Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1915)
- Date
- 1915-02-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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O Wette 4. 9״m*ß apHNm.• Rr. 5 Festrede des Mitgliedes Herrn Getger brachte Herr Beck am Klavier die Volkshymne, eine Paraphrase der ״Thikwah" und eigene Kompositionen zum Vortrag. Hierauf folgten Rezitationen jüdischer Gedichte, der Violinvirtuose Herr Pasztor spielte mit vollendeter Meisterschaft Kol Nidre etc., Fräulein Jonas sang mit viel Gefühl jüdische Lieder und zum Schlüsse las der Vereinssatiriker Rubin einige Erzeugnisse Bcdascher Schule vor. Begräbnis. Am 31. Jänner d. I. hat das Begräbnis des וm 02. Lebensjahre verstorbenen vieljährigen, allseits beliebten Beamten des Herrn Julius Ritter von Leon, des Herrn Josef Stein, unteL zahlreicher Beteiligung am Zentralfriedhofe stattgefunden. In dem Verstorbenen, einen gebürtigen Neu-Raußnitzer, betrauert der hochangesehene Hof- und Gerichtsadvokat, Dr. Adolf Stein in Wien seinen jüngsten Bruder, dessen Verlust noch ein Bruder, Herr Gustav Stein, und zwei'Schwestern, die Witwen, Frauen Rosa Roda und Sofie Ernst schmerzlich empfinden. Der trauernden Familie wendet sich vielfach warme Teilnahme zu. A. L. Jakob Kann s. A. Unter starker Teilnahme und großer Ehrenbezeigung ist Donnerstag, den 28. Jänner d. I. das Vorstandsmitglied der hiesigen Chewra Kadischa, Herr Jak. Kann s. A., zu Grabe geleitet worden. Mit ihm schied ein guter, religiöser Jude, dessen Herz warm schlug für die Gemeinde, deren Institutionen an ihm einen stets hilfsbereiten unb wohlwollenden Förderer hatten. Ganz besonders war es die altehrwürdige ״Chewr!a Kadischa", der der im 06. Lebensjahre kinderlos Verstorbene durch länger denn ein Degennium seine Kraft init seltener Liebe und Hingebung widmete und der in der Ausübung dieses Ehrenamtes sich eine Lebensaufgabe zu eigen machte, seiner Vorfahren in Prehburg eingedenk, die dem heiligen Dienste der ״frommen Brüderschaft" gleichfalls ihre Kräfte weihten. Einem Wunsche des Verblichenen entsprechend, versah der Kantor der ״Schiffschule", Herr Bernhard Löwy die Funktionen in traditionell altjüdischer Weise, die .auf die schon im Trauer- Hause zahlreich versammelten Trauergäste überaus ergreifend wirkte. Unter denselben bemerkte man den greisen Präsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Adolf Stern in Begleitung des ersten Sekretärs, Herrn Kais. Rates Dr. Lieben, 1. Vizepräsidenten, Herrn Dr. Gustav Kohn, die Herren Vorstände Salo Cohn, Emanuel Grün- Wald, Carl Leniberger, Kaiser!. Rat Schrämet, Dr. Markus Spitzer, Samuel Steiner, die meisten Hh. Bethausvorstände Hofrat Herr Dr. Schlack, Ehrw. Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann, die Herren Ehrw. Rabbiner Dr. Grunwald, Dr. Nosemnann, Flesch, Herr Oberkantor Morgenstern, Herr 1. Kantor Jurberger, die Herren Kantoren und Chordirigenten Kischner, Löwit, Hermann und viele Hh. Gemeindebeamte. Im Trauerhause sprach Herr Dr. Alfred Stern rührende Worte des Gedenkens und Abschiedes, am Friedhofe der Obmann der Chewra Kadischa, Herr Salo Cohn und namens der Mitglieder und Kollegen Herr Jur. u. Phil. Dr. Markus Spitzer, worauf die Bestattung unter den Grabe des Weiland Ehrw. Herrn Rabbiners Dr. Schmied! s. A. erfolgte, an jener Stätte, deren sich der Verstorbene schon früher versichert hat. Möge der Heimgegangene, der bescheiden gelebt, sich aber durch ansehnliche Stiftungen (200.000 Kronen zugunsten der Chewra Kadischa, 50.000 Kronen zugunsten des Waisenhauses) verewigt hat, dort in Frieden ruhen und mögen dessen Hinterbliebene von gleich religiösein Sinne beseelte Witwe und alle Fanlilienangehörigen Trost und Erhebung finden in dein frommen Wirken des Dahingeschiedenen, dessen Andenken ihnen zum Segen gereiche! A. L. XXXXXXXXXXXXXXXXX Geschriebene Gedruckte מגילות צו פורים in reichster Auswahl, zu beziehen durch den Jüd. Buchu. Kunstverlag, Brün*. vv vvv w wv w wv w itundfcfiau. Die Bibel über die Verstaatlichung -es Brotkorns. Von der Verstaatlichung und der Streckung der Getreidevorräte ist in diesen Tagen vi-el die Rede. Da darf bei den mannigfachen'Hinweisen auf gleiche oder ähnliche Vorgänge daran erinnert werden, daß in der Bibel, Wohl zum ersten Male in der Geschichte, von einer Verstautlichung der Getreidevorräte im öffentlichen Interesse die Rede ist. Nachdem Joseph dem Pharao dessen Träume dahingedeutet hatte, daß nach sieben fruchtbaren Jahren sieben Jahre der Diirre kommen würden, und er dieser Deutung wegen zum ersten Beamten Pharaos aufgerückt war, ließ Joseph, wie die Bibel berichtet, Vorrats- , Magazine anlegen und in ihnen die von Staatswegen aufgekauften Getreidemengen aufspeichern. Bekanntlich hat dieses großzügige Unternehmen denn auch einen Erfolg, wie wir ihn heute nicht besser unserem Vaterlande in gleicher Weise wünschen können. ״Der Deitsch ringelt arum Samsonows Armei." Folgender origineller Brief, der aus Mohilew in Rußland nach Amerika gesandt wurde, macht gegenwärtig die Runde in der amerikani'sch-jüdischen Presse: ״Schlomowitsch Hot sich freiwillig angegeben (gemeldet) in der Armei. Er un noch jidische Soldaten seinen gewehn in der Armei vun General Samsonow. Somsonow is a bewußter (bekannter) Zeurer Jißroel (Judenbedrücker). Hot er genmnmen ale jidische Soldaten un Hot sei ausgestellt in Front. Hoben mir doch a Got in Himmel, nemmt der den Deitsch un ringelt arum (schließt ein) Samsonows Armei. Die Deitschen hoben attakiert vun hinten, den General dcrschossen und die jidischen Soldaten, wos inen Hot ausgestellt in Front zuiu erschien Feyer, seinen aveingefallen zum Daitscheu in Plen (Gefangenschaft)." Die jüdischen Wehrpflichtigen aus Nen-Griechenland. Die Einreihung der jüdischen Wehrpflicht!- geir aus den neuen Gebieten, die Griechenland nach dein zweiten Balkankriege erworben hat — das wertvollste ist das von Saloniki —, ins griechische Heer wird erst vom Jahre 1916 ab beginnen. Der amerikanisch-jüdische Hilfsfond. Der amerikanisch-jüdische Hilfsfond, der für die notleidende jüdische Bevölkerung aller kriegführenden Staaten bestimmt ist, hat schon bis zum 17. Dezember nach einein Bericht des Schatz- Meisters Felix M. Marburg die erfreuliche Höhe von 222.122 Dollar erreicht. Der Fond dürfte inzwischen bedeutend gewachsen sein. Sanitätsunteroffizier Armin Gottlieb. Der Reserveoberleutnant des 24. Feldjägerbataillons Dr. Josef Hollou schreibt dem ״Egyenlösseg" aus einem Schützengraben auf dem nördlichen Kriegsschauplatz unterm 4. Jänner d. I.: ״Ich liege im Schützengraben und die moskowitischen Kanonen sekkieren auch sehr. Ich schreibe Ihnen daher nur kurz über den Fall des Sanitätsunteroffiziers Armin Gottlieb. Ju Zivil ist er jüdischer Marktfahrer, hat zu Hause in Budapest in der Szabolcsgasse Nr. 11 eine Frau und vier Kinder. Er ist vom ersten Kriegstage au auf dem Kriegsschauplätze, holt Tag und Nacht unter dem heftigsten Kugelregen an der Front die Verwundeten herbei und versorgt sie. Er ist ein wahrer Held. Er wurde außertourlich zum Unterjäger befördert und erhielt dann die große Tapferkeitsmedaille. Er wurde Wohl auch von zwei russischen Kugeln getroffen, blieb jedoch dort und versieht mit Selbstaufopferung seine Pflicht für unser Bataillon. Selbst wenn er nicht gerufen wird, bewegt er sich immer hurtig bei der Schwarmlinie hin und her und fragt immer, ob es keine Verwundeten zu versorgen gebe." Ernennung zu Feldrabbinern. Seine Majestät der Kaiser hat zu Feldrabbinern i. d. Res. ernannt den isr. Seelsorger Ignaz Zafir, den Nabbinatskandidaten David Schreiber und den Rabbiner Oskar Karpeles (letzteren bei der 40. Landwehr-Jnfauteriedivision). Neugebackene Griechen. Der Großrabbiner von Saloniki teilt der griechischen Regierung mit, daß er Anter den Juden eine Sammlung für die griechische Marine veranstaltet. Die Presse ist darob sehr begeistert. (Von der Sammlung, nicht von den Juden.) 365.000 jüdische Soldaten hat cs bereits anfangs November im russischen Heere gegeben. Massakres. Bei Jsbjetz haben sich russische Soldaten bei dem jüdischen Schneider Lieberman cinquartiert und wollten sich an dessen 18-jährige Tochter vergehen. Ein Bruder, Aron, warf sich ihnen entgegen, wurde aber samt seinein jüngeren Bruder erinordct. Die Entmenschten Soldaten machten noch Vater und Tochter nieder und verwundeten die Mutter schwer, welche nach einigen Tagen im Spitale verschied. — In Worobiowka wurde der jüdische Krämer Leb Hochfeld samt seiuer Frau Chaja, der 17-jährigen Esther und der 16-jährigen Bele von Bauern, welche später durch Polizeihunde eruiert wurden, ermordet. Die ersten jüdischen Soldaten in Europa. In Europa war cs zuerst Holland, so berichtet Dr. Max Grunwald in seinem Buche ״Die Feldzüge.Napoleons", dessen Armee sich jüdischen Mitstreitern öffnete. Der preußische Kriegsrat Dohm schreibt darüber 1783: ״In der merkwürdigen Schlacht vom 6. August 1781 zwischen den Engländern und Holländern an der Doggersbank in der Nordsee befand sich auf der Flotte ein portugiesischer Jude, der mit ausnehmender Tapferkeit focht. Eine beträchtliche Anzahl seiner Glaubensgenossen entschloß sich, freiwillig auf der Flotte zu dienen und erhielt vom Oberrabbi zu Amsterdam eine ausdrückliche Bewilligung dieses Vorhabens." Auch in den holländischen Kolonien herrschte der gleiche Geist. Wie Dohm an derselben Stelle berichtet, ״Paren alle freyen Einwohner der holländischen Kolonie Surinam in zwölf Kompagnien Landmiliz eingethcilt, wovon eine bloß aus Juden bestand." Zur Zeit Napoleons standen in den Niederlanden zwei rein jüdische Bataillone, deren jedes 60 Offiziere und 823 Soldaten zählte, ausschließlich Freiwillige. Am Sabbat wurden große Svnagogenparaden abgehalten. Selbst ein jüdisches Militärseminar wurde gegründet. Die Soldaten erhielten rituell zubereitete Speisen. Die Errichtung eines zionistischen Bureaus in neutralem Auslande. Laut Beschluß des großen Aktions-Komitees der zionistischen Organisation ist in Kopenhagen ein leitendes Bureau errichtet worden.,Das Bureau ist einer besonderen Leitung unterstellt, bestehend aus den Herren: Dr. Tschlenow, Sokolow und Leo Motzkin. Als eine im neutralen Auslande befindliche. Institution wird das Ko- Penhagener t Bureau die zionistischen Arbeiten auch in den kriegführenden Ländern leiten. In seinem soeben erlassenen 1. Aufruf fordert das Kopenhagener Bureau sämtliche zionistischen Landesverbände und Ortsgruppen zur energischen Fortsetzung der Arbeit auf. Die Adresse des Bureaus lautet: ״Kopenhagener Bureau der zionistischen Organisation, Kopenhagen, Festergade N. 1". Das Laboratorium des Dr. Marmorek in Boulogne beschlagnahmt. Die ״Frankfurter Zeitung" meldet aus Paris: Unter den österreichischen Unternehmungen, die von der französischen Negierung beschlagnahmt wurden, befindet sich auch das Laboratorium zur Herstellung des Tuberkulosenserums des Dr. Marmorek in Boulogne. Echt russische Helden. Wie Kiewer Blätter zu melden wissen, wurde der aus dem Beilisprozesse rühmlichst bekamtte Singajewski, ein Bruder der berüchtigten Wera Tscheberiak, welche im Beilisprozesse die Hauptrolle gespielt hatte, standrechtlich erschossen, weil er von der Armee, welcher er als Neservist zugeteilt war, während der Schlacht desertiert ist. Wie erinnerlich, war der ganze Beilis- Prozeß auf den Aussagen der Wera Tscheberiak und ihrer Brüder aufgebaut und es ist bekannt, daß das Untersuchungsmaterial für jeden Unbefangenen ergeben hatte, daß die Wera Tschebe-