Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 2 (31.1.1917)
- Date
- 1917-01-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Rr. 2 ,Jüdische Bolksstlmme" «eite S. einigung seiner inilsikakischcn Reife littb des Eindringend in den tiefen Sinn unserer Gebete. Es war ein Gottesdienst, der mir noch lange in gcnnßreicher Erinnerung fortlcben wird. Berlin. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissen ans verdienstlich ist in dieser Beziehung die patriotische >oabre menschenfreundliche Wirksamkeit unseres inertgeschabten k. k. Schulinspcktors, Herrn Anton Kotrly und feiner von reinster Nächstenliebe erfüllten hochherzigen' Frau Gemalin. Dank der getroffenen Vorkehrnngen sei-' tens der k. .k. Bezirksbauptinannschaft Wischau, dürfte ,. ״w.vv.״״ö «w bic Approvisionicrnng der armen Kriegsopfer auch fer.'schuft des Judentums veröffentlicht ihren 14. Jahresiierhin klaglos bewerkstelligt iverden. — Nun hat auch bericht. Sic widmet zuerst Worte ehrenden Gedenkens unsere altchrwürdigc von Besuchern verlassen gewesene^ den in diesem Jahre verstorbenen Herren Prof. Dr. M. Synagoge wieder eine Frequenz wie vor einein halben Pknlippson n. Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher. Philipp- Jahrhundert, da noch jüdisches Leben herrschte.! sou war der erste Vorsitzende der Gesellschaft seit ihrer Begründung bis zu seinem Tode; ihm verdankt sic zu Wien. Der Nobelpreisträger Universitätsdozent einem großen Teile ihre Organisation und ihre hervor- Dr. Robert Varany, der vor kurzem als Austausch-' ragende Stellung im deutschen Judentum. Die wissen- Gefangener ans Rußland nach Wien zurückgekehrt ift j schaftlichen Unternehmungen der Gesellschaft hat er durch und bei den lebten Profcssoren-Ernennungen übergan- Rat und Tat gefördert; zu ihren Veröffentlichungen hat gen wurde, erhielt einen Ruf an die schwedische Univcrer selbst durch die dreibändige Neueste Geschichte des srtat Upsala. Barany nahm den Ruf an. I jüdischen Volkes beigetrügen. Des erst anfangs dieses I Monats verstorbenen Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher ^rag. s.vuldigltttgsfcier anlästlich!der Troubestei-, ist in den Blättern bereits tviederholt gedacht worden, flttug Sr. Majestät.) Solche Veraustaltungen fanden in Er hat in zivci Schriften, welche die Gesellschaft vcröfden »,elften Prager Gotteshäusern zu Beginn dieser fcntlicht hat, die Sache des Judentums gegen seine Darvergangenen Woche für die verschiedenen Schüler statt.'stellung von christlicher Seite erfolgreich vertreten; der?llv elfter Redner, der stets bei jeder patriotischen Feier Bericht rühmt an diesen Schriften ״ihre vornehme Ruhe DaS eben ist charakteristisch für die Religion, daß die göttliche Welt eine andere neben sich hat, die mit ihrer Wurzel irgend in das Göttliche hineinreichen muß, und der auch das Ziel der Vergöttlichung als ein Trieb zum eignen Wesen vorschwebt, die aber nicht aus eigner Kraft, sondern nur durch ein Gehobenwerden jenes Ziel zu erreichen vermag. Im Urphänomen der Religion liegt ein Zwiefachcs: das absolute Leben mutz sowohl weltüberlegcn als innerhalb der Welt wirksam sein, die Bewegung mutz sowohl über die Welt hinaus« als in die Welt zurückgehen; das vornehmlich gibt der Religion ihre treibende Kraft und ein unablässiges Fortquellen ihres Lebens, das beides nicht voneinander abgelöst wirdsondern miteinander gegenwärtig bleibt. trägt in sich das Wirken einer überlegenen Zur Religion gehört Heroismus, mehr Heroismus Die Freiheit und Selbsttätigkeit des Menschen ist nicht ein Abzug von der göttlichen Macht und eine Minderung der göttlichen Gnade, sondern sie selbst ist ist ihre Bewährung, ihre allerhöchste Bewährung; . v ...___ Moral und Religion brauchen nicht um ihre Grenzen erscheint, war Herr Prof. Dr. Aladar Deutsch, Rabbiner und Sachlichkeit sowie ihre Wärme und tteberzeugungs- 3" streiten, sondern recht verstanden ist die Moral selbst und Prediger des Kaiser-Jubiläums-Ternpels, den kan», treue". — Die Führung der Geschäfte der Gesellschaft der Haupterweis der Religion, die Bekundung der Getaralcn und gesanglichen Teil versahen die Herren D.Rag seit dem Hinscheiden ihres ersten Vorsitzenden st« 'äenwart eines absoluten Lebens. Datz der Mensch in Ezeriwwsky und Adolf Brod in der bekannten und veden Händen der Herren Rabbiner Prof. Dr. Guttmann-' den Stand cchtgcistigcn Lebens gegenüber der eignen währten Meisterschaft ihres Faches. Die folgenden zwei Breslau, Prof. De. Bloch-Posen und Syndikus Dr. N.! Schwäche und dem Widerstande einer unermetzlichen Tage tvurdcu für die Volks- und Bürgerschulen für Nathan-Hamburg. Trotz der Ungunst der Zeiten hatte', Welt gehoben wird, das ist das größte aller Wunder, Knaben und den Volksschulen Prags, ivie auch für das die Gesellschaft einen Zuwachs von nahezu hundert Mitdenn י Staatsgymnasiimis Prag, Stephausgassc, das Lyceum in gliedern zu verzeichnen, ein Beweis für die starke und Welt, dem oberwähnten Tempel separate patriotische Andachten unverminderte Anteilnahme weiter Kreise des deutschen verrichtet. Der ReligionSprofeffor Dr. Julius Reach, den Judentums au ihren Arbeiten. Nicht so günstig äußert Sic mty seiner Stellung als Rabbiner in Gaya und als sich der Bericht über das finanzielle Ergebnis des abgceinen bekannten Verfechter des Zionismus in ganz laufencn Jahres; der Kassenbericht schließt nämlich mit'als zu irgcndloelcher anderen Sache, aber dieser Herois- Mähren kennen, hat sich wiederum als ein ganz hervoreinem erheblichen Fehlbetrag. Um so größere Anerken-! >nus hat an der richtigen Stelle einzusetzen, sonst wird ragender Kanzelredncr bewährt. Dieser Gelehrte hat erst nung ist der Gesellschaft zu zollen dafür, datz sie ihre die Tapferkeit zum Eigensinn und die Festlegung zur kürzlich bei einem Vortrags-Abende im Afike Jehudawissenschaftlichen Aufgaben in keiner Weise vernach- Erstcnrung. Er tut aber jenes nur, wenn den Gegen» Verein mit dem Thema: ..Salomo Josef del Medigo lässigt hat; sie hat in dem Berichtsjahre nicht weniger, stand des Glaubens nicht irgcndlvelche Lehren bilden, aus Kanada, einen großen Erfolg gehabt und wird am als drei selbständige Werke herausgegeben, eine Untersondern die Gegenwart eines göttlichen Lebens in 20. d. bei einer Veranstaltung des jüd. Turnvereines, suchung des oben genannten Breslauer Rabbiners Gutt-.uns und damit eine Idealität, ja eine Göttlichkeit in welche zur Verabreichung eines warme» Frühstückes für mann über die religionsphilosophischen Lehren des unserem eignen Wesen; alsdann ist der Glaube kein isr. Flüchtlingskindcr bestimmt ist, wiederum als Fest- Jsaac Abravancl; die Martin Philippson gewidmete bloßes Annehmcn, sondern es liegt in ihm ein Aufrcdner crschcstien. — Also trotz des Krieges entfalten