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Jüdische Presse · 1921-09-09 · 32 (9.9.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
32 (9.9.1921)
Date
1921-09-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seke 228 ii. .ii.ilr JÜDISCHE PRESSE Nr. 32 der „im vierten JaJbire der Aera BajtfDur", der erste nach dem GlücM&g von San Remö\ der ärmste an Geist und ^plijäscner Kapazität. Wennfingland eine Chance bei den Arabern1 opferte, um d^e Gunst und die Mitarbeit des Weltjudehtums zu gewinnen, so geschah es kaum um die Gunst der ehrsamen Gesellschaft, die in diesen Tagen die Orpheumräume des Schützenhauses zu Karlsbad füllt. England dachte wohl daran, die Rothschilds, die Sässoons, die Rathenaus, die Brandeis, Nordaus, Luzzatis zu gewinnen. Die Gunst des lettischen Zeire-Zion-Deiegierten oder des Erwählten des slowakischen Misrachi ist schwerlich genug Aeqxüvalent für die zu opfernde Freundschaft der mohammedanischen Welt. Es ist wohl begreiflich, daß England den Arabern bereits zwei Königskronen konzedierte, den Zionisten aber nichts als das allerdings mit heillosen Applaus honorierte Glück, aus dem Munde seines Gesandten, nochmals die Megillas Balfour rezitieren zu hören. Das zionistische Parlament im Orpheumsaale zu Karlsbad mag den Hans-im-Glück-Tausch von Brandeis auf Goldberg und ähnlichen Glücksfällen in anderen Ländern sanktionieren! Wie denkt aber England davon und darüber, daß auch Sir Mond, Stuart Samuel nicht erschienen ist, selbst Rothschild vor dem Kongreß durchgegangen ist, daß Nordau, Marmorek, Einstein, Oppenheimer, Zangwill nicht da sind? Daß in diesem Kongresse weder die große Masse des orthodoxen Judentums, noch irgend ein Name von politischer, geistiger oder last not least von finanzieller Bedeutung oder eine t große rabbinerische Autorität vertreten ist? Wird diese traurige Manifestation der Zerfahrenheit, kindischer politischer Unreife, diese nicht über den Rahmen einer Chanukafeier hinausragende Versammlung von Strebern und Naiven, in deren Masse einige Besserdenkende botel beschischim werden, dieses applauslustige Provinzauditorium, das sich reichlich belohnt fühlt von dem Gedanken, einmal mit einem englischen Gesandten in einer Sitzung gesessen zu sein, es als hohe nationale Errungenschaft preist, einen eigenen Postschalter mit hebräischen Stempeldruck" zu besitzen, diese Leitung, die, wie kämpfende Hirsche, alles um sich herum vergißt, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, einen würdelosen Ringkampf umstellen und Mandate vollführt, wird dieser Kongreß einen politischen Faktor bilden, der die 30 Millionen Araber, die Schulter an Schulter einer für alle und alle für einen bereit sind, jeden Fußbreit mit ihrem Leben ZU bezahlen? . (Ein zweiter Artikel folgt.) Beriebt der Palästmazentrak der Jfguaas 3l$roel. (Eastattet auf dem Delegiertentag des Deutschen Gruppenverbandes in Frankfurt am Main, 18. Aw 5681.) Zum erstenmal hat die Palastinazentrale die Ehre, ror Ihnen Rechenschaft abzulegen über das, was sie bisher getan und was sie unterlassen hat. Bis zu dem Halberstädter Delegiertenlag im September 1919 spielte das Palästinaproblem im Rahmen des Arbeitsgebietes der Weltorganisation Ägudas Jisroel noch keine nennenswerte Rolle. Heute, nachdem