Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 5 (3.2.1922)
- Date
- 1922-02-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 28 JÜDISCHE PRESSE Nr. 5 das „People Relief Commiüee" nur die Arbeiter¬ und Volksschulen unterstützen. Man hatte erwartet, daß die anderen Schulen ab 1922 im Stande sein werden, aus eigenen Mitteln sich zu erhalten. Da dies jedoch noch nicht der Fall ist, hat das JDG neuerdings für die Zeit vom 1. Jänner bis 1. Juli 1922 50.000 Dollar an Unterstützung gewährt, die wie folgt verteilt werden sollen: Kongreßpolen 11.750, die Kreise Brest-Lilowsk 3375, Bialystok 1740, Rowno 7080, Wilna 4500, Ostgalizien 3375, Westgalizien 2250 und Litauen (Kowno) 2250, zusammen 36.320 Dollar. Der Restbetrag von 13.680 Dollar soll erst nach dem 1, Juli in derselben Proportion verteilt werden. Ein Kongreß der Brandeis-Gruppe. Der „Jüdische Presseverband" meldet: Auf dem Meeting des Zentralkomitees der „Palestine Development Liga" (Brandeisgruppe) in New York wurde ein Brief von Dr. A. Marmorek in Paris verlesen. Dr. Marmorek, der im Brief die zionistische Organisation heftig angreift, schlägt vor, einen allweltlichen Kongreß aller oppositionellen Zionisten, die Anhänger der Brandeisgruppe sind, einzuberufen. Dr. Marmorek erklärt, daß die meisten französischen und belgischen Zionisten, wie auch die Binjan-paarez Föderation in Deutschland und viele berühmte Zionisten verschiedener Länder sich an einem solchen Kongreß beteiligen würden. Die Konferenz beschloß, Mr. Rosenblum, der sich gegenwärtig in Palästina aufhält, zu bevollmächtigen, mit Dr. Marmorek und anderen Zionistenführern persönlich in Fühlung zu treten, um praktische Pläne für einen Bolchen Kongreß auszuarbeiten, jedoch unter der Bedingung, daß sich der Kongreß ausschließlich mit Palästinaarbeit und nicht mit Kämpfen gegen die bereits bestehende zionistische Organisation befassen solle. Vom Zionismus in Amerika. Wie das „Jiddische Folk", das offizielle Organ der amerikanischen Zionisten, meldet, hat die zionistische Föderation in Amerika vom Jahre 1920 bis 1922 ungefähr 30.000 Mitglieder verloren. Sabbatruhe in den Vereinigten Staaten. Der Newyorker „Hadoar" berichtet, daß in gesetzestreuen jüdischen Kreisen neuerlich eine Aktion zur Neuregelung des Sonntagsruhegesetzes in den Vereinigten Staaten eingeleitet worden ist. Nach den bestehenden Gesetzen erstreckt sich die strenge Sonntagsruhe auch auf diejenigen Kaufleute und Gewerbetreibende, die am Sabbat ihre Betriebe geschlossen halten. Da aber die Schließung eines Geschäftes oder einer Werkstätte während zweier Tage in der Woche für viele dem ökonomischen Ruin gleichkäme, sind Uebertretungen der Sonntagsruhe- Vorschriften,, und dann polizeiliche Ahndung derselben auf der Tagesordnung. Es ist bereits vielfach versucht worden, die betreffenden Vorschriften abzuändern. Die neue Aktion bewegt sich in der gleichen Linie. Zugleich aber soll die breiteste Oeffentlichkeit auf diese Frage aufmerksam gemacht werden. Auf diesem Wege hoffte man auch, im Parlament einen Erfolg zu haben. Die Aktion des Dr. Magnes. (JPZ) Auf dem in der Manhattan-Oper in New York veranstalteten Konzert zugunsten der \:beiterbank in Palästina wurden für 1000 Dollar Auleilscheine der Arbeiterbank