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Jüdische Presse · 1922-03-17 · 11 (17.3.1922) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
11 (17.3.1922)
Date
1922-03-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 66 JÜDISCHE PRESSE Nr. 11 derselbe Uraf Tcloki folgendermaßen: Wie wir uns in den Vorkriegsjahren nicht besonders ernst mit den Nationalitäten befaßten, so haben wir auch nach dem Kriege nicht mit entsprechender Kraft darnach gesehen, die innerste und unmittelbarste Nationalität: das Judentum zu immunisieren. Diese nationalschützende Verfügung müssen die jeweiligen ungarischen Regierungen so lange intakt erhalten, bis das ("ngartum auf anderen Wegen und auch durch den numerus clausus sich so weit kräftigt, um auch ohne numerus clausus seinen Kampf um die Wiedercroberung des Landes fortsetzen zu können. 80 lange kann auch von keiner Korrektion, Erweiterung oder sonst etwas ähnlichem die Rede sein. In Neuilly Anerkennung der imgarischen Juden als ungarische Brüder, zu Hause vor den Wahlen die Forderung der Aufrechterhaltung des numerus clausus zur „Immunisierung des Judentum'- - das sind die beiden Janusgesichter des trafen Teleki. Jugoslawien. Rabbiner wähl in Agram. Aus Bratislava schreibt man uns: Se. Ehrvv. Herr M. S. Herzog, Oberrabbiner unserer orth. Nachbargemeinde Stampfen (Stupava) wurde in altherkömmlicher ehrenhafter Weise, ohne Offert und Probeberufung, von der orth. Gemeinde zu Agram einstimmig zum Rabbiner gewühlt. Rumänien. Die Spaltung der israelitischen orthodoxen Kultusgemeinde in Klausenburg. Wie „Jesurun" meldet, hat die orthodoxe Landeskanzlei in Siebenbürgen die Konstituierung der neuen orthodoxen Kultusgemeinde zur Kenntnis genommen. Bekanntlich hat sieh die orthodoxe israelitische Kultusgemeinde in Klausenburg infolge der zionistischen Agitation ihres gewesenen Oberrabbiuers geteilt, und da die Vertreter der alten Gemeinde vor dem durch sie delegierten Bes-Din nicht erschienen sind, hat die orthodoxe Laudeskanzlei den obigen Beschluß gefaßt. Bei den Senatswahleu in Czernowitz wurde der gewesene Bürgermeister, Dr. Salo von Weisselberger (Jude), mit 3800 Stimmen in den Senat gewählt, gegen den sozialistischen Kandidaten Gheller, der mit 1991 Stimmen in der Minderheit verblieb. (Bisher war Czernowitz im Senat durch den Sozialdemokraten Grigorovici vertreten.) Gelegentlich der Wahlkampagne kam es in der zionistischen Partei Beßarabiens zur Spaltung, indem die Zeire Zion Dr. Bernstein-Kogan ihr Vertrauen entzogen, da er auch Rabb. Zirelsolm und den Nichtzionisten Dr. Slutzky auf die jüdische Kandidatenliste aufgenommen hat. Jimerika. Julius Simon macht gegenwärtig eine Tour durch Amerika, um für die „Palestine Development League" Propaganda zu machen, die die Privatinitiative für Palästina in Amerika fördern will. Rolland. Konferenz der zionistischen Opposition. (JPZ) Wie der holländische M. Korrespondent der „JPZ" berichtet, findet, auf Initiative von Jacobus Kann im März eine Konferenz der zionistischen Oppositionsgruppen im Haag statt. Wie verlautet, sollen an dieser Konferenz auch einige Delegierte aus Amerika teilnehmen. England, Der jüdisch ukrainische Verband in London hat Morris Myer, Chefredakteur der „Jewish Time", nach Rumänien delegiert, um die Lage zu untersuchen und eine größere Hilfsaktion für die dort befindlichen Flüchtlinge in Angriff zu nehmen. Rußland. Nansen bringt auch Mazzoth für die Juden. Die Londoner „Zeit" meldet aus Kischinew: ßarziliri, der Vertreter des Dr. Nansens Hilfskomitee, und Mr. Herman sind mit einem großen Transport Medizin, Kleider und Lebensmittel am Dnjstr angelangt. Der Transport enthält auch eine größere Sendung Mazzoth, welche für die hungernden Juden bestimmt ist. Lettland. Trennung von Kirche und Staat. (JPZ) Wie die polnische Telegraphenagentur meldet, hat die lettische Konstituante Art. 110 der Konstitution angenommen betreffend Trennung von Kirche und Staat. Einstimmig wurde Art. 116 der Konstitution angenommen, der besagt, daß nationale Minderheiten in nationalkulturellen Fragen das Recht auf autonome gesellschaftlich-rechtliche Institutionen besitzen. (Wenn es die ganze „Nationalität" verlangt.) gbina. Elias Kadoorie. (JPZ) Wie die amerikanischen Zeitungen berichten, ist in Hongkong der bekannte jüdische Philantrop Elias Kadoorie