Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 16 (13.5.1921)
- Date
- 1921-05-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Arthur Schnitzler 1× ep/1025577
- Isidor Kaufmann 1× ep/1028062
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- Otto Abeles 1× ep/1015616
- Robert Stricker 1× ep/1006793
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Nr. Vi JÜDISCHE PRESSE Seite 127 Das Martyrium der ukrainischen Juden. Aufruf an die österreichische Judenschaft. Der Anlaß dieses Aufrufes ist selbst in der alten jüdischen Leidensgeschichte so unerhört, das Unglück, zu dessen Linderung wir auffordern, so unermeßlich, daß alle Ausdrucksmittel versagen. Es handelt sich um das Martyrium der ukrainischen Juden und seine katastrophalen Folgen. Nur einige Daten: Den zwölfmaligen Wechsel der Macht in der Ukraine mußten die Juden mit entsetzlichen Pogromen büßen. Nach einer Statistik wurden innerhalb vierzehn Monaten nicht weniger als 508 Ortschaften der Ukraine von den .bis nun blutigsten Judenmassakers der Weltgeschichte betroffen. Nach ..den Pogromen im Frühjahr und Sommer 1919 zählte man 13 8.000 jüdische Leichen. Die Zahl der Kranken, Verstümmelten, Mißhandelten, in den großen Wäldern Herumirrenden ist nicht zu überblicken. Die wahnwitzigsten Greuel wurden an Männern und Frauen, an Greisen und Kindern verübt. So dürften während des mehrtägigen Judensch lachte ns in Proskurow die Leichen nicht bestattet werden und die m a r t e r v o 11 e Ni e d er m e tz e 1 ung wurde um tj Uhr abends durch das Konzert einer Musikkapelle beendet. Anläßlich der berüchtigten „Aprilpogrome" wurden 40 jüdische Städtchen vollkommen ausgeschlachtet und die Bedauernswerten, welche auf Dampfern zu entkommen suchten, ertränkt. Aber während man hoffte, daß das Maß der Leiden auf dem blutgetränkten Boden der Ukraine erschöpft sei, wurde das Morden und Foltern noch bis in die allerjüngste Zeit, fortgesetzt. So haben im verflossenen Herbst die entmenschten Horden des Glenerals ßalachowiez im ukrainischen Grenzgebiete 15 0 jüdische Ortschaften heimgesucht. Zerstörte jüdische Siedlungen, "unzählige Gräber zu Tode gefolterter Juden jeden Alters, herumirrende hungerrfde Witwen und Waisen, venerisch kranke geschändete Mädchen und Frauen im Alter von 12 b is 50 Jahren, in Elendquartieren verkommende Ueberlebende, geschändete, zerfetzte Tho rar ollen sind die Hinterlassenschaft dieses „Feldzuges". Die Toten sind erlöst, aber von den drei Millionen ukrainischer Juden, die zu dem besten jüdischen Menschenschlag gehören, ist die Hälfte völlig ruiniert, die ganze Judenheit des Landes von Epidemien, insbesondere Flecktyphus, heimgesucht. Und noch immer sind die jüdischen Ortschaften in der Ukraine wehrlos den Massakers der ständig sich neu bilden den Banden ausgesetzt! Und nun denke man an die überlebenden jüdischen Kinder! Nach einer oberflächlichen Zählung sind mehrere Hunderttausende jüdischer Waisen zurückgeblieben! Der Israelitische Kultusgemeinde. Präsident: Univ.