verkauft. England. Bericht Lucien Wolfs. (JPZ) Unter dem Titel „Russo Jewish Refugees in Eastern Europe" gab das „Joint Foreign Gommittee" in London einen von Lucien Wolf redigierten Bericht heraus, über die unter den Auspizien des Völkerbundes vom 22. bis 24. August und vom 16. bis 19. September 1921 in Genf abgehaltenen Konferenzen über die Lage der russischen Flüchtlinge, an deren Lucien Wolf als Delegierter der „JCA" und anderer Organisationen teilnahm. Die 44 Seiten starke Broschüre enthält außer der Liste der an diesen Konferenzen vertretenen jüdischen Organisationen, den Bericht von Lucien Wolf und einen Anhang von Dokumenten, Protokollen und Briefen. Ferner erschien ein 16 Seiten starker Bericht des Sekretärs und Spezialdelegierten des Joint Foreign Gommitee, Lucien Wolf, über die jüdischen Fragen, die er während der zweiten Session des Völkerbundes in Genf behandelt hat. Achtzigjähriges Jubiläum einer jüdischen Zeitung in England. (J. G. B.) Der in London erscheinende „Jewish Chronicle" feierte dieser Tage das achtzigjährige Jubiläum seines Bestandes. Das sehr verdienstvolle Blatt erhielt zahlreiche Gratulationen von vielen jüdischen Zeitungen aller Richtungen in der ganzen Welt. TranRreicb. Große Niederlage Weizmanns beim Zionistentag in Prankreich. Am 8. Jänner fand in Paris ein Zionistentag statt, bei welchem das Landeskomitee für Frankreich gewählt werden sollte. Es standen sich im heftigsten Kampfe zwei Parteien gegenüber, die des Prof. Marmorek, welche die gegenwärtige Form des Keren hajessod bekämpfte, und die Weizmann-Partei unter der Leitung Brunsteins. Marmorek und mehrere andere Redner geißelten in scharfen Worten die Verschleuderung der Gelder durch die zionistische Leitung in Paris. Hieraufstellte Dr. Fildermann den Anfrag,' alle Personen, welche sich gegen die vom Kongresse gewählte Leitung auflehnen, aus der Pariser Leitung auszuscheiden. (!) Der Antrag wurde mit überwiegender Majorität verworfen. Zlatopolski, Temkin und Konsorten verließen hierauf die Versammlung. Die Liste Marrnoreks wurde dann nahezu einstimmig gewählt. Die Weizmann-Anhänger versuchten vergeblich mit Gewalt und Terror die Macht der Majorität zu brechen. Weizmann wird persönlich nach Paris kommen, um die bei dieser Konferenz gebrandmarkten Uebelständc des „Keren Hajessod" in Frankreich zu prüfen. (An Ucbelständen beim Keren hajessod fehlt es auch in anderen Ländern nicht, nur an einem — Marmorek.) Bulgarien. Die Grand-Rabbin-Wahl. Der Generalsekretär des Oberrabbinates von Palästina Rabbi Panizl erhielt eine Berufung von der jüdischen Gemeinde in Sophia als Grandrabbin von Bulgarien. Rabbi Panizl hat sich noch nicht entschieden. Rolland Sabbatfrage in Holland. (JPZ) Im holländischen Parlament wurde ein Gesetzprojekt einer Sonntagszwangsruhe für Kaufleute eingebracht. Juden, die Samstag ihre Geschäfte geschlossen halten, dürfen diese Sonntag 3 Stunden, von 5—8 Uhr, offen halten. Da die jüdischen Kaufleute sich mit diesen bewilligten 3 Stunden nicht zufrieden geben, haben zahlreiche jüdische, kaufmännische Vereine gegen das projektierte Gesetz protestiert. Aber auch der allgemeine Kaufleute-Verein in Amsterdam, also eine nichtjüdische Institution, hat auf einer seiner letzten Sitzungen eine