Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 11 (17.3.1922)
- Date
- 1922-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2629891-2629953-2629964--0550-2632194- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 11 JÜDISCHE PRESSE Seite 65 Geschmack, Zeit, (!eld und Mühe für eine gute Snclic zu oiiftu'ii und dabei Woche für Woche in der ])(")be]hal'1esicii Weise beleidigt zu werden, wenn seine bestgemeinte und wohl durehgeführte Sa «du1 die Mandalsinteressen der ..Morgen- Zeilung'"-Maffia t Mitigiert. So wird seil Jahren die ganze jiolii\<vhv und j)hilanthro|)iselie Aktions- Hihigkeit des Wiener Judentums gelähmt. Aehnliehes ist ja auch in der Tschechoslowakei und in Polen der Fall. Unser Vorschlag, dal.) das Joint in diesen Ländern auch selbst eine Joint- Sammelläligkei! organisieren soll, sieht vielleieht auf den ersten Blick sonderbar aus. diese (»rganis-ilion würde aber ganz überraschende Erfolge erzielen können. Zur Organisierung der amerika» niscbcn Orthodoxie. Die Tätigkeit der Aguda in Amerika beginnt segensreiche Erfolge zu zeitigen. Dank der aufklärenden Arbeit der jüngsten Aguda-Delegation unter Leitung Kabbi Meir l'oltzky, herrscht in der amerikanischen Orthodoxie eine starke Strömung, sich zu organisieren. Den Anfang machten nun die orthodoxen Lethäuser und l)Ote-i\Iidraschim, die sich dieser Tage in einen Verband zusammenschlössen. Dieser Verband soll nun der Grundstein der Organisation der orthodoxen Judenheit in Amerika werden. Zur Organisierung dieses Verbandes — der in der amerikanischen Dresse eine sehr wohlwollende Aufnahme fand — bemerkt das New Yorker misrachistische ..Tugblatt"' u. a.: ...Heute herrscht in der jüdischen Welt eine arge Verwirrung. Jeder politische Marktschreier kann heute sagen, daß er das Judentum vertrete. Jeder Verächter unserer schönsten und heiligsten Traditionen darf heute im Namen des Judentums sprechen. Kr spielt sogar eine Holle im jüdischen Leben, ziert sich mit der Krone des jüdischen Volksführers, mischt sich in unser Oemeindeleben und macht sich breit in unseren Institutionen, in deii Institutionen, die die orthodoxen Juden aufgebaut haben und aushalten. Wäre jedoch die Orthodoxie vereinigt, hätte dieser unhaltbare Zustand ein Ende und das organisierte Judentum wäre eine Macht, sowohl nach innen als auch nach a,id.'>en. Eine organisierte Orthodoxie in Amerika wäre auch ein wichtiger Kaktor für die Juden in Europa, die ihre Hoffnung auf die amerikanischen Juden bauen.'" Im weiteren Verlauf des Artikels weist die Zeitung sehr richtig darauf hin, dal.» bei der heutigen Zersplitterung und IJuorganisierthoit der Orthodoxie in Amerika, das europäische Judentum nicht einmal weil.'», an wen sie sich um Hilfe in der Not wenden solle. Zweifellos wird es nicht beim ersten Schritt bleiben. Die orthodoxe Judenheit in Amerika wird Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (PreDburg) Erstklassige Univcrsal-Heilnnstalt. für Spezialbehnnrflunj» der inneren-. Nerven-, Zucker-, Gallenstein-, Nieren-, Magen-. Darm-, Herz- und Blutgefällkrankheiten. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, Dermatologie, Ortopädie, Augen-, Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkranke. Wohnung, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Pflege, 5 Mahlzeiten von Kc 83"— aufwärts. Wasserheilanstalt in vollem Botriobo auch fllr Auswärtige. Streng rituelle Küche unter Aufsicht des Preßburger Oberrabbinates Leitender Chefarzt: DR. SIGMUND ARANYI. Aveiterhin darauf arbeiten, sich je stärker zu organisieren und zu vereinigen, um ein neues mächtiges Zentrum für das orthodoxe Judentum zu werden. NACHRICHTEN. Deutscbösurmcb. Kechenschaftsbericht über die Jahre 1920/21 der „Einheit", Verein zur Errichtung und Erhaltung von Volksspeisehallen, Wien, IL, Malzgasse 12. Wir speisen täglich viele Hunderte zu Mittag, darunter einen ansehnlichen Prozentsatz unentgeltlich und schlössen seit 1. Februar 1921 unserem Betriebe eine Mittelstandsküche an. Sie dient den am meisten in Not geratenen Intellektuellen und ist zur Hälfte Familienausspeisung. Seit November 1921 ist die Teuerung derart gestiegen, daß der Bestand unserer Speisehallen gefährdet ist. Wir verzeichnen mit 31. Dezember 1921 einen Küchengebarungsabgang von K 3,513.773-76. Am Ende 1920 war der Abgang K 668.112-—, d. h. im Jahre 1921 ist der Küchengebarungsabgang mehr als 5 mal größer wie 1920. Diese Ziffer entspricht fast genau dem Verhältnis der Gesamtausgaben von iy2ü und 1921; sie waren: 1920 K 2,599.769-—, 1921 K 13,793.192. Die Ausgaben waren 1920 K 2,634.483, 1921 K 13,867.266-—. Sie schließen aberK 3,173.766 ein, die wir schuldig sind. Das Ziel, weiches eigentlich von uns anzustreben wäre, die Selbsterhaltung der Speisehallen, kann vorerst nicht erreicht werden. 1920 war der Eingang aus den Speisemarken K 1,429.518-—, so daß K 1,204.965-— den anderen Teil der damaligen Einnahmen bildeten. Es konnte durch die Speiseinarken mehr als die Hälfte der damaligen Ausgaben gedeckt werden. 1921 ist unser Erlös aus den verabreichten Speisen, einschließlich der Miltelstandsküche K 7,987.802 — gewesen; sie deckten auch mehr als die Hälfte der Gesamtausgaben, aber in beiden Fällen und besonders 1921 sind noch bedeutende Summen zu tilgen. Dies kann nur durch Spenden und Unterstützungen geschehen. Die Mitgliedsbeiträge zählen fast nichts. Sie waren: 1920 K 14.352'—, 1921 K 29.134-—; d. i. etwas über das Doppelte, was gewiß nicht den Aenderungen durch die Geldentwertung von 1921 entspricht. Die Subventionen waren: 1920 K 163.778- —, 1921 942.000-—. Die Spenden stiegen nicht in gleicher Weise. Sie betrugen: 1920 K 595.934-—, 1921 K 1,375.566' — . Hierin liegt die Ursache des schlechten Standes unseres charitativen Vereines. Die Spenden sind zu gering. Sie sind nicht im gleichen Verhältnis zu den Ausgaben gewachsen. Diese werden sich durch notwendige Adaptierungen noch vermehren. Wir müssen mehr als 1 Million Kronen für behördlich befohlene Bauarbeiten ausgeben. 'Die Beheizung und Beleuchtung bilden eine starke AusgabenposL Es ist nötig, daß unsere Spenden sich erhöhen. Wir brauchen großherzige und edle Gönner und Freunde, damit wir die Spoisehallen der „Einheit" so erhalten können, daß sie wirklich die Bedürftigen befriedigen. Der Vorstand: Bernhard Hofbauer, Obmann; Moritz Felsenburg, Simon Manheit, Obmann-Stellvertreter; Max Hofbauer, Kassaverwalter; Hormann Kuner, Kassaverwalter-Stellvertreter; Dir. Dr. S. Krenberger, Rechtsanwalt Dr. Dagobert Rybaczewsky, Schriftführer; Adolf l'ischer, Üekonom; Vorstände: Dr. Josef Bondi, Alexander Eiger, Ignatz Mehrer. Univ.-Prof. Dr. Heinrich Neumann, Heinrich Pappenheim, Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Pollaczek, Dr. Isidor Reininger, Aren. Ignatz Reiser, Frau Marie Rübner, Nathan Schiff, Hofrat Dr. J. Schlag, Frau H. Schreiber, Lipe Türkl. Einladung zur X. ordentl. Generalversammlung der „Einheit" am Montag, den 20. März 1922, um halb 7 Uhr abends, im Turnsaale der Volksschule, IL, Malzgasse 16. Tagesordnung: 1. Protokoll der der letzten Generalversammlung. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. „Die Notwendigkeit von Volksspeisehallen und Mittelstandsküchen" (Referat des Schriftführers). 5. Neuwahlen. 6. Allfälliges. Herr David Fast, das ehnvürdige Mitglied des Wiener Agudavorstandes, übersiedelt dieser Tage nach seinem Heimatsorte Tarnow zurück. Mit den besten Wünschen für sein weiteres Wohlergehen knüpft sich unser Dank für die unermüdliche Arbeit, die Herr Fast für die gute Sache des glaubenstreuen Judentums geleistet hat. Generalversammlung. Die diesjährige Generalversammlung der „Wohlfahrt", Verein zur Erhaltung israelitischer Wohlfahrtsanstalton Wiens, Wien, 1. Seitonstettengasse 2, findet Montag, den 0. März 11)22, um (i Uhr abends im Gate Gity, IX. Porzellangasse 1, statt. Anschließend an die Generalversammlung Vortrag des Präsidenten Herrn Rabbiner Dr. Max Grünwald: „Aus der Geschichte einiger jüdischer Wohlfahrfsanstalten Wiens." Ungarn. Die neuen Lokalitäten der Tiferesz Bachurim- Vereines in Budapest, Königsgasse 1, wurden am 19. Februar feierlichst eingeweiht. Präsident Doktor GroUmann begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und dankte den leitenden Männern der Gemeinde für ihre Opferbereitschaft und bat um weitere moralische und finanzielle Unterstützung. Es sprachen noch Oberrabbiner Koppel Reich, Rabbiner Viktor Süßmann, Adolf Frankl, Abraham v. Freudiger und Samu Freudiger. Hochzeit. Dienstag, den 21. März, findet in Debreczin die Hochzeit des Herrn Samuel Schreiber, Sohn des Herrn David Schreiber (Drohobycz- Wien) mit Frl. Piroska Roth (Nyiregyhäza) statt. Wir gratulieren dem unermüdlichen Förderer der Aguda-Idee herzlichst. Bericht des ungarischen Joint. (J. C. a. U.) Die Gesamteinnahmen des iiiigarländischen Ilill'sausschiisses betrugen K 1l-2,7-2(>.iiK;i.80, von denen K 5,ÄI;•}(). 17 (IAH) Prozent) für administrative! Spesen verausgabt wurden, Berücksichtigen wir, daß von diesen administrativen Spesen nur etwas über drei Millionen für Gehälter der Angestellten verwendet wurden, so ergibt sieh vor allem die anerkennenswerte Tatsache, daß der ungarländisehe llilfsausschuß mit Erfolg bestrebt war, die Verwaltungskosten auf das Mindestmaß zu reduzieren, um nur den \Vohlfätigkeitszwoekon eine je größere Summe zuführen zu können. Die übrigen Ausgaben verteilten sieh folgendermaßen: dem Professorenkörper des Rabbinerseminars K 100.000, für rasche Hilfe K 2,493.277.—, für Existenzgründungsdarlehen K il5,7;*)2.200.~-, für Flüchtlingsunterslützmigeu K I^öl'M.-IO 1.85, für Rabbiner und Witwen K 2,r)(H.n«)2.(M, für Jugendunterstülzungen (Studentenmeiisa, Rabbinerseminar, Lehrerseminar, Unterstützung von llochschülern und der jüdischen Kadimah) K 7,1)11.878.5:?, für tlnlerstützungen in Naturalien (Kohlen, Lebensmittel, Mazzotmehl, Kleidungsstücke) K 22,700.010.41, für medizinische Unterstützungen und Prothesen K 7,309.708.91, Unlerstützung verschiedener Institutionen (Künstlerschule, Wohltätigkeitsinstitutionen, technische Betriebe von llochschülern, Kindergärten) K 4,02;5.052.'l5, für die Mittelstandsküchen K 9:58.947.00, für Schulküchen K 1,400.30!), für die Palästinakommission K 227.034.05, für die Provinzkreise K 7,575.551.77. lliezu kommen noch Mk. 300.000 für die Beschaffung eines Kadio-Silex-Uöntgeu-Appnrates und eines Transvertor Lilienfeld-Köntgen-Apparates für die Spitäler der Pester Israel. Religionsgemeinde und des israelitischen orthodoxen Spitalcs. ' Während der Dauer der Liquidierung wurden noch weitere K 300.000 für Wohltätigkeitszwecke verausgabt. Ein noch umfassenderes Bild erhalten wir, wenn wir die Zahl der durch die Aktion beteiligten Personen betrachten. Der Joint unterstützte 2400 Kriegsinvalide aus allen Berufs- und Gesellschaftsklassen. 