Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 30 (18.8.1922)
- Date
- 1922-08-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30 JÜDISCHE PRESSE Seite 185 gemacht worden. Die Engländer rühmen sich, die Befreiung' der Araber von dem türkischen Joch herbeigeführt zu haben. An Stelle der versprochenen Freiheit sehen die Araber in Palästina nun. «iaß sie lediglich den Herrn gewechselt haben. Es häufen sich von arabischer Seite die Proteste gegen das Palästinamandat und insbesondere der Ivongieß der in Palästina lebenden Araber wie die arabische Delegation aus Palästina haben mit Entschiedenheit dagegen Stellung genommen. Interessant ist die Nachricht, daß eine muselmanische Abordnung nach Mekka abgereist ist. um den König von Hedjas von dem Protest der Araber in Kenntnis zu setzen. Damit wird eine bisher noch nicht berührte Seite der Angelegenheit berührt: Die Rückwirkung der Palästinaangelegenheit auf die arabische Politik der Engländer in Vorderasien. Im Weltkrieg halte England die sämtlichen unter türkischer Oberhoheit stehenden Araber zum Kampfe gegen die Türken aufgerufen und sich dabei besonders auf den König von Hedjas in Arabien gestützt. Auch nach dem Kriege hat es seine arabische Politik fortgesetzt und in Mesopotamien einen Sohn jenes Königs, den Emir Feisal, im August 1921 zum König krönen lassen. Im diametralen Gegensatz zu dieser arabischen Politik Englands steht nun die von ihm in Palästina betriebene Politik der Förderung des Zionismus, die ihm mit Notwendigkeit die dortigen Araber entfremden muß. Im Weltkrieg hat die eine wie die andere Politik für England sehr nützlich gewirkt. Die den Arabern gemachten Versprechungen haben den Engländern die Hilfe der Araber gesichert. Die Erklärung Balfours über die Oeffnung Palästinas als Nationalheim für das jüdische Volk im Jahre 1917 anderseits hat ihnen die Sympathie der Juden in der ganzen Welt verschafft, ohne daß damals, solange die Ausführung noch nicht in Frage stand, eine ungünstige Rückwirkung auf die Araber zu besorgen war. Ersl nach dem Kriege, da nunmehr die Regelung der Verhältnisse in den der Türkei abgenommenen Gebieten erfolgen muß, tritt klar zutage, daß die arabische Politik Englands mit der Zionistenpolitik Englands unvereinbar ist und daß entweder die den Arabern oder die den Juden gemachten Versprechungen nicht gehalten werden können. Aehnliche Lagen sind ja bei den widerstreitenden Interessen der im britischen Weltreich vereinigten Länder und Völker an sich nichts Seltenes, doch handelt es sich sonst meist um örtlich voneinander entfernte Gebiete. Das Einzigartige an der jetzigen Situation ist, daß t England inmitten der von Arabern bewohnten Länder für ein Teilgebiet davon der von ihm selbst sonst für diese Länder inaugurierten Politik entgegenhandeln muß. Es muß insoweit die Araber fallen lassen und seine diesen gemachten Versprechungen brechen, denn, nachdem es in der Palästinafrage die öffentliche Meinung der ganzen Welt aufgerufen und seinen Idealismus hat feiern lassen, kann es ohne unheilbaren Schaden für sein Anseilen nicht wohl zurück. Daß die Rückwirkung auf die englische Stellung den Arabern gegenüber keine günstige sein wird, liegt auf der Hand, doch erschien dies der englischen Politik in der gegenwärtigen Lage offenbar als das geringere Uebel. Fils bleibt abzuwarten, ob die Araber ihren Protesten in Worten