Resolution angenommen, wonach das Gesetzprojekt in seiner jetzigen Form die jüdischen Kaufleute benachteilige und die Nichtjuden uugerechterweise bevorzuge, weshalb es dahin abgeändert werden soll, daß die jüdischen Kaufleute, die Samstag ihre Geschäfte geschlossen halten, diese Sonntag den ganzen Tag über offen halten dürfen. (Hört!) Rußland Nansens Rettungswerk. (JPZ) Die russische Regierung brachte an die rumänische Grenze einige 1000 jüd. Kinder, die sie über die Grenze nach Rumänien herüberschicken möchte, um sie vor Hunger und Untergang zu retten. Nur wenige dieser Kinder sind bereits über den Dniestr gelangt, während die anderen auf das Zufrieren des Stromes warten. Eine Kommission unter Leitung ßasilieris, des Präsidenten des Nansenschon Hilfskomitees, wird sich auf die andere Seite des Dniestr begeben, um die Flüchtlinge zu unterstützen. Bin Erfolg der zionistischen Exekutive. (JPZ) Wie „Jewish Times" aus Riga erfährt, haben die jüd. Kommunisten infolge der Vereinbarung Jahotinskys mit dem Vertreter Pctljuras, ohne Rücksicht darauf, daß es sich hierbei ausschließlich um Schaffung einer jüd. Gendarmerie (?) handelt, die die Juden gegen Pogrome schützen soll, ihre Hetze j gegen den Zionismus bedeutend verstärkt und alle Zionisten als Konterrevolutionäre und Reaktionäre erklärt. Die jüd. kommunistische Partei hat ein spezielles Manifest gegen die Zionisten, eingeschlossen die Poale Zion, erlassen. Auf der in Minsk slaltgefundenen Bildungskonf'erenz wurde beschlossen, den Kampf gegen die jüd. Religion mit noch mehr Rücksichtslosigkeit als bisher fortzusetzen. Die in Hornel erscheinende jüd. kommunistische Zeitung „Der kommunistische Weg", veröffentlicht ein vom Bildungsvolkskommisseriat an die Bildimgskomilees in den einzelnen Gouvernements versandtes Zirkular? in dem diese Komitees streng aufgefordert werden, die Aufsicht über die Tätigkeit der bestehenden Ghadorim, die den Charakter einer regelmäßig funktionierenden Lehranstalt tragen, wie auch die Jeschiboth, die von jungen Leuten unter 18 Jahren besucht werden, zu schließen. Spanien. Columbus — ein zionistischer Jude! (JPZ) Ueber die neuentdeckten Dokumente, die beweisen sollen, daß Columbus Jude war, wird noch berichtet: Der ehemalige amerikanische Botschafter in der Türkei, Oskar Sfraus. befaßt sich bereits seit längerer Zeit mit der Sammlung von Material wegen der Hilfe, die spanische Juden seinerzeit Columbus gewählt haben. Oskar Sf raus entsandte na ch Spanien Dr.'Kaiserling, um in den Rogiorungsar<'hivcn Nachforschungen anzustellen und sind diesem die erwähnlcn sehr Wichligen Dokumente zu vordanken, aus denen hervorgeht, daß der eigentliche Name Columbus" Culum lautete. Während der Judenverfolgungen hafte sich Culum dem Anscheine nach taufen lassen, war aber im geheimen Jude geblieben. In einem der Dokumente wird erwähnt, daß man Culum heim Einhalten der jüdischen religiösen Vorschriften erlnppl und zu öffentlicher Beichte verurteilt hat. Am 8. Juli 1489 habe man ihn mit Frau und Tochter, in Bußkleider gekleidet, aufs Autodafe geführt, um zu beichten. Columbus erklärte sich damit nicht zufrieden und trat vor die Königin Isabclla, angeblich als Abgesandter _des jüdischen Gottes, und bat sie um die Erlaubnis, Palästina den