gestorben. Der Terror der „erwachenden Juden". Der Warschauer „Jud" vom 7. März meldet aus Jerusalem: Vorgestern abend kamen zu Rabbi Diskin fünf „Chaluzim", die mit ihm sprechen wollten. Als ihnen bedeutet wurde, daß sie am nächsten Tag kommen sollen, wollten sie mit Gewalt ins Zimmer des Rabbi stürmen und nur dank des Eingreifens mehrerer Personen, konnten sie von ihrem Vorhaben abgehalten werden. Am nächsten Tag kamen fünf Chaluzim zu Rabbi Sonnenfeld und forcierten von ihm, daß er die an Lord Northcliffe gegebene Erklärung zurückziehe und drohten ihm mit verschiedenen Drohungen. Rabbi Sonnenfeld erklärte ihnen, daß er sich vor ihren Drohungen nicht fürchte, und daß er auch nicht haaresbreit von seinem bisher gegangenen Weg weichen werde. Fr sagte, daß er auch Dr. Weizmann gesagt habe, daß nicht die „Freien" sondern die .,Frommen" das Land aufbauen werden. Die Chaluzim wollten sich hierauf auf den Rabbi stürzen, wurden jedoch durch die zu Hilfe des Rabbis herbeigeeilten Juden daran gehindert. Am Abend desselben Tages überfielen mehrere Chaluzim den Rabbi Moses Leib Bernstein, warfen ihn zu Boden und verwundeten ihm den Kopf mit einem Stück Eisen. Sein Zustand ist jedoch G. s. d. nicht gefährlich. Heute erhielt Rabbi Jungreis durch die Post einen Brief mit Drohungen, gezeichnet „die schwarze Hand". Samstag wurden seitens der Orthodoxen in den Bethäusern Droschos gegen die „assifas Uaniwcharim angesagt. Sie wurden aber durch die „erwachenden Juden" gestört, die mit Stöcken bewaffnet und mit Ziggaren im Mund am Sabbat in die Bethäuser kamen. Auch das große Meeting, daß am Abend stattfinden sollte, wurde durch 200 Chaluzim, die vom „zionistischen Stab" beordert wurden, gestört. Der geheimnisvolle Artikel des „Doar Hayoin". Das zionistische Tageblatt „Doar Hayom" das sich einer scharfen Kritik der zionistischen Leitung befleiß!, erhielt bereits drei Drohbriefe der „erwachenden Juden" und hatte darüber einen Leitartikel: „Stein gegen Stein, Pfeil gegen Pfeil" geschrieben. Dieser Artikel ist aber im letzten Momente aus der Maschine genommen worden. Auf den weißen Fleck, erklärt die Redaktion, daß ein Zionistenführer, der davon erfahren hatte, um die Weglassung des Artikels ersuchte, gegen die bindende Zusage, daß die zionistische Leitung selbst binnen 24 Stunden einen scharfen Protest gegen die „Drohungen der Revolvermänner" erlassen werde. Eine Anfrage an den Misrachi. Im -„Doar Hayom" lesen wir die Anfrage an die misrachistische Organisation, ob es ihr bekannt sei, daß von der Verwaltung des „Jüdischen Nationalfonds" 1. Vermessungsarbeiten durch einen jüdischen Geometer am Jomkippur vorgenommen wurden, 2. daß an einem Sabbat zwei Herren mit der Eisenbahn nach Haifa führen, um in der dortigen Gegend die Vorbereitungen für die Austrocknung von Sümpfen vorzunehmen. Die Leitung des Misrachi erwidert hierauf in der nächsten Nummer des „Doar Hayom", daß nicht sie, sondern die Zionistische Organisation, welche für die Durchführung des bekannten Beschlusses am 12. Zionistenkongresse Sorge zu tragen habe, verantwortlich sei. Das ist die getreue Wiedergabe der Anfrage und Antwort im „Doar iiayoni", die zionistische Leitung kann zufrieden sein. Die misrachistisehen Führer in Palästina sind ihre Pfund wert. TSCHECHOSLOWAKEI. Die politischen Fregolis. Für die kommenden Tage, und zwar den 1(5. März nach Uzhorod und den 20. März nach Mukacevo sind wieder einmal jüdische Versammlungen einberufen. Die Versammlung vom 20., welche unter der Devise „des Friedenmachens und sieh Vereinigens" unter den jüdischen Parteien einberufen wird, soll nichts anderes als das Resultat des schon längst in Prag abgekarteten Spieles zu Tage fördern, nämlich die Gründung der zionistischen Wahlfirma des Prager N'ationalrates der „Vereinigten jüdischen Parteien". Ganz fälschlich und mit bewußt lügenhafter Tendenz wurde publiziert, daß sich die konservative Partei an dieser Komödie beteiligen wird. Aus eben demselben Grunde beruft die Letztere für den 10. März eine Plenarversanunlung nach Uzhorod ein, um ihre Stellimg gegenüber der beabsichtigten Irreführung der Bevölkerung und der Regierung festzulegen. Die konservative Partei blickt mit besonderem Interesse auf die für die nächsten Tage zu erwartende politische Parteibildung in der Slowakei, welche auf denselben Prinzipien