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Jüdische Volksstimme · 1917-01-31 · Heft 2 (31.1.1917) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 2 (31.1.1917)
Date
1917-01-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Leite 4. ,Jüdische Bolksstimme" Rr. 2 Wer siegen wird? Ein Hoffen und Bongen Beseelt uns, nein, ein gierig Verlangen Zu wissen, wem endlich der Sieg bcschiedcn. Wann dämmert der grosse Bölkerfrieden. Was soll dieses grausame Massenmorden, Dos wilde Treiben entmenschter Horden? Ein hohes Paar ans Königsgcblüt, Das meuchlings ans dem Leben schied. Fiel von verruchter Mörderhand, Von Mörderhand im eigenen Land. Des Möders Sold war hoher Lohn, Des Mörders Gebieter — ein Königssohn. So ist dann Europa unter Waffen getreten, Da sich seine größten Reiche befehden; Nenn gegen Vier, ein mächtiges Wort Und Gott ihr aller, ihr einziger Hort. Nur die aber können den Sieg erbeuten. So für Wahrheit und Gerechtigkeit streiten. So scheine, ersehnte Friedenssonne, Bestrahle mild die Nuhmeskrone, Das Haupt der Bundcsmajestäten, Die inbrünstig betend zum Himmel flehten; Laß stolz uns die als Sieger scharren. Die Frommen in festem Gottesvertrauen Für ihre Landeskinder leiden; Nur ihnen sollen des Sieges Freuden Sich offenbaren; nur sie allein Mögen gerechte Sieger sein. Wer sind die beiden hohen Freunde, Die trotz der Ucbcrmacht der Feinde In festem treu Zusammenhalten Für ihres Volkes, Güter walten? Des jungen Kaisers Majestät Und Deutschlands Herrscher; mutig späht Die Wacht in beiden großen Reichen Bis alle Feinde flüchtend weichen. Dann tvird, statt daß Geschütze dröhnen Des Friedens Glockenläuten tönen Und wird weithin der Welt verkünden: Gebüßt sind Frevel, Mord und Sünden Und Friede, Friede kann nur werden, Friede nach dem Sieg auf Erden. Gott laß es bald, ja bald geschehen, Daß weiß des Friedensfahnen wehen! E l s n e r. 10. General-Versammlung des hum. Vereines ״Kurfürsorge." Mittwoch den 13. Dezember 1916, 6 Uhr abends, fand im Sitzungssaals der israelitischen Kultusgemeinde die 10. Generalversammlung des obigen Vereines statt. Obmann Oberarzt Dr. Isidor L. Braun eröffnete die Generalversammlung mit einer Trauerkundgebung für den dahingeschiedenen Monarchen Kaiser Franz Josef 1., die von den Erschienenen stehend angehört wurde. Sodann begrüßte er die Mitglieder des Vereines und die zahlreich erschienenen Gäste. Es erschienen: Herr Kultussvorsteher Dr. Jakob Deutsch, als Vertreter der isr. Kultusgemeinde, Sr. Ehrwürdcn Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald, Frau Margarethe Grunwald, Präsidentin des Frauenvereines für den 2. und 3. Bezirk, Frau Direktor Ullmann, Präsidentin der weiblichen Fürsorge. Die Damen: Frau Berta Donnreich, Frau Negine May, ferner Frau Clothilde Benedikt vom Verein Frauenhort, Frau Cäcilie Frankl, Vizepräsidentin vom Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim, und die Vorstandsdamen: Frau Josefine Czuczka, Frau Charlotte Kisch, Frau Dr. Sidonie Kahn, Präsidentin des Döblinger Frauen- Verein, Frau Franziska Biermann vom Frauen-Wohltätigeits-Verein des 13. Bezirkes, Fräulein Lea Bondi, Präsidentin des Vereines Bikur Chaulim, Herr Heinrich Sigall, Delegierter des Vereines der Brodyer. In seiner Ansprache hob Herr Obmann Oberarzt Dr. Isidor L. Braun hervor, daß der Verein ..Kurfürsorge", für Friedenszeit gegründet, auch im Kriege eine Institution erhielt, die die Not der durch den Krieg heimgesuchten Bevölkerung zu lindern in der Lage war. Der Verein muß sich darauf vocbereiteu in der Friedenszeit die Wunden, die der Krieg geschlagen, im Vereine mit anderen Institutionen zu lindern und zu heilen. In seinem Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung des Vereines erwähnte der Obmann die Verdienste des Begründers des Vereines des Herrn Lektor Friedmann s. A. sowie die erfolgreiche Tätigkeit des Damenvorstandes, inbesonders der Frau Präsidentin Frau Helene Stein, Frau Dr. Sabine Brüll, Frau! Apotheker Martha Raditz, Frau Gisella Weiß. Die Präsidentin des Damenvorstandcs Frau Helene Stein, teilte mit, daß das Dameiilomitee im Oktober 1913 creirt wurde. Dieselbe referierte sodann über den .Kriegsfreitisch, hob die Verdienste des Herrn Dr. Siegfried Brüll und dessen Gattin anerkennend hervor, die die Räumlichkciten in ihrem Hanse, 20. Bez., Wallensteinstraße 65, dem Kriegsfreitisch in uneigennützigster Weise für .Kriegsdauer zur Verfügung gestellt haben. Es haben sich bei diesem Kriegsfreitisch in aufopfernder Weise betätigt vor allem die Leiterinnen Frau Marha Raditz, Frau Gisella Weiß und Frau Bertha Weiner sowie die Ehrendamen Frau Dr. Sabine Brüll, Frau Dr. Jeny Bunzlau, Frau Dr. Wilma Bachrach, Frau Anna Bondi, Frau Hansi Adler, Frau Helene Bauer, Frau Elsa Ehrlich-Fränkl, Frau Eveline Brunn, Frau Henriette Heller, Frau Jda Herschmann, Frau Adele Jakobi, Frau Dr. Ella Kien, Frau Hofrat Mila Kulka, Frau Irene Löwy, Frau Kommerzialrat Nellh Marchfeld, Frau Negine May, Frau Jr^e Mirka, Frau Anna Mords, Frau Bertha . Müller, Frau Nike Papanck, Frl. Bertha Rosauer, Frau Antonie Schnabcl, Frau Dora Schön, Frl. Grete Schwarz, Frau Anna Spielmann, Frau Direktor Irma Stern, Frau Negine Steiner, Frau Paula Ulmann, Frau Dr. Emma Wantuch, Frau Bertha Weiner und Frau Dr. Negine Weinstein. Hierauf sprach der Vertreter der isr. Kultusgemeinde, Herr Dr. Jacob Deutsch, der im Namen der isr. .Knltusgcmeinde dem Vereine in anerkennenden Worten zu seinen Leistungen beglückwünschte. Sodann erstattete Schriftführer Herr Samuel Sperling den Bericht über die Kassagebahrung des Vereines ״Kurfürsorge", während Frau Gisella Weiß über die Kassagebahruug des Kriegsfreitisches referierte. Herr Prof. Salzmann ergriff sodann das Wort und stellte den Antrag, die Damen Frau Dr. Helene Stein, Frau Apotheker Martha Raditz, Frau Dr. Sabine Brüll und Frau Gisella Weiß zu Ehrenmitgliedern des Vereines zu ernennen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. Ferner sprach Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald, der das einträchtige Zusammenwirken des Herren- und Damenvorstandes in lobenden Worten erwähnte. Frau Direktor Ulman lobte in kernigen Worten in einer Ansprache von Humor und Geist das Wirken des Damenvorstandes für den Kriegsfreitisch. Herr Apotheker Robert Raditz, stellte schließlich den Antrag einen Kriegsinvalidenfond zu schaffen, zu welchem Zwecke er 100 Kronen spendete. Ueber Vorschlag des Fräulein Lea Bondy wurde dieser Antrag dem Vorstande zur Beratung zugewiesen. Es erfolgte sodann einstimmend die Wahl des Vorstandes. Herr Sperling beantragte, den gewesenen Vorstand und zw. die Herren: Oberarzt Dr. Isidor L. Braun, Apotheker Robert Raditz, Prof. M. Salzmann, Prokurist S. Sperling, Waisenrat S. Kulka, Armenrat Hugo Heller, Leo Heller, Komponisten Edmung Eysler, Eduard Herlinger, Josef Jglauer, Alexander Siederer, Dr. l Max Jcobsohn, Wilhelm Kilim, P. Papiernik, Josef Dreier, Adolf Deutsch, Max Wagner, Richard Bruck, ' Jacob Heber, Adolf Deutsch weiter zu belassen und! nachstehende Herrn in den Beirat des Vorstandes neu zu wählen: Herr Fabrikant Armin Bondy, Dr. Siegfried Brüll, Moritz Heller, Richard Kola, Chefredakteur I. Papanck, Karl Schnabel, Ludlvig Schon, Direktor S egmand Eoiemann. Arthur Moritz IMlm■!;•: und Otto Weiner. Znm Schluffe wurde noch beschlossen, ein Huldignngstelegramnl an seine Majestät Kaiser Karl I. abzllsenden. Kunäscüau. Rach dem Tode ausgezeichnet. Beerdigung Donnerstag den 4. Jänner um halb 12 Nhk vormittags unter großer Beteiligung vom Zentralfried- Hof (israelitische Abteilung) ans mit militärischen Ehren statt. Sr. Ehrwürden Herr Feldrabbiner Dr .A. Frankfurter sprach die vorgcschricbeiien Gebete wonach Sr. Ehrwürdcn Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald einen tiefergrcifcnden Nachruf hielt. Erster Kantor Matyas versah die kantoralc Funktion in herzerhebender Weise und sang am offenen Grabe das El mole rachamim. Zwei Juden im Staatsratc im Königreiche Polen. Unter den 97 Mitgliedern des jetzt znsammcngctrctcnen Staätsratcs im Königreich Polen befinden sich zwei Inden: Stanislaus Kempner und Kazimierz Nathauson, beide Führer der jüdischen Assimilanten. Der jüdische Nationalfonds im Jahre 1916, Im Dezember 1916 erreichten die Einkünfte des Nationalfonds