die allbekannten Ereignisse die Wichtigkeit unserer Stellungnahme zum Erez Jisroel-Problem bewiesen haben, gibt es für unsere Weltorganisation kaum eine Angelegenheit, die mehr im Brennpunkt unseres Interesses steht als diese. Es erübrigt sich wohl, in dieser Versammlung hierfür den Beweis zu erbringen. Lassen Sie uns vielmehr in Kürze berichten, in welcher Weise die Palästinazentrale sich ihrer Aufgabe entledigt hat. Ungemach, das sie getroffen. Die Geschichte kennt viele Ereignisse dieser Art. Die Juden dieser Länder, besonders diejenigen von Irak, haben den unbezweifelbaren Beweis erbracht, daß sie die traditionellen und historischen Beziehungen zu den Arabern nicht aufgeben. In diesem Augenblicke denke ich daran, was mir Lloyd George, dieser größte Mann der Welt, unlängst sagte: „Wir wollen aus Mesopotamien ein Paradies machen, wie es in der Urzeit war und diesem Lande jene Kultur und jenen Wohlstand geben, den es vor zweitausend Jahren besaß." Dieser Gedanke muß auch uns durchdringen. Selbstverständlich kann man in einer Stunde nicht wiederherstellen, was Generationen zugrunde richteten. Aber wir müssen uns mit Geduld wappnen und uns sagen, daß wir ans Ziel gelangen werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir auf diesem Weg Erfolg haben und unsere Wünsche erreichen werden, wenn hinter uns die größte Nation der Welt, die britische steht. Wenn wir den Ratschlägen dieser Nation und ihren System folgen, so werden wir sicher das Land seinem Gedeihen entgegenführen. Ich hoffe zuversichtlich, daß wir Erfolg haben werden. Ich will es noch mit eigenen Augen sehen. Sollte dies mir nicht beschieden sein, so werden es meine, Landesgenossen nach mir erleben. Vor mir steht nur ein Ziel: Die Bewohner dieses Landes zu einem schnellen Fortschritte zu bringen. Ich habe keine besondere Religion, keine besondere Partei. Meine Religion ist die Religion der Gesamtheit und meine Partei ist die Partei der Gesamtheit. Ich kümmere mich nicht um die privaten Dinge der Menschen, sondern nur um ihre Arbeit zum Wohle dieses Landes. Ich will hoffen, daß die Juden diesem Landesgebiete Nutzen bringen werden, wie sie allen Weltteilen zunutzen waren." Damit nahm die Feier ihr Ende. Uns wurde vom Deutschen Gruppenverband der Agudas Jisroel ein Arbeitsprogramm vorgelegt^ .das \ftiB im Beginn uTn%efer Tätigkeit ausschließlich als Richtschötir diente. Es wären darin drei Abteilungen Vorgesehen: 1. Eine wissefrschaftlicheV 2. eine Ansiedhmggabteilurig und 3. eine Fitäftz« abteilung. Sehr bald mußten wir einsähen, daß diese schaffe Trennung aus sachlichen wie aus persönlichen Gründen nicht angängig war. Die einzelnen Arbeitsgebiete der drei Abteilungen greifen zu sehr ineinander, so daß eine Scheidung derselben unserer Arbeit nur hinderlich gewesen wäre. Aber auch aus" persönlichen Gründen ließ sich die sonst durchaus so erstrebenswerte Teilung nicht durchführen, da wir leider nur über wenige Kräfte verfügten, die sich zur Mitarbeit bereitfanderi: Wir hatten allerdings das Recht der Kooptation, von der wir auch verschiedentlich Gebrauch machten. Leider herrscht aber gerade in unseren Kreisen ein solcher Kräftemangel, daß es uns bis jetzt unmöglich gewesen ist, wirklich geeignete und zur tatkräftigen Mithilfe willige