Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1915)
- Date
- 1915-02-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Rr. 5 &Wm 9*Wt***• Sette 8. Frau des Pinchas usw., hörte die Botschaft, daß die Bundeslade genommen wurde und daß ihr Schwiegervater und ihr Gatte starden. Hier wird wiederum zuerst die Gefangennähme der Bundeslade und dann der Tod ihres Gatten erwähnt. Woher diese mannigfache Ab- Weichung in eitlem ttnb demselben Berichte? Allein dies alles geschieht nach einer gewissen Berechnung, keineswegs willkürlich. Im Bors 10 wird die Tatsache berichtet, u. zw. nach der Reihenfolge der Ereignisse: Israel erlitt eine Niederlage, jeder ergriff die Flucht, cs fielen voil Israel 00.000 Fußvolk und die Bundeslade wurde gefailgengenonlmen und die beiden Söhne Elis starben, Cofni und Pinchas. Der frontille und greise Priester war aber am meisten besorgt um die Bundeslade ׳כי היה לבו הרז על ארון האלקום v. 10). Der Bote, der ihnl die traurige Nachricht vom Kriegsschauplätze überbrachte, wollte den gottesfürchtigen Eli langsanr auf das für ihn Schrecklichste (die Gefangennähme der Bundeslade) vobereiten und ihn nicht gleich durch das Traurigste erschrecken. Deshalb formulierte er seinen Bericht folgendermaßen ( V. 17): Israel floh vor den Philistern usw. uild auch deine beiden Söhne starben und auch die Bundeslade wurde genommen. (Ueber das Allertraurigste berichtete er zuletzt.) Des Boten weise Vorsicht fruchtete leider wenig: Kaum verilahill Eli die Nachricht von der Gefangennahme der Bundeslade, da fiel er um und starb (V. 18). Und auch im Berichte an die Schwiegertochter Elis, an die Frau des Pinchas, glaubte man (mit Rücksicht auf ihren Zustand) eine gewisse Vorsicht anwenden zu müssen. Man glaubte, daß für sie das Schrecklichste sein würde — nicht von der Gefangennahme der Bundeslade, sondern vom Tode ihres Gatten zu hören. Deshalb wurde ihr berichtet, daß die Bundeslade gefangen wurde und dann erst vom Tode ihres Schwiegervaters und zuletzt von dem ihres Gatten. Aber man hat sich bei ihr stark verrechnet. Man glaubte, daß sie, eine Frau, den Verlust der Bundeslade leicht überwinden werde. Sie aber nanute den Knaben, dem sie das Leben schenkte, Jkabod, indem sie sprach: Dahin ist die Herrlichkeit Israels, da gefangen wurde die Bundeslade und weil gestorben sind ihr Schwiegervater (der fromme Eli) und ihr Gatte. Und um jeden Zweifel auszuschließen, erklärte sie nochmals (V. 22): Dahin ist die Herrlichkeit Israels, weil die Bundeslade genommen wurde. Dementsprechend ist auch der Vers *כו נהפכו עליה ערי M (10) so zu übersetzen. Ihre Schmerzen erfolgten in umgekehrter Reihenfolge. Man glaubte, sie würde den größten Schmerz über den Verlust ihres Gatten empfinden, sie aber empfand beit grüßtcn .Schmerz in dem Verluste der Bundeslade. Sie war eben nicht umsonst die Schwiegertochter Elis: Groß in ihrem Leide und Schmerze, groß Flüsse, in die badend deine Töchter tauchten, Den Wald, wo dem Wolf gleich du irrend gehetzt, Die Häuser, wo den Söhnen die Fenster zertrümmert; — Entreiß deinem Herzen diese Sklavenscholle, Iß das Brot ohne Bärme, iß herbe Kräuter, Gürte die Lenden, rüste den Fuß, nimzm den Stab, Wandre nach Odessa, nach Hamburg, nach Bremen, Der Ozean spaltet sich neu vor dir auf. Die Aeltesten der Stämme durchforschten die Welt, Sie fanden auch sich dich neue Kanaan. Greif' zur Hacke, Israel, fälle die Bäume, Greif' zur Picke, zum Spaten, bebaue den Boden, Schaffe dir Obdach, Gehöfte und Farmen, Laß Herden weiden, bepflanze und säe Und ernte. Und bei deiner Bienen Honig der Milch deiner Rinder, dem Wein deiner Trauben, Wird reckend dich richten, erstarkt und jung, Dein Stolz, Israel. in ihrer Liebe zu ihrer Religion und der heiligen Thora. 