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Jüdische Volksstimme · 1915-07-23 · Heft 19 (23.7.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 19 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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tritt fll ■UHL a WwipPwWt «t. 19. schierten wir um 3 Uhr nachmittags von unserem lieben Kantonievungsovt zur Eissnbahl<stzation fort, um 9 Uhr abends desselben Tages fuhren wir wog und kaum 48 Stunden später waren wir von Syrm-iens Ebene in den Kärntner Alpen. Es kam das alles so unvermittelt, ich kann es noch immer nßcht fassen, -aß und wieso ich in diese gottgesegnete Gegend gekommen bin, wo rings die Höhen grünen und die Spitzen der Borge im ewigen Schnee leuchten. — Es war selbstverständlich ein dringendes Mutz, das die Heeresverwaltung verarnlaßte, uns hierher zu transferieren. Wir alle leben ja jetzt hier in einem Ausnahmsznstande, alles wartet gespannt auf die Entscheidung, die eigentlich schon da ist. nur die letzte Konsequenz ist bis zur Stunde noch nicht gezogen und der Würfel wird fallen bald, sehr bald. Und dev Gedanke, daß ein falscher Nachbar uns dieses herrvliche Land (welches wir mit Leib und Seele verteidigen werden), neidet, daß er 1ms. zwingt, die Waffen gegen ihn zu zücken, wirst einen düsteren Schatten.auf all die Schön«- heit ringsum. Dev deutsche Noichskanzler hat mir heute aus der Seele gesprochen, wir werden auch jetzt uns gegen jenes Volk zu wehren wissen, das, wie die Geschichte lehrt, wankelmütig seit jeher war, sich im Mittelalter in inneren Kämpfen zerfleischt hat und auch jetzt nicht einig ist. Wie es kommen mag, wir glauben an keine friedliche Lösung mehr. Noch ist bei uns alles ruhig, der Verkehr in der Stadt wie immer, aber auf allen lastet es wie Alpdruck, und wir wevden aufatmen, bis es losgoht. — Wir suchen, uns durch alles Mögliche zu zerstreuen -und nicht an den Ernst der Lage zu denken. Heute imtevniahmen wir Offiziere der 12. Kompagnie samt der ganzen Kompagnie einen prachtvollen Marsch zum Ossiachersee, ließen es uns im Annenheim ganz außerordentlich gut gehen, spielten und lenzten, daß es eine Freude war; wer weiß, wann wieder? Pfingsten kommt, das zweite Fest, das ich fern von Euch im Felde verlebe. Ob es diesmal lieblich sein Wird, ist eine andere Frage. Heute ist Mittwoch, wer weiß, wo wir am Sonntag sind, was am Sonntag geschieht oder schon geschehen ist. Was auch kommen mag, seid ohne Furcht und Bange. Ich werde froh und zuversichtlich gegen die Feinde ziehen und alles wirld sich freundlich lösen. — Me geht es Euch allen? Hoffentlich alle gesund. Mir geht es wirklich sehr gut! Laudons Tod. Ein kleines Gedenkblatt von Leopold Schwarz, Brünn. An: 14. d. waren es 125 'Jahre, daß in Neutitscheiu. dem HauptorL des mährischen Oderländchens, einer der größten Heerführer Oesterreichs, Fekdnmrschall Laudon, im Alter von 74 Jahren aus dieser Erscheinungsform des Daseins schied, die wir. gemeinhin ״Leben" nennen, die uns Juden aber nur als eine Vorbereitung und Vorhalle zu einen! andern, höheren Löben- ״in jener Welt" -gilt. Nicht von dem Heldenleben und Pen Heldentaten des volkstümlichen Feldherrn soll hier die Rede sein, wiewohl wir gegahe jetzt eine unerhörte Kriegszeit erleben, dj^e dem! Andenken und Gedächtnis der ruhmgekrönten Schlachtenlenker überaus günstig ist. Nur Laudons nicht minder heldenhastem, für den Juden besonders denkwürdigem Sterben sei dieses kleine Gedenkblatt eines das messianische Zeitalter heiß Ersehnenden gewidmet. Marschall ״Laudon voran!" hatte kein körperlich leichtes Sterben, denn gegen den Besieger des Preußenkönigs Friedrichs des Zweiten und gegen den Eroberer Belgrads hatte selbst Meister Tod einen gar schweren Stand. In vielen überaus blutigen Schlachten war der ״grimme Sensenr'itter", wie Heine den Allbezwinger Tod nennt, in fast wunderbarer Weise an dem förmlich wie durch Zauber!!!!verwundbaren Feldmarschall und Mavsliebliug oft und oft vorbeigestreift; erst fern vom Schlachtgetümmel ward derGideon der Kaiserin MariaTheresia und des Kaisers Josef durch höchst schmerzhafte Krankheit dein Tode überantwortet, «nach tapsereni und zähen! Widerstände. Auch dieses Sterben 'Laudons -war echt heldenhaft und ganz — jüdisch; darum soll hievon hier die Rede sein. Standhaftigkeit im Leiden uud ruhige Ergebung in den göttlichen Willen ist die sicherte Prob! auf Seelengröße. Laudon bestand diese Probe nicht nur als wahrer Held, sondern der durch eine ganz unglaubliche Bescheidenheit und durch tiefes Empfinden auch rein menschlich überragende Feldherr hauchte sein Leben mit jüdischesten 'Warten aus. Als am 9. Juli l. I., über die zunehmende Krankheit des nunmehr verewigten Feldwiarschalls Freihervn v. Laudon von den zusammenberufenen Aerzten zu Neutitschein in Mähren, als dem Hauptquartier, das erstemal Rat gehalten wurd^, und selbige die deutlichsten Kenn- Zeichen des unvermeidlichen Todes wahrnahmen, so kündigten sie ihm solchen an. Der heldenmütige Kranke nahm diese Trvuerpost mit einer Gelas- . senheit und Standhaftigkeit an, die ihn, der so oft den Gefahren mutvoll entgegengegangen war, jederzeit vor tausend anderen auszeichnete. Das erste, was er tat, war, daß er seinen lMen Willen aufsetzen ließ. Dieser warj, wie Geueral-Auiditor Orlandi selbst erzählte, so MHrend, daß selbiger bei dessen Wiedervorlesung sich der Tränen nicht enthalten konnite. Als er sonach sein Haus bestellt hatte, so ließ er auch seinen nahen Vetter, seiner Schwester Sohn, den nunmehrigen Obersten Freihervn v. Laudon, vor sich kommen. Mit einer Beredsamkeit, die selten Sterbenden eigen ist, ermahnte er seinen Vetter zur unverbrüchlichen Treue nicht nur gegen den Monarchen, sondern auch gegen Gott und gegen die Religion. Am längsten hielt er sich bei der Religion auf, und eiferte Wider deren Verächter. Unter anderen ferneren Vermahnungen, die er seinem Vetter gab, den er auch außerordentlich liebte, waren auch diese: ״Sei nicht stolz auf den Vorzug deiner Geburt, auch nicht auf die Größe deiner Eigenschaften! Begegne jedem Menschen ohne Ausnahme freundlich und beneide niemandem sein Glück! — Dieses ist die wahre Größe. Diese Grundsätze waren stets die meinigen. W)enn du ein Haarbreit davon abweichst, so bist du unglücklich." Hier sah der dem Tode sich!!iahende Held seinen^ tränenden Vetter mit unverwandten Augen scharf ins Gesicht, gleichsam, als ob er ihn bitten wollte, seinen' väterlichen Ermahnungen nachzukommen.' Alles weinte, was zugegen war, — und die Wände wiederholten.״das Schluchzen? deren, die den Ausbruch des Tränenstromes zurückzuhalten gesucht hatten. > Die letzten Kräfte und mit selbigen alle Schmerzen verließen! ihn endlich am 14. Juli im 74. Jahre seines Alters. Kurz vor seinem Ende brach er seufzend in folgende Worte aus: ״Endlich kommt der letzte Mend aller meiner Plagen; auf ihn freut sich meine müde Seele, nach ihm sehnt sie sich, wie ein Knecht sich sehnt nach dem Schatten und ein Tagelöhner, daß feiine Arbeit aus sei." — Und er entschlief mit folgendem Seufzer: ״Vater, in deine Hände befehle ich -!!!!einen Geist; du hast mich erlöset, Herr, du getreuer Gott!" Welcher Jude kennt nicht diese Trost- und Balsamworte, und wer sollte sich nicht vor solchem Sterben in׳ Ehrfurcht und Bewunderung beugeu? Die vorstehend wiödergegebenen Angaben über Laudons Tod finden sich in dem jetzt Wohl sehr seltenen, nebst den! Titelblatt sechs Oktavseiten fassenden, 1790 zu Prag gedruckten Schriftchen: ״Die letzten Worte des an! 14. July 1790 verschi eibenen k. Feldmarschalls Ernst Gideon Freiherr!! v. Laudon". Des Schriftchens letzte Worte über den Verewi-gten lauten: ״Sein Leib erfüllt die finstre Gruft, sein Geist den Pol, sein Ruhm die Erde." Fürwahr: Laudons Sterben ist nicht der gering'ste Ruhm dieses heute wieder höchst zeitge-!näßen Helden und ein rühmlicher Beweis für die starke Wirkung des jüdischen Bibelgeistes und BibeMortes, selbst auf so starke Geister wie Gideon 'v. Laudon. Lernen wir von Laudons Tod! Norrefponäenzcn. Wien. (GovdeneHochzeit.) Kürzlich fand im Ottakringer Tempel die Goldene Hochzeitsfeier des Ehepaares Hermann Rosenbaum in Anwesenheit des Stadtrates Grünbeck, der in Vertretung des Bürgermeisters erschienen