Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 50 (18.12.1913)
- Date
- 1913-12-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«-Ü, r. «QliWM( 8»ü*1u«nw.• Nr. So. IcS, «m den Perlen JvraelL getragen. Rordau. Marmo- Dolch ein Held war Josef. MS siebzehnjähriger Jiingdie Entwicklung seiner Kinder üben konnte, verließ er «k,. Wolffsohn, Kann und Fisch« und Ussischkin, Tschlesing kam er nach Aegypten und zwar in das HauS des Jerusalem und zog sich nach dem kleinen-Modeim zu« now, Deizmann, Rupm und Marburg find durch eine; Potiphar, desOberslen der königlichen Leibwache, dessen »Weltanschauung" von einander getrennt. Beide haben Gunst er-bald, gewann. daher er ihn zum HauSverwalein Ziel, aber verschiedene Wege, welche zum gemein« samen Ziel« führen. Wir wünschen keinen Ausgleich! Ausgleich heißt Verlust! Der Zionismus *ft kein schwach«S HauS. in dem man leise austreten müsse, damit nicht die Wände einftürzen. 'Der Zionismus ist ein gewaltiges Riesengebäude. Da kann man donnetn und hämmern, da können.Meinungen wuchtig aufeinander prallen. Das Gebäude bleibt felsenfest. Rordau blieb abwesend, weil die zionistische Leitung seinen Stand- Punkt nicht teilt. Seine Abwesenheit war ein ungeheurer Schaden. Man denke Loch, welche immense Wirkung dieser leuchtende Stern dev europäischen Horizonts in der Wiener Millionenstadt hervorgerufen hatte. Wie dielen Tausende» von Schwankenden und Halbüber» zeugten hätte er die Wahchert deS Zionismus einge» leuchtet! Wie furchtbar hätte' er mit seiner wuchtigen Rednerkraft jene Maskierten und bezahlten Verräter niedergeschmettert I Allein Rordau war nicht da. Und wiederum war seine Abwesenheit ein großer Gewinn. Monate vorher wußte die Welt, daß Rordau nicht kommen wird. Äste Juden kamen zu Tausenden. Nicht zur »Primadonna", nicht zum Manne, der »zieht-, sondern zur Jdes. 9000 Gäste aus aller Welt kamen zum Hpngreß und. nicht, »um bloß Rordau zu hören' Sotiye Ausführungen hatten die Zuhörer fast bezaubert. Oie ,Präsidentin des zionistischen Frauen Vereins konnte vor Rührung ihm Dank kaum aussprechen. Alle standen unter der Wirkung eines Banners. Wahrlich einen solchen Kongreßbericht hat man in Wie» noch lange nicht annähernd zu hören bekommen. Wiederholt sind in Wien von Delegierte« und Vertretern d«S Di» strikt« und Zentralkomitee« Kvngretzreferate gehalten worden. Aber wie verschwindend gering waren diese im Vergleiche zur Rede Stand«. Die meisten dieser Refe» rate waren ganz »weftöfterreichischgefärbt. — Da waren regelmäßig zwei-Drittel de» Referate« rin Schimpfe« und Fluchen auf die »politischen-, die an »fixe« Ideenkvrnke», die Delegierten auf dem Kon» greