Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1920)
- Date
- 1920-09-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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tot 4 VtWSSIMHF Qtøetfel Mtar tli a* jlidtecl* Ehr« tnd in fttrchteu dat radikales Soiialiamus nehr tis deø AntisemitiSmat. Aber tar to elnfach and klar lieten dies« pinte nicht and tllerhand nebelhafte Vorstellunten and Autosuggestfonen spielen hier stark mit. Es darf nicht vertessen verden, daB viele Juden innerlich konservativ testimmt sind and daB sie håufit nicht nar Patrioten, sondern deotsche Chauvinisten varen. Trotz aller Erfahrungen mit den Konservativen und zum Teil auch mit den Nationalliberalen haben fttr sie die nationalpatriotischen Schlatvorte einen trofien Reiz. Sie sehen zwar die antisemitischen Qehfissitkeiten der rechten Partei, reden sich aber eln, dafi diese Erscheinunt nur WahlmanCver ist and bald velchen vird. Frilher var es die lantl&hrite Tradition, daB sie freisinnit wåhlten, auch venn sie nicht freisnlnit varen, veil die Freisinnifen als die berufenen Verteiditer der Jtidischen Qesamtheit talten. Nun ist diese Tradition durch die nette Zeit zerståxt vorden und die virtschaftlichen und sozialen Qegensfttze haben die politischen abgelflst. Da diktiert die Furcht vor dem sozialen Radikalismus bevuflt oder unbevuBt die Rlchtlinien far die Handlung, und man fttngt an, Konzessionen zu machen und mit sich selber zu handeln. Die rechten Parteien haben teloten, die linken auch. Diese erscheinen antisemitischer als sie sind, Jene weniger antisemitisch als sie in Wirklichkeit sind. Warum soli man also nicht angesichts der Flut des drohenden Bolschevismus auf manches verzichten und mit der Rechten gehen? Das ist die Logik dieser Leute. In der Tat waren die maBgebenden Persånlichkeiten der rechten Parteien im intimerf Kreise anders, und sie verkehrten prlvatim vielfach sehr freundlich mit den Juden. Sie testanden es oft, daB ihnen der Appell an die antisemitischen Instinkte und < die Dummheit mancher Volksschichten nur Mittel zum Zweck, nur Taktik und nicht Herzenssache war. Kann man dieses Verhalten der Juden vielleicht noch menschlich begreiflich finden, so wird man es denn doch aufrichtig bedauern mflssen. Es zeigt sich darin der Mangel eines JUdischen Korpsgeistes, der Mangel einer zielbewuBten RQcksicht auf die ideellen und kulturellen Interessen der jUdischen Gemeinschaft. Hatten vir auch nur ein wenig von der Solidaritet, die unsere Feinde uns andichten, so wåren solche pinge unmfiglich. Es fehit auch in der gråflten Mehrheit der JUdischen Qesamtheit in Deutschland an elner straffen DiszlpUn. Aber auch in inneren i Ud ise hen Angelegenheiten haben viele deutsche Juden nichts vergessen und nichts zugelernt. Sie haben sich in Berlin, dessen ittdische Qemeinde beinahe ein Drittel aller deutschen Juden bildet und in vielen Dingen tonangebend ist, nicht entschlieBen konnen, freiwlllig den unteren Klassen einen EinfluB auf die Verwaltung einzuriumen. Die Verhttltniswahl mufite den Herren des alten Regims gevaltsam abgerungen verden und es muBte ein heftiger Kampf einsetzen, um Bresche in die alte Burg des BQrokratismus zu legen. Der Erfolg der neuen jUdischen Volkspartei mit ihrem JUdlsch-nationalen Programm vird man als bedeutend bezeichnen dflrfen. Vier Zionisten, darunter sogar ein Pstjude, ziehen in die Qemeindestube ein. Sie verden keine neuen veltstQrmerischen Reformen durchfUhren und fUr eine jiidisch-nationale Arbeit groBen Stils fehit hier noch der Boden. Aber schon, daB eine lebhafte Kritik einsetzen vird, ist ein Fortschritt. Die liberalen Bonzen, die bisher fast uneingeschrttukt