die Höhe von 136.131 Mark. Die Spendeneinnahmen des jüdischen Nationalfonds pro 1916 betragen 749.380 Mark; davon entfallen 2920 Mark auf den Genossenschaftsfonds. Dies Ergebnis im Vergleich mit dem der beiden vorhergehenden .Kriegsjahre (1914 Mk. 595.763,-1916 Mk. 609.428) bcfriedigend genannt werden und wurde nur durch das Fciedcnsrekordjahr 1913 (Mk. 811.200) übertroffen. Der Anteil der einzelnen Länder am Jahrcsergebnis des INF ist wie folgt: Nordamerika Mark 214.655, Oesterreich Mk. 170987, Deutschland Mk. 130.789, Rußland Mk. 66.068 (davon Mk. 26.684 aus dem besetzten Gebiet Polen und Lithaucn), Ungarn Mk. 28.987, Holland Mk. 28.737, Argentinien Mk. 18.246, England Mk. 16.013, Rumänien Mk. 15.218, Südafrika Mk. 12.002, Canada Mk. 8.237, Südslawische Länder Mk. 5855, Schweiz Mk. 6838, Griechenland Mk. 3529, Bulgarien MK-3031, Dännermark Mk. 2923, Aegypten Mk. 2707, Frankreich (mit Tunis) Mk. 2394, Ferner Osten Mk. 2060, Australien Mk. 1533, Italien M.k 1061, Schweden Mk. 922, Portugal Mk. 760, Brasilicn Mk. 601, Neuseeland Mk. 410, Norwegen Mk. 84, Belgien 3329, andere Länder Mk. 25. Alle Unternehmungen des Jüdischen Nationalfonds Erez Israel konnten aufrecht erhalten werden. Außerdem sind Notstandsarbeiten unternommen worden. In einigen Ländern haben die Freunde des Nationalfonds begonnen, Mittel zur Ausdehnung des jüdischen Siedlungswerks nach Friedcnsschluß aufzubringen, sotvohl durch die Stärkung des Landfonds zur Bereitstellung von Boden für neue Kolonien, als auch durch den Pionierbeitrag des Genossenschaftsfonds für die Ausrüstung von ländlichen Arbeitsgenossenschaftcn mid Erschließung von Neuland. Diese Sammlungen sollen im Jahre 1917 energisch und systematisch fortgesetzt werden. Die Ueberzeugung tvird in der jüdischen Oeffentlichkcit immer allgemeiner, daß im Werke des Wiederanfbaues nach dem Kriege die Kolonisation in Palästiua einen bedeutenden Raum cinnehmen tvird. Dem INF erwächst die unabweisbare Aufgabe, finanziell bereit zu sein, um an dieser großen aufbauenden Hilssarbeit einen gebührenden Anteil zu nehmen. Die hebräische Literatur in Rußland erlitt einen schweren Verlust durch das Hinscheiden des bekannten Schriftstellers I. B. Leivneer. Er machte sich besonders durch seine großangelegte Sammlung der jnd. Sagen und Legenden sehr verdient. Er bekleidete in Lugansk das Aint eines Kronrabbiners. Warschau. Wie der ״Warschauer Tag" meldet, sind zahlreiche junge Warschauer Juden, die jüdische Schulen in Palästina besuchen, in Offiziersschulen in Konstantinopcl eingetreten und sind nun, nach Absolvierung derselben, an die Front beordert worden. Herr JUC. Moritz Grzyb ans Aussig. Leutnant d. Res. im Jnft.-Reg. 75, ehemal. Obmann der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Prag, der am 16. August 1916 in Lemberg den im Felde erlittenen Verwundungen erlegen ist, wurde für sein beispielgebendes und aufopferungsvolles Verhaltet! vor dein Feinde mit dem Militär-Verdienst-Krellz Hl. Klasse mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet. Nach dem Tode ausgezeichnet. Kadett Leopold Herlinger, Sohn des Restaurateurs Eduard Herlinger (2. Bez., Zirkusgasse 3) ist am 23. Februar 1916 auf dem südl. Kriegsschauplatz gefallen. Für sein tapferes Berhalten vor dem Feinde wurde er nach seinem Tode mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaille erster Klasse ausgezeichnet. Nach erfolgter Exhumierung fand die Rorre^ponllenzcn. Neu-Raußuitz, tm Januar 1917. (Flüchtlings- Zuwachs.) Nun beherbergt unser Markt nebst den seit dem Kriegsjahre 1915 hier ansäßigeu sndtirolischen Flüchtlingen mul) 150 jüdische Flüchtlinge ans Galizien, die über behördliche Verfügung voin Pohrlitzer Barackenlager hiehcr überrviesen wurden und am 17. d. M., einträfe». Der schtvicrigen Ausgabe der Unterbringung u. Verpflegung der Schicksalsbetrofsenen unterzieht sich die Jsraelitengemeinde mit Herrn Bürgermeister Richard Lölv an der Spitze in ebenso opferwilliger als erfolgreicher Weise, lvobei ein Koinite wackerer Damen utld Herren hingebungsvolle Sauiariterdienste leistet. Ueber-

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