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Jüdische Volksstimme · 1920-09-09 · Heft 37 (9.9.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 37 (9.9.1920)
Date
1920-09-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 87 ■J0BH688 TOWWtWUtt” ætssasmmk Sdi| | Vi xm und Påliitina werde vollatlfldiger freier Handel herrschen ond es wérden Schfitte untefnommen werden, um die Vefbindung mit allen Låndern zu erlcichtern. Es soli weder ein allgemeirier Militfirdienst eingefUhrt, noch elne Entwaffnung vorgenommen werden. Waffén werden aber nach Palæstina keinesfalls gebracht werden dttrfen. Die britischen Instruktionen far die Beamten dieses Landes werden vor allem den Gfundsatz verfolgen, die Bevdlkerung zur Selbstverwaltung zu erziehen. Viele arablsche Notabeln ergriffen das Wort und Spendeten dem Oberkommissår Sir Samuel hobes Lob fUr seine (ibcraus gerechten und vortrefflichen Verwaltungsmethoden. Sie ersuchten namens der durch die repråsentierten arabischen Stamme, die englische Administration auch auf ihre Gebiete zu erstrecken, da die Not dieser Provinzen nirgends soviel Verståndnis und tåtige Teilnahme finden wie unter britischer Verwaltung. Einer der Scheichs, der sogenannte Sultan von Advan, ersuchte den Oberkommissår die seinerzeitige Amnestie auch den beiden wegen der Osterausschreitungen in Jerusalem verurteilten AraberfUhrer Arif al Arlf und Amin el Husseni angedeihen sein zu lassen. Als der Oberkommissår diesem Ersuchen stattgegeben hat, wurde Arif al Arif, der sich in beduinischer Verkleidung unter den Versammelten befand, sofort dem Oberkommissår vorgefiihrt, worauf der Begnadigte eine vor allen Versammelten mit groBem Jubel atifgenommene Lobesrede auf die vom Oberkommissår angekUndigte Politik gehalten hat. Eln Uebereinkommen mit arabischen Arbeltern. Tiberias. J. C. B. Der „Palestina Arab Club" in Tiberias hat mit der Vereinigung der landwirtschaftlichen Arbeiter ein Uebereinkommen getroffen, wonach 30 Arbeiter einen Tell der Arbeiten beim Bau der Semach—Kinereth—Tiberias-StraBe Ubernehmen. Diese Abmachung sichert den arabischen Arbeitern dieselben Begiinstigungen wie den jttdischen Arbeitern zu. Die Regelung der Zeit in Jerusalem. Jerusalem. J. C. B. Der bisherige Chaos in den verschiedenen Uhrzeiten in Jerusalem wurde durch eine Einrichtung behoben. Fortan wird das Observatorium in Cairo tåglich um 12 Uhr mittags die genaue Zeit (Standardzeit fttr Aegypten und Palåstina) telegraphisch in Jerusalem angeben. Eine nach dieser Zeit gerichtete Uhr wird in der Halle des Postamtes angebracht, um dem Publikum die Mdglichkeit zu geben, die Uhren einheitlich zu regulieren. Ansstellung von palåstinenslschen Landwlrtschafts- und Industrieerzeugungen in Aegypten. Cairo, J. C. B. Das Handels- und Industriebiiro der ågyptischen Regierung errichtete in Cairo eine permanente Ausstellung ågyptischer Erzeugungen. Ein Saal im Gebåude der Ausstellung der Regierung von Palåstina zur Verftigung gestellt, um die ågyptischen Kreise mit den Erzeugnissen der palåstinensisciien Landwirtschaft und Industrie bekanntzumachen. Ein arablsches Tagblatt liir die jiidiscli-arabische Verståndlgung. Jerusalem. J. C. B. In Damaskus hat ein neues Tagblatt in arabischer Sprache zu erscheinen begonnen. Das Blatt, das unter Redaktion des Herrn Sasson steht, will, auf die jiidisch-arabische Verståndigung hinarbeiten. Wissenschaltliche Ausgrabungen in Palåstina. Jerusalem, 26. August. J. C. B. Als Ergebnis der Audienz des Vorsitzenden der jiidischen Gesellschaft fur Palåstinaforschung, Mr. Ben-Jehuda, beim Oberkommissår Sir Samuel, wurde der Gesellschaft, die Erlaubnis får die Vornahme von wissenschaftlichen Ausgrabungen in 5 wichtigen Punkten Palåstiuas erteilt. Ertellung von PaBvlsa nach Palåstina. London, 28. August. J. C. B. Die zionistische Organisation hat såmtliche englische Konsulate angewiesen, die PaBvisa nach Palåstina auf Empfehlung der zionistischen Aeinter zu erteilen. Neue Ansledlungsplåne. Prof. Geddes bereitet einen Rechenschaftsbericht ilber seine Plftne fUr den Bau der iddischen Ansie diungen in Haifa und Tiberias vor. Die Ausarbeitung der Plåne fttr Jerusalem mufite, infolge Mangels genauer Karten, unterbrochen und auf spåter verschoben werden. Statt, wie urspriinglich geplant, seine Ferienzeit der Unlversitåt in Bombay zu wid* men, entschloB sleb Prof. Geddes, auch den Sommer | flber in Ptlåattøa zn verbletben, tun Mine Plåne fBr den Bau der Ansiedlungen fertig zu stenen, damit er das nåchste Jahr ganz seiner Arbeit IQr die JQd. Universitåt obliegen konne, falis ihm ein diesbezUgl. Auftrag von der zion. Organisation zugeht. In den nåchsten Wochen beabsichtigt Prof. Qeddes eine Ausstellung der Plåne der Stådte und Kolonienbauten in Jerusalem zu veranstalten. J. P. Z. Z. JUd. Krlegsgefangene flir Erez Israel. Ein Delegierter von 5000 iUd. Kriegsgefangenen aus Oesterreich, die sich in Tobolsk befinden, weilt in Jerusalem, um die Bedingungen fttr die Immigration dieser Kriegsgefangenen nach Palåstina kennen zu lernen. J. p. Z. Z. Flåchtllnge nach Palåstina. Konstantinopel, 25. August. J. C. B. Hier sind 300 jUdische Emigranten aus BeBarabien, Rumanien und Ungarn mit dem Ziele nach Palåstina eingetroffen. KANADA. Ueberftibrung von Krlegswalsen. Die Kanadische Regierung hat bereits die Erlaubnis zur Ueberfilhrung jUd. Kriegswaisen aus der Ukraine nach Kanada erteilt. Die Kampagne fiir die Ueberftihrung der ersten tausend Waisen, zu welchem Zweck ein Fonds von einer halben Million Dollars geschaffen werden soli, hat unter Mithilfe von Prof. Chaifez begonnen. J. P. Z. Z. des Obdaehloseo sind Seuchtn auigebrochto, derta Elndfimmung grolie Schwterigkeiten bereitet. Di« Lage ist eine verzweifelte. J, P. 2. Z, Eln Protest der lådlschen Gemeinde Wllnas nach Moskau. Kowno, 27. August. J. C. B. Die litauische Delegation hat im Einvernehmen mit der jUdischen Gemeinde in Wilna bei der Sowietregierung In Moskau gegen die seitens der SowietbehOrden in Wilna vor* genommenen Verhaftungen von 100 Juden und gegen die ErschieBung von 7 unschuldigen litauischen Bflrgern schårfsten Protest eingelegt. RUMANIEN. Dr. Ntemtrower Im „Zenfralkomitee lår sozlale Asslstenz. Die rumånische Reglerung hat ein „Zentratkomitee" fUr soziaie Asslstenz gebildet. Das Gesetz sieht vor, daB demselben die Oberhåupter der verschiedenen Konfessionen angehOren. Zum ersten Male wurde neben dem Metropolit-Primas und dem katholischen Erzbischof ein Rabbiner als Vertreter aller Ritten des JUd. Kultus ernannt u. zw. in der Person des Rabbiners Dr. J. Niemirower, Bukarest. J. P. Z. Z. Von Woche zu Woehe. ENGLAND. Telegramm der Mlsrachl an Samuel. Die Misrachi-Exekutive sandte folgendes Telegramm an Herbert Samuel: Seitens der Misrachi- Organisation driicken wir unsere grofie Freudc aus aber Ihre Erklårung des Sabbaths als Ruhetag fiir alle Juden im Regierungsdienst. Wir erblicken darin einen wirklichen Anfang zur RUckkehr jUd. Geistes in Zion. Gez. Die Exekutive, Meier Berlni, Hertz, Farbstein, Stuart Samuel, Pick, worauf folgende Antwort einlief: Genehmigen Sie meinen herzlichen Dank fttr Ihr Telegramm. Ich schåtøe die darin ausgedrUckten Geftihle nach ihrem vollen Werte. Herbert Samuel. J. P. Z. Z. POLEN. Verhaftung von Zionisten. Die Verhåltnisse in Polen zwingen die IUd. Abgeordneten noch immer zu Interventionen zugunsteu der jfld. Bevdlkerung. So erschien kttrzlich Abg. OrUnbaum beim Vertreter des Innenministers Kuczynski, dem er. ein Verzeichnis aller grundlos verhafteten Zionisten und Gemeinderåte in der Provinz vorlegte. Der Minister versprach deren baldige Befreiung, wobei in einem Rundschreiben erklårt werden soli, daB der Zionismus keineswegs staatsfeindliche Tendenzen håbe. Abg. GrUnbaum Ubergab auch das Tatsachenmaterial Uber die letzten Vorfålle in Praga und auf der TwardastraBe, bei denen Abg. Hartglas selbst zugegen war. Er verwies auch darauf, daB trotz aller Versprechungen, die nationaldemokratische Presse von ihrer WUhl- und Hetzarbeit gegen die Juden nicht ablasse. Der Vizeminister gab zu, daB tnan mit allen Mitteln dem abhelfen mUsse, da diese Verhåltnisse dem Staate nur Schaden bringen. J. P. Z. Z. Fortdauer der Judenbedrångnls In Polen, London, 29. August J. C. B. Aus Warschau wird gemeldet: Die Behorde hat den Vorsitzenden der jttdischen Gemeinde in Wolemin, Herrn Krzentzki, als Geisel interniert. Das Exekutivkomitee der Poale Zion richtete einen offenne Brief an den Vizeministerpråsident Daszynski, in welchem er aufgefordert wird, die in Haft genommenen jUdischen ArbeiterfUhrer zu befreien. RUSSLAND. Neues Judenleld. Der in Minsk bei den Friedensverhandlungen sich befindliche Korrespondent des Londoner »Daily Herald“ berichtet seiner Zeitung ttber die von ihm beobachteten Verheerungen in den von den Polen verlassenen Gebiéten. Er konnte feststellen, daB die Polen die ganze Gegend, die er als JUdisch-Polen bezeichnet, wåhrend ihres RUckzuges systematiscb verheert hatten. Fast alle kleinen Stådtchen wurden niedergebrannt, wobei die Polen es nur auf die Håuser der Juden abgésehen hatten, wåhrend die Håuser und Ddrfer der Christen verschont wurden. Ueber 300.000 Personen, hauptsåchlich Juden, sollen obdachlos sien. Die. Bolschewisten versuchen durch Baraokenbau dem Wohnungselend abzuhelfen. Unter Die Bundesgenossen der deutsch-demokratischen Frelheltspartei. Wir haben wåhrend der ganzen Wahlkampagne die Juden vor der Bundesgenossenschaft der deutschnationalen Partei gewarnt. Vergebens; die deutsch-demokratischen Juden haben lieber antisemitisch gewåhlt, denn jUdischnational. Die Rettung des Deutschtums steht unseren KultusgenfeindcgroBen und B’ne-B’rithlern hQher denn die Wahrung des Judentums. i Jetzt sind einige Wochen seit den Wahlen verflossen und das BrUnner „Mohtagblatt" nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Es zieht nun gegen die Juden los; und unsere lieben Juden — pardon Israeliten — år ger n sich. Wenn das.„Montagblatt“ von einer Weltliga gegen das Judentum schreibt, wenn es von einer iådischen Weltliga faselt, so konnen wir dagegen nichts tun. Wir wåren wahrlich froh, wenn solche jUdische Weltliga existierte. Gegen eine arische Weltliga haben wir nichts. Wir Jttdischnationalen gewiB nicht. Umsoweniger als Ja der Antisemitismus sowfeso bereits das einigende Band aller Nichtjuden hildet. Die deutsch-demokratischen Juden haben sich die Suppe selbst eingebrockt, haben gegen uns auf das heftigste agitlert, machen uns Schwierigkelten in allen und in jedem; wollten unbedingt haben, daB das geistige Haupt des BrUnner „Montagblattes“ in das Parlament gewåhlt werde und der Kandidat war gescheit genug, sich von den Juden wahlen zu lassen. Nach^nsicht der Deutschen sind la »Prager Tagblatt" ’ und „Tagesbote“ keine deutschen Blåtter, sondern JUdische, weil sie von Juden geschrieben und von Juden gelesen werden. Deutsch hingegen ist das „Montagblatt", und damit mUssen sich die BrUnner deutsch-demokratischen Juden abfinden. Man kann doch fUglich nicht annehmen, daB Juden die Deutschen das Deutschtum lehren wollen. Ich muB doch dem Deutschen glauben. Aber dem ist ja nicht so. Es hat bereits vor Jahren der Jude A u s p 11 z dem Deutschen Schdnerer im altQsterreichischen Pariamente zugerufen: „Mit dem heutigen Tage ist das Tischtuch zwischen den Deutschen und dem Herrn Georg Ritter von Schdnerer entzweige- $chnitten.“ Auf diesem Standpunkte scheihen auch die BrUnner Juden zu stehen. Sie wollen doch deutscher sein, als die Deutschen und als solche muB innen das „Montagblatt" hellig sein. Uebrigens welcher Unterschied besteht zwischen dem „Montagblatt“ und dem „Tagesbote" vom 5. September 1920, der unter Oerichtssaal folgende Worte schreibt: „Schier Mandelbltth hat 1895 in Lublin das Licht seiner llddischen Umwelt erblickt und treibt sich mit falschem Passe in der Republik heram, da er um keinen Preis der Welt gegen die Bolschewiken kampfen wll!.“ Das ist doch ein bischen zu stark.-Ein Jude darf solches nicht schreiben. Ein „Vogel, der sein eigen Nest bemistetw ist zu abscheulich, als daB man sich mit ihm beschfiftigen sollte. Wir gratulieren dem „Tagesbote“ zu seinen Erfolgen. Er wird bald ein gut deutsches Blatt sein, und das soli es werden, wenn es der deUtsch-bUrgerliche Abgeordoete Brflnns verlangt. Par nobile fratruinl

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