Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 6 (28.3.1919)
- Date
- 1919-03-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jayrg. XX Nummer 6 5üöifd!r DMsßmm. Jtv «ez«,»vretse: halbjäbrtg ..*50*12 ת»1ז0נ aan-jährig.Kronen 24 — Deutschland, ganzjährig.Mark 18 — Rußland, ganzjährig.Rubel 12 — Baüan, Frankreich....... Frank« 24׳— Herausgeber: Max Hickl. X Redaktion und Administration: Brünn, Adlergnffe 8 Buchhändlerische Vertretung: Ott« Klemm, Lschzt- Inserate: der 6-spaltige Zentimstsvmum 2 K. llnverlangre redaktionelle Beiträge werden nicht mo riert. — Manuskripten ist Rückporto beizufützu. Wien—Brünn 25. M»rc <919. 26. We Adar 5679 Prag—Lemberg. Die Welt-Kmsmilz -er it (Zürich, 19. bis 2K. Februar 1919.) Zur Konferenz waren etwa 120 Delegierte angemeldet, von welchen zirka 100 erschienen sind. Die Delegierten aus Polen konnten infolge der Verkehrsuntcrbindung nicht erscheinen, die Delegierten ans England erhielten die Ausreisebewilligung zu spät, ebenso sind die Delegierten aus Nordamerika und Aegypten in der Mitte des Weges stecken geblieben. Insgesamt waren etwa 45 orthodoxe Verbände vertreten. Von den zur Konferenz erschienenen Persönlichleiten sind besonders Alt erwähnen: Rabbiner Doktor Breuer (Frankfurt a. * 2)ü, Oberrabbiner Schapiro (Kowno), Oberrabiner Schuster (Sokolka), Oberrabbiner Prof. Margulies (Florenz), Oberrabbiner Dr. Winkler (Kopenhagen), Oberrabbiner Tal (Utrecht), Oberravbiner Sacerdotti (Rom), Oberrabbiner Dr. Disegni (Verona), Präsident der orthodoxen Landeskanzlei in Ungarn Adolf Frankl (Budapest), Rabbiner I. Horo- Witz (Jerusalem), Rabbiner Dr. Kohn (Basel), Rabbinec Dr. Weil (Buxwiller), Oberrabbrner Horowitz (Bohorodczany), Rabbiner Leiter (Dunajow), Oberrabbiner Fuchs (Großwardein), Rabbiner Rothenberg (Schevcuingen), die Rabbiner Dr. Munk und Dr. Hildesheimer (Berlin), ferner Deutsch (Wien), Pappenheim (Wien), Holländer (Kopenhagen), Dr. Nathan Birm bäum (Wien), Akiba Schreiber (Bukowina), Rabbiner Groß (Jerusalem), Rabbiner Dr. Unna (Mannheim), Jakob Rosenheim (Frankfurt a. M.), Rechtsanwalt Dr. Horowitz (Frankfurt a. M.), Mannasewitz (Bialyßock! Spira (Scheveningen), Feuchtwanger (München), Bauminger (Krakau), Grünbaum (Nürnberg), Hornstein (Kiew), Schwarz (Basel), Direktor Dr. Lange (Frankfurt a. M.), Jakob S. Posen (Frankfurt a. M.), Stopnitzky (Scheveningen), S. Pines (Minsk), David Kahan (Basel), Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg), Rabbiner Dr. Bamberger (Hannau), Dr. Med. Hoffmann (Berlin), M. Kohen (Köln), Dr. Med. Lieben (Prag), Rechtsanwalt Dr. Breuer (Frankfurt a. M.), A. v. Freudiger (Budapest), Rabbiner Dr. Breuer «Aschrfenburg), Dav. Klein und Ladislaus Friedmann (Nagyvarad), Löb (Berlin), Wreschner (Frankfurt a M.), N. Sternbuch (Basel),׳ Rabbiner Kornfein i rich), E. Botschko (Basel), Jos. Brandeis (Zürich), Dr. P. Cohn (Ansbach), S. Cohn (Wien), Dr. Markus Cohn (Basel), S. Ehrmann (Basel), Sally Guggenheim (Bafei), Jakob Gut (Zürich), Gordon (Bialystoch, Dr. H. Hirsch (Hamburg), W. Jakobsohn (Zürich), Louis Kahn (Frankfurt a. M.), Rabbiner Krauß (Baden), Moses Leiter (Zürich), Lazar Landau (Grodno), Max Mannes (Zürich), Charles Nordmann (Basel), Dr. I. Simon (Heidelberg), Leop. Schwab (Frankfurt), I. Schwarz (Prag), Felix Strauß (Frankfurt). Die Tagesordnung umfaßte folgende Punkte: 1. Eröffnung. 2. Wahl des Bureaus und.der AuS» schüsse. 3. Thaura und zeitgenössische Judenheit. 4. Palästinaarbeit: a) die innere Verfassung der jüdischen Siedlung in Palästina, b) die religiöskulturellen Aufgaben in Palästina und ihre Ausführung, c) die Wirtschaftlichen Aufgaben in Palästina, d) die Organisation der Palästinaarbcit in der Diaspora. 5. Die Vertretung der thoratreucn Judenheit auf dem Friedenskongreffe. 6. Die Organisation der gesetzestreuen Judenheit. 7. Die Rechtsstellung der Juden in der Diaspora. 8. Die EmigrationSfrage. Der Begrüßungsabend. Die Weltkonfercnz wurde am Mittwoch, den 19. Februar, abends, durch einen feierlichen Begrüßulrgsabend im großen Saale des Konservatoriums eröffnet. Die Versammlung bot ein imposantes Bild. Der Vorsitzende des Zentralbureaus der Agudas Jisroel, Rabbiner Dr. Löwenstein, Zürich, eröffnete und leitete die Versammlung. In ergreifenden Worten wies er auf die große Bedeutung der Konferenz hin. Der Oberrabbincr von Kowno, Schapiro, ergreift namens der litauischen Chasseidim das Wort in jidischer Sprache. Die Chareidim, die unbedingt die Mehrheit der litauischen Juden bilden, begrüßen die Konfercnz, die die orthodoxe Judenheit der Welt vertritt und wünschen ihr gedeihliche Arbeit zum Wähle der jüdischen Gesamtheit. Rabbiner Dr. Cohn (Basel) begriißte die Konferenz im Namen des schweizerischen Zentralvereines zur Fürderung des gesetzestreuen Judentums in der Schweiz. hüllten Komtessen ansichtig wurde. Sie sah, daß sie einem Betrüger zum Opfer fiel, und sie fing zu schjrnp- Hen und zu schelten an. Sie schrie: ״Da^ ist die durchlauchtigste Gräfin und die Komtessen?" Doch Hersch schrie noch höher: ״Mein Weib ist bei mir so würdig wie eine Gräfin und meine Kinder wie Komtessen." Die Gastgeberin sah nun ein, daß jedes weitere Wort unnützlich sein würde. Zumindest bat sie um Be» zahluug für das kostspielige Nachtmahl. Hersch wendete jedoch kaltblütig ein: ״Ich habe keine Kopika." Da geriet die Gastgeberin in schrecklichen Zorn, sie gebärdete sich wie eine Verzweifelte und erklärte, daß, sobald ihr die Rechnung nicht bezahlt würde, dann lasse sie die nette Sippe nicht aus dem Hause. Als Hersch diese Drohung hörte, wurde er sehr freudig. Er sagte zu seinem Weib: ״Habe ich dir nicht gesagt, Gott wird uns nicht verlassen? Schau, da haben wir für längere Zeit Quartier und Kost, und wir sind von jeder Nahrungssorge befreit. Oder warst du etwa mit der Kost unzufrieden?" Da überzeugte sich die Gastgeberin, daß sie diesmal sehr schlecht hineinfiel, und sie bat Hersch, sich über, sie, eine unglückliche Witwe zu erbarmen und so rasch als möglich von ihr wegzuziehen. Freilich verlangte sie von ihm keine Bezahlung mehr. «Wenn Ihr gütlich redet", sprach Hersch, ״dann bin ich ein Edelmann; ich fahre sogleich von hier fort." Er brachte nun seine Gattin und die Kinder auf den Wagen und machte die Vorbereitung zur Fort- Feuilleton Chaim Bloch, Atzgersdorf. Hersch Ostropoler. Ein jüdischer Till-Eulenspiegel des 18ten Jahrhunderts. Seine Dummheiten und seine Streiche. 3. Die Gräfin und die Komtessen. Als Hersch den Ruf nach Miedziborz erhalten hatte, überlegte er es nicht lange, lud seine ״sieben Sachen" wie auch sein Weib und Kinder — er hatte unbeschrien deren 11 — auf einen Wagen und trat die Reise an. In Drausen war ein grausig kaltes Wetter, denn es war mitten im tiefen Winter, ein Dezembertag. Der Weg von Ostropole nach Miedziborz ist zienilich weit, so, daß wenn man auch an einen Frühmorgen aufbricht, muß man eine Nacht unterwegs sein. Als es Nacht wurde, die Kinder den Hunger und die Kälte nicht ertragen konnten und durch Weinen Konzert gaben, entschloß sich Hersch in einem Dorfgasthause die Nacht über zu bleiben und am folgenden Tage die Reise fortzusetzen. Als er vor das Gasthaus kam, fand er Tür und Tor bereits geschloffen. Hersch mußte lange Zeit in die Lade pochen, bis ihn die Eigentümerin seine Stimme hörte und ihn um sein Verlangen fragte. Hersch erwiderte auf ihre Frage in polnischer Sprache: ״Es ist meine durchlauchtigste Frau Gräfin mit ihren durchlauchtigsten Komtessen; öffnet sogleich und gibt ihnen Einlaß, denn das Wetter draußen ist furchtbar — öffnet oder, daß Euch der Teufel ^e." Kaum hörte die Jüdin das Wort G^Pn, als sie schnell auf den Beinen war, öffnete das Tor .*nd wies Hersch, den sie freilich als einen gräflichen Lakaien hielt, ein warmes Zimmer zu. Da sic nur dürftig gekleidet war, zog sie sich gleich in das Schlafzimmer Nun brachte Hersch Weib und Kinder in das warme Zimmer und machte es ihnen darin ganz bequem. Sich selbst gönnte er keine Ruhe. Wieder pochte er an die Tür der Eigentümerin. ״Die hochgnädige Gräfin wünscht für sich und für die durchlauchtigsten Kinder ein Nachtmahl." Mit einer Gräfin war dazumal nicht zu spassen. Schließlich, dachte die Frau, würde sie ja auch auf ihren Verdienst kommen. Sie stand auf, richtete den nun glutlosen Herd wieder auf und bereitete ein gutes Nachtmahl zu. Sie ließ an nichts fehlen. Auch Wein holte sie vom Keller. Hersch der in das Gewand eines gräflichen Kutschers angezogen war, erregte kein Mißtrauen und er bediente seine ״gräfliche Herrin". So verbrachte er die ganze Nacht bei Saus und Braus. Als der Morgen kam, bereitete die Frau einen guten Frühstück zu und trug ihn aufs Zimmer. , Man kann sich ihr Entsetzen vorstellen, als sie die häßliche, schäbig angezogene Gräfin und in Lumpen geverbleitet die Jüdische Uolkssiimme“.