Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1920)
- Date
- 1920-09-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ScMt i nJØMOD fO&MØlMMC" *É« Nr. 87. Otr itontotftclw BMcrtitnk Er mdchte immer gan* genati tøførmtert sein. Er ist ein vorsicbtiger Major, aber ein unsicherer Kantonist. Wenn die Partei in trgend einer Angeiegenheit an ihn herantritt, da windet er sich, und dreht sich nach allen Richtungen. Er mdchte gerne ftberall dabei sein, er mdchte Ehrenposten annehmen und Ehren einheimsen, nur dar! es ihn nichts kosten. Salbungsvolle Reden halten. mit dem Brnstton seiner Ueberzeugung sich selbst zu hypnotisøren, stets aui Anstand und Oemessenheit bedacht sein. sich aber trotzdem nie zu erkennen geben« Moral predigen iiber solche aber erhaben sein. Nationale Opier von anderen bringen lassen, selbst aber jedes zu scheuen, das ist so der Typus des zionistischen Biedermannes, des Mauschel in der Bewegung, der irgendwo ein Herzbild in die Ecke hlngt, iim von sich sagen zu konnen, er sei auch Zionist. Auch-Zioriist, so nannte man es frilher, Jetzt zirkulieren andere Namen flir diesen Typus. Auch-Zionist und Zylinderiude am Sabbat und Festtagen, manchmal kann auch ein konservatives Mlntelchen nicht schaden, hebt das Ansehen und das Dekor, und wenn man dann noch in den Tempel geht am Sabbat in Schwarz, dann hat man filr sein Judentum. viel geleistet. So glaubt der Biedermann. Aber sein Kind in die jfldische Scliule schicken! Oott behilte. Das wire zu viel; ja von der jtidischen Schule sprechen, in altehrwtirdigen Erinnerungen schwelgen, daB paBt solchem Biedermann; Kowed einstecken, stets geschåtzt zu werden von allen, weil er selbst sich am h&chsten einschltzt, das ist so scine richtige Frettde. Aber positiv etwas zu leisten, Opfer, die gar keine Opfer mehr sind zu bringen, das da ri nicht gefordert werden. Wir aber fordern von solchem Biedermann wenigstens soviel Gesinnungsanstlndigkeit, daB er, wenn er schon die elgenen Kinder nicht in die jUdische Schule schicken mag, doch andere nicht davon abhllt. Und diese Biedermlnner wollen eine Renaissance des Judentums herbeiftthren, Qott schiitze utis da vor! BrOnner Nachrichten. Qemelnderatssltzung vom 7. September 1920. Stellungnahme zu der Erhbhung der Qas- und Strompreise. Es ist zum charakteristischen Merkmal der Qemeinderatsverhandlungen geworden, daB selbst Fragen ohne jeden nat. Hint'érgrund au! das nationalpolitische Oeleise verschoben, und von diesem Gesichtspunkte aus behandelt werden. So kommt es, daB Fragen rein wirtschaftlicher Natur, wie die Erhohung des Preises fttr Gas und elektrischen Stroin zum Kampfobjekte zwischen der Cechischen Mehrheit und der deutschen Minderheit werden. Aufgabe unserer lUd. Maudatare ist es, in diesem Streite unvoreingenommen zu bleiben und solche Angelegenheiten vom rein kommunalen Standpunkte aus zu betrachten. Die Finanzlage aller grofleren Oemeinden bei uns wie im Auslande ist die denkbar tristeste, und eine mehr oder minder sparsame Oemeindewlrtschaft aliein ist derzeit nicht imstande, Ordnung in den GemeiudehaushaU zu bringen, wenn es nicht gelingt, den immer mehr wachsenden Auslagen neue Einnahmen gegenttber zu stellen. Nach den Mitteilungen des BUrgermeisters Vanék betrlgt das bisherige Delizit der Gemeinde