Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 5 (3.2.1922)
- Date
- 1922-02-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 JÜDISCHE PRESSE Seite 27 NACHRICHTEN, Dcutscbosurrdeb. Jüdisches Hilfswerk, Wien. Um nicht bloß die eigenen, sondern auch alle übrigen notleidenden auf religiöser Grundlage aufgebauten sozialen Institutionen finanziell besser fundieren zu können, bat der Sektionsausschuß der „Sozialen l'Yirsorge der Agudas Jisroel - Orfsgiuppe Wien" gemeinsam mit bedeutenden Persönlichkeiten des In- und Auslande? ein Komitee unter dem Titel „Jüdische- Hilfswerk, Wien" gegründet. Die Leitung hat Herr Professor Dr. Max Eisler gemeinsam mit Herrn Alfred Stroh übernommen. Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel. Tagesordnung der Generalversammlung am 14. Schewat (22. Februar 1922): 1. Rechenschaftsbericht. 2. Tätigkeitsbericht des Vorstandes, insbesondere über das neuerrichtete Waisenhaus in Baden. 3. Statutenänderung. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Eventuelles. Etwaige Anträge sind acht Tage vor der Generalversammlung dem Vorstand schriftlich bekannt zu geben. Generalversammlungdes Betliauses und Unterstützungsvereines „Gemilas Chessed" (Beizer Klaus), Wien, IL, Lilienbrunngasse 18. Sonntag, am 22. Tebet (22. Jänner), hielt der genannte Verein seine zweite Generalversammlung seit der Neugründung und dem Aufleben des Vereines ab. Obmann Herr Salomon Sparer begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder, würdigte die Leistung des Vereines und eröffnete die Debatte. Nach Erteilung des Absolutoriums an den Vorstand und dem Beschluß der Statutenänderung wurde die Wahl des Vorstandes vorgenommen. Es wurden folgende Herren in den Vorstand gewählt: Salomon Sparer, Salomon Weinreb, Wolf Pnppenheim, Osias März, Isidor Forst, Salomon Rappaport, Benjamin Felsenburg, Markus Kamm, Leib Türkei, Salomon Reiß, Benjamin Griffel, Josef Trommelschläger, Josef Brody, J. M. Jägerndorf, David Blumenkranz, Abraham Roth, Abraham Geiger, Chaim Roth, L. Landau, Schul im Forschirm, F. Nathel. Die Herren G. Rappaport und Groß wurden als Revisoren gewählt, außerdem noch 12 Ersatzmänner. Mazzos-Versorgung der Agudas Jisroel, IL, Malzgasse 12a. Anmeldungen auf Mazzos, unterAufsicht des Rabbinates der Adas Jisroel, werden vom 4. Februar an, in unserer Kanzlei angenommen. Preis K 2200 per Kilo. Quantum unbeschränkt. Für Abgabe zu ermäßigtem Preise erfolgt spätere Kundmachung. Bei Anmeldungen ist der volle Betrag auszuzahlen. Mazzos-Anmeldung der Adas Jisroel. Alle diejenigen p. t. Glaubensgenossen, welche ihren Mazzosbedarf bei der Adas Jisroel decken wollen, werden ersucht, dies in der Zeit vom 2. bis 15. Februar in der Kanzlei der Adas Jisroel in den Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr vorm. anzumelden. Die zu beziehende Menge ist nicht beschränkt. Bei der Anmeldung ist der Betrag von K 2200 per Kilo zu erlegen. Bezüglich der Mazzos, die zu ermäßigten Preisen abgegeben werden, wird in einer späteren Verlautbarung das Erforderliche mitgeteilt. CsclKcimiowaKei. Der neugewählte Vorstand der Munkacser Kultusgemeinde hatte nach seiner Wahl ein Begrüßungstelegramm an den Präsidenten der Republik gerichtet, worauf folgende Antwort eingetroffen ist: „Das von der konstituierenden Sitzung des neugewöhltcn Vorstandes der Munkacevoer orthodox, israelitischen Kultusgemeinde eingesandte Begrüßungstelcgramm wurde dem Herrn Präsidenten vorgelegt. Die Kanzlei des Präsidenten dankt hiemit für die dadurch bewiesene Loyalität. Kancelar Presidenta Republika." Ein Siegdes Zionismus. Mau schreibt uns: Das hochoi'fizielle Organ der tschechoslowakischen „Erlöser11 des Judentums, die Präger „Selhstwehr*, berichtet in ihrer jüngsten Nummer triurnpbietend über einen gewaltigen Sieg, den der Zionismus errungen hat in Kesmark. Er hat ihn errungen, nicht etwa, über die Gegner des jüdischen Volkes, sondern! über diejenigen, denen in dieser al'tehnvürdigen Gemeinde „die veralteten Formen" des Judentums heilige;)'Erbgut geblieben ist und in ihrer vorstockten Gegnerschart gegenüber den zionistischen Kulturreibrmen keineswegs einsehen wollen, daß Jugendliche Energie11 und .jüdische Tüchtigkeit sich gerade in der assimilatorischen Nachahmung" „veralteter Formen" heidnischer Entartung auszeichnen müssen. Der Kampfplatz des so schwer eri'ochtenen Sieges, war diesmal — der Tanzboden. Man lese den Siegesbeticht, der in den unvergänglichen Annalen der vereinigten „Selbstwehr« und des „Jüdischen Volksblattes", also mit schwarzen Lettern verewigt ist: „Eine wohlgelungene Dilletantenvorstelhmg mit anschließender Tanzunterhaltung, veranstaltete anläßlich des Makkhearfestes (ein richtiger Zeitpunkt!), am 1. Jänner der Käsmarker zionistische Mädchenverein „Deborah" und Sportverein „Hagibor". Seit zehn Jahren scheiterte jeder Versuch der Jugend, den Widerstand der hiesigen Konservativen zu brechen. Das jüdische Lied, die jüdische Kunst, konnte nur in den verschlossenen (weshalb verschlossene?) Räumen des Vereinslokales zu Wort kommen. Nach vielen Bemühungen gelang es doch der kampfbereiten (!) Jugend, der weiten Oel't'eutlichkeit den Beweis jüdischer Tüchtigkeit zu liefern. Ein Sieg der jugendlichen Energie gegen die veralterten Formen war es und im Zeichen dieses Sieges verlief auch die Veranstaltung mit vollkommen moralischen (V?) und materiellem Erfolg. Der Einladung der zionistischen Jugend folgend, strömte das Publikum in hellen Scharen herbei, von Stadt und Land. Die geräumigen Lokalitäten des Vereines der Kaufleule und Gewerbetreibenden vermochte nicht die Afonsrhenmengo zu fassen, weshalb die Vorstellung am 4. Jimner wiederholt wurde. Von den Darstellern sind rühmlichst (V?) hervorzuheben: (folsrl. eine Liste von einigen Dutzend junuror Damen und Herrn, zum Teil Kinder hochachtbarer jüdischer Ellern, denen wir es ersparen wollen, daß ihr Name in diesem Zusammenhange ausgestellt wird). Das Publikum blieb in animierter Siimmung bis Tagesanbruch beisammen." Mit einem Worte, die Käsmarker jumre Generalion weiß Juden und Judentum zu schätzen und zu achten, sie hat die zionistische Weltanschauung tief erfaßt und stellt ihre ,jugendliche Energie" und ihre „jüdische Tüchtigkeit" trauz in den Dienst jener Aufgaben, die die zionistische Organisation an ihre «Kampfbereitschaft'' stellt, um „die Schaffung einer öffentlich, rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina" herbeizuführen. Ungarn. Interview mit Väzsonyi. Wir liaben jüngstbin berichtet, daß Väzsonyi eine Aktion 'zur nächsten Kultuswahl in Budapest eröffnet hat. Der Umstand, daß Vaszonyi hiebei sich um die Mitarbeit Paul Sandors bemüht hat, war geeignet, diese Aktion als im Interesse der Legitimisten-Partei geschehend erscheinen zu lassen. „Mult es Jövo" veröffentlicht nun ein interessantes Interview mit Vaszonyi. Der Ex-Minister und wirkliche Geheimrat Väzsonyi erklärt darin, daß es unwahr sei, daß er behauptet habe, das Judentum sei legitimistisch. „Ich selbst bin Legitimist, trachtete aber nicht darnach, das Judentum als solches unter die Fahne des Legitimismus zu organisieren. Diejenigen, die da behaupten, daß ich die israelitische Gemeinde zu politischen Zwecken benützen wolle, sagen das diametrale Gegenteil von dem, was ich immer betont habe. Ich habe mich