Türken abnehmen zu dürfen. Der Jude Santagel gab 12.000 Kronen als Reisekosten und Columbus machte sich auf den Weg nach Indien auf, wobei er Amerika entdeckte. Ciirkei. Ahasver. (JPZ) Laut JCB sind in Konstantinopel neuerdings 2000 jüdische Flüchtlinge aus Rußland, darunter etwa G00 Waisenkinder, eingetroffen. Indien. Reading und Montague. Die Nachricht der „W. Morgonz." vom Rücktritt der beiden indischen Würdenträger Reading und Montague bestätigt sich nicht. Palästina. Hassenlichte Ein großes Legat für die Jerusalemer Jeschiwoth. New York, 23. Jänner. (JCB) Der vor einiger Zeit verstorbene Jude Bennet Mechlenburg aus New-Yersey vermachte einen Betrag von 50.000 Dollar den Jeschiwoth Ez Chairn, Meah Schearim, Torath Chaim und dem Spitale Bikur Cholim. Die Familie des Verstorbenen versuchte das Legat auf gerichtlichem Wege anzufechten, doch das amerikanische Gericht bestätigte es, wodurch die Auszahlung des obigen Betrages in Kürze erfolgen dürfte. Die neue Leitung des ungarischen Kolel. Vorigen Monat, fand die üelegiertenversammlung des ungarischen Kolel statt, in welcher die Leitung gewählt wurde. Es wurden elf Mitglieder gewählt, darunter' die drei „Mernumanim" R. Arnrom Wallenstein, R. Michael Hermann und R. Sanwill Spitzer. Achad-Haam in Erez Isroel. Der berühmte hebräische Schriftsteller ist vorige Woche zum dauernden Aufenthalt in Erez Isroel angelangt. Bericht der arabischen Delegation. Die in London weilende arabische Delegation veröffentlicht einen Bericht, worin sie mitteilt, daß die englische Regierung zur Balfour-Deklaration folgende Erklärung gibt: Sie gibt den Juden nicht das Recht, eine jüdische Regierung aufzustellen; auch nicht dazu, den Boden zu betreten; sie gibt weder jetzt noch in Zukunft den Juden in Palästina ein politisches Vorrecht vor den Arabern, sondern erleichtert nur die Einwanderung nach Aufnahmst'ähigkeit des Landes. Die englische Regierung ersuchte die arabische Delegation auf dieser Basis mit der zionistischen Oigatiisation zu verhandeln. (Ein genug magerer Vergleich!) Die arabische Delegation erklärte aber, daß jede Bemühung der englischen Regierung in dieser Richtung vergebens sei. Die Araber werden die zionistische Organisation niem a 1 s a ls e i ne K ö rp e rs chaf t anerkennen, welche das Recht hat, in Dingen von Erez Isroel mitzuberateu. Die Delegation erklärte ferner, daß sie niemals anerkennen werden, daß die Araber und die fremden Juden politisch gleichberechtigte Faktoren seien. Der Kolonialminister bat den Führer der Delegalion zu sich und teilte ihm mit, daß sein Vorschlag, mit der zionistischen Organisation zu verhandeln, sich bloß auf eine Feststellung der zulässigen Zahl der Einwanderer bezogen hätte. Der arabische Führer erklärte aber, mit der zionistischen Organisation unter keinen Umständen zu verhandeln. Die Feststellung der zulässigen Anzahl der Einwanderer sei das Recht der nationalen Regierung in Palästina. (Die zionistischen Parteiblätter erzählen von einem Mißerfolg der arabischen Delegation, die nirgends empfangen wurde.) Industrieunternehmung' der Aguda Eine größere Wirkwarenfabrik ist jetzt in Gründung begriffen, die von Agudakreisen finanziert wird. DOMflÖDSTiiE Wien, BL, Taborstraße 39 Hotel Bayrischer Hof. Teleph. 40324