war, statt. Rabbiner Dr. I. M. Bach hielt an das Jubelpaar eine gedankenvolle Ansprache, worauf Oberkantor Kaufmann einen künstlerisch vollendeten Segensspruch mit Chorbegleitung vortrug. Um die Feier hatte sich dpr langverdiente Obmann des Tempels, Hof- und Kammerphotogyaph S. Weitzmann, der auch an das Hochzeitspaar unter Ueberreichung eines sinnigen Ehrengeschenkes herzliche Worte richtete, sehr bemüht. Auch der Obmann des Vereines für fromme und wohltätige Zwecke, Herrn Siegfried Stein, hielt namens seines Vereines <m das greise Paar innige Glückwünsche und überreichte gleichfalls ein Ehrengschenk. M. S. Wien. (Auszeichnung.) Der k. u. k. Oberarzt Herr Dr. I. L. Braun wurde van Sr. Majesiät durch Verleihung der silbernen Medaille vom Roten Kreuz und mit einem Ehrendiplom ausgezeichnet. Dr. Braun erfreut sich ob seines wirklich menschenfreundlichen und uneigennützigen Wirkens allgemeiner Sympathie. Wien. (Dienstjubiläum.) Herr Direktor Philipp Scherlag feiert am 20. Juli l. I. das 30jährige Dienstjubiläum im Hause Lajos Kriser, Wien. Z Wien, 11. Juli. 1916. Der Waffenerfolg unserer glorreichen Trichpen in Galizien macht sich in Wien im allgemeinen lebhaft bamerkbar. Ein Teil der galizischen Flüchtlinge kehrt in die Heimat zurück und verläßt das gastliche Wien, wo sie monatelang schlecht und recht verbracht haben. Wenn die Flüchtlinge auch manchesmal ein rauhes Wort hörten und manchesmal ein kleines Um recht erfuhren, so setzten sie sich verständnisvoll darüber hinweg. Zu Hause waren sie selbst im Frieden auch nie sicher davor. — Von vielen uns-ever galizischen Glaubensbrüdern wird versichert, daß die Wiener christliche Bevölkerung sich als viel freundlicher und herzlicher erwies, als befürchtet wurde. Anderseits beklagen die Wiener Geschäftsleute, welche mit den Flüchtlingen mehr zu tun hatten, den Abschied ihver Kunden, mit welchen sie sich erst im Laufe der Zeit besser verständigen lernten. Anfangs waren die hiesigen Geschäftsleute über das Feilschen und die Provinziale Kleinlichkeit der Flüchtlinge ungehalten und diese konnten das resche und feste Verhalten der Wiencr Kaufleute nicht würdigen. Nach und nach stellte sich -erst dies gegenseitige Verständnis ein, und die Wiener begegnen den Flüchtlingen nicht nur mit Nachsicht, sondern auch mit hoher Wertschätz!!!! g._ Eingesendet. Znaim, 13. Juli 1915. Geehrte Redaktion! Wir teilen Ihnen mit, daß unser lieber Gg. Herr Kadett Erwin Hirschenhauser des k. u. k. Infanterieregiments Nr. 99 für tapferes Verhalten vor dem Feinde die silberne Tapferkeits-!nedaille 2. Klasse erhalten hat. Obwohl in der Brust ziemlich schwer verwundet, stürmte er mit seinen! Zuge in!mer nach vorwärts, bis er durch den großen Blutverlust ohnmächtig zusammenbrach. Nach durchgeführter Qpevation, bei welcher eine Zersplitterung der achten Rippe festgestellt wurde, befindet sich unser lieber Gg. bereits auf den! Wege vollster Genesung. Indem wir bitten, dies in Ihren! geschätzten Blatte zu veröffentlichen, zeichnen wir mit treujüdischem Zionsgruße: Ernst Fischer , Hans Kahan , _ Z. M.V. ״Unitas"._ Notiz. Autor. Privat-Handelsschule Ruprich, Brünn. Aus den! vorliegenden Jahresberichte entnehmen wir, daß an der Anstalt im eben abgelaufenen 46. Schuljahre einschließlich des Direktors Ruprich 15 Lehrkräfte tätig waren. Die Schule umfaßt ein- und zweijährige Kurse für Knaben, junge Männer, Mädchen -und Frauen, einen Abendkurs für Han'delsfächer und einen Kurs für Maschinschreiben. Aus dem Berichte ist ferner zu .ersehen, daß die für Liebesgaben und Kriegsfürsorgezwecke während -des Schuljahres veranstalteten Sammlungen den nennenswerten Betrag von 719 Kronen 58 Heller ergeben haben. Die Unterrichtserfolge waren auch Heuer sehr befriedigend. Die Unterbringung von Absolventen und Absolventinnen ging auch im La!ufe des verflossenen Schuljahrestrotz der kriegerischen Ereignisse gut vonstatten und es!stellte sich im Frühjahre sogar ein Mangel an tüchtigen Kräften ein. Die Zahl der Absolventen -und Absolventinnen des eiben abgelaufenen Schuljahres, welche

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