Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 6 (28.3.1919)
- Date
- 1919-03-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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"י. יי' יי״ * ' :' ' '" 'י "י י י ' '* ׳#" e«m a. DMVische Lslk-stt«»^ 4u. S. Namens der Jugenbgruppen der Agudas Jisroel in der Schweiz begrüßt Herr Leiter jun. in hebräischer Sprache. Oberrabbiner Prof. Dr. MaryulieS (Florenz) begrüßt in sephardisch-hebräischer Sprache die Versammlung namens der Juden Italiens. Namens der Juden Dänemarks hielt Rabbiner Dr. Winkler die BegrüßungSanrede. Oberrabbiner Tal (Utrecht) bringt der Bersammlung den Gruß der Judenheit aus dem neutralen Holland, dem klassischen Boden jüdischer Freiheit. Oberrabbiner Dr. Saeerdottt (Rom) begrüßt in italienischer Sprache die Versammlung im Namen der italienischen Juden. Dr. Nathan Birnbaum (Wien) begrüßte die östlichen Delegierten auf jiddisch. Man wirft der Orthodoxie vor, daß sie versteinert ist, aber das ist nicht richtig. Nicht die Thoratreuen, sondern jene draußen sind verfteinert, die es euch vorwerfen. Die Wege, auf denen das Blut der Seele zirkuliert, ist bei ihnen versteint, verkalkt. Nicht versteinert seid ihr, sondern im Gegenteil zu weich. Ihr habt alles hingenommen, als müßte LS schon so sein, als müßtet ihr die ״Batlonim" und jene die ״wojle Jingen" sein. Euer Wille sollte Stein fein, nicht Wachs. Deutsch fortfahrend, betont der Redner, daß das alte Judentum jenen ägyptischen Pyramiden gleicht, von welchen fünf Jahrtausende herunterblicken, mit dem Unterschiede, daß es lebendig und von Gott dazu bestimmt ist, ein Wahrzeichen der Ewigkeit zu sein. Ebenso wie sich jeder Ziegel dieser Pyramiden dagegen verwahren würde, sich von der Gemeinschaft loszulöfen und die Zumutung zurückweisen würde, sich aufzulösen und in einen, modernen Bau zu verwandeln, ebenso müssen auch die einzelnen Ziegel dieser jüdischen Pyramide jede Zumutung, den alten Bau zu Verlässen und einer modernen Boulevardkultur zu huldigen, entschiedenst zurückweisen. Wir wollen dem alten Geiste treu bleiben und nicht jeden modernen Kolumbus, der täglich neue Eintagsideen entdeckt, nachlaufen. Herr Jakob Rosenheim (Frankfurt a. M.) hielt die letzte Ansprache. * ' * * Freitag-Sitzung. Die Freitag-Sitzung wurde mit einer Begrützungsansprache des Rabbiners Dr. Löwenstein im Namen des Zentralkomitees der ״Agudas Jisroel" in der Schweiz-eröffnet. Hierauf wird die Wahl des Präsidiums Vorgenommen. Es werden ins Präsidium gewählt: Rabbiner Dr. Löwenstein (Zürich), Oberrabbiner Schapiro (Kowno), Oberrabbiner Schuster (Sokolka), Oberrabbiner Prof. M. Margulies (Florenz), Rabbiner Dr. Cohn (Basel), Rabbiner Dr. S. Breuer (Frankfurt a. M.), Rabbiner Dr. Munk (Berlin), Oberrabbiner Horowitz (Bohorodczanh), Adolf Frankl (Budapest). Zu Schriftführern werden bestellt: Rabbiner Dr. Weil (Bouxwillier), Oberrabbiner Tal (Utrecht), Oberrabbiner Dr. Win- Hersch. und der polnische Edelmann. Noch war Herrsch im Vorhause des Gasthauses mit den Vorbereitungen zur Abreise beschäftigt, als ein polnischer Edelmann dem Gasthaus vorbeifuhr. Er blieb eine Weile stehen, um Futjer für die Pferde zu kaufen. Hersch scherte sich um ihn. nicht, freilich