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Jüdische Presse · 1921-05-13 · 16 (13.5.1921) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
16 (13.5.1921)
Date
1921-05-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite ia« JÜDISCHE PRESSE Nr. I« NACHRICHTEN. Deut$cDö$lerrcich. Der Gerer Rabbi KW'w ist Montag von Erez Jisroel abgereist und trifft anfangs nächster Woche hier ein. Zu seinen Ehren wird Donnerstag, den 19. Mai, ein großer Begrüßungsabend zugunsten des Keren Erez Jisroel veranstaltet werden. Eintrittskarten sind im Bureau der Aguda erhältlich. Die österreichische Hilfsaktion für die ukrainischjüdischen Pogromopfer. Ueber Einladung des Kultuspräsidenten, Herrn Universitätsprofessor Dr. Alois Pick, fand am Montag, den 2. Mai, im Sitzungssaale der Israelitischen Kultusgemeinde eine Sitzung der Vertreter der großen jüdischen Organisationen und der meisten auf dem heutigen Aufrufe unterzeichneten Damen und Herren statt. Herr Dr. Markus Krämer erstattete ein eingehendes Referat über System und Aufgaben des seit der Welthilfskonferenz inaugurierten Hilfswerkes, und berichtete über die Lage der ukrainisch-jüdischen Progromflüchtlinge und Progromwaisen. Er referierte auch über die bisher erfolgten Vorbereitungsarbeiten, für die seitens der österreichischen Judenschaft einzuleitende Hilfsaktion und stellte diesbezüglich Anträge. Hierauf gaben die Vertreter der Organisationen und einzelne Versammlungsteilnehmer Erklärungen ab, wonach sie das Hilfswerk mit allen Mitteln zu unterstützen bereit seien. Es wurde hierauf unter dem Präsidium des *Universitätsprofessors Dr. Pick das „Hilfskomitee für die ukrainisch-jüdischen Pogromopfer" konstituiert und die Einsetzung von Spezialkommissionen vorgenommen. Die Schweizer Aguda für Wien. Die Schweizer Aguda-Zentrale hat für die Pessachversorgung der Wiener Armen 200.000 Kronen gespendet. Wir danken im Namen der Bedürftigten für die brüderliche Hilfe. Maler Krestin begibt sich für zirka sechs Monate zu Studienzwecken nach Palästina und beabsichtigt, sich später ständig dort niederzulassen. €$cftecbo$lowakei. , Die Sitzung der Landesrepräsentanz der slowakischen Aguda. Montag, den 16. Mai, findet im Sitzungssaal der orthodoxen Kultusgemeinde die konstituierende Sitzung der neugewählten Landesrepräsentanz der Aguda statt. Bachurim-Unterstützungsfonds. Im vergangenen Adar I verschied plötzlich in Komarno ein alter Csüzer, Simon Ehrenfeld s. A. Er hinterließ ein größeres Vermögen und gedachte auch in seinem Testamente der armen thorabeflissenen Jünger, indem er den vierten Teil seines Vermögens, zirka Kü 200.000, als Fonds hinterließ, deren Zinsen jährlich für arme Talmudthora- und Jeschiboh-Jünger ausgeteilt werden. Als Kuratorium dieses Fonds bezeichnete er die jeweiligen Rabbiner der orthodoxen israelitischen Gemeinden Gsüz,Komörn und Neuhäusel. Der Verblichene war nebst seinem frommen Lebenswandel und hehren Tugenden auch ein warmer Freund der Thora und seltener Verehrer von Rabbinern, daher wird der Heimgang dieses Mannes in unseren Kreisen tief empfunden. Der Wahrheit halber darf nicht unerwähnt bleiben, daß der geistige Urheber und Initiator des obigen Fonds der"gewesene Oberrabbiner von Csüz, gegenwärtig Dayan der ' orthodoxen Gemeinde Budapest, R. Fischel Sofer ist, der kraft seines großen Einflusses den Verstorbenen zu obigem Schritte bewog. Komarno und Bonyhäd. Aus Komarno wird uns berichtet: Unser Herr Oberrabbiner Deutsch wurde von der Bonyhäder Gemeinde als Oberrabbiner gewählt. Man hofft jedoch hier, Herrn Oberrabbiner Deutsch zum Bleiben zu bewegen. Danzia. Die „Hias" veranstaltete im großen Saale des Auswandererlagers eine imposante Sederfeier für die Emigranten, zu der eine Reihe von Vorstehern der jüdischen Gemeinde und der zionistischen Organisa tion eingeladen war. Auch der amerikanische Konsul Dawson war mit seinem Sekretär erschienen. Der Seder wurde von Rabbiner Dr. Kalter abgehalten Jedem der 800 Anwesenden war von der „Plias" ein Käppchen und eine Hagada gewidmet worden. Der amerikanische Konsul begrüßte die Emigranten als zukünftige Bürger des freien Amerika und sprach die Hoffnung aus, daß sie ebenso gute amerikanische Bürger werden möchten, wie sie gute Juden seien, wobei er ihnen als Beispiel die Mitglieder der „Hias" hinstellte. — Gleichzeitig fand auch im jüdischen Volkshaus eine Sederfeier für die jüdischen Kriegs' flüchtlinge aus Polen und Rußland statt, für die ebenfalls die amerikanischen Juden die Mittel aufgebracht hatten. Polen. Aktion des Dr. Nossig In Warschau fand unter Vorsitz von Dr. Nossig eine Sitzung des die verschiedenen jüdischen Parteien umfassenden Komitees statt, zwecks Festsetzung der Stellungnahme der jüdischen Parteien zu der Neuaufnahme der Beratungen der interministeriellen Kommission. Die Teilnehmer drückten ihre Ueberzeugung aus, daß alle weiteren Beratungen zwecklos seien, solange nicht die bisherigen Desiderata erfüllt werden. Bezüglich der weiteren Konferenzen herrscht Pessimismus vor. Dr. Nossig wurde ersucht, die betreffenden Faktoren über die einstimmige Meinung dieses jüdischen allparteilichen Komitees zu unterrichten und sich zu informieren, wie es um die Realisierung der bisher ausgedrückten Wünsche, vor allem um die Revision des Sonntagsruhegesetzes stehe. Die weitere Haltung der jüdischen Parteien, beziehungsweise der polnisch-jüdischen Beratungen hängt von der Antwort ab, die Dr. Nossig erteilt werden wird. Ukraine. Pogrome in der Ukraine. Das Londoner jüdische Tagblatt „Die Zeit" meldet, daß der Londoner Verband der Ukrainer Juden schreckliche Berichte von den letzten Pogromen in der Ukraine erhalten hat. Eine große Anzahl von Juden in Horodni mit Rabbi Nachum Josef Berlin an der Spitze konnten mit Mühe ihr nacktes Leben durch die Flucht retten. Sie irren ohne Mittel herum. In demselben (Tschernigower) Gouvernement in Riewka sind 70 Bewaffnete eingebrochen und haben 76 Juden, Männer, Frauen und Kinder, getötet. Viele flüchteten in die schneebedeckten Wälder, mehrere sind dort erfroren. Dasselbe geschah in mehreren Dörfern, wo die Juden, die nicht entfliehen konnten, ausgerottet, ihre Häuser geplündert und verbrannt wurden. Litauen. Der Mörder zeigt Ritualmord an. in Wilna hat ein Hausmeister namens Jöz. Sobolowski seine alte Mutter, die laut Aussagen von Nachbarn von Juden abstammt, und seinen elfjährigen Neffen ermordert. Nach einigen Tagen erstattete er bei der Polizei die Anzeige, daß die Juden seine Mutter und Neffen ermordet hätten, damit sie Blut für Mazzos haben. Der Vorsteher der Kriminalpolizei merkte gleich, daß er es hier mit einem Verbrecher zu tun hat, und ließ ihn verhaften. Bei der Hausdurchsuchung fand man in seiner Wohnung die vom Blut befleckten Kleider des Hausmeisters,' dieser aber leugnete noch immer hartnäckig, den Mord begangen zu haben. Selbst als die Leichen der Ermordeten, die in einem Kanal aufgefunden, vor ihm gebracht wurden, stellte er sich, als ob er weinte, und wollte noch immer nicht eingestehen. Erst als die christlichen Dienstmädchen aussagten, daß er ihnen auf ihre Fragen, wo die Mutter sei, verschiedene Antworten gegeben hatte und er einsehen mußte, daß ihm sein Leugnen nichts nützen werde, gestand er, daß er die Mutter ermordet habe, da sie seine Heirat mit der Tochter des benachbarten Hausmeisters verhinderte, und den Neffen, damit kein Zeuge seiner Tat zurückbleibe. Bald erfuhr man auch, daß seine Schwester, die Mutter des ermordeten Knaben, seit einigen Tagen verschwunden sei und man vermutet, daß sie auch ein Opfer dieses Mörders sei. Sobolowski soll seine Mutter, die 100.000 Mark besaß, auch beraubt haben. Jimerika. Der „Bris Awrohom" beiHarding. Richter Gustave Hartmann, Präsident des jüdischen Orden „Bris Awrohom" führte eine Delegation des Ordens vor Harding. Die Audienz dauerte statt der anberaumten 5 Minuten, eine halbe Stunde. Harding sprach sich gegen den Antisemitismus aus. Eine Einladung des Ordens, an seiner am 15. Mai stattfindenden Jahreskonventipn teilzunehmen, nahm der Präsident zur Kenntnis. (Hartmann stammt aus Altungarn). TranRreicb. Jabotinski in Paris. Unter dem Vorsitze Marmoreks fand eine aus 2000 Personen zählende Versammlung zu Ehren Jabotinskis statt. Trotz begeisternden Empfanges fanden große Störungen statt. Jabotinski sprach französisch, das Publikum wollte jiddisch hören, und ließ den Redner nicht zu Worte kommen. Erst nachdem der Advokat Caracas-Algier jiddisch sprach, konnte Jabotinski seine Rede fortsetzen. Das Publikum akklamierte auch stürmisch den amvesenden berühmten. russischen Advokaten Grusenberg. England. Professor Yahuda, der bekannte spanisch-jüdische Gelehrte, hat in England im Kings College drei Vorträge über „Die Probleme der 5 Bücher Mosis" und „Die früheste Entwicklung der hebräischen SpracheK gehalten. cürkei. Ukrainisches Pogromkomitee in Konstantinopel. Aus Konstantinopel kommt der Bericht, daß ein Komitee von Ukrainern dort neue Pogrome gegen die Juden in der Ukraine organisiert. 