wie sie selbst basierend, die Grundlage für eine, die Majorität aller Juden in der Republik umfassende Organisation geben soll, mit welcher sie bei Wahrung äußeres autonomen Charakters völlig Hand in Hand zu gehen beabsichtigt. Wir sind hier dessen vollkommen sicher, daß der zwar politisch wenig geschulte, aber praktisch gesunde und klare Verstand unserer Juden die Situation vollkommen begreift, und ihr Vertrauen den ehrlichen und erprobten Männern der konservativen Partei, die sich heute eine respektvolle Stellung zu verschaffen gewußt hat, schenken wird und nicht den „Vereinigten", bei welchen sich der Herr X, hinter dem niemand steht, mit dem Herrn V, hinter dem ebenfalls niemand steht, „vereinigt", um zum Schaden derjenigen, die wirklich Einigkeit suchen und des gesamten Judentums der Podkarpatska Rus ihren Privatzielen nachzugehen. Mosiach und die Lucener (Losonezer) Zionisten. Aus Lucenec wird berichtet: Vor einigen Wochen hielt hier ein zionistischer Propagandaredner einen Vortrag über das Wesen des Zionismus und dessen Entwicklung. Er betonte die Notwendigkeit einer jüdisch-nationalen Politik, die nur adein den Juden zu ihren gebührenden Rechten verhelfen könne. Redner kam über das Verhältnis des Zionismus zur Orthodoxie zu sprechen und bemerkte, daß der Misrachi, unter dessen Banner sich ein großer Teil der Orthodoxie schaart, die Absurdität und das lächerlich Sinnlose vom Moschiach Märchen eingesehen halten und sich mit, der Aufbauarbeit in Palästina ernst beschäftigen wollen. Die schmachvolle Rede, besonders die Profanisierung des Mosehich-Gedankens hat bei den Orthodoxen eine große Konsternation hervorgerufen. Rabbiner-Installation. Aus Frastak (Galgocz) wird uns geschrieben: Am 2. Tage Rosch- Oho losch Adar fand unter massenhafter Beteiligung die feierliche Installation unseres neugewählten Obrrabbiners, Sr. Ehrw. Herrn Moses Schwartz, statt. Eine Deputation unter Führung des Herrn M. L. Eisler die dem in Begleitung seines Vaters, des Mezölaborezer Rabbiners, und einer Deputation angelangten Obenrabbiner entgegenreiste, empfing ihn in Piestany, 'weitere Abordnungen an den Stationen Leopoldov (Führer Herr Josef Müller) und lllohovec (Herr Dr. Herzog). Vom Bahnhof bis zum Triumphtor der festlich geschmückten Synagoge geleitete ihn eine unabsehbare Wagenreihe und eine dichte Volksmenge. Beim Eingange begrüßte ihn Herr Dr. Rosenfeld. Sodann schritt er unter der Chupa in die Synagoge, wo er nach dem Festgesang des Chores durch den Präses Herrn Hermann Seßler in Amt und Würde eingesetzt wurde und seine von hohem Schwung und altjüdischem Geiste durchwehte Antrittsrede hielt. Bei dem Gottesdienste waren die Spitzen sämtlicher Behörden vertreten, ferner der Kultusgmeinden Homonna, Piestany, Trnava, Nifcra, Galanta und viele andere. Nach Mincha empfing der Oberrabbinor die Abordnungen sämtlicher Vereine und Korporationen, die unter Führung ihrer Festredner Frau Dr. Händler, Frau L. Rudolfer, der Herren Dr. Rosenfehl, M. L. Eisler, Jakob Fuchs, M. Vajda, Dr. Eisler, J Jukes und Müller erschienen, um ihrem neuen Raw die Liebe und Verehrung der gesamten Gemeinde und die an seine Person sich knüpfen den Hoffnungen zu verdolmetschen, '.riefen Eindruck übte auch der herzliche Abschied der Gomonnaer Deputation (Führer Herr M. Eichler) von ihrem bisherigen Gemeindegenossen, der nunmehr eine altehrwürdige Kehilla zur neuen Blüte zu bringen hat. Laut dem neuesten Ausweis des Preßburger Grand Sanatoriums erfreut sich diese neue Heilanstalt eines regen Besuches. Unter jenen, welche die modernen Heilmethoden dieser Anstalt schon in Anspruch nahmen, begegnen wir bekannten Namen, und zwar: Gräfin Draskovich, Frau Konsul Cartwright, Hofbauer, Lustig, Breyer, Käcser, Heynemann, Frankl, Baroß, Dr. Wagner, Generaldirektor Vogl usw. Ein Meisterstück journalistischer Verdrehung. Die Bratislavaer „Slovenska Politika" vollbringt in ihrer Nummer vom 2. März eine fabelhafte Leistung der Verdrehung mit ihrem Berichte über das Aguda-Meeting in Bratislava, dessen Verlauf wir in der letzten Nummer ausführlich wiedergegeben haben. Das Blatt schildert das Lokal- Meeting als eine Zusammenkunft von Rabbinern aus Polen (!;, Rußland (!), Oesterreich und Amerika, den Vorsitzenden nennt sie Rabbi Fisch-

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