Brtttin mehr als 41 Millionen Kronen, die Auszahlung der Beziige der Gemeindeangestellten berettet von Monat zu Monat grdBere Schwierigkeiten und der Blirgermeister sah sich bel Einbringung der Vorlage der Strom- und Gaspreiserhohung veranlaBt, einen Appell an die Oeroeittdevertreter zu richten, alle Kritte zusammenzufassen, um dieser unhaltbaren Situation Herr zu werden. DaB eine Sanierung der Gemeindefinanzen ohne. Opfer ftir die Bevolkerung nicht mogUch ist, ist nur zu selbstverstlndlich und^die Gemeinde milsse daran schreiten, neue Einnahmsquellen fttr die Gemeinde auf aliein Gebieten zu erschlieBen, soweit dies noch mit der finanziéllen Tragflhigkeit dfcr Bevdlkerung in Einklang zu bringen wdre. So stellt auch die neuerliche Erhfihung der Gas- und Strompreise eine neue Einnahmsquelle der Gemeinde dar, wenn auch die Begriindung dUrch den Referenten Stadtrat Pawlik eine weniger glfickliehe war, indem er als Grund data r, die Notlage der Gememdeuntemehmungen ftthrte; diese Notlage ist aber næh den sachlichen Ausfiihrungen der GR; T a u b und Z w i c k e r nur daranf zurOckzu&ihren, dafi die Gemeinde diesen sonst rentabeln Unternehmaøgen <(wie. Gas- -uad Elekltfizitatswtrk) Lasten autøttrdet, wekhe die Gemeinde selbst zu tragen hatte, So schuldet z. B. die Gemeinde ihren elgenen Unternehmttngen MiHionenbctrage fflr nicht gezahlte Kosten der dffentlichen Beleuchtung, ftir gelieferten Koks, fttr Installationsarbeiten und anderes mehr und da die Gemeinde ihren Verpfliehtungen diesen Institutionen gegenUber nicht nachkomtnen kann, stehen wir vor einer Notlage unserer Gemeinde, der man nur dann steuern kann, wenn ihr neue Mittel zuflieBen. Die Qemeindeunternehmungen sind heute nicht im stande ihre Betriebe ordnungsgemaB aufrecht zu erhaiten und dringende In vestitionen vorzunehmen. (Zum Beispiel: Die Anschaffung von Transformatoren und Kabeln fttr die Erhaltung und den Ausbau des Leitungsnetzes bedarf eines Betrages von mehr als 5 Millionen Kronen.) Abgesehen von der Schwierigkeit der Beschaffung der Kredite wtirden diese bei den heutigen hohen Bankzinsen (mehr ais 12 Prozent), die Gemeinde tierart belasten, daB eine Ueberwllzung auf die Bevolkerung in dieser oder jener Form unvermeidlich wire. Die bisherige Strompreiskalkulation beruht nach dem alten Vertrage mit den Rossitzer Gewerken auf einer Kohlenpreisbasis, die mit Oenehmigung der Regierung bezw. des Gesetzes gelndert wird, so daB eine Erhohung der Strompreise unausbleiblich gewesen wiire. Die Strompreise sind mit Ninzurechnung der vorgeschlagenen Erhohung noch immer um vieles niedriger als in den meisten Stadten der Republik. Bei der Verallgemeinerung der Verwendung von Gas und elektr. Lichte im Haushalt und Betrieb, werden die breitesten Kreise der Bevolkerung verhlltnismaBig gleich herangezogen, ohne den einzelnen Haushalt UbermSBig zu belasten. (Ein mittlerer Harishalt wird an jåhrlichen Mehrkosten fUr elektr. Beleuchtung einschlieBlich erhbhter Zahlermiete ca. 70 Kronen zahlen.) Aus diesen Erwagungen konnten sich unsere Gemeindevertreter der Notwendigkeit nicht verschlie- Ben, iltre Stimmen der Vorlage zu geben, abgesehen davon, daB sie eln Provisorium von 2 Monaten bedeutet, daB die Maloritat fQr sie sowieso gegeben war. Wie zwingend diese Notwendigkeit