unterlies er es auch vor ihm dje Mütze zu ziehen und ihm durch den Knik die Ehre zu erweisen. Der Edelmann Wurde über die Unverschämtheit des Juden ungehalten rznd er fragte Hersch im barschen Tone: «Woher bist du denn, Jude?" Hersch erwiederte ruhig: »Aus Ostropole!" Darauf der Edelmann: »A czapka?" — ״Ebenso aus Ostropole!" erwiderte Hersch gelassen. Da mußte der Edelmann über den dummen Juden nur lachen. Hersch aber bestieg den Wagen und indem er auf den Edelmann noch einen verachtenden Blick warf, fuhr er davon. (Wörtlich: «Und die Mütze" (fragend). Der Herrschenke polnische Adel gewöhnte die in seiner Sklaverei lebende Bauernschaft beim Angesicht eines EdelmanneS rasch die Mütze vom Kopfe zu nehmen und diese unter dem linken Arm haltend, niederzuknien. Allmählich eigneten sich auch viele Juden, hauptsächlich die Dorfjuden, die Pächter der Orenden und sonstige Hofsjuden, an. Seither sahen eS die Edelleute als eine Frechheit an, wenn ein Jude vor ihnen die Mütze nicht hob und er wurde angeschrien ״A czapka!" (Im ermahnenden Tone.) Das Wort ist auch sprüchwörtlich bekannt. Im Jahre 1848 zur Zeit der polnischen Erhebung die sich in einem Aufstand gegen sie umwandelte, haben Edelleute bei Juden Schutz gesucht und gefun- -en. Ein Graf saß bei einem Juden mehrere Wochen in Srodek (Pelzmütze des Juden) und künstliche Peijes, kler (Kopenhagen), Oberrabbiner Dr. Sacerdotti (Rom), Akiva Schreiber (Sereth). Das Referat zum dritten Punkte der TageSordnung: «Lhaura und zeitgenössische Judenheit" erstattet Oberrabbiner Schapira (Kowno). Der Referent betont: ES ist bezeichnend für die Konferenz und für den ganzen Geist der Orthodoxie, daß die Konferenz mit der Frage der Thora anfängt. Unsere Arbeit kann nur darauf gebaut sein, daß bei den Juden der Limud Thauw stark bleibt. Dann können auch alle anderen Arbeiten gedeihen. ES kann auch einer seinem Volte treu sein, ohne daß er Thauro gelernt hat, aber eS kann niemand Thauro gelernt haben und trotzdem seinem Volke nicht treu sein. Rabbiner Dr. Breuer (Frankfurt a. M.) betont, gerade im Westen, wo die Leute nicht so viel Zeit zum Lernen haben wie die Juden im Osten, handelt es sich hauptsächlich darum, den Sinn und die Liebe für das Lernen zu erwecken. Frankl (Budapest) schildert die Lage der ungarischen Jeschiwaus und die Gefahr, welche die Abtrennung der bedeutendsten ungarischen Jischiwaus Preßbürg und Hunsdorf von Ungarn für das Thoralernen bedeutet. Speziell England und Amerika sollten dies zu würdigen wissen, da doch ihre meisten Rabbiner Zöglinge genannter JeschiwauS sind. Delegierter Botschko (Basel) bemerkt, daß nach einem Gedichte von Bialik man das echte Judentum im Beth Hamidrasch finde. Das ist das schönste Zeugnis, das den Jeschiwoth selbst von zionistischer Seite ausgestellt wird. Er betont weiter, daß wir die Thora nicht als reine Gesetzesreligion betrachten sollen, sondern als die Seele und den lebendigen Geist des jüdischen Volkes. Es ist daher jeder Jude, der auch nur einen Teil dieser Seele, eine Spur dieses Geistes hat, deutlicher gesagt, nur einen Teil der Mizwohs erfüllt, immerhin berechtigt, als Jude betrachtet zu werden und dem Klal Jisroel anzugehören. Nachdem noch Delegierter