herrsebten, verden einsehen, daB man mit dem erstarrten liberalen Schematismus heute nichts mehr anfangen kann, und die Zionisten verden erkennen, daB man im Natlonaliudentum die Religion nicht als Nebenand Privatsache erkliren kann. Auch eine dritte Partei trat als Beverberin bei dieser Wahl auf. Es varen die Poale-Zion, die allerdings die zveite Httlfte ihres Namens in jUngster Zeit ganz vergessen haben und sich nar als jiddisch redende Sozialisten charakterisieren, wollten ebenfalls in die Vervaltung eintreten. Schade, daB der erste ihrer Liste, der frUhere Reichstagsabgeordnete Dr. Oskar Cohn, nicht gewfihlt vorden ist. Er ist elner der klUgsten Politiker unter den deutschen Juden und ein warm empfindender Jude. Seine Anvesenheit im Qemeinderate vftre sehr heilsam fUr die Ungstlichen Philister. Scbuld am Mifierfolg dieser Partei var Ihr nebelhaftes Programm tmd vobl auch ihre Kandidaten, — hauptsfichlich aber der Mangel an Qeld zur Agitation. Nun ist die Plattform fUr die øemeindearbeit geschaffen, und die neuen Mftaner verden zeigen mUssen, vas sie leisten kOnnen. [ Uigsem aber Udler kømmt doch der Fortechrltt Der Palletinagedanke vird heute popul&r in Deutschland auch unter den Nichtzionisten, und verstande man es, die richtige Form zu finden, dann kdnnte man viete ittdische Kapitalisten fttr die Sache unseres Volkes gewlnnen. Allerdings mflBte man da die Politik ganz stillegen und die Sache als praktische Kolqnisationsidee betreiben. Das vttrde kein Opfer der Ueberzeugung bedeuten, sondern dl% Einigung aller Richtungen zur Arbeit fttr die Ittdische Zukunft. Dieser Aktion muB eine gesunde Einsicht vorangehen, die durch aufklårende Arbeit und durch eine versåhnende Taktik angebahnt verden soil. Je frtther man diesen Weg einschlttgt, desto eher kommen vir zum ZleL MShr.-schles. Studententag in Leipnik am 6. u. 7. September 1920. Nach 7Jtthriger Pause trat am 6. d. zum erstenmal vieder ein Studententag der mfihrisch-schlesischen Studenten zusammen. Beinahe alle Ferialvereinigungen haben ihre Delegierte entsendent, ungef3.hr 30 an der Zahl. Die Tagung hatte ein grofies Stflck Arbeit auf der Tagesordnung und erledigte diese in elner fttr alle Kongresse mustergiltigen Art. Die Referate und die Debatte standen auf einem hohen Niveau, venn hin und wleder die Debatte ein venig ins uferlose ging, so ist das nur dem guten Willen der einzelnen Bundesbrttder zugute zu halten, die seit Jahren vieder einmal sich aussprechen vollten. Das zionist. D. K. var durch Herrn Doktor Hugo Hermann vertreten, der Verein „Jfldische Schule fttr MShren" und der „Jttd. Landesvolksrat" durch Dr. Qustav Kohn, Herr Dr. Max Brod begrttBte brieflich im Namen des „Jttd. Nationalrates". Der erste Tag vurde eråffnet durch eine wttrdige hebrdische Ansprache des Bb. Schnitzler (Gamalah Gåding), der in seinen SchluBworten unserer Toten gedachte und die fehlenden Vereinigungen entschuldigte. In das Pråsidium wurden gewtthlt die Bb.: Lechner (Qamalah), Beer (Zephira), Kohn (Harziona, Teschen), Låff (Osid). Herr Dr. Hermann begrttflt im Auftrage des D. K. Er veist auf die Stellung des zionst. Studenten in der Vorkriegszeit hin, in der er Fflhrer und Leiter der Bewegung war, bedauert, daB durch Schlagworte, die unter die Jugend geworfen \^yden, die Studentenschaft der Organisation entfremdet vurde und fordert diese auf, mit Hintansetzung der eigenen Personlichkeit, sich vieder voll und ganz der Organisation zur Verfttgung zu stellen. (Beifall.) Dr. Kohn ttberbringt QrttBe des „Vereines jttdische Schule" und wttnscht als gewesener PrSsident des letzten Studententages der Tagung gedeihliche Arbeit. Als erster Referent spricht Theo Werner (Hasmontta, Iglau); sein Referat „Ziele und Organisationsformen der Ferialverbindungen", war auf einer Hohe, die einer Studententagung, als der Elite unser Organisation entsprach. Wir kommen auf dieses Referat noch zurttek. In seinen Hauptfordernngen verlangt er Organisierung der einzelnen Vereine iu kleine Gruppen (Kwuzoth, nach Art der Schomrim), in denen eine grttndliche Ausbildung der einzelnen Bb. durchgeftthrt verden kånne. Er schlttgt einen gemeinsamen Verband mit einheitlichem Namen vor (Akiba); an der Spitze jeder Kwuzah steht ein Obmann oder Ftthrer. Die Leitung setzt sich aus den Fflhrern der Kwuzoth znsammen. Alle F. V. bilden einen Bund; jåhrliche Bundestage verden abgehalten, an denen Richtlinien festgesetzt werdert; allen Bb. vird die Hebråisierung ans Herz gelegt. An der Debatte beteiligten sich Borger (Hebronia), Ooldschmidt (Giskalah), Grun (Geullah), Nr. 37. Kohn (Harttøaa), Dr. Hermelin, Rem (Verttas), Be;- ger (Massede), Weber (Hessians). Dr. Hermann stellt eine Dienstpflicht des jttd, Studenten fttr die zionist. Organisation in Aussicht, ein Vorschlag, der von der Tagung mit Befriedigung aufgenommen wird. Von den flbrigen Referaten vfire hervorzuheben: Kohn: „Ueber die Stellungnahme zu den anderen Parteien" und Ooldschmidt „Ueber nationale Erziehung". Wir kommen noch in der nftchsten Nummer auf den Studententag zurttek, Zum Neujahrsføste. Beim „Taschllch^-Gebet. Um Leben, Vater, flehen wir Am Neujahrsfeste fromm zu dir, O Gott, der Deinen Bitten hår’, Was wir erflehen, Herr, gewfthr’l Wenn abends sich die Sonne neigt, Zu dir empor die Bitte steigt: Ldsch\ Vater, aus des Volkes Schuld, Gewahre Gnade uns und Huldi Zum Flusse heute feder eilt Und andachtsvoll am Ufer veilt, Zu Gott hebt man den Bilck empor, Dann betet alles laut im Chor: O Vater in den Himmelshoh’n, Wer kCnnt’ mit Schuld vor dir besteh’n? Erbarme dich, blick’ auf uns mild, O Gott, der Ahnen Schutz und Schild! Schreib’ ein zum Leben, die dir treu, Heut\ wo beginnt ein Jahr auf’s Neu\ Nur Gutes bring’ die neue Zeit: Heil, Frieden und Glttckseligkeit! Dem Flusse gleich, die Herde klein, Der Menschheit mog’ zum Segen sein, Gedenk’ des Volks zum Leben heut’ Das fromm sich, Ew’ger, ganz dir weiht! Um deine Gnade flehen vir, LaB leer nicht zieh’n uns, Herr, von dir, Der Kinder Jakob’s Bitten hår’, Was wir von dir erfleh’n, gewtthr! Prof. Moritz Antscherl, Wien. Rundschau. PALXSTINA. Sir Herbert Samuel und die Araber. Jerusalem, 25. August. J. C. B. Nach der Einnahme von Damaskus druch die franzåsischen Truppen wandten sich mehrmals die angesehendsten Scheichs Transjordaniens an Sir Herbert Samuel mit der Bitte, die englische Verwaltung auch auf Transjordanien auszudehnen. Auf seiner Reise nach Jericho, wo ihm die ganze arablsche Bevolkerung mit Begeisterung aufnahm, empfing Sir Herbert Samuel eine 600gliedrige Abordnung der transjordanischen Bevdlkerung und machte folgende Erklårung: „Frankreich håbe zugestimmt, daB Transjordanien zur britischen EinfluBzone gehore. Es ist notwendig, dieses Land von Damaskus abzusondern. Es sei jedoch nicht beabsichtigt, Transjordanien Palæstina einzuverleiben. Es solle eine besondere beduinische Selbstverwaltung eingerichtet werden. Eine kleine Anzahl politischer Beamten werde bei der Organisierung einer arabischen Wehrmacht und bei der Einfuhrung der Ordnuug behilflich sein. Handel und Gewerbe, wie auch die Errichtung von Banken werden gefårdert werden. Zwischen Transjordanien 91 Bohem Flllala« la" Aktlenbanl la BrOan t In Prs vla-t-vit Behnho 18 ZaMungeii Im Auelaed naamlaeaaBaa und Kredit« aarsaa*Trana« aktloaaa Zw«igaii«taHm! Nn-Yerk, Paria, Brat Itiavsi Qdbloni a/N-, Halda