irgendwelche Taten folgen lassen werden. Vielleicht haben die Stimmen recht, welche meinen, daß die arabische Bewegung in ihrer aktuellen Bedeutung in Europa leicht überschätz! werde. Ein Frontwechsel. Zionistische Blätter berichten, daß ein Rabbiner des Ostens die Aguda mit einem fsur belegt habe. Soweit unsere Informationen reichen, entspricht dies nicbt den Tatsachen. Wir erklären jedoch schon beute: wenn es eine solche rabbinische Größe des Ostens gibt, die da glaubt, daß man den religionszerstörenden Einfluß des Zionismus anders bekämpfen kann als in der organisatorischen Zusammenfassung aller Kräfte, die in der Orthodoxie vorhanden sind, so werden wir in aller Demut bitten, uns diesen Weg zu zeigen. Wenn diese rabbinische Größe darauf verzichtet, innerhalb des Judentums der Thoratreue die Führung zu erkämpfen und glaubt im eigenen bescheidenen Kreise sich und der Welt ein Genüge zu tun, so wird uns dies in unserer Tätigkeit nicht beirren und wir werden uns freuen, wenn zur Ehre des Judentums ein solcher in sich geschlossener und in sich starker Kreis vorhanden ist, der die Verantwortung auf sich nimmt, Träger des ewigen jüdischen Gedankens sein zu wollen, ohne Rücksicht auf lebendigen weltbezwingenden Ausdruck. Wenn dieser Kreis die echt jüdische Mizwah der Zurechtweisung und der Zensur über den ganzen Erdball ausdehnt, so möge er sicher sein, daß überall, wo man glauben wird, daß diese Zurechtweisung rein und unverfälscht im Interesse der Sache geschieht, dieselbe auf fruchtbaren Boden fallen wird. Wenn dieser Kreis glaubt, zur Freude aller Gegner der Thora und aller Gegner des Allmächtigen, zur Freude aller Freunde der Lüge und des Tinges, selbst die ehrlichst Strebenden zurückweisen zu dürfen, so überlassen wir diesem Kreis, und denen die sich in seinen Bann gegeben haben, die Verantwortung vor Israel und dem Allmächtigen. Sabbat Chasan bei den Zionisten. In der zionistischen Wiener „M.-Z." lesen wir von der Sommerreise der Wiener Hakoah, die überall als Pionier jüdisch-nationaler Gesinnung und Körperkultur gefeiert wird, ausführliche Berichte, denen wir folgendes entnehmen: Hakoah (Wien—Makkabi (Czernowitz) 6:2 (5:0). Samstag, den 29. Juli, absolvierte die Wiener Hakoah am Makkabi-Platz vor etwa 6000 Zuschauern ihr erstes Gastspiel gegen den hierortigen Sportklub Makkabi. Schon gegen 3 Uhr nachmittags begann eine große Völkerwanderung die Siebenbflrgerstraße hinauf. Hunderte von dichtbesetzten Fiakern und Autos in buntem Durcheinander sowie übervolle Straßenbahnwagen brachten die schaulustigen Fußballfreunde nach dem Platze des großen Sportereignissea. Also geschah es am Sabbat Chasan — im 1852. Jahre des Galut in Gzernowitz. Eine kleine Kostprobe von dem Wiederaufbaugeiste, der unsere jungen Zionisten erfüllt. Tischa-B'Ab und die „Antisemiten". Wie das J. C. B. meldet, haben die jüdischen Soldaten der Wilnaer Garnison aus Anlaß des Tischa-b'ab einen 24 stündigen Urlaub erhalten. Diejenigen die fasteten, erhielten als Kostenersatz Mk. 500. In wohltuendem Gegensatz zu manch jüdisch-nationalen Kreisen respektiert der Wilnaer Garnisonskommandant die religiösen Gefühle und nationalen Bräuche der Juden. Und wie es scheint, wurde dieser Tischa-b'ab Urlaub nicht zu Unterhaltungen und freudigen Kundgebungen anläßlich der Mandatsbestätigung mißbraucht, wie dies unsere Jung- Zionisten taten. Denn die Wilnaer