Festschrift Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden klimmen des ganzen Seins, ein Verlangen nach Erhödie Prager Inden auf allen möglichen Gebieten ihre und das Handbuch der jüdischen Chronologie des Buda-'hung aus der Kraft des göttlichen Lebens. So geht der Regsamkeit. pefter Universitätsprofessors Dr. Eduard Mahler. Die Glaube im Grunde auf ein Einziges, aber dieses Eine Prag, Ende Dezember 1910. Die deutsche Zeitung H"""sgabe anderer Werke kündigt die Gesellschaft an; ״Bohemia" i» Prag bringt in Nr. 32» vom Jahrg. 1916, ü0״ ihnen dürfte der erste Band der Germania Jndaica auf Seite 7, folgende interessante Notiz v. Dr. I. Eisen- ״nd) bcr dlufnahine, welche die früher veröffentlichten berg, Rabbiner in Dobrisch: ״Oskar Wildes Salome in -erproben gefunden haben, der besonderen Ausmerktürkischer Uebersetzung. Laut Mitteilung der türkischen ber weitesten Kreise sicher sein — wird doch die Zeitung ״Tanin" in Konstantinopel, übersetzte die tür- Germania Jndaica des erste enzyklopädische Werk sein, unsichtbarem Walten die gesamte Lebensarbeit durchkische Schriftstellerin Salide Edib Hanum, Oskar Wildes welches über die Geschichte der deutschen Juden in um-', dringen. Ja hier mag sie umso tiefer wirken, je weniger ״Salome" »is Türkische. Sie veröffentlichtem ״Tanin" säender und erschöpfender, zugleich aber auch popu-^sie in Erscheinung tritt, je mehr sie nichts anderes als lärcr Weise Aufschluß gibt. Ein Stück Kriegsarbeit hat. die stille und doch starke Seele des Ganzen bildet, die Gesellschaft im Berichtsjahre insofern geleistet, als * sie die Zinsen der Ludwig Philippson-Gedächtnis-Stif-' tung zugunsten der kriegsgeschädigten jüdischen Lehrers Wie sich im nicuschlicheu Kreise die Kraft der Liebe Ostpreußens verwendet hat. Der Bericht verweist zum bemißt nach der Größe des Opfers, das sie anfzubrinmit berechtigter Genugtuung nicht nur auf die vorsle-' gen vermag, so gibt es auch keine echte Bewegung zur hend skizzierten Leistungen der Gesellschaft, sondern auch, Wahrheit ohne ein Entsagen und Verzichten, ohne ein trägt in sich eine neue Welt. In ihrer Universalität gefaßt bedarf die Religion keiner besonderen Organisation, sondern kann sic mit die Szene, um Salome den Jochanaan durch ihre gleiß- ״er,scheu Worte und verführerischen Reize zu gewin- »en sucht. Bemerkenswert ist, daß die Geschichte des Jochauaan und Salome schon im Buche der ״Propheteulegeuden des Thaälibi lgest. 427 nach der Flucht) eine Darstellung findet, die mit der der Apostelgeschichte übereinstimmt. Näheres darüber in »keilten Anmerkungen zuiik von mir edierten Kitab Kisas-al-anbija i-Buch der Proans die in diesem Jahre tviederholt, mich in christlichen innewohnendes Opfer. Phetenlegeitden) des Al-Kisai, in welch letzterer Schrift Gclehrtenkreisen hervorgetretenen Bestrebungen, welche die Erzählung der Salome eine stellung erfährt." ׳tlvas abtveichciidc Darbic ^'iGnng von Lehrstühlen für die Wissenschaft des; Judentums an den deutschen Itniversitäten bezwecken. Mit Recht sagt der Bericht, daß die Gesellschaft einen Prag. Wir erhielten von einein seit Jahren in Prag erheblichen Teil dieses Erfolges der Wissenschaft des wohnenden Freund unseres Mattes folgenden Brief Judentums für sich in Anspruch nehmen könne. — Der init der Bitte um dessen Veröffentlichung: H Bericht ist vom Schriftführer der Gesellschaft, Herrn Dr. Bei meinem jüngsten Aufenthalte in Wien Nathan, Hamburg, Werdcrstr. 