einem Beduinenüberfall auf die Kolonie Jessod- Hamalah wurde der jüdische Kolonist Freidman getötet. Der Angriff wurde abgewehrt. Die geraubten Maulesel wurden den Räubern abgejagt. (J. C. B.) Die Krise in der kleinen Industrie. Das Handelsdepartement der zionistischen Exekutive beharrt in seinem Bericht an die Jahreskonferenz auf die Assignierung eines jährlichen Kredites bis 2000 Pfund seitens der zionistischen Organisation, damit den kleinen Industrien in Palästina Hilfsdarlehen gewährt

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