Persönlichkeiten in hinreichender Zahl zu gewinnen, um die sicherlich nützliche Zerlegung in Departements durchzuführen. In organisatorischer Hinsicht dürfen wir allerdings mit Genugtuung darauf hinweisen, daß es uns im Beginn des Jahres 1921 gelang, in der Person des Herrn Dr. Hasgall einen tüchtigen, nationalökonomisch geschulten Generalsekretär zu gewinnen, der uns speziell bei der Ausarbeitung von landwirtschaftlichen und kommerziellen Objekten wertvolle Dienste leistete und mit den einzelnen Vertrauensmännern, Gruppen und Landesorganisatiönen eine lebhafte Korrespondenz führte. Zu unserem Bedauern hat Herr Dr. Hasgall uns am 1. August verlassen, um eine für seine weitere Tätigkeit wichtigere Stellung zu übernehmen. Wir haben jedoch die Ueberzeugung, daß er auch in seinem neuen Wirkungskreise die Idee der Aguda Jisroel fördern und unsere Erez Jisroel-Arbeit tatkräftig unterstützen wird. Wir hoffen, in Bälde den Posten von neuem mit einer geeigneten Persönlichkeit besetzen zu können, die es als ihre besondere Aufgabe betrachten wird, mit unseren Orts- und Jugendgruppen in regem persönlichen-Verkehr zu treten. Durch das Entgegenkommen der Deutsch-Holländischen Palästinaverwaltung war es uns möglich, nach Pesach ein eigenes Bureau zu beziehen, wo wir z. B. drei Angestellte beschäftigen. Als einen Erfolg in organisatorischer Hinsicht möchten wir hervorheben, daß auf unsere direkte Veranlassung hin außer unserer Zentrale noch fünf weitere Palästinazentralen gegründet wurden, in welchen überall eine rege Tätigkeit entfaltet wird. Dieselben sind: die deutschösterreichische in Wien, die tschechoslowakische in Bratislava, die polnische in Warschau, die litauische in Kowno, die lettische in Riga. In London wurde ebenfalls eine solche ins Leben gerufen, doch erlaubten die dort besonders herrschenden Verhältnisse bisher noch keine rege Propaganda. In der Schweiz war es leider bisher nicht möglich, eine eigene Palästinazentrale zu gründen, da es dort z. B. noch an Kräften mangelt. In Elsaß-Lothringen bemüht sich Herr Dr. D. Bloch in Straßburg, das Interesse für unsere Erez Jisroel-Arbeit zu wecken, und wir dürfen hoffen, daß es ihm gelingen wird, die mannifachen Schwierigkeiten zu überwinden. Von Straßburg aus dürfte dann auch Frankreich leichter zu gewinnen sein. Von außerordentlicher Bedeutung war die Stellungnahme der Wiener Konferenz zur Erez Jisroel Frage. Die dort gefaßten Beschlüsse sind den Mitgliedern der Agudas Jisroel durch die Presse und durch die Berichte in den Versammlungen der Gruppen bekannt geworden. In klarer, unwiderlegbarer Form haben die Mitglieder des Zentralrates, insbesondere die in Wien versammelten Gedaulei Hathauro aller Länder, den festen Willen der organisierten Orthodoxie zur positiven Mitarbeit am Aufbau von Erez Jisroel, aber selbstverständlich nur im Geiste der Tauro zum Ausdruck gebracht. Daß dies die aufrichtige Willensäußerung der Versammlung als Vertretung der Weltorganisation Agudas Jisroel ist, und daß diese auch praktische Folgerungen nach sich ziehen soll, wurde durch die Reise des Gerrer Rebbe nach Erez Jisroel bewiesen. Ein weiterer Beweis wird in Bälde geliefert werden durch die zweifellos allgemeine Beteiligung aller Landesorganisationen in allen ihren