Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1915)
- Date
- 1915-02-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Cette 5. WAMWHsWT BVlIVfnnR(" Ne. S, riak und ihre Sippe an der Ermordung des Knaden Juschtschinky, wegen welcher Beilis unschuldig zu leiden hatte, beteiligt waren. In dem Kriegstagebuche eines bei Lodz gefangenen russischen Offiziers war folgendes zu lesen: 19. Okt. Kiew: Bummel durch das Judennest Ulk (!) in den Handlungen. 5. Nov. Rzeszow (Galizien): Ich renne wie wahnsinnig herum, bis ich Quartiere finde in schmutzigen Indennestern, Kellern, Eierlägern, 6. Nov. Wolifa: Einige Regimenter hatten bis zum Morgen geplündert. Die Spuren davon sah man. Jeder hatte etwas mitgenommen. Decken, Kleider usw. Gebetbücher. Tarnow: Aufbrechen der Wohnung eines jüdischen Advokaten. Wir schlafen in dem Bett eines Juden. Finde ein Buch über jüdische Kunst. 14. Nov. Wieliszka: In Bresko empfangen Juden den Korpsgeneral mit Salz und Brot. 29. Nov.: Ich ergebe mich. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Flüchtlinge finden durch Verkauf von מפריע u. unserer Erzeugnisse lohnenden Erwerb. Jild. Buchu. Kunstverlag, Brünn. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Aus Feldpostbriefen. Russisch-Polen, 2. Jänner 1915. Liebe Bundesbrüder, die Ihr noch in Brünn seid! Vor allem sende Euch herzlichste Feldzionsgrüße mit der Versicherung, das; es mir ausgezeichnet geht. Euch meine Lebensweise ausführlich zu schildern, das hätte keinen Zweck, darüber wird mein Kriegstagebuch später einmal erzählen. Ich will Euch nur aus der Reichhaltigfeit des Gesehenen, des Schönen, des Jntercssanten einiges:nitteilen. Bei allen Strapazen und Fährnissen habe ich meinen guten Humor glücklicherweise nicht verloren und dieser wird mir noch über so manche Klippe glücklich hinwcghelfen. Auf dem Marsche bin ich viel mit russisch- Polnischen Juden zusammengekommen und habe diese ״interniert". Ich bin nicht sehr erbaut, zuweilen war ich sogar enttäuscht. Handelsseelen ohne jeden Idealismus. Ich will aber nicht ungerecht sein und annehmen, daß ich zufallsweise auf schlechte Exemplare gestoßen bin, nur auf Dorfjuden, obwohl ich Juden auch in kleineren Städten in ihrem Milieu gesehen habe. Interessant für mich waren die Momente, die in direktem Zusannnenhange mit dem Kriege stehen. Mau braucht nicht direkt sentimental veraulagt zu sein, um diese Momente auf sich wirken zu lassen. Beim Anblick des ersten Soldatenkreuzes z. B. war ich wirklich gerührt, als wir die Grenze überschritten war ich freudig aufgeregt, beim Vorbeimarsch an ausgebrannten Dörfern deprimiert. Den ersten aus der Ferne vernommenen Kanonendonner nahm ich mit sehr gemischten, sonst aber Perversfreudigen Gefühlen auf. Die Feuertaufe erhielt ich am 99. Dezember. Beim ersten Schrapnell, das überrascht wie ein Vogerl geflogen kam, war ich bestürzt, die anderen Geschosse aber erwartete ich bereits mit einer erstaunlichen Neugierde und Ruhe. Seither habe ich die Ruhe in den schwierigsten Situationen nicht verloren. Eher bin ich in der ersten Zeit erschrocken, wenn hinter uns die unsern schweren Haubitzen feuerten. Ta dröhnten unsere Deckungen. Im allgemeinen ist diese Schießerei eine Prachtvolle Erscheinung und mitten in der lyrisch köstlich anheimelnden Musik, dem Donner und Pfeifen der Stückbomben zu verweilen, das kann wohl nervös machen; mau gewöhnt sich "ber sehr bald daran. Jnfanteriefeuer hat uns bis jetzt nicht belästigt. Unvergeßlich wird mir der Sylvester bleiben. Um 12 Uhr nachts spielte unsere Musik in den vordersten Stellungen das Kaiserlied und ״Gebet vor der. Schlacht", dann lancierten unsere schweren Haubitzen unter dem Hurrahgebrüll der Mannschaft eine Lage