3. Der König David. Unter alten vergilbten Zeitungsblättern fand ich vor kurzem eine Polemik, die ich vor Jahren mit dem inzwischen leider verstorbenen Rabbiner Dr. Kobak ges. A., dem ehemaligen Herausgeber des ״Ieschurun", hatte. Der gclehrte Rabbiner Dr. Kobak machte in den ״Literarischen Notizen" auf die in der Tat sehr schwierige Talmudstelle aufmerksam, die da lautet: אמר לה רבי לרבי חייא זיל לעין טב וקדשיה לירהא (R. Haschono 25 a) ושלח לי פימנא דוד מלך ישראל חי וקיא ״Rabbi (N. Jehuda Hansi) schickte (seinen Neffen) N. Chija nach En-tob, daselbst den Neumond einzusegnen und als Zeichen der vollzogenen Aufgabe erbat er sich nun ihmden Spruch: David, der König Israels, lebt ewig." Herr Dr. Kobak fragte mit Recht, in welchem Zusammenhänge die genannte Parole mit der Einsegnung des Neumondes stand und warum Rabbi von N. Chija gerade dieses Schlagwort als Zeichen der vollzogenen Einsegnung des Neumondes verlangte'). Dieselbe Stelle findet sich auch im Jerusalemischen Talmud (Synhedrin, Abschnitt 1). Daselbst wird berichtet, daß R. Simon, als man diese Parole abschaffen wollte, ausrief: ״Sollen wir für Jehuda gar kein Andenken mehr zurücklassen?" Daraus geht hervor, daß die Einsegnung des Neumondes in Entob in einem gewissen Zusammenhange mit Jehuda (dem König David) stand. Der selige Dr. Kobak schlug daher eine andere Lesart vor׳), auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Da aber dieser Ausspruch in unserm ברכת קידוש לבנה sich erhalten hat und somit auch für die'Jetztzeit von! Interesse ist, verweise ich in aller Kürze auf die Erklärung von E. Atlas im האשיף (Jahrgang 1865). Die Einsegnung des Neumondes קידוש החודש fand bekanntlich stets im Judua statt (Vgl. Shnhedrin 11 b). Rabbi sah sich aber zum ersten Male genötigt, diese Funktion außerhalb Juduas (also in Entob) vornehmen zu lassen. Dieser Schritt hätte leicht falsch verstanden werden können; man könnte darin gleichsam eine Lostrennung von Palästina und Jerusalem, der Residenz des Davidscheu Königshauses, erblicken, wie z. B. zur Zeit Nechabeams. Diesem Verdachte varzubeugen, befahl Rabbi seinem Neffen N. Chija, er soll an die Einsegnung des Neumondes außerhalb Palästinas den Spruch knüpfen: ״David, der König Israels, lebt ewig." Diese Parole sollte besagen: wir haben die Ehrfurcht vor Jerusalem nicht verloren, wir empfinden , sie immer, obgleich wir zum ersten Male eine der wichtigsten' Funktionen außerhalb Palästinas vornehmen mußten. Diese Parole hatte den Zweck, jedem Miß- Verständnis und jeder falschen Deutung varzubeugen. Und sie hat sich bis heute erhalten, weil wir auch jetzt genötigt sind קידוש החודש außerhalb Palästinas, also in חו״ל vorzunehwen.1) Gedenket am Purim Palästinas! Im Hinblick ans die vom Jüdischen Nationalfonds unternommene Aktion zur Ausführung von Notstandsarbeiten in Palästina haben einige seiner Landessammelstellen beschlossen, am bevorstehenden Purim besondere Veranstaltungen u. Sammlungen für den genannten Zweck stattfinden zu lassen. Das Nationalfondsbureau für Amerika hat die Propaganda für die Veranstaltung eines ״Flaggentag" am Purim eingeleitet und wandte sich an die zionistischen Organisationen des Landes mit folgendem Aufruf: Geschätzte Gesinnungsgenossen! Der verhälnismäßig gute Erfolg unseres ersten Blumentages, sowohl in materieller, wie in moralischer Hinsicht, veranlaßt uns, ') Vgl. Naschi und Tossaphot z. St. ') An Stelle von דוה (David 5) דוהcr Freund), worunter Gott ״der Freund Israels" zu verstehen wäre. ') Näheres darüber unter ״Literarische Notizen" in der ״Oesterr. Wochenschrift" Nr. 14 und 15. Jahrgang 1902. eine ähnliche Veranstaltung im Winter zu machen, nämlich einen ״Flaggentag", der