Gruppen an dem gemeinsamen, dem Aufbau von Erez Jisroel im Geiste der Tauro dienenden Wirtschaftsfonds der Aguda Jisroel, dem Keren Hajischuw. In der ersten Zeit unseres Bestehens haben wir uns zunächst damit beschäftigt, in Deutschland, das vor allem in den Kreisen der Jugend für Erez Jisroel vorhandene Interesse zu fruktifizieren. Durch unsere Purim-Aktion gelang es-uns, in wenigen Wochen eine Summe von nahezu 850.000 Mark aufzubringen, welche in erster Linie dem Erez Jisroel-Fonds zugute kamen, und zwar in der Höhe von 243.761 Mark, ferner 12.000 Mark dem Jabneh und rund 33.000 Mark unserem Kolonisationsfonds, der den Namen Schauschanas Jaakauf trägt. Das einmal erweckte Interesse brachte es mit sich, daß unsere Fonds fortgesetzt bedacht wurden und daß ihnen auch weiterhin reichliche Mittel zugeführt werden. Der Erez Jisroel-Fonds erhielt bis jetzt die Summe von 611 600 Mark, der Jahneh 18.800 Mark, der Kolonisationsfonds 85.600 Mark. Außerdem wurden von verschiedenen Seiten Sonderfonds gegründet, welche in erster Linie zur Errichtung von Häusern in einer zu gründenden Agudakolonie dienen. Als solche nennen wir hier das Dr. Michael Gahn-Haus, das Dr. Bassfreund-Haus, das Agudahaus Mainz, das Julius und Jeanette Klugmann-Haus, das William Oppenheimer Haus. Die Gesamtsumme dieser Häuser beträgt zurzeit etwa 17.750 Mark. Einer wichtigen Angelegenheit wandten wir von Anfang unseres Bestehens an unser Augenmerk zu. Zwischen der ältesten Palästinaorganisation, den Pekidim und Amarcalim, Amsterdam, und der Agudas Jisroel war eine Verstimmung eingetreten, die auf die Zeit vor der Gründung der Palästinazentrale zurückging. Diese wünschten wir zu beseitigen. Für die Agudas Jisroel war es nach ihrer ganzen Anlage unmöglich, im Gegensatz zu der altehrwürdigen Institution der Pekidin in Erez Jisroel zu arbeiten. Es gelang uns, das Mißtrauen der Amsterdamer Herren zu beseitigen dadurch, tfitü wir uns mit aller Kraft bemühten, das itiff Wanken geratene, bisher so segensreich wirkende Schulwerlf der' Pekidim td schützen. Als uns die Gefahr der dröhiendeh Auflösung dieses Schuhwerkes bekannt wurde, das nach def von ufls leid»" nicht rtleijr aufzuhaltenden Uebergabe der Schulen des Nezach Jisroel s an die Zionisten als letzte Stütze der Orthodoxie übrig geblieben war, stellten wir uns den Pekidim und Amarcalim zur Verfügung und suchten aus eigenen Mitteln und durch gemeinsame Hilfsaktionen zusammen mit der D. H. P. V. den Be stand dieser Schulen zu sichern. Wir bestimmten ferner die gesamten Eingänge unserer Rauschchaudeschspende für diesen einen Zweck. Mit dem Pekidim und Amarcalim erzielten wir in gemeinsamer Sitzung völliges Einvernehmen und erreichten, daß diese Schulen in Jerusalem nunmehr den Namen: Schulen der Pekidim und Amarcalim und der Palftstinazentrale der Agudas Jisroel tragen. Durch unsere gemeinsame Hilfsaktion im Beginn des Jahres 1921 und durch unsere Schowuaus- Aktion gingen bei uns 51.230 Mark und bei der D. H. P. V. 210.000 Mark ein. Die Rauschchaudeschspende brachte bis jetzt im ganzen 47.166 Mark. All diese Gelder stehen unserem gemeinsamen Schulwerk zur Verfügung, dM bisher in seinem Bestände erhalten wurde und auch für alle Zukunft gesichert bleibt. Bekanntlich hat das Beth-Din der