Pines (Minsk) gesprochen hatte, wird folgende Resolution einstimmig angenommen: Resolution zu Punkt: ״Thaura und zeitgenössische Judenheit". Die Weltkonferenz der jüdisch-orthodoxen Organisationen erklärt, daß die Erhaltung und Wiederbelebung des Thorastudftnns im ganzen Volke, die Wieder- Herstellung der im Kriege zerstörten Thorastätten (Jeschiwaus) und Lehrhäuser und die Organisationen eines vom Thorageiste getragenen Jugendbildungswesens Vorbedingung für die Existenz der jüdischen Gesamtheit ist. Die Konferenz beschließt״ mit den führenden Instanzen der Judenheit aller Länder, insbesondere der amerikanischen und russischen, wegen Errichtung eines großen Zentralhilfsfonds für Jeschiwaus und Talmud Tauro in Verbindung zu treten und über dessen Organisation, ^Verwaltung und Mitwirkung der führenden Rabbiner des Ostens Vereinbarungen zu treffen. * * sich unaufhörlich über einen Talmudfolianten schaukelnd. Der Jude aber müßte vor ihn ohne Kappe stehen. Ein anderer Edelmann versteckte sich bei einem armen Dorfsjuden auf dem Backofen. Und als er erblickte, daß . der Jude seine Mühe am Kopfe an hatte, ermahnte er ihn leise aber zornig von oben: «Zyda czapkal" *(Jud, die Mütze.) 6. Hersch sucht des Rabbis Nase. Als er am Abend in Miedziborz eintraf, wurde er gewahr, daß Rabbi Baruch gerade an diesem Tage außerordentlich traurig war. Er hat den ganzen Tag, außer seine Meschamschim keinen Menschen empfangen und keine Nahrung an sich genommen, sondern ging stundenlang in Gedanken vertieft, den Kopf hinuntergebogen im Zimmer hin und her und gab auf keine Frage eine Antwort. Hersch erschien mit seiner Neiselaterne im Hause des Rabbi und ohne von jemanden die Erlaubnis das heilige Gemach zu betreten, ging er hinein und jeden Fußtritt des Rabbi folgend, hatte es den Anschein, daß er was Verlorenes suchte. Da fragte einer der Meschamschim den fremden Eindringling: «Was hast du denn hier zu suchen?" Hersch erwiederte: ״Ich habe vernommen, daß der heilige Rabbi die Nase hinunterlies*) und da kam ich mit meiner Laterne, um nach ihr zu suchen." Darauf lachten nicht nur Diener, die * *) Im jüdischen Jargon heißt eS wenn einer den Kopf hängen läßt — Folge von Traurigkeit, Zorn oder Schamhaftigkeit — «er hat die Nase Hinuntergelaffen". Seuatag-Sitz»«,. Sonntag, den 23. Februar, gelangte der vierte Punkt der Tagesordnung, «Palästinaarbeit", zur ver- Handlung, und zwar zunächst Abschritt a), «Die innere Verfassung der jüdischen Siedlung in Palästina". Das Referat erstattete Delegierter Loeb (Berlin). Der Referent betonte zunächst, daß zur Besiedlung drei Faktaren gehören: Land, Menschen und Kapital. Momentan fehlen uns alle diese drei Dinge, aber das darf uns nicht abschrecken, da die Möglichkeiten vorhanden find, dem Mangel abzuhelfen. Der Referent bespricht die Bodenverhältnisse im heiligen Lande und betont die Notwendigkeit, beim Dodenkauf keine Gegenströmungen und keine überhastete Nachfrage plahgreife« zu lassen. Die jüdische Bodengesehgebung kann auch für die gegenwärtigen Bodenverhältnisse mustergültig sein, was auch nichtjüdische Forscher, zum Beispiel Henri Georges, rühmend hervorgehoben haben. Redner bespricht ferner die Arbeitsfrage und erklärt: Die Hauptschwierigkeit wird darin liegen, für die Landwirtschaft geeignetes Menschenmaterial zu erlangen. Wir müssen uns die Segnungen des Genossenschaftswesens zu eigen machen und drei Arten der Genossenschaften gründen. 