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Jüdische Volksstimme · 1919-03-28 · Heft 6 (28.3.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 6 (28.3.1919)
Date
1919-03-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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*11. s. DgMsche S»LlHM««e* Seite 6. and Jerusalem beten, aufgefangen? Nein. Der Zionisam» wurde von der Orthodoxie vielmehr in Acht und Bann gestellt. Trotzdem ist er dennoch zur Geltung gekommen. In erster« Zeit nahmen zahlreiche jüdische Studenten und andere Juden, die wie Schiffbrüchige de» Judentums im weiten Meere des Liberalismus umh«trieben, zum Zionismus wie zu einer aufgetauchten ««ungSinsel ihre Zuflucht. Hier wurden fie vor ihrem völligen Untergange geborgen. Damit erwachte auch der Gedanke des nationalen Judentums, ohne förmlichen Zwang, und verbreitete sich nach allen Richtungen in der Welt. Mit dem Aufleben des jüdischen Bewußtsein» trat auch die jüdische Geschichte in den Vordergrund. Da wurden mancherlei Schätze ent. deckt; die Quellen der jüdischen und vornehmlich der hebräischen Wissenschaft erschlossen. Und heutzutage seh« Wir nicht nur Männer, sondern auch jüdische Töchter, die in der Sprache unser« Ahnen mit manchem alten Talmudgelehrten wetteifern. Wo aber die Sprache kejn Hindernis mehr bildet, ist auch dem Studium der heiligen Schriften der Weg geebnet. Und nun se« hen wir zum Schlüsse: Während durch die Orthodoxie ein groß« Teil des jüdischen Volkes in die Arme der Assimilation getrieben — e» dagegen dem Zionismus gelungen ist, aus der Assimilation das jüdische Volk Wied« aufzurichten. Vater: Diese Darstellung entspricht wohl deinem Geschmacks, mein Sohn. Allerdings fordern die Frommen von ihren Brüdern ganze Leistung. Denn nur so kann man zu einem vollständigen Werke gelangen. Halbheiten gibt es im Judentums nicht. Das ist da» Bestreben und der Endzweck der Orthodoxie, daß sie ihre moralische Kraft erhält pnd sich im Laufe der Zeiten ungeschwächt von Generation zu Generation ftrrtpflanzd. Sohn: Auch diese Ansicht kann ich mir nicht zu eigen machen. Man zeige mir heutzutage, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Juden, die an der bigoten Auf» faffung und an der Frömmigkeit in dem Maße ihrer Eltern, ich will nicht sagen ihrer Großväter, festhielten. Ich denke gerade an da» Gegenteil. Auch die Frommen richten sich nach dem Fortschritte, — allerdings als Nachzügler, die beständig später folgen. Darauf weist auch eure gegenwärtige Organisation. Sie wird eS aber nicht mehr verhindern, daß auch das Studium der Thora und der heiligen Schriften, das Ideal der Orthodvxie im heiligen Lande durch die Zionisten ins Leben gerufen worden wird. Verschiedenes. Wie die deutsch-österreichische Politik, so ist auch die der deutsch-österreichischen Judenheit: ein apathisches Hinvegetieren. Man ftagt sich: wie ist es möglich, daß die Juden hier, und nur hier, jede etamorphose hergebrachter Gefinnung und Auffassung einfach als für sie nicht geltend betrachten und nicht im entferntesten gewillt sind, die Konsequenzen aus dem Geschehenen und dem Schifsbruch ihres Bisherigen zu ziehen. Ist die sogenannte »jüdische Politik" zerdeutelt und zerdreht und mit einer nahezu unglaublichen, absurdgeformten, gewollten Naivität drehendig abgetan (ein Charakteristikum für unzulängliche Unschlüssigkeit und verflachten AlleS-HinnehmenS), so ist jede jüdischkulturelle Regung in vollkommener Erstarrung; Toter- Punkt-Zustand; und man empfindet: Gespenster, die nicht zugeben wollen, daß fie eS find, G«ippe, die ihre Knochen noch mühsam zusammenhaken. Jedes Pochen an die Tür versetzt sie in Erregung und Totenangst, eS pocht eben daS Andere, das fie ablöst, allein das Andere, daS DreiMal-Nationaljudentum, das eS aber nicht ein Mal ist, ist erst der Uebergang, weil nur Ahnendes und nicht Positives, und weil eS noch ein Stück vom Erbteil des Alten hat. Und dieser Andere geht und geht und bleibt beim Drohen, die Tür einzubrechen. Beim Drohen. Weil die Werkzeuge