ehrwürdigen Rabbonim Ghajim Sonnenfeld & Jeruchem Diskin, der Führer der Askeneischen Gemeinde schwer um seine Existenz zu kämpfen, um sich seine Unabhängigkeit zu wahren. Schon in Preßburg war seinerzeit beschlossen worden, daß die Pal. Zentralen in Deutschland und der Tschechoslowakei dem Beth-Din K 1Ö0.000 übervyeisen sollen. Wir entledigten uns alsbald dieser Aufgabe, ja wir fühlten uns infolge der uns zugehenden Nachrichten veranlaßt, über den Rahmen unserer Verpflichtung hinauszugehen und wandten für den Erhalt dieses Beth-Din bisher m ganzen £ 170, das sind gleich Mk. 36.000 auf. Dieser Aufgabe dürfen wir uns auch in der Zukunft nicht entziehen, da die Kreise um Rabbiner Chajin Sonnenfeld für die Agudas Jisroel fast die einzige Stütze bieten. Leider ist es uns bisher nicht gelungen, das projektierte Lehrgut als Vorbereitungsstätte für Auswanderer nach Erez- Jisroel ins Leben zu rufen. Wir wandten jedoch etwa Mk. 15.000 auf, um angehenden jungen Landkräften eine berufliche Vorbildung zu ermöglichen. Etwa Mk. 15.000 wurden von uns verauslagt, um ehemaligen Palästinensern die Rückkehr nach Erez Jisroel zu ermöglichen und ihnen durch den Erwerb von Handwerksutensilien dort wieder eine Existenz zu verschaffen. Unsere lebhafte Propaganda sowie die Herausgabe der Aguda „Blätter", deren Kosten wir zu gleichen Teilen mit dem Deutschen Gruppen verband getragen haben, erforderten reichliche Mittel. Hierfür sowie für die Erhaltung unseres Bureaus, die Besoldung unseres Beamten, usw. wurden in den vergangenen Jahren im ganzen Mk. 81.608 aufgewandt. Außerdem beteiligten wir uns an den Kosten einer Delegation nach Erez Jisroel sowie der Errichtung eines Bureaus in Jerusalem wofür wir etwa Mk. 33.000 aufwenden mußten. Auf der Wiener Konferenz wurde bekanntlich eine Teilung der Erez Jisroel-Arbeit vorgenommen, und zwar in der Weise, daß die Behandlung der politischen Erez Jisroel-Angelegenheiten sowie der propagandistischen Bearbeitung des Westens dem Londoner Bureau, die Aufgabe der Erschaffung einer Landesorganisation in Erez Jisroel und die Propaganda im Osten der Palästinazentrale in Wien überwiesen wurde, während uns die Behandlung aller kulturellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten zufiel. Die wirtschaftlichen Aufgaben erforderten zahlreiche und umfangreiche Vorarbeitung. Wir hätten mehrere Entwürfe für zu errichtende Kolonien, verschiedener Typen auszuarbeiten, Berechnungen anzustellen und Erkundigungen bezüglich der Eignung uns angebotener Objekte einzuziehen. Von allen Seiten trafen bei uns nun Anfragen ein, wann Gruppen von 10, 30 oder gar 100 Chalüzim durch uns nach Erez Jisroel befördert und zur Ansiedlung gebracht werden könnten. Alle diese Anfragen mußten wir leider vorerst abschlägig beantworten. An die Gründung einer Kolonie kann erst dann herangegangen werden, wenn die in der Agudas Jisroel organisierte Orthodoxie den festen Willen zur Teilnahme an dem Aufbau von Erez Jisroel im Geiste der Thauro durch die Aufbringung der hierzu notwendigen großen Mitteln bekundet hat. Es gilt jetzt den Kereh Hajischuw zu schaffen. Der Keren Hajischuw benötigt die Spende des kleinen Mannes, die Spende jedes einzelnen Agudamitgliedes. Er benötigt aber vor allem auch die durch eine ehrliche