warmer Neujahrgrüße zu den Russen hinüber, die übrigens nicht antworteten. Wir Hausen in den sogenannten Deckungen. Das sind Erdhöhlen, mit Holz und Erde gedeckt, Stroh ausgefüttert und mit! den erdenklichsten Komfort ausgestattet. Was halt bte Leute aus den verlassenen Dörfern herbei geschleppt haben. Nun glaube ich an die Sachen» die ich immer in den Zeitungen gelesen habe. Diese Erdwohnungen jtub heizbar, entweder haben sie kleine praklische Eisenofett oder heizt man in offenen Kaminen wie tu der schönen Biedermeier- (oder Rokoko-?) Zeit. Darinnen lesen, unterhalten wir uns, singen wir. Es geht überhaupt hier trotz aller Strapazen und Gefahren lustig zu. Ich traf hier viele gute Bekannte, darunter Jurek, Sergius. Bei der Kourpagnie sind äußerst liebe'augenehme Leute, und ein aktiver Leutnant als Kompagniekammandant. Wir leben nur im Bereich der Kompagnie, ich komme daher mit Jurek wenig zusammen. Heute wurden uns die Weihnachtsliebesgaben überreicht, wir freuten uns tatsächlich mit den vielen guten, auch praktischen Sachen. So mancher Glückwunsch war mit Kinderhand geschrieben und rührte mich mehr als die Fressalien. Sind wir in Reserve, dann gibt es nur Feiertage. Dann fliegen die Braten, Zuspeisen Mehlspeisen, Delikatessen, Weine, Schnäpse. Ihr könnet Euch nicht vorstellen, was in einem prächtigen Herrensitz eines polnischen Grafen Gorski zurückbleibt, wenn dieser flüchtet. Anschließend an das Schloß ein reizender Park und viele Wirtschaftgebäude. Ueppiger Reichtum, die Gemächer luxuriös ausgestattet, schwere Möbel, Wandgetüfel und Vorhänge, persische Teppiche. Wunderschöne Oelgemälde. Alles atmet eine satte Vornehmheit. Wir essen auf wertvollem Porzellangeschirr, mit Doppelwappen, Silberbesteck. Kurz und gut: könnt Ihr Euch vorstellen: Bick im Krieg!! Ich fresse was drauf los und dürfte einige Kilo wieder zugesetzt haben. Ja, meine lieben Bundsbrüder, das ist der Krieg — offen gesprochen, habe ich mir den Krieg anders vorgestellt. Wir liegen an der Nida, den Russen gegenüber. Die Gegend ist reizend, das Tal geradezu romantisch. Den Vollmond in den Fluten des vielgewundenen Flusses sich spiegeln zu sehen, das ist eines der schönsten Naturphänomen, das ich jeinals im Leben gesehen, miterlebt habe. Es gibt eine Romantik, eine Poesie des Krieges. Wer diese ableugnet, der hat den Krieg nur von der häßlichsten, bestialischen Seite gesehen oder empfindet überhaupt, nichts. Ich würdige hier draußen alles, ob es einfach lyrisch oder furchtbar grotesk ist. Und dabei habe ich immer das stolze Bewußtsein, daß ich dies alles nur einmal miterlebe. Deshalb wird mir ein Kriegstagebuch als schönstes Erinnerungszeichen immer kostbar bleiben. Ich könnte Euch, liebe Buudesbrüder, viel noch und breitspurig schreiben, will Euch aber mit meinen Berichten nicht ermüden. Nächstens wieder! Ich grüße Euch nochmals recht herzlichst und bleibe Euer treue B.- Chabarovsk, 12. Dez. 1914. Geehrte gnädige Frau! Auf ineine vielen Nachrichten erhielt ich noch keine Antwort. Weder auf die vom Kriegsschau- Platz, noch auf jene aus dem Spital von Kiew, noch auf die aus der Gefangenschaft. Wenn ich bloß die Gewißheit Hütte, daß eine Nachricht voll mir in die Heimat kam. Ich kann nlir gar nicht mehr vorstellen, wie es bei uns aussehen mag. Hören Sie etwas voll Richard? Von lneinen Brüdern, die sich in! Kriege befinden, weiß ich gar nichts. Hoffentlich mußte nicht auch schon Benno *raul Ich befinde mich hier nlit noch vielen anderen Offizieren den Umständen angemessen nicht schlechter als auf der Zeile in Brünn, in der Anstalt gegenüber der deutschen Turnhalle. Mit besten Grüßen und Handkuß verbleibt Ing. L. E. k. u. k. österr. Leutnant. טיכטיגע סו&רים בתים טאכער פארמעוט מאכער אונד מזוזות-בתים אום ד.