0$t$ibiri$cbe Republik. Juden in der ostsibirischen Republik. In der am 4. April zusammengetretenen konstituierenden Versammlung der ostsibirischen Delegierten befanden sich 5 Juden: außerdem 25 Altrussen, 23 Ukrainer, l Pole, 3 Litauer, 1 Estländer und 5 Koreaner. Palästina. Protest gegen Unterdrückung von Jiddisch. In einem von jiddischen Schriftstellern Zsitlowski,Hurwitz, A. Reisen und anderen in New York einberufenen Meeting, wurde Protest gegen die Unterdrückung der jiddischen Sprache und des Sozialismus in Palästina erhoben. Es wird als ein „Sympthom der steigenden Reaktion in Palästina" betrachtet. Der Zustand der Tempelwand. Die Vorsteher des Waad haleumi haben bei Herbert Samuel in einer Audienz gebeten, daß Maßregeln für die Reinlichkeit des Platzes vor der Westwand getroffen werden sollen. Man sollte verbieten, dort Zugtiere passieren zu lassen. Der High Gommissioner meinte, daß das Mandat noch nicht erledigt sei. Wann dies geschieht, wird eine besondere Kommission zum Schutze der Heiligtümer eingesetzt werden. Der Vorstand der Waad haleumi verlangte auch Land für die jüdischen Legionäre. Frau Rabbiner Breuer. Aus Frankfurt kommt die tieferschütternde Nachricht, daß die edle, treue Lebensgefährtin unseres großen Führers, Rabbiner Dr. Breuer, die würdige Tochter des unsterblichen Rabbi Samson Raphael Hirsch s. z. 1., von der irdischen Laufbahn abberufen wurde. Wir müssen es uns noch vorbehalten, eine angemessene Würdigung dieser hehren Frauengestalt zu bringen und drücken heute nur noch dem hochverehrten Führer und seiner Familie unser tiefes Beileid aus. K""n Rabbiner Moritz Kramer s. A. Nach langem Leiden ist Rabbiner Moritz Kramer vorige Woche Donnerstag verschieden und Freitag Nachmittag zu Grabe getragen worden. Mit Rücksicht auf Sabbateingang konnte sich der Ausdruck der Trauer, die die Wiener Judenheit und besonders seine zahlreichen Freunde und Verehrer empfindet, nicht zur Geltung gelangen. Rabbiner Krämer hat nahezu 25 Jahre in der Synagoge „Achdus Jisroelu gewirkt und war Mitglied des Rabbinates der Israelitischen Kultusgemeinde. Seine hervorragenden Tugenden und besonders seine Menschenfreundlichkeit haben ihm in allen Kreisen der Wiener Judenheit Freunde verschafft und seine markante und gemütsvolle Persönlichkeit wirkte weit über den Rahmen seiner Amtstätigkeit. Sein goldenes Herz öfthete sich jedem, der mit einer Bitte sich ihm näherte und hauptsächlich waren es die letzten Kriegsjahre, wo das Elend der durch den Kriegssturm hergetriebenen Flüchtlinge ihn besonders in Anspruch genommen haben. Die letzten Jahre des sonst so Lebensfreudigen wurden durch schwere Heimsuchungen verdüstert; vor 3 Jahren wurde ihni seine edle Frau, die während der schweren Kämpfe seines Lebens ihm treu zur Seite stand, entrissen, auch bereitete ihm die Krankheit seines geliebten Sohnes Rabbiner Dr. Jakob in Karlsruhe schwere Sorgen. Einen Lichtpunkt bildete in diesen Kümmernissen die glanzvolle Feier anläßlich seines 70. Geburtstages, wo die tiefe Verehrung und heiße Liebe seiner Freunde und Bewunderer sich in ergreifender Weise dokumentierte. Schon an diesem denkwürdigen Schabbos-Chanukatage hat sich die Krankheit, die ihn heimtückisch befallen hat, bemerkbar gemacht und nun haben die Sefirotage mit der Trauer des jüdischen Volkes die Trauer um ihn gebracht, der das jüdische Volk so heiß geliebt hat. Der Verein Achdus Jisroel ehrt sein Angedenken in einer Trauerfeier, welche Sonntag, den 15. Mai, um 7 Uhr abends, in der Rembrandtsynagoge.jll., Rembrandtstraße 32, stattfindet. 1. k.

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