fehlen und die Kraft nicht ausreicht. Dies zeigt sich, wenn eS vom Worte zur Tat kommt. Exemplum: das große Problem, das eigentlich sehr klein ist, die Kultusgemeinde. Und das Unzuläng- U«he, der Mangel: die Wahlen indie Konstituante strotz alledem und alledem!) * * * Der Zionismus ist auf der Friedenskonferenz. Die Helle Aufregung derer vom ״mosaischen Glauben" hört man förmlich in der Luft. Die Ueberrumpelung war zu stark, über bis Nerven der alten Herren, die so sehr Stillschweigen wünschen, und die fie mit goldbekadenen Eseln erklimmen zu können glaubten. Aber die Mauer war doch höher als die .Israelit«,'' «einte». Der Vertret« der JhttSgläubigen, d« de« zehn Männern in Pari» die abgeschmackte Litanei der Vergangenhett Vorsingen zu müssen glaubte, « ist der letzte Anlauf, die .Männ«" zu übttfpringen. Sein Keuchen ist vergeben». Er hätte sich lieb« die Lunge schonen solle«! » * ♦ Die Polen, ״diese Engel, kein Kind ist so rein", find in ihrem Parlament in Warschau von den bösen volkisten und Zionisten sehr aufgeregt worden. Nur der orthodoxe V«tret« hat fie sanft erhalten können. Die gläubigen Seelen! Jude und Kardinal. Messina sank in Staub und Trümm« Der Todeswunden Angstgewimmer Stieg auf bis zu des Himmels Zelt Und füllt mit seinem Weh die Welt .. . Und vor dem Leid der Kranken sanken DeS Kampfes und des Haffes Schranken, ES öffnet ihr« Todesqual D« Papst sogar sein Hospital. Und selbst der Bürgermeist« Nathan Klopft höflich bei dem Kirchenstaat an — Und sieh, man läßt den Juden ein. Der sonst dem Papst bereitet Pein. DaS Unglück der geschlag'nen Land«, ) ES löste alten Hasses Bande; WaS nie vermocht die Politik, DaS bracht' zuwege daS Geschick. j; Al» Nathan bei den Kranken weilte. Die Pforte abermals sich teilte: Den Raum betrat Merrh de Val, ] ' Der eifervolle Kardinal. Zwei Mächtige in ihren Landen Sich plötzlich gegenüberstanden Dort in des Papstes Hospital: Der Freigeist und der Kardinal. Im Angesicht der Todeskranken, Da reichten schweigend, ohne Schwanken, Von ihres Volkes Not gebannt, Die beiden Gegner sich die Hand. Mit einmal fanden sich die beiden In ihrxD armen Landes Leiden- Was nie vermocht' die Politik Das bracht zuwege das Geschick... ■ ' ".V.fv.־; Vielleicht gereicht noch die Begegnung Italien dir dereinst zur Segnung, Vielleicht noch dankst du es einmal. Dem Juden und dem Kardinal, Wenn sich ob deines Volkes Schmerzen Erschließen alter Feinde H«zen, So bleiben fie vielleicht v«eint, Auch wenn des Glückes Sonne scheint. Und aus d^m Leid, das dich betroffen. Erstrahlt vielleicht ein wenig Hoffen. Korrespondenzen. BoSkowitz. Der Vorstand der hiesigen Gemeinde hat Herrn Dr. Ezechiel Landau, eine« Nachkommen de» Prager Obe«abbinerS Ezechiel Landau, zum Rab« biner gewählt. Wir beglückwünschen die Gemeinde zur Wahl ihres Rabbiners. Wien. Am 27. Februar d. I. hat die Generalversammlung des isr. BethausvereineS ״Chewra Beth-Hatfillah" im 9. Bezirk unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn Dr. M. Schnepp stattgefunden. Rach Begrützung der Anwesenden« insbesondere der Vertreterin des Vereines ״Frauenhort" Frau Regine Bettelheim, der Delegierten der Tempelvereine für den 8. und 19. Bezirk und des Obmannes der Organisation der Tempelvereine Wiens, Herrn Kais. Rat Dr. S. Krenberger, hielt der Vorsitzende Rückschau über das verflossene Berichtsjahr. Er konnte hiebei eine günstige Entwicklung des BethausvereineS konstatieren und auf die erfreuliche Tatsache der zunehmenden Mitgliederanzahl verweisen. In finanzieller Beziehung stellte der Vorsitzende fest, daß es der Verwaltung gelungen ist, das Gleichgewicht in der Geldgebahrung herzustellen, ungeachtet der in den Zeitverhältnissen begründeten namhaften Steigerung der Ausgaben. Der Vorsitzende sprach die Hoffnung aus, daß . durch die voraussichtliche Stabilisierung her Verhältnisse die Sorge der Wiederkehr materieller Schwierigkeiten gebannt sei. Nach Kenntnisnahme des Berichtes der Revisoren wurde dem VneinSvorstande da» Abfoluwrium «teilt. Au» der hierauf