1. Pionier-, 2. ProduktionS-, 3. Besiedlungsgenossenschaften. Die Siedlungen dürfen nicht zu groß sein, damit sich jeder kennt und die Faulen abgestoßen werden können. Es muß Milchwirtschaft und Gemüsebau gepflegt werden. Noch dazu gehört die Bäuerin. Die jüdische Frau muß dazu erzogen werden; denn ohne diese kann die Kleinlandwirtschaft nicht gedeihen. Aber auch die Tauroh und Gottesfurcht muß unter diesen Leuten fein. Redner bespricht im einzelnen die Einführung der Erbpacht, des Heimstättenrechtes, der Einführung einer Verschuldungsgrenze, der ausschließlichen Gestattung von Amortisatrons-Hypatheken, des AnerbenrechteS usw. Besondere Schwierigkeiten wird die Arbeiterfrage machen. Es dürfen nicht wie bisher zumeist arabische Arbeiter das Aufkommen jüdischer Arbeiter durch ihre billigeren Löhne verbindern. Daneben muß auf die Heranziehung und Heranbildung landwirtschaftlich geschulter Kräfte durch Lehrfarmen, Landwirtschaftsschulen usw. in und außerhalb Erez Jisroel Gelegenheit geboten werden. Schließlich erörtert der Referent die industrieller» Möglichkeiten in Palästina, die trotz aller äußerlichen Schwierigkeiten, infolge.ungenügender Kohlen- und Wasserkräfte, bei entsprechender systematischer Arbeit Aussichten bieten. Die Hauptsache muß natürlich die Landwirtschaft sein. Der Referent unterbreitet hierauf nachstehende Leitsätze: Leitsätze Löb. 1. Alle Kräfte sind dafür einzusetzen, daß die thoratreuen Kreise in einem etwa sich bildenden Zen» traleinwanderungsamt nebst allen mit ihm verbündenen Zweiganstalten in den Einwanderungsländern durch Vertrauensmänner hinreichend vertreten sind. sofort begriffen, daß es der bestellte Hofnarr sein dürfte, — sondern der Rabbi selbst hob den Kopf höher, sah sich Hersch gründlich an und lachte leise. Er sprach: ״Ich wünsche, daß der Mann in meiner Nähe bleiben soll, denn er hat mich jetzt mit seinem klugen Witz erquickt." 6. Der zerschließene Chalat. Einst kam Hersch zum Rabbi in ein außerordentlich desolaten Chalat. Rabbi Baruch fragte ihn: ״Hast du nicht etwa noch einen zweiten Chalat, daß du diesen zerschließenen anzogest?" Hersch erwiderte: ״Warum soll ich denn nicht noch einen zweiten haben?" ״Nun", fragte der Rabbi wieder, ״warum zogest nicht den zweiten an?" Darauf antwortete Hersch: «Weil der zweite noch mehr zerschließen ist!" Rabbi Baruch lachte und gab ihm nun den Chalat, welchen er trug. 7. Herschs ״Kaschje". An einem Donnerstcm kam Hersch zum Rabbi und sprach: «Meister, ich bitte Wuch mir eine ״Kaschje", eine schwierige Stelle im Talmud zu erklären." «Und welche ist die Stelle, die dir schwierig erscheint?" fragte der Rabbi mit trauriger Stimme. «Mir ist zu verstehen schwer die Stelle: ״Und was würdet Ihr sagen, wenn wir nicht waS zum Essen haben", gab Hersch zur Antwort. Der Rabbi lachte, denn er begriff, daß ihn Hersch durch seine Frage aufmerksam machen wollte, daß er kein Geld habe um Lebensmittel zu kaufen. Er. gab ihm daher 5 Rubel und sprach: ״Nun hoffe ich dir auf