-Prof. Dr. Alois Pick. Zionistisches Landeskomitee. Der Präsident: Landtagsabg. Robert Stricker. Die Qualen dieser unschuldigen, hilflosen Geschöpfe, auf deren kurzem Erdendasein entsetzliches Erleben lastet, schreien zum Himmel! Die Kindersterblichkeit ist enorm, ganze Städte und Ortschaften stehen ohne einen einzigen Arzt da. Hunger, Kälte, Schmutz, Krankheit und Obdachlosigkeit sind das Los dieser elternlosen, von den durchlebten Schrecknissen für immer gezeichneten Unmündigen. Aus ihren Berufen gerissen, dem neuen Wirtschaftssystem nicht gewachsen, täglich am Leben bedroht, flüchten nun die überlebenden ukrainischen Juden seit dem Winter 1920 über die Grenzen Beßarabiens und der polnischen Randgebiete. Auf verborgenen Wegen über nachtbedeckte Felder und durch finstere Wälder ziehen die Scharen verzweifelter Menschen und verlassen die Heimat, die sie unendlich geliebt und die ihnen zum Fluch geworden ist. Hinter ihnen Ströme jüdischen Blutes, Tod und Verderben, vor ihnen die Grenze, über welche sie aus der Hölle entfliehen. So sind bis nun 2 5.0 0 0 Flüchtlinge nach Rumänien und 3 5.0 0 0 dieser Entwurzelten nach den polnischen Gebieten geströmt und harren buchstäblich nackt und aller Mittel entblößt, noch am Wege mißhandelt und ihrer letzten Habe beraubt, in unhygienischen Massenquartieren zusammengepfercht, der Weiterbeförderung, der sich unendliche Schwierigkeiten entgegenstellen. Hinter ihnen aber drängen neue Massen, welche trotz der unsäglichen Schwierigkeiten der Flucht und der tausend Gefahren hüben und drüben die bald nicht mehr aufnahmsfähigen Gebiete überfluten. Zehntausend jüdische Waisenkinder leben in dem zu Polen gehörigen Wolhynien. Unter ihnen Hunderte, die sich erst vor kurzem herübergerettet haben. Eine kleine Zahl nur ist mit Hilfe der amerikanischen Judenheit in Waisenhäusern untergebracht, ein kleiner Bruchteil befindet sich in Privatpflege. Die große Masse der anderen harrt, von Hunger und Verwahrlosung bedroht, der Hilfe der jüdischen Welt. Wohl haben die kanadischen und argentinischen Juden sich bereit erklärt, vorläufig einige hundert Waisenkinder zu adoptieren, aber nur die vereinte Hilfe der Juden aller Länder kann das Los dieser verlorenen Generation lindern. In Kanada beteiligten sich auch Christen an der Rettungsaktion und ein edler christlicher Greis, Mr. Farrar, nimmt an der europäischen Mission teil und ist infolge der Strapazen der Reisen im Osten schwer erkrankt. Die Juden der ganzen Welt dürfen hinter dem beispielgebenden Wirken dieses nichtjüdischen Kanadiers nicht zurückbleiben. Auch die Juden in jenen Gebieten, welche von Flüchtlingen erfüllt sind, leisten Menschenmöglichstes, trotzdem das Wirtschaftsleben dort noch an den Oberrabbiner Dr. H. P. Chajes. Verband Der Pr; der Isr. Humanitätsvereine Bnei-Brith. isident: Univ.-Prof. Dr. S. Ehrmann. Dr. Otto Abeles Großindustrieller Dr. Gustav Arens Univ.-Prof. Dr. Gustav Alexander Dr. Arnold Ascher, Gen.-Sekr. der Baron Hirsch-Stiftung Richard Beer-Hoffraann Hofrat Dr. Ernst Bettelheim Richard Bettelheim, Prokurist des Bankhauses S. M. Rotschild Univ.-Prof. Dr. Ludwig- Braun Dr. Bugen Brettauer, Präsident der Merkurbank A.-G. Med. Dr. Siegfried Boxer Philipp Broch, Direktor der Verkehrsbank Ing. Edwin Czeczowiczka Großindustrieller Eduard Doktor Großrabbiner Israel Priedmann Großrabbiner Israel Friedmann Großrabbiner J. M. Heschel Rabb. Dr. Dawid Feuchtwang Rabb. Dr. Max Grünwald Akad. Maler Jehnda Epstein Gemeinderat Dr. Jakob Ehrlich Siegmund Epler,Direktor der Lilnderbank Martha Bondy Hofrat Dr. Salomon Frankfurter Fanny Freund-Marcus Rechtsanwalt Dr.DesiderFriodmann, Vizepräsident d. isr. Kultusgemeinde Lisette Gelber Hofrat Dr. Siegfried Gerstmann, Direktor des Zentraltaxamtes Börseurat Ignatz Glück Dramaturg Heinrich Glücksmann Paul Goldstern, Generaldirektor der Allgem. Depositenbank Dr. Philipp Gomberg Alfred Grünfeld Sophie Grünfeld Bergrat Max Gutmann Univ.