jüdischen Soldaten scheinen an diesem nationalen Trauertage nach religiöser Vorschrift die Menage verschmäht zu haben. Die Wahrheit läßt sich eben mit Schlagworten nicht totmachen. Die „konfessionellen" Juden bewahren treu die unverfälschten jüdischen nationalen Merkmale, die „nationalen" zertrümmern selbst die nationalen Denkmäler, falls sie mit der jüdischen Religion verknüpft sind. In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse" Jüdische Gedanken. VII. In den Irrenhäusern trifft man oft Kranke, die sich für gesund und dafür ihre Aerzte für wahnsinnig halten. So schreien auch die Antisemiten immer: die Juden müssen sich bessern! So lange hat man den Juden — unverdient — den Vorwurf der Vaterlandslosigkeit gemacht, bis sie sich auch ihres ersten Vaterlandes erinnerten, das sie beinahe vergessen hatten. * Wenn es wahr ist, daß man das Unrecht, das man begeht, noch schwerer verzeiht als jenes, das man erleidet, dann ist der Antisemitismus nur zu begreiflich. Und auch die Nachsicht, die er noch immer von Staats wegen findet. * Man hört oft den Fleiß, die Mäßigkeit, den Familiensinn, den Bildungsdrang usw. der Juden in einer Weise loben, die fast wie ein Tadel klingt. Aber man kann auch lesen: die Tatsache, daß es unter den Juden fast gar keine Mörder und Einbrecher gibt, ist mit ihrer Feigheit zu erklären. * Wer erst durch Leiden gut wird, für den ist gut zu — leiden. „ Das Judentum kennt weder den Adel der Geburt, noch den, der verliehen werden kann. Es kennt nur den Adel, den man sich selbst durch Wissen und edle Tugenden sichern kann. „ Der Talmud lehrt: G-tt hat alle Menschen von einem Menschenpaar abstammen lassen, damit in den spätesten Zeiten keiner sich rühmen könne von edlerer Abstammung zu sein als ein anderer. Erhabener ist noch niemals die wahre demokratische Idee begründet worden! * Worüber soll man mehr staunen: darüber, daß die Juden von Völkern, die sich für gesittet hielten, so lange in barbarischer Knechtschaft gehalten wurden? oder darüber, daß die Juden sich trotzdem, die Elastizität des Geistes und dag hohe Bewustsein ihrer menschlichen Würde bewahren konnten? * Es gibt Prediger, die selbst in einer Rede über die Eitelkeit nicht die eigene Eitelkeit verbergen können. Maleachi. Grand Sanatorium ma$$ert)cilat$talt Bratislava (PrcPurg), tiefer lUeg Erstklassig Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie, Geburtshilfe, Orthopädie, Urologie, Augen-, Ohren-, Kehlkopf- und Nasenkrankheiten. Täglicher Pauschalpreis von ÖK 83 aufwärts Röntgen-Durchleuchtungen, -Photographie, -Bestrahlungen. Moderne Untersuchungs-Laboratorien, Laboratorium Dr. Sägi. Chemische, bakteriologische und serologische Untersuchungen der normalen und pathologischen Sekrete (Harn, Blut usw.). Blutu, Milchprüfung von Ammen, Empfangstunden 8-12,2-6. Wasserkuren, Luft- und Sonnenbäder auch für Auswärtige Freie Ärztewahl Streng rituelle ""ftJO Küche unter Aufsicht des Preßburger orth. Oberrabbinates üeut$cr)ö$terreich. Glänzender Erfolg des Kinderhilfstages Baden-Vöslau. Wie im Vorjahre so fand auch diesmal am 13. August zugunsten des Badner Waisenhauses der Agudas Jisroel unter der bewährten administrativen Leitung des Herrn M. Porges ein Sammeltag statt. Mit Hilfe eines erlesenen Stabes von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wurden die Vorarbeiten innerhalb zwei Wochen erledigt und noch