vorgenommenen Wahl in den Vorstand gingen hervor: Salo Fuchs, Ignaz Glück, RegierungSrat Ignaz Wilhelm als Vorstandsmitglieder und Joses Fuchs, Leopold Heudel, Gerson Koralek, Wilhelm Pap. penheim, Julius Rosenbaum und Dr. Adolf Stein« als AuSschußmitglied«. Zu dem seitens des Obmannes erstatteten Berichte «griffen das Wort die H«ren: Josef Steiner, S. Oesterreicher, Siegmund Kornmehl und Ludolf Beck. Ihren Ausführungen replizierte Schriftführer Ignaz Glück in gewohnt sachlich« und eingehend« Weise. Wie«. Bei der am 29. Februar abgehaltenen G» »«»Versammlung des ״Adas Jeschurum", ». Bezirk, Pfluggasse 5, wurden folgende Herren tu den Vorstand gewählt: Adolf Raab zum Obmann, Heinrich Pappenheim zum Obmannstellvertreter, Jakob Eckert zum Kassier, Jacques Karoly zum Schriftführ«, Gold» schmiedt. Ganz, Bloch, KornLlum zu Lempelvorstehu» und M. Guthmann und Max Pappenheim zu Redisoren. Bad Ischl. Am 4. März ISIS verschied hi« pwtzlich der bekannte Hotelbefitz« Samuel Sonnenschein im 64. Lebensjahre. D« Heimgegangene er» pfente sich in weite» S«isen groß« Sympathien. An' sein« Bahre trauern die Gattin und drei Sohne. DaS Leichenbegängnis fand am Freitag den 7. März um halb 11 Ahr vormittags von d« Friedhofleichenhalle statt und wurde der Verewigte auf dem hiesigen Fried» Hof einstweilen provisorisch zur letzten Rühe bestattet. Jtundf<fmu. Tag»»» der jüdischen Tnrnerschaft i« tschechaflovaki» schen Staate. Am 29. und 30. März 1919 findet in Brünn eine Delegiertenversammlung der jüd. Tunvereine statt. Samstag, den 29. März findet ein BegrüßungSabend im großen Saal der Schwechater Bierhalle statt; di« Beratungen werden Sonntag, den 30. März im Saal, des Mähr. Gewerbevereines abgehaltrn. Audienz beim Präfidente» Mafartzk. Eine Abordnung des Jüdischen Nationalrates in. Prag, bestehend aus Prof. Dr. Engel, Dr. Rax Brod und E. Waldstein, wurde am letzten SamStag dom Präsidenten Masaryk in dreiviertelstündig« Audienz, empfangen. Die Abordnung brachte alle Beschwerdepunkte und Mißstände, über welche die Juden Klage führen, vor. Masaryk, der in überaus freundschafüich« Weise das Gespräch führte, versprach in allen vorge» brachten Punkten, insbesonderS in der Frage der anttn semitischen Bewegung, des wirtschaftlichen Boykotte» und der Flüchtlingsfrage, sich dahin einzusetzen, dafi hier Remedur geschaffen werde. Besonders unwilli» äußerte sich Masaryk über die Hetzpresse. Die jüdische» Abgeordnete» im polnischen Parlament, Nach zuverlässiger Meldung aus Warschau find gowählt: In Krakau: Dr. Osias Thon (Zion.); in Wavschau: Isaak Grünbaum (Zion.), Noach Prilutzki und Sam. Hirschhorn (VolkSp.); in Lodz: Dr. U. Rosenblatt (Zion.) und M. A. Halpern (Orth.); in Cholm: Dr. M, Rosenfeld (P. Z.); in SoSnowitce: Dr. Weinzieh« (Zion.); in Lublin: Rabb. Perlmutter (Orth.); in Tavnow: Dr. I. Schipper (P. Z.): in Radom: N. Schwal» be (Zion.). Im ganzen setzt sich somit die zehn Sitze zählende jüdische Vertretung aus vier Zionisten und je zwei Orthodoxen (Lublin und Lodz), Volkspavteilern und Poalezionisten zusammen. Ungarische Tvzialistenfithrer über die jübischnattonale Bewegung. Die Führer der ungarischen sozialdemokratische«׳ Partei Emanuel Buchinger und Desider Biro äußerten sich einem Mitarbeiter des ״Zsido Szemle" u. a. folgendermaßen: Buchinger: Auf dem Bern« internationalen Sozialistenkongreß wurden die Rechte und kulturellen Ansprüche der jüdischen Nation aner» kann/t. Wir ungarischen Sozialdemokraten fühlen un» ein» mit der Internationale, es ist also selbstverständ» lich, daß wir ihr in allen Dingen Gefolgschaft leisten.- Den ebenso von der Friedenskonferenz, wie von d« sozialdemokratischen Internationale angenommenen- Standpunkt werden auch wir nach Kräften unter» stützen. Die sozialdemokratische Partei Ungarns be» handelt die zionistische Nationalbewegung mit dem größten Wohlwollen und Verständnis und legt ihr durchaus keine Hindernisse in den Weg. — Aehnlich äußerte sich Desider Biro, d« seine UeberzeugunK

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