002 Kriegerwitwen, 300 Gattinnen von Kriegsgefangenen, 37. Kriegerwaisen, 502 Rabbinen, Rabbinatsverweser und Rabbinerwitwen, 1131 Flüchtlinge, 7087 Kriegsbeschädigte und zurückgekehrte Kriegsgefangene, 808 Angehörige von Kriegsbeschädigten, 1434 Personen, die wegen ihres Judentums ihre Stellungen oder Erwerbe verloren hatten, und 4540 sonstige, nicht kriogsbeschäcligte Personen. Die Unterstützung von llochschülern währte vom Juni 1920 bis Mai 1921 und umfaßte im Dure.hschnitt monatlieh 700 Petenten. 337 Studenten erhielten Rciscunterstützungeu zum Besuche ausländischer Hochschulen, die Studentenmeiisa des Joint verabfolgte in acht. Monaten nahezu 90.000 Mittags- und 10.000 Nachtmahlportionen. Her Kindergarten des Joint verpflegte während dm1 fünf Monate seines Bestandes 354 Kinder von drei bis sechs Jahren, die alle auch mit Kleidern bedacht wurden. Die Mittelstandsküche war 90 Tage geöffnet und verteilte in dieser Zeit durchschnittlich 285 Mittagsportionen täglich. Die Provinzdistrikte unterstützten insgesamt 4208 Personen. Zweierlei Maß. (J. C.n.U.) Dum Spital der Pester Isr. ReMgionsgeineinde, das jüdische Adele-Brody-Kinderspital, das jüdische Alice-Weiß-Spital für Gebärende nehmen — wie wir wiederholt mit statistischen Ziffern nachzuweisen Gelegenheit hatten — bei der Aufnahme und Behandlung von Patienten deren Konfession nicht in Betracht. An diesen rein jüdischen und ausschließlich von jüdischen Geldern aufreehteihaltenen Institutionen findet, jeder llilfsbedüiftige A.uf>udunc und Unterstützung ohne vorerst nach seiner Konfession befragt zu werden. Demgegenüber sollen an einzelnen Universitätskliniken - also auch von den Steuergeldern der Juden erhaltenen Insitutioncn in neuerer Zeit die Kranken jüdischer Konfession einfach abgewiesen werden. Ein Mitarbeiter des .,Egy0nlöseg" befragte hierüber den Staatssekretär- Stelivertroter Dr. Ludwig Toll), der im Kultusministerium das Ressort der Universitäten und Kliniken leitet; der Staatssekretär erklärte, daß er von dieser Anomalie bisher keine Kenntnis habe, daß aber weder er, noch der Kultusminister es für statthaft halten, die Kranken nach ihren Konfessionen zu unterscheiden, daß er, falls diese; Beschwerde sich bewahrheiten sollte, dafür Sorge tragen werde, daß bei den Aufnahmen von Kranken auf den Kliniken keine konfessionollen Gesichtspunkte maßgebend sein dürfen. Graf Teleki in Neuilly und in Ungarn. (J. G. a. U.) Als Mitglied der ungarischen Friedcnsdolegation in Neuilly hatte Graf Paul Teleki seinerzeit in dem für die Integrität Ungarns eintretenden Memorandum unter anderem gesagt: Sie (die Juden) erwähnen mit Stolz, daß sich hei der Landnahme den Ungarn Ghasaren türkischen Ursprunges angeschlossen hatten, von denen mehrere den jüdischen Glauben annehmen... Ihr größter Teil hat sich den Ungarn vollständig assimiliert. Sie haben uns hervorragende ungarische Schriftsteller, Gelehrte und Künstler gegeben. Infolge ihrer Assimilierung an die ungarische nationale Psyche müssen wir anerkennen, daß die ungari- M'hon .luden vom Rassestandpunkte gar nicht mehr .Juden, sondern Ungarn sind. — Bei einem jüngst vom antisemitischen „Szozat" veranstalteten Interview über den numerus clausus an den Hochschulen äußerte sich En gros En detail enmintel 6UIHMI INDUSTRIE Wien, II., Taborstraße 39 Hotel Bayrischer Hof. Teleph. 40324