30, kostenlos zkk beziehe««, besuchte ich den Tempel, XVI-, Hubergasse 8, von Ueber die Mitglieder-Versammlung der Gesellschaft dessen schönen Gottesdienst ich schon so manches lverden wir in der nächsten Nummer berichten, gehört hatte. Das Geschehene und Gehörte übertraf. alle meine Erwartungen, was auch den urige-' - wohnlich zahlreichen Besuch der Andächtigen vollauf erklärte. Mit ungewöhnlichem Geschick erscheint der konservative Geist mit modernem Geschmacke vereint. So hatte ich Gelegenheit eine Predigt zu hören, die einerseits auch verwöhntesten Ansprüchen a»k rhetorische Wirksainkeit Genüge leisten konnte, andererseits aber durch echt jüdischen Geist und durch zahlreiche Zitate aus Talmud uub Midrasch der hergebrachten Traditio» vollkommcll Rechuuiig trug. Was ruich aber als Prager besonders Wen» die Religion dahin!virkt, in dem Einzeliren das Ganze, in dem Kleinen das Große, im Menschlichen das Göttliche sehen und erleben zu lassen, so wirkt sie damit zur Veredlung, ja Heiligung des Lebens vis in die klnscheinbarsten Züge hinein. Indem die Religion zusauunenfaßt und als Gauzes zur Wirkung bringt, was au edlerer Art und erhöhen der .Kraft in unserem Leben steckt, vollzieht sie eine Verklärung dieses Lebens, ohne sein Dunkel zu leugnen, zeigt sie das Göttliche in unmittelbarster Nähe, ohne den Durchschnittsstand fälschlich zu idealisieren.! Aus dem Werke: Der Wahrheitsgehalt d. Religion von Eucken. Die große Wendung des Lebens von einem Gewebe der Beziehungen zu einem bei sich selbst befiudli-' erlebt, auf sein Wesen u. in einen inneren Zusammenchen Ganzen, die Wendung der Wirklichkeit zu ihrer Hang gebracht wird; das aber fami nur von einem Geschichte in auszeichnend menschliche«» und geistigern Sinne entsteht nie durch die bloße Folge der Zeiten, sondern nur dadurch, daß das Vergangene festgehalten. fu’utc, war neben den gelnnge««en Leistungen des eignen Tiefe, sie geht nicht bloß an uns vor, sondern sie zeitüberlegenen Staridort geschehen, das bezeugt das Chores der dort Fungierende uub wohl sehr vielen' könnte Ulks gar nicht zugegen sein, wenn sie nicht auch'Wirken einer zeitüberlegen Ordnuikg. Pragern unvergeßlich bleibende Ober-Kalktor Herr, aus ««ns hervorgirige und «ms damit zu selbsttätigen B. Kansmaiui. Trotz der Verändccn««g in der Art Trägern der Wirklichkeit «nachte, des Gottesdienstes, hatte er doch in Prag mit Orgel Sie «die Religion) beruht auf der Gegenwart des Zwischen «ms und der Wirklichkeit steht immerfort «1. Damenchor fungiert, war er in derselben Würde göttlichen Lebens im Menschen, sie entwickelt sich in Erdas Gespenst unseres eignen Gedankens, unserer eignen «liid külkstlerischer Vollendnilg. Und lvas einmal greifnng dieses Lebens, als des eignen Wesens, sie be-'Reflerion, und droht auch die Welt in Schatten zu versein einschrneichelnder lyrischer Tenor in Orgel-! steht also darin, daß der Mensch im innersten Grunde' wandeln; statt der Dinge sehen «vir nur den Schleier, begleitung vermochte, ivirkte er jetzt in« alttradi-! seines Wesens in das göttliche Leben gehoben und damit, mit dem wir sie umkleiden, und «vir vertauschen nur tionellem Gesänge, gleichzeitig erschütterild und! selbst einer Göttlichkeit teilhaftig «vird.!einen Schleier mit dem andereren, wenn lvir sie sebst erhebend. Geradezu «vunderbar erscheint die Ver-j * jzn enthüllen glaube»«. H ♦