nun jedes Jahr stattfinden sollte, und zwar während der Chanukah-Woche. Diese beiden Tage dürften dem Nationalfonds erhebliche Summen zuführen. In diesem Jahre war cs nicht mehr möglich, den Flaggentag am Chanukah zu arrangieren, und so wollen wir im Hinblick auf die großen Anforderungen, die der Nationalfonds jetzt an die amerikanischen Zionisten stellt, den Flaggentag diesmal am Purim, 28 Februar, veranstalten. Der Arbeitsplan ist sehr einfach. In jeder Stadt sind Gruppen von Freiwilligen zu organisieren, vornehmlich von Frauen und Mädchen, die dem jüdischen Publikum an Passenden Plätzen kleine zionistische Flaggen verkaufen; die Höhe des Preises wird dem Verkäufer überlassen. Dem Flaggentag soll eine Propaganda in der Presse vorangehen, und es soll eine entsprechende Propagandaliteratur verbreitet werden. Der Flaggentag schließt mit so vielen Volksversammlungen als möglich ab. Die nötige Literatur und Flaggen werden von uns zum Kostenpreise geliefert. Geschätzte Gesinnungsgenossen! Wir haben Euch kürzlich die Pflichten der amerikanischen Zionisten gegenüber dem Nationalfonds in diesem Jahre klargemacht. Der Flaggentag soll uns helfen, diese Pflichten zu einem Teile zu erfüllen. Gehet energisch an die Arbeit. Organisiert sofort ein leistungsfähiges Flaggentag-Komitee; suchet so bald als möglich Freiwillige zu gewinnen und mit unserem Bureau in Verbindung zu bringen. Wir müssen rechtzeitig erfahren, wie viele Flaggen und wieviel Propagandaliteratur notwendig sind. Wir sind überzeugt, daß der Flaggentag bei einer zweckmäßigen Vorbereitung gute materielle Resultate und einen außergewöhnlich großen Propagandawert für unser Ideal haben wird. Die Arbeit am Flaggentag wird Euch auch die Arbeit für den kommenden Blumentag erleichtern, für den dieselben Freiwilligen und dieselbe Organisation zur Verfngung sein werden. Ich schlage Euch dieses Unternehmen vor und hoffe, daß Sie dessen Durchführung mit Energie, Intelligenz und Hingebung in Angriff nehmen werden, und der erste zionistische Flaggentag in diesen! Lande von einem vollen Erfolg begleitet sein wird. Mit Zionsgrüßen Bureau des Jüdischen Nationalfonds für Amerika. Es wäre wünschenswert, daß die Palästinafreunde in anderen Ländern dem Beispiele der rührigen Amerikaner Folge leisten und am Purimtage ihr Scherflein dazu beitragen, die Notläge in Erez Israel zu lindern. Wiener Raci>r»«Aten. Herzl-Klub. Am 28. Jänner d. I. fand im Saale des Zionistischen Zentralkomitees die vierte ordentliche Generalversammlung des ״Herzl-Klub", des einzigen arbeitenden zionistischen Vereines in Wien, statt. Der vom gewesenen Vizepräsidenten, Herrn Israel Advokat, erstattete Tätigkeitsbericht, aus dem namentlich die von diesem Vereine auch während des Krieges betriebeneu hebräischen Sprachkurse und Vortragszvklen aus jüdischer Geschichte und ziouistischen Disziplinen sowie die am 0. Jänner d. I. im Wiener Lustspieltheater zugunsten des ״Roten Halbmondes" veranstaltete hebräische Aufführung der ״Makkabäer" hervorgehoben zu werden verdienen, bietet einen interessanten Ueberblick über die zu den besten Erwartungen berechtigenden Leistungen dieses rührUgen Vereines. Nach Erteilung des Absolutoriums an den scheidenden Ausschuß wurde das neue Präsidium mit den Herren Kammerling Plaschkes und Weiß an der Spitze gewählt. Dem wackeren bisherigen Präsidenten Herrn Josef Stein, der zur Landsturmdienstleistung einrückt, beschloß die Generalversammlung eine Eintragung ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfondes zu widmen. Chamischah-assar-Feier. Am 00. Jänner d. I. veranstaltete der Herzl-Klub zu Wien eine dem Ernste der Zeit entsprechende würdige Chamischah-assar-Feier. Nach der formvollendeten