-Prof. Bv. Markus Hajek Dr. Paul Hammerschlag, Direktor der Creditanstalt Rechtsanwalt Dr. Oskar Hein Adresse für Geldsendungen : A11 gem eine De bank, I., Scholtengasse 1, Konto „Hilfskomitee für nisch-jüdischen Pogromopler". Großindustrieller Ernst Hirsch Ludwig Horch Abraham Hornstein Dr. Adolf Kapralik Rechtsanwalt Dr. Felix Katzau Akad. Maler Isidor Kaufmann Baurat Wilhelm Kempler Univ.-Prof. Dr. Leon Kellner Univ.-Prof. Dr. Leopold Königstein Charlotte Königswarter Akad. Maler David Kohn, Präsident des The Vienna Jewish Relief Fund Bankier Arthur Kola Akad. Maler Lazar Kreftin Med. Dr. Edmund Kohn Rechtsanwalt Dr. Albert Kuh Wilhelm Kux, Direktor der Niederöst. Eskomptegesellschat't Großindustrieller Siegfried Landsmann Großindustrieller Max Lawetzki Rechtsanwalt Dr. Josef Löwenherz Hofrat Dr. Josef Löwner )os i ton- Adresse die ukrai- Wunden der letzten Schreckensjahre krankt und trotzdem ihr Geld einen noch geringeren Wert hat als das unsere. Sind sie doch ein Teil jener ukrainischen Juden, welche, als die russischen Armeen Galizien und die Bukowina besetzt hatten, ein großzügiges Hilfswerk für die notleidende Judenscha.ft in Feindesland eingerichtet und in zartfühlender Weise zur Rettung von Zehntausenden beigetragen haben. Das amerikanische Hilfswerk, welches in der ganzen Welt so viel Judenleid zu lindern hat, unterstützt auch diesmal die Flüchtlinge, jedoch ist es außerstande, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die amerikanische Judenheit fordert auch mit Recht, daß sich auch die Juden ajn d e r e r Länder ihrer Pflicht bewußt werden. Jetzt heißt es, von überallher zu Hilfe zu eilen. In Oesterreich hat sich ein Hilfskomitee für die ukrainisch-jüdischen Pogromopfer (I., Seitenstettengasse 2, 2. Stock) gebildet. Es will folgende Zwecke erfüllen: 1. Sammlung von Geldmitteln und Bekleidung s s t ü c k e n aller Art (beziehungsweise unverarbeiteten Stoffen). 2. Gründung von Emigrantenheimen in den Randgebieten. 3. Errichtung von Werkstätten zur Beschäftigung arbeitsfähiger Elemente bis zum Zeitpunkte ihrer Weiterreise und Beihilfe zu ihrer Weiterbeförderung in aufnahmsfähige, insbesondere überseeische Länder. 4. Intensivste Mitwirkung an der Adoption von Pogromwaisen durch Familien, welche jüdische Vollwaisen an Kindes Statt aufnehmen wollen. Wenn auch die Nerven durch die Ereignisse der Kriegs- und Nachkriegsjahre abgestumpft sind, dieses furchtbare jüdische Unglück muß alle ausnahmslos hilfsbereit finden. Wer noch Kinder und Angehörige hat, die er liebt.-wer nur einen Augenblick daran denkt, daß ihm und seinen Lieben dieses Martyrium erspart, geblieben ist, wird nach Kräften und weit über seine Kräfte für diesen Zweck spenden. Der wird nicht wollen, daß jene Märtyrer um ihre letzte Hoffnung betrogen werden, daß die Judenschaft sich der Witwen und Waisen annehmen werde. Wir wollen rasch und mit größter Energie unsere Beihilfe zu dem großen allgemeinen Hilfswerk leisten und sind überzeugt, daß die Beiträge, welche wir im armen Oesterreich aufbringen, von großer moralischer Rückwirkung auf die Judenheit der r ei cheren Länder sein werden. Gedenket des unsäglich qualvollen Loses der ukrainischen Stammes- und Glaubensgenossen, und dieser Aufruf wird nicht vergebens erlassen worden sein. Israelitische Allianz. Der Präsident: Dr. Arthur Euranda. Agudas Jisroel. Der Präsident: Wolf Pappenheim. Dr. Regierungsrat Josef Lövy Großindustrieller Leopold Lourie GroUkaufmann Jakob März Kultusrat Max Markus Anitta Müller, Mitglied der Exekutive der Jüd. Welthilfskonferenz Ludwig Neurath, Direktor der Creditanstalt Rechtsanwalt Dr. Julius Ofner Rechtsanwalt Dr. Carl Ornstein S. Osterer, Präses des Jüd. Hoclischulausschusses Rechtsanwalt Dr. W. Pappenheim Erna Patak Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes Gemeinderat Dr. Pollack-Parnau Oskar Pollak, Dir. des Wiener Bankvereines Josef Popper-Lynkeus Großindustrieller Oskar Rosner Felix Saiten Med. Dr. Isidor Schalit Arthur Schnitzler für Spenden von Bekleidungsstücken: Grün fehl, Bekleidungszentrale, VIII., Langegasse 72, stunden Donnerstag von 3 his (> Uhr. Julius Hofrat Univ.-Prof. SchniMer Kommerzialrat Hugo Schwarz, Direktor der Anglobank Gemeinderat Dr. Rudolf Schwarz- Hiller Großindustrieller Felix Sobotka Prof. Julius Stwortka, Konzerlmeister der Staatsoper Regierangsrat Rudolf Taußig Isaak Jakob Thumim Akad. Maler Wilhelm Wachtel Dr. Israel Waldmann Jakob Wassermann Dr. Ludwig Werner, Zentralinspektor der österr. Bundesbahnen Juliusz Wolfsohn Börsenrat Robert Wortmann Alexander Wolf Theodor Weiß, Mitglied des Deutschen Volkstheaters Univ.-Prof. Dr. Otto Zuckerkandl Sophie Amts- Samuel Jakobowitsch s. 1. Am 28.Weadar (7. April) fand in Bratislava unter großer Beteiligung die „Hakomas Mazewo" des kürzlich hier verschiedenen Schüler der 5. Klasse der hiesigen „Jessoda-Thora" Samuel Jakobowitsch s. L, der im Alter von 16 Jahren verstorben war, statt. Selber war aus weiter Ferne (Cerna-Holova) hierher geeilt, um sich hier in der eine große Popularität genießenden „Jessoda-Thora" die Grundkenntnisse anzueignen und war als einer der besten Schüler allgemein beliebt. Diese Wertschätzung gab sich auch an seinem Begräbnisse kund und sprachen dort sein schwerbetrolfener Lehrer¬ und Präses des Institutes Gelber, als auch sein Cousin Schiffer. Spendet für die ]updgruppe! K ALE ND AR I UM. Tag .ja,- | Mai Notizen Sonntag 7. i 15. Altjüdischer Gedenktag — Tod des Ollelos Ephraim Sefira 22 Montag 8.!" 16. Scheni — Kasten — Massaker in Speyer 4856 — Tod R. Elia Kalimilcosch inmitten der Dro'scho, Lemberg 5396 — Tod R. Awrohom Katz, Kolomea Sefira 23 Dienstag 9. 16. Tod R. Avigdor Kroh, Prag-Regensburg 5199 Sefira 24 Mittwoch 10.! is- Tod Eli's — Tod R. Alfasi 4868 (nach anderen am 11.) Tod R. Meir Margolies, Lemberg — Tod R. Feiwel Ostrovce Sefira 26 Donnerstag 11. 19. Chamischi — Fasten — Tod R. Sorah Eideis, Prag Sefira 26 Freitag 12. 20. Tod R. Arje Leb Chassid, Przemys^ 5454 — Märtyrertod R. Jeschia und Frau Wilna 5483 Sefira 27 Samstag 13. i~! 31. i Emor. — Hai'toro-Wehakohanim (Jecheskel 44) Perek 8 — Tod R. Meir bal haness Tevvarje 3881 — Tod R. Mendel'Margolies Zloczow 5435 Sefira 28