und großzügige Selbstbesteuerung zu erzielende Vermögensabgabe eines jeden im Erwerbsleben stehenden wahren Jehudi! Es ist zwecklos, stets nach dem Westen zu schielen, und auf die hohe Valuta der Entente-Länder hinzuweisen. Gewiß, England, Holland, und Amerika müssen auch hierfür gewonnen werden, daß enthebt uns aber nicht der .Pflicht, nach Kräften für den Keren Hajischuw beizutragen. Hier ist es nicht nur mit kleinen Spenden allein geschehen; Isch kematnas Jpdau ein jeder bis zur Grenze seines Könnens, soll einen beträchtlichen Teil seines Einkommens, einen erheblichen Bruchteil der Substanz seines Vermögens hergeben, um seine Pflicht gegenüber dem Keren Hajischuw erfüllt zu haben. Der Grund ist bereits gelegt. Zur Erinnerung an den hochverehrten früheren Vorsitzenden der Agudas Jisroel, Doktor Abraham Hirsch s A., haben seine Witwe und sein Bruder, Herr Dr. Emil Hirsch dem Keren Hajischuw Mk. 200.000 bereits übersandt. Mögen bald viele diesem Beispiele folgen! Die Deutsche Latidesorganisation hat die erste Palästinazentrale der Aguda Jisroel gegründet, sie ist vor l'/j Jahren den anderen Ländern beispielgebend vorangeschritten. Möge sie auch diesesmal an der Spitze marschieren, um in alter Weise die Opferfreudigkeit und die Begeisterung der Deutschen Orthodoxie tür die Mizwas Jischuw Erez Jisroel durch die weitgehendste Förderung und Mehrung des Keren Hajischuw zu erweisen. Dtut$cl)$$tweicb. Verlobung. Herr Samuel W. Schreiber, Sohn des Herrn David Schreiber, in Wien-Drohobicz, hat sich mit Frl. Ilonka Roth in Nyiregyhäza (Ungarn) verlobt. Wir gratulieren dem hervorragenden Führer der Agudajugendbewegung herzlichst und nehmen an seinem Glücke ebenso herzlichen Anteil, wie er ihn stets an unserer Sache und besonders an unserem Preßwesen genommen hat. Ungarn. Babbinerwähl. Die orth. Gemeinde Tiszalök (Ungarn) wählte den Rabbiner von Gava, Jicchok, Tigerma,nn, Sohn des Oberrabbiners Josef Tigermann in I»(Qve Zämky, zu ihrem Oberrabbiner. Franz Bach. Donnerstag, den 11. August, hat der 27jährige Szegeder Möbelfabrikant Franz Bach, der im Kriege sein linkes Auge verloren hat, in seiner Vaterstadt Selbstmord verübt. Der junge Mann fühlte in letzter Zeit auch im rechten Auge große Schmerzen und befürchtete, ganz zu erblinden. In seiner Verbitterung nahm er sich das Leben. Bach war, wie »Viläg" aus Szeged meldet, einer der tapfersten Soldaten im Weltkriege. Als ganz junger Soldat wurde er mit der goldenen Tapferkeitsmedaille, dreimal mit der großen silbernen, der kleinen silbernen und der bronzenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Einmal rettete er seinen verwundeten älteren Bruder, der Offizier im Infanterieregiment Nr. 46 war. Im stärksten Granatenfeuer eilte er zu ihm und schleppte ihn aus der Feuerlinie, hiefür erhielt er die große Silberne, die goldene Medaille erhielt er d&fiu", daß er auf dem Doberdo mit zwei Maschinengewehren und einigen Leuten den Sturm der Italiener aufhielt, wodurch ©r vielen unserer Leute das Leben rettete. Wie aus Szeged gemeldet wird, fand dort das Leichenbegängnis Franz Bach unter imposanter Beteiligung mit militärischem Pomp statt. Zur Trauerzeremonie erschien eine Deputation der in Szeged statio-

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