Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 19 (23.7.1915)
- Date
- 1915-07-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr 19 vvliVpVIM« «U.S zuführen. Die jüdischen Jnstitukionen, die in Palästina arbeiten, haben zu diesem Zwecke 10.000 Franken zur Verfügung gestellt, wovon die zionistische Palästina-Bank und das zionistische Palästina-Amt die Hälfte übernommen haben. Die Herzl-Gedenkfeier am I.Huli d. I. um halb 8 Uhr abends im Leo- Poldstädter Tempel gestaltete sich zu einer solemneu Chrenkundgebung für dm Verklärten, dessen Sterbetag sich Heuer p!m! eilftenmale jährte. Zum erstenmale wurde diese Gedmkfeier Heuer i׳n der größten Wiener Synagoge abgchalten und selbst diese War in allen ihren Räumen dicht gefüllt, wozu die hier lebemden Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina und deren studierende Jugend nicht zum geringsten beigetragen haben. Der Massenandrang zu dieser Feier offenbarte das Bestreben, teilzunehmen an der Ehrung des großen Meisters, dessen Andenken im Herzen des jüdischen Volkes immer tiefere und weitere Wurzeln schlägt. Eingeleitet wurde die Trauerandjacht mit dem großen ergreifend vertonten Psalm 40, Salomon Sulzers s. A., ein Rezitativ abwechselnd mit Chor- und Harmomumbegleitunjg, herrlich vorgetragen vom Oberkantor Morgenstern und dem verstärktm Chor unter Leitung des Dirigenten Heimann> dessen Wirkung sich in einer überaus andachtsvollen ernst-feierlichen Stimmung des Publikums kun'dgab. Hierauf be stieg Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald die schwarz verhüllte Kanzel und hielt eine in Form und Inhalt ausgezeichnete Gedenkrede auf Theodor Herzl, dessen Andenken so hehr und heilig sei, daß die Kriegszeiit, iln der wir leben, seine Bedeutung nicht zurückzudrängsn, vermag. Ja gerade jetzt gelange sie erst recht zur Wertung, sei es doch Herzl gewesen, der die Jugend mit dein Geiste der Makkabäer erfüllte, so daß sie heute als Krieger Heldentaten vollbringen und dem jüdischen Volke zur Zier und Ehra gereichen. Auch der polnische Jude habe Teil daran und brauche sich seiner Herkunft nimmer zu schämen. Wir verdanken Theodor Herzl aber noch mehr. Er schuf in seinen Kongressen dom! jüdischen Volke eine Tribüne, ein Parlament, das es vorher nie besaß und nun mehr denn je notwendig brauchen wird. Seinem Wirken aber setzte diie Krone auf die Renaissance der hebträischm Sprache, deren Erfolge in der ganzen Welt so herrlich schön zum Ausdrucke gelangen und alle Geister mächtig anregen. Mehr denn je empfi'ndein wir nun die Lücke, die der Tod des großen Führers und Diplomaten gerissen und wenn dom Völkerringen dereinst der Friede folgt rmd der Wiederaufban des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens. d!a Wird uns der Geist des am Döblinger Friedhöfe Schlummernden erst recht fehlen u. der Schmerz ob seines frühen Verlustes neu erfassen. Möge die Zeit uns einen Mann erstehen lassen, der der Erbe Theodor Herzls werde, dessen Andenken ge- Priesen sei für alle Zukunft! Ein Md di sch de Nabonem, tiefbewegt ge> sprachen, beschloß die seelsorgoriische Funktion, die so manchen Anwesenden zu Tränen rührte, desgleichen das in altjüdischer Tonweise von: Oberkantor Morgenstern herzergreifend vorgetragene El->m>ole-rachamim. Mit den in tiefstem Moll getauchten Akkorden des ״Schewissi" und dem OlenngAete nahm die beinahe eine Stunde Wöhr ende Trauerandacht ihren würdiaen und erhebenden Abschluß. — Unter den Anwesenden bemerkte man den, Präsidenten des Zentralkomites Dr. Mrl Pollak. ehem. Aba. Adolf Stand, N.-R.-A. ®r. Straucher, Prof. Naschee, Kultus- Vorsteher Phil, und Jur. Dr. Markus Svitzer, Knltuspräses Dr. Schaff aus Lemberg, Bethaus- Vorstand Wftsiervojgel, viele Offiziere und Soldaten und Delegierte mehrerer Vereine und Jungmannschaften. A. L. keit nach Men übersiedelte, Abschied zu nehme.»,. Bereits früher hat die Chewva Kadifcha, wie auch der Unterstützungsverein ״Selbsthilfe", dessen Gründer und erstes Ehrenmitglied Dr. Funk war eine Feier veranstaltet, später haben die Flüchtbinge, 'für welche Dr. S. Funk sehr viel Gutes getan!, ihm ein Dankschreiben verfaßt in deutscher und hebräischer Sprache, überreicht welches auch von 2 Rabbinen, die nach dort geflüchtet sind, auf Seide -geschrieben, gefertigt ist. In Vertretung der politischen Gememde hat keit nicht einmal die kriegserprobtesten Soldaten erlebt haben. Jetzt verstehe ich den Ausspruch: ״Der Krieg wird durch die besseren Nerven entschieden werden." In diesen schweren Kämpfen sind Fähnrich Schweb und Siegfried Ticho ge׳ fallen. Ein einfaches Holzkreuz deckt ihr Grab, zusammen mit dem italienischen Leutnant, der Ticho mit seinem Revolver erschossen hat." Der Mutter des Fähnrichs Schwed wurde der Heldentod ihres auch schriftstellerisch und dichterisch sehr begabten, sowie der Musik schwärmerisch zuge- Bürgermeister Julius Weiß, für die Kultusge-ftauen Sohnes von Oberleutnant Hr. in einem meinde'MUDr. S. Weiß, ferner Oberlehrer Jos. Mayer, die Präsidien bi n des Fmuonveremes Frau -Dr. Elise Weiß Rabbiner Dr. Funks edles Wirken als Seelsorger, Mensch, Friedensapostel, Moltäter m Ansprachen hervorgehoben. Die Schuljugend, wie auch andere Korporationen haben durch Gesänge diesen Festtag verschönt. Ein Flüchtlingskind, weiters eine Waise der Wiener Kolonie sagten 'Dank ihrem Schützling, welcher >m herzlicher Weise erwiiderte, auch in der Zukunft, wo er immer sei, für alle ein williges Ohr zu haben; die Waisen werden seine Unterstützung stets finden, sie mögen ohne Furcht und Bangen zu ihm Zuflucht nehmen. Die Politische Gemeinde überreichte Dr. Funk das Diplom eines Ehrenmitgliedes, die KultusgemeiNde spendete einen silbernen Ehrenbecher und noch andere Ehrungen wurden dem Scheidenden zu teil. Am Sabbat Chasson hielt er eine kurze Abschiedsrede im Tempel, beim Mussaph fungierte Oberkantor Gruschka aus Prag, Köm gl. Weinberge, der vor 21 Jahren in Mähr.-Kromau mit Dr. Funk tätig war. Der Oborkantor I. L. Rabbinowitsch in Boskowitz verfaßte in klassischem Hebräisch einen Mische-borach für Dr. Funk und dessen Familie. Was Rabbiner Dr. S. Funk in uneigennützigster Meise.geleistet, kann man hier nicht wiedergsben. Wir wollen nur so diel sagen, er ging jedem Streite aus dem Wege, er war ke!in Geldrn'ensck er gab Durchreisenden, Bedrückten mA offenen Händen. Wo es galt schwebende Prozesse, die bei Gericht udgl. schon anhängig waren, lauszugleichen, da war Dr. Funk als Vermittler zu fiulden. Als im Jahre 1006 im nahen Swtttawka in der bekannten Löw Beerschein Tuchfabrik ein Streik ausbrach, der sich mehrere Monate hinzog und das Gut luud Leben der Juden in dieser Gegend bqdlroht War und' die politische Behörde trotz ihres Einflusses den Fabrikanten Löw Beer zur Umkehr nicht umstimmen vermochte, da war es wieder Dr. Funk, welcher alle Differenzen überbrückte rmd so vieles andere. Rabbiner Dr. Funk war mährischer Landesrabbinerstellvertreter und als das Prager Oberrabbinat vakant war, da war er auch für diese Stelle designiert, doch behielt Dr. Brody die Oberhand als ehemaliiger Schwiegersohn des verstorbenen Dr. Ehrenfold. Rabbiner Dr. S. Funk ist ein großer Dalluudist und Gelehrter von Weltruf, steht mit den Wiener UmvcrsttätsProfessoren der Theologie .Hofrat Neumann, Schröttcr, — in Prag Prof. Steiumeher ufw. in froundschaftllichem Verkehr. Auch bei den Behörden war er sehr beliebt und so möge ״diese Perle" des Nabbinerstandes, wie inan ihn in Boskowitz nannte, im Wiener Jubiläumstempel, 2. Bezirk, auch verehrt und geschätzt werben, wie in Boskowitz. dieser alten Gemeinde Israels und der Ruhestätte des großen jüdischen Geistsheroen Mackjacis haschekel. Wahrlich umsonst wurde ihm der Migang nicht schwer gemacht; dann er Wau stets edel, gut und hilfreich, wie es sehr wenige solche Männer seines Standes gibt. — Vom Kriegsschauplätze. Jüdische Helden: Fähnrich i. d. R. Ernst Schwed und Kadett i. d. R. Siegfr. Ticho. Als neue Opfer des ruchlosen italienischen Raubzuges fanden am 00. Juni in den heißen JsonzokämPfen, die an diesem Tage laut der Meldungen vom Kriegsschauplatz besonders tapfere Leistungen mährischer Infanterie aufwiesen, auch der Fähnrich i. d. R. Ernst Schwed aus Brünn, Kandidat der Rechte, rmd Kadett i. d. R. Siegfr. Ticho aus Boskowitz, beide von den heimischen ״Achtem", letzterer ein Hörer der deutschen Technischen Hochstelle in Brünn, den frühen Heldentod. Die erste Meldung hierüber sandte ein Kamerad, Fähnrich i. d. R. Dr. B., mit nachstehenden Werten: überaus teilnahmsvollen Schreiben gemeldet, aus welchen: nur folgende Stelle hier mitgeteilt sei: ״Vor einiger Zeit wurde Herr Fähnrich Schwed bei meiner Konrpagnie eingeteilt. Seit der Zeit standen wir einigemal im Feuer.Bei iderGelegenhet zeichnete sich Ihr Herr Sohn durch Tapferkeit, Mut und Unerschrockenheit aus. Um so schmerzlicher empfinde ich die traurige Pflicht, Ihnen mitteilen zu müssen, daß Herr Fähnrich Schwed au der Spitze seines Zuges als Held gefallen ist. Ich bitte im Namen der Kameraden und der Kompagnie, die Versicherung unseres innigsten Beileids entgegennehmen zu Wollen. — Sein Grab wurde, soweit es mit den vorhandenen Mitteln möglich war, von der Mannschaft, die ihn geliebt hat, geschmückt ..." — Der seiner sehr früh verwitweten und ihn zärtlich liebendenMutter durch eine italienische Kugel im 26. Lebensjahre Entrissene sprach am vorletzten Pessachtage den letzten Kaddisch für seinen vor 20 Jahren verstorbenen Vater, wie unsere Leser in dem in der vorvorigen Nummer uns eresBlattes abgedruckten Feldpostbriefe ״Pessach im Felde" lesen kannten,der für lange Zeit ein bleibendes jüdisches Gedenkblatt des Riesenkrieges bleiben wird und diesen jüdischen Helden zum Verfasser hat. Als Probe der großen dichterischen Begabung Ernst Schlwods diene -nachstehendes Gedicht von Wahrlich ergreifender Schönheit und Schicksalsschwere, nebst den: geradezu rührenden und gleichfalls dichterisch schönen Begleitschreiben an die innigstgeliebte Mutter, die im Verein mit ihren Eltern und ihrer Schwester an ihren beiden Söhnen auch die Vaterstelle erfolgreichst vertrat. Ein Oheim des jäh Gefallenen, der diesem gleichfalls große Liebe und Qpferwilligkei-t angedeihen ließ, ist Herr Bergwerksdirektor Louis Weiskopf in Hannover, Doktor der Technischen Hochschule in Brünn, einer der hervorragendsten Männer seines Faches in Deutschland, der daselbst dem Oesterreichischen Namen die größte Ehre n:acht. Voraussichtlich hätte auch Ernst Schwed eine bedoutende Laufbahn zurückgelegt, hätte ihn nicht der Krieg so früh gefällt. Sein Andenken bleibt in hohen Ehren, wie das aller Kriegsopfer! L. S. Ossiach^ Ich saß am! stillen See von Ossiach, Die Nebel wallten über grüne Höhen, Nur Wälder Vings, wohin die Augen sehen: Hier dacht' ich lange übers Schicksal nach. Bin ich im Schlaf, in: Traume, bin ich Wach? Stets neue Wunder, nicht kauin ich's verstehen! Und :::eine Augen gierig rings ulnspähen Don See, der hevrlich klar und spiegelflach. Hier mussten wir in das Gebirge ziehen, Den Wall der Alpen :nüssen wir beschützen, Ein neuer Gegner droht dein alten Reich. ״Kennst du das Land, wo die Zitronen blühe::?". Wo die Gemüter sich gar leicht erhitzen? Wohlan, Jtalia, es gilt den Streich! Seebach, 10. Mai 1016. Ernst Schwed, Fähnrich i. d. R. (An der Spitze seines Zriges ׳am 30. Juni 1015 am Jsonzo gefallen.) Feldpostbrief. Abschiedsfeier für Dr. S. Funk in Boskowitz. An: 11. Juli l. I., War iln der altehvwürdigen Kulbusgemeinlde ׳ln Boskowitz ei׳n Festtag׳; denn jung und alt, arm und reich hat sich im dortigen Schulgebäude versammelt, um von dem allseits beliebten, herzensguten Rabbiner Herrn I In den letzten Tagen gab es furchtbare Kämpfe, (die Macht gegen Serbien verlassen werden, Diens- Dr. S. Funk, welcher Nach 21-jähriger Wirksam-!ein entsetzliches Feuer, wie es in solcher Heftig-!tag war alles bereit, Donnerstag den 13. mar- 19. Mai 1915. Liebste Mama! Die Mannjschaft hat die Kaserne verlassen, leise fährt der Wlnd durch die Zweige des Parkes, alles ist ruhig u. ich schreibe in meinem Reserve- -immer an: mein liebes Mamachen, habe recht viel Zeit dazu, da ich infolge KaserneMenstes heute an den Rayon der Kaserne gebunden bin. — Noch immer kann ich es nicht fassen. Vorigen Montag, da drang es langsam durch, daß Wiiw