ehe der eigentliche Tag des großen Erfolges herangebrochen war, wies die Zeichnungsliste bereits stattliche Spendensummen auf. Hiezu hatten sich insbesondere unsere Gesinnungsfreunde aus dem Burgenland eingefunden, die die erste Gelegenheit einer gemeinsamen Arbeit mit der österreichischen Judenschaft sofort voll und ganz ausnützten. Am frühen Morgen schon begannen Damen und Herren aus der Badner Gesellschaft, verstärkt durch die Kurgäste und eine stattliche Anzahl von direkt aus Wien, Wiener-Neustadt und anderen Städten zur Mitarbeit erschienenen Persönlichkeiten, Zelte aufzustellen, um in der ganzen Stadt Baden Blumen zu verkaufen und einzelne bekannte Wohltäter in deren Wohnungen aufzusuchen und diese zur Förderung der Sammlung zu animieren. Der Eifer in der Sammeltätigkeit nahm von Stunde zu Stunde zu und erreichte seinen Höhepunkt bei der offiziellen Besichtigung des Waisenhauses in der Germergasse 48. Wie gewöhnlich war die allgemeine Anerkennung für die penible Reinlichkeit in Haus und Hof, Küche und Garten, das blühende und nette Aussehen* der Kinder sehr groß und hiedurch die Stimmung der Gäste besonders gehoben und auf die notwendige Geberlaune eingestellt. Man hatte Gelegenheit durch Einsichtnahme in die Schulzeunnisse der Knaben die glänzenden Resultate festzustellen, welche die Jungen, die vor einem Jahre noch kaum das Alphabet innehatten, dank der Meisterleitung des Herrn Lehrer Axmann binnen Jahresfrist und in zwölfstündigem Wochen Unterricht zeitigten. Ueber die Erfolge, welche die Kinder durch das viel mehr Wochenstunden in Anspruch nehmende Talmudstudium in der letzten öffentlichen Prüfung aufzuweisen hatten, wurde erst kürzlich im Zusammenhang mit dieser eingehend berichtet. Die Feier begann mit einer meisterhaften Rede Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiner Reich, Baden, in der er das Unglück des Weltkrieges im allgemeinen und der Waisenhausschülzlinge im besonderen, und im Gegensatze hiezu das Glück der 43 Zöglinge, die im Hause Aufnahme finden konnten, schilderte und die Dank der unermüdlichen Opferfreudigkeit der weitesten Kreise wenigstens teilweise ihr Elend vergessen können. Er erwähnte auch, daß bereits ebenfalls in Baden ein prachtvolles Gebäude für weitere 120 Waisenkinder angekauft wurde. Nach kurzen Dankesworten des Anstaltsdirektors Freidmann ergriff Landesgerichtsrat Dr. Bruno Lamel das Wort und betonte die Wichtigkeit solcher Institutionen und die Notwendigkeit, daß die Regierungsstellen ein solch herrlich charatatives Weik durch steten Kontakt mit diesem fördern. Unter lebhaftem Beifall versicherte er auch die Waisenhausleitung der größtmöglichen Förderung seitens der in Betracht kommenden Regierungsstellen. Vizepräsident Wolf Pappenheim dankte in kurzen Worten sowohl der Regierung als auch dem Badener Bürgermeister und der gesamten Gesellschaft, die sich die Förderung des Waisenhauses zur Pflicht gemacht haben. Unter den Anwesenden waren zu bemerken: Die Vertreter der Behörden, Herr Vizebürgermeister Brusati, Herr Landesgerichtsrat Lamel, Hofrat Licht vom Ministerium für Soziale Verwaltung, Herr Generaleberstabsarzt Prof. Dr. Pick, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Herr Alexander TELEPHON 40.324 EN GROS ss EN DETAIL ÜB©** «X*OSS15 AUSWAHL I1V HERHEJVKTvEIDl^RN PBRTIG UND NACH MASS KLEIDER- WIEM, IL, TflBGHSTHflSSE 39 (HOTEL BAYRISCHER HOF)