אלצ אונד טעטאל ערצייגעי finden lohnende Beschäftigung« Jüd. Buch-u. Kunstverlag, Brünn. Leopold Winterstein s. A. Budapest. Am Donnerstag den 28. isteiner der bravste!:, angesehensten und besten Juden nach langer Krankheit verschieden. Die Nachricht verbreitete sich in unserer Stadt wie ein Lauffeuer und wurde mit großer Betrübnis vernommen. Leopold Winterstein war ein Jude im wahrsten Sinne des Wortes. Er betrachtete es als Lebensaufgabe, überall nach Kräften zu helfen. Jeder der ihn aufsuchte, fand in ihnl einen Berater und Helfer. Ohne viel Aufsehen, ohne die Werbetrommel der Ocffentlichkeit in Bewegung zu setzen, war Leopold Winterstein überall dort zu finden, wo Hilfe nottat. Und so darf cs nicht Wunder nehmen, daß sofort nach Bekanntwerden der Trauerbotschaft Hunderte sich in der Wohnung einfanden, um den Hinterbliebenen ihre Teilnahme und ihr Beileid auszudrücken. Ueber Wunsch des Verstorbenen wurde der Leichnam in seine Heimatsgemeindc Ung.-Brod übergeführt. Das Begräbnis fand Dienstag den 2. Februar unter Beteiligung der gesamten jüdischen Bevölkerung Ung.-Brods sowie der Umgebung statt. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor Körner. Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Nürnberger hielt dem Verstorbenen einen tiefdurchdachten, warmempfundenen, zu Herzen gehenden, Nachruf. Herr Dr. Nürnberger hob insbesondere das menschenfreundliche Wirken des Verstorbenen hervor, der jederzeit für seine Heiulatsgelllcinde Ung.-Brod ein lebhaftes, durch edle Taten bewiesenes, Interessebekundete. Der Nachruf machte auf alle Anwesenden einen gewaltigen Eindruck, kein Auge blieb tränenleer. Namens der Ung.-Broder Gemeinde, Verwaildten und Freunde nahlil Herr Dr. Spiegler vonl Verstorbenen Abschied. Es wurde dann ein Edler Israels in die kühle Erde gesenkt. Ehre seinelil Andenken. Auszeichnungen. Der in Biala geborene, nach Stiebnig, Bezirk Wagstadt, zuständige, hier als gewesener Schlossermeister gut gekannte Hugo Rosenzweig ist als Landsturmzugsführer zur reitenden Artillerie nach Krakau eingerückt und der Feldkanonen-Division S., Batterie 1, Feldpost 64, zugeteilt worden. Er wurde inzwischen zmn Feuerwetker und dailn zunl Oberfeuerwerker befördert. Für sein unerschrockenes mutiges Verhalten in den galizischen Kämpfen wurde er vor versammelter Mannschaft mit einem Geldgeschenk und belobender Ansprache geehrt und nachträglich mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse ausgezeichnet. Seit Neujahr bezieht er die damit verbundene lebenslängliche Rente von monatlich 15 Kronen. * Ter Sohn der achtbaren Witwe, Frau Ber- :a Hamlisch, die hier in bescheidenen Verhältnisscn lebt, wurde kürzlich von Sr. Majestät dem Kaiser für tapferes Verhalten vor dem Feinde mit der Allerhöchsten belobenden Anerkennung ausgezeichnet. Rühmend ist hervorzuheben, daß der junge Mann vor einigen Jahren freiwillig in den Militärdienst trat und es durch eigene Kraft und ohne jede Stütze in kurzer Zeit zum Lotstmrnt brachte. Hoffentlich begleitet Herrn Leutnant Hamlisch das Glück weiter. F r e i w a l d a u, 99. Jänner 1915. E u g e n i e G e s s l e r. Eisernes Kreuz für einen Oesterreicher. Der Wiener Arzt Dr. Isidor Haim, Alter Herr der ״Esperanza", Assistenzarzt des 19. Honvedinfanterieregimentes, der sich gegenwärtig in russischer Kriegsgefangenschaft befindet, hat für sei!: tapferes Verhalten das Eiserne Kreuz erhalten. Koreefponäenzen. Salzburg. Ain 27. Jänner 1915 starb hier der Infanterist des Landst.-EtaPPenkommandos sJtv. 117 Herr Hermann Günsberg, 42 Jahre alt, verheirateter Kaufmann aus Lemberg, und wurde. mit militärischen Ehren am 29. Jänner am israelitischen Friedhof in Salzburg beerdigt.