öfters dagegen verwahrt, daß die Gemeinde eine Stellungnahme zu politischen Fragen im Namen des Gesamtjudentums zeige. Die Kultusgemeinde hat von uns nur das Mandat Ghanukakerzen anzuzünden und Moaus zur jeschuossi zu singen, aber nicht Politik zu machen. Aber auch außerhalb der Gemeinde hat Niemand das Mandat von uns erhalten, im Namen des Judentums zu sprechen und es zu „repräsentieren". Es ist unleidlich, daß bald hie bald dort irgendein „Parach" aufsteht, im Namen des Judentums Stellung nimmt, sogar mit Poliiikern „verhandelt", denen er weismacht, daß er der Vertreter des Judentumes sei. Das muß ein Ende nehmen, aus solchen Zuständen erwächst dem Judentum nur Schaden." Väzsonyi dementiert ferner das Gerücht, als ob er die beiden jüdischen Landeskanzleien auflösen wolle und fährt fort: „In die Angelegenheiten der orthodoxen Kanzlei habe ich nichts dreinzureden, da ich ihr nicht angehöre. Gegen die Tätigkeit der neologen Kanzlei habe ich nur die Einwendung, daß sie zu wenig intensiv tätig ist. Die ncologe Kanzlei muß aufgefrischt werden, die Distriktspräsidenten müssen regelmäßig tagen, um eine lebhafte und systematische Tätigkeit zu entfalten. Daher ist der Plan entstanden, einen interparteischen Verband zu gründen, dieser Verband würde sein jüdisches Aktionskomitee gründen, welches berufen wäre, in Fragen des Rechtsschutzes— und nicht bei allgemein politischen Fragen, — nach Beratung mit ihren Auftraggebern im Namen des Judentums zu sprechen." Väzsonyi erklärt zum Schlüsse, daß er nicht beabsichtige, sich an die Spitze der Gemeinde zu stellen. Rabbiner wähl in Satoralja Ujhely. Die seit dem Tode des berühmten Gaon R. Lazar Low vakante Oberrabbinerstelle ist nunmehr mit einem würdigen Nachfolger besetzt worden. Die am 22. Tewes stattgetündene Generalversammlung hat einstimmig den Beleder Oberrabbiner J o e 1 F e 11 n e r gewählt. Oberrabbiner Fellner ist durch sein großes Können, seine tiefe Frömmigkeit und seinen edlen Charakter dazu prädistiniert, der Nachfolger der Gedolim von Ujhely zu werden. Die Frage des Oberhauses. In der Sitzung des Verwaltungsausschusses des ungarischen Parlaments kritisierte Väzsonyi die Vorlage, welche jeder Konfession einen Vertreter im Oberhause gewährt, der jüdischen Konfession aber nicht. Obzwar er prinzipiell nicht für die Vertreter von Konfessionen im Oberhause sei, müsse er aber, wenn alle anderen Konfessionen ihren Vertreter haben, auch für die jüdische einen solchen verlangen. Er schlägt den Oberrabbiner der Budapestcr orthodoxen Gemeinde und den Oberrabbiner der Budapester neologen Gemeinde vor; oder aber je hundert Gemeindemitglieder in Ungarn mögen je einen Elektoren wählen, welche die zwei Kandidaten fürs Oberhaus wählen würden. Er ersucht die Regierung, die Juden nicht mit dieser Vorlage neuerdings zu verbittern. Graf Apponyi unterstützt den Antrag. Die Berufung auf die angebliche Unorganisiertheit des ungarischen Judentums ist nicht richtig; er erinnere sich von der Zeit seiner Ministerschaft her, daß die einheitliche Organisation des Judentums damals bevorstand. Die Reden machten auf den präsidierenden Minister sichtlichen Eindruck und er versprach, die Sache vor dem Ministerrat zu bringen. Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Prefiburg) Erstklassige Universal-Heilanstalt für Spezialbehandlung der inneren-, Nerven-, Zucker-, Gallenstein-, Nieren-, Magen-, Darm-, Herz- und Blutgofäflkrankheifen. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, Dermatologie, Ortopädie, Augen-, Ohren-, Nasen-und Kehlkopfkranke. Wohnung, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Pflege, 5 Mahlzeiten von Kc 83-— aufwärts. Wasserheilanstalt in vollem Betriebe auch für Auswärtige. Leitender Chefarzt: DR. SIGMUND ARANYI. *$fm Vorrat an den Sabbat. Aus Nyiregyhäza wird unserem Blatte berichtet: Neologe Kaufleute haben, trotz der Bitten der Orthodoxen, die bisher Sonntag vormittags den Laden geöffnet hatten, und trotz der Bitte ihres eigenen Rabbiners Dr. Bernstein bei der Stadtbehörde um die Anordnung der vollständigen Sonntagsruhe angesucht. Deutschland. Deutschland respektiert Sabbat. Die Reichspost hat jetzt, mit Rücksicht auf religiöse Empfindungen, bestimmt, daß, wenn jemand aus religiösen Gründen wünscht, daß ihm regelmäßig bestimmte Sendungen am Samstag nicht zugestellt werden sollen, der Betreffende dies bei seinem Postamt schriftlich zum Ausdruck bringen müsse. Die Sendungen werden dann am Sonntag abgetragen. Amerika. NeujahrsbotschaftvonFelixM. Warburg. (JPZ) Felix M. Warburg, der Präsident des „Joint Distribution Gommittee", hat als Neujahrsbotschaft im Namen des „American Jewish Relief Committee" folgenden Appell an die Juden Amerikas erlassen: „In der Zeit des bürgerlichen Neujahrs, der Zeit des guten Willens und der neuen Hoffnungen, obliegt den Juden Amerikas die Pflicht, ihren unglücklichen Brüdern jenseits des Meeres zu helfen, in den Ländern, wo die normale Sicherheit und die Existenzmögiichkeiten gänzlich vernichtet worden sind. Wir spürten bloß einen Tropfen der Meeres, das jene überschwemmt hat, wir haben den-Druck eines temporären ökonomischen Niederganges zu spüren bekommen, während sie den Einsturz des ganzen industriellen Baues zu sehen bekamen. Wir leben in warmen Häusern und sie zittern vor Kälte in nicht geheizten Räumlichkeiten, oder liegen geduckt in Höhlen und Gruben. Unsere Kinder sind gesund und glücklich und ihre verkrüppelt und abgezehrt, die in ihren abgehärmten Gesichtern das Resultat des Hungers widerspiegeln. Zum industriellen Chaos gesellen sich Armut, Elend, Krankheit, Hunger und Tod. 200.000 Waisen müssen Versorgt werden oder aussterben. Für 400.000 jüdische Flüchtlinge, vertrieben aus ihrer Heimat durch Hunger und Pogrome, muß gesorgt und ihnen ein Heim geschaffen werden. Das „American Jewish Relief Gommittee" hat, um diese Arbeit durchzuführen, einen Appell zur Sammlung von mindestens 14Millionen Dollar erlassen. Mit Mr. David Brown von Detroit und den anderen Komiteekollegen fordere ich jeden Juden in Amerika auf, diesen Appell mit allen Kräften zu unterstützen. Wenn die Bücher zur letzten Durchsicht werden vorgelegt werden und die allerletzte Bilanz zu ziehen sein wird, wird es da nicht besser sein, hinweisen zu können, daß mehr Menschenleben gerettet, als Dollar erspart worden seien? Ihr wünscht euren Freunden ein glückliches bürgerliches Jahr, werdet ihr nichts tun, um dabei behilflich zu sein, ein glückliches Jahr denen zu bereiten, die keine Freunde und keine Helfer haben?" Prolongierung der Unterstützung der kulturellen Arbeit seitens des JDO. (JPZ) Das JDG hat in einem Kabel ihre europäische Exekutive angewiesen, den JDG Vertretern in Polen und Litauen mitzuteilen, daß das „American Jewish Relief Gommittee" seine Unterstützung für kulturelle Arbeit für weitere 6 Monate erstreckt hat; die kulturelle Tätigkeit solle ohne Unterbrechung weiter geführt werden. Dieser Beschluß ist von um so größerer Wichtigkeit, als seit der Abmachung, daß ein jedes der drei im JDG vertretenden Komitees das Recht habe, ein Drittel der gesammelten Gelder nach eigenem Gutdünken für kulturelle Zwecke zu verwenden, einer großen Reihe von Schulen in Polen und Litauen ohne jede Unterstützung zu bleiben drohte, da das „Central Relief Committee" nur die orthodoxen und