war, erhellt daraus, daB eine sozialistische Mehrheit diese Vorlage einbrachte und sich sogar fur die Erhdhung der Verzehrungsstener einsetzen muBte, wodurch doch gerade die mittleren und armsten Klassen der Bevolkerung stark betroffen wtirden. Lauter MaBnahmen, die, so schwer sie auch fUr die BevSlkerung sein mttgen, notwendig sind, um die Gemeindewirtschaft iiber Wasser halten zu konnen. Der Unterstiitzungsvereln filr mlitellose jUdische Techniker In Briinn Qbernimmt mit Riicksicht auf die groBe Wohnungsnot die unentgeltliche Vermittlung von Wohnungen und Pension an Studierende und ersucht die Oeffentlichkeit in Hinsicht auf die schwierigen Wohnungsverhaitnisse und der Gefahr der Beschlagnahme der Wohnungen durch die BehSrden obigen Aktion nach Kraften zu unterstiitzen. Anmeldungen und Auskiinfte milndlich Montag, Mittwoch und Samstag von halb 12 bis halb 1 Uhr mittags. Legionåfskå 31, II. Stock. Neujahrswunsch - Enthebungen zu Gunsten des* Jtidischen Nationalfonds. Dr. Artur Feldmann 100 K, Ascher & Redlich 50 K, Fam. Clementine Schallinger 24 K, Siegfried Kessler, Heinrich Zaitschek, Rudolf Meisel, Josef Bergmann, Simon Czuczka, Otto Lowy, Paul Zaitschek, Alfred Neumann, Max Hannak, Sophie Drucker, Ing. Artur Steiner, Dr. Adolf Grlinfeld, Moritz Samek, Fam. ProBnitzer, Max Drucker, Berta Schnabl, Oskar und Regine Bogad, Ignatz und Selma Rokach aus Priesnitz, Emil Singer, Berta Stempel, Wittal, Karl Karsten, Ignatz Weich, Otto Weich, Samek & Comp., Ing. Max Singer, Ida Ripper, Her mine Breda, Jakob Ehre, Eduard Qlaser, Ludwig Meiler, N. N.. Riesenfeld, Fam. Lang, Fam. Pomeranz, Ing. Rudolf Friedmann, Adolf Mtiller, Gustav Neubauer-Samek und Familie Eibenschitz, Max Neubauer, Eibenschitz zu je 20 K; Dr. Theodor Haas. Pauline Zweigenthal, Prof. Armin Lemberger, Dr. Marcel Diaehe, Perl, Hermann Rosenblut, Isak Kahane, Brill, Moritz Deutsch, Dr. Trachtenberg, Fam. Strebinger, Rosa Vogl, Fam. Kahn, Alois Hochwald zu je 10 K; Leo Fiscbel, Isak Scheinmann, Siegfried Horowiiz, Piowaty, Blinder, Braun, Bock, Fischel, Ascher, Kohnstein, Schmldek, Bauer, Rubert zu je 5 K. Errist Schasdiny und Frau 50 K, Jfld. Fraue norgan i sation 40 K. Vei#ln „JuUlaebe Sehulo« to Briinn. Einladung «ur etrston ordontk QenwaHwsanmriung, welcho ara 25. September 1920, um 8 Uhr abe$df» lm Sitzungssaate der isr. Kultusgemeinde, KoliSte 57, stattfinden wird. Tagesordnung: 1. Bericht der Vereinsleitung. 2. Neuwahl der Vereinsleitung, des Aufsichtsrates und des Schiedsgerichtes. — Die Vereinsleitung. Waisenhausvereln. Verlorene Wette Max Seidler, Kapuzinerplatz 10 K, Ungenannt 30 K, Frau Irma Sonnenschein, Gomperzgasse 20 K. « S. K. Makkabi la versus S. K. Zidenice la 2:3 (2:111) gespielt Sonntag, den 5. d. M. auf dem Zidenicersportplatz, der sich infolge vorhergehenden starken Regens in ein Kotmeer aufgelost hatte. Nur die begrasten Spielplatzrfinder wafen spielfåhig und muBte daher der Sieg derienigen Mannschaft zufallen, welche die besseren FHigelmfinner zu Eigen zfihlte. Nur hohe, weite FlilgelpreB-Baile muBten zum Vortragen der Angriffe dienen. Dieses Spielsystem wurde von Makkabi leider nicht angewandt und brachte daher die iiber alles Erwaretn brav spielende Makkabi-Elf um den wohlverdienten Sieg. Wire Molnar hier gewesen, er hitte gewiB auf diesen Umstand Bedacht genommen und die melsten Bille dem linken Flilgelpaar Ivanovski-Platzer zugespielt, die in der ersten Halbzeit (und diese sah Makkabi in gewaltiger Ueberlegenheit Qber seinen Gegner) fast glnzlich unbeschlftigt blieben, obwohl gerade diesc beiden Spieler sich in hoher Form befanden und auf spiel- und schuBflhigerem Terrain operierten. So aber bekam, besonders in der 1. Halbzeit, fast alle Bille der rechte Verbindungsmann BoroS, der sich diesesmal in blendendster Form zeigte, unzlhlige Proben seiner verbliiffenden Ball-Technik zum Besten gab, auf unmSglichstem Terrain, knietief im Kote watend, die tolisten Dribbling-Kunststiicke vorfiihrte, jedoch infolge unmogllchen Terrains — groBe Wasserlachen auf Grasboden ein Laufen, geschweige denn SchieBen vollig gehindert war. Seine Ermildung, die sich gegen SchluB der 2. Halbzeit bemerkbar machte, konnte den kritischen Beurteiler nicht wundernehmen. Der Schiedsrichter, Herr Kindl. war in seinen Entscheidungen einwandfrei. Auch den Tormann trifft kein Verschulden. Seine Aufgeregtheit lieB ihn nicht zu seiner vollen Form auflaufeo. Eine Ueberraschung aller bildete das vorzQgliche Spiel des rechten Verteidigers Ise Fischer. Jellinek arbeitete brav, ist jedoch manchmal erschreckend unsicher und langsam. Im Halv war Baru der Beste. ReiB II als linker Half deckte Lelek, den geflhrlichsten gegnerischen FlUgel, Uberhaupt nicht. Der Zenterhalv spielte sehr aufopfernd. Taktisch spielte er nicht richtig. Seine schwachen Vorleger zwangen das Innentrio immer wieder, sich den Ball von riickwlrts zu holen. Im Angriff war diesmal Boro§ der Beste. Er war der 3. Makkabiverteidiger. Ein herrliches Spiel zeigte diesmal Timar. Sein aufopferndes Spiel verdient die denkbar groBte Anerkennung. Ueber Ivanovskis Spiel brauche ich nichts zu sagen. Seine EckstoBe sind prachtvoll getreten, seine Torschiisse die geflhrlichsten. Das Goal, das er erzielte, war das schonste Tor des Tages. So wie das Terrain, auf welchem dieses Weitspiel zur Austragung gelangte, irregullr war, so auch das Resultat 2:3, wobei noch zu erwlhnen ist, daB das 3. Tor aus einem 11 m StrafstoB resultierte, der in der Ietzten Minute nach einmaliger Wiederholung eingeschossen wurde. Dem gegenseitigen Krlfteverhlltnis hitte ein unentschiedenes Resultat besser entsprochen. Wir sahen in der ersten Halbzeit eine machtvolle Ueberlegenheit der Makkabi-Elf, die im Resultate der 1. Halbzeit 2:1 nicht voll zum Ausdruck gelangte. Die 2. Halbzeit brachte in den 2 ersten Viertelstunden ein vollig gleichwertiges offenes Spiel, erst die letzte Viertelstunde stand im Zeichen einer konstanten Ueberlegenheit der Zidenice, die um diese Zeit zu einem erfolgversprechenden Endspurte einsetzten. Das sonntagige Resultat bedarf einer Korrektur. Den Beweis dafUr muB und wird die Mannschaft des Makkabi diesen Samstag erbringen. Fttr diesen Tag gelte die Losung: „Auf einwandfreiem Boden ein einw^andfrei siegreiches Resultat*1! Rumbo. Berichtlgung. „Hilfskonferenz der jttd. Kriegsinvaliden und Heimkehrer.** Herr Dr, LSwensohn ersucht uns, festzustellen, daB seine Unt ers c h r i f t unter dem Auf ruf, den wir in der Nr. 36 unseres Blattes verfiffentlichten, ohne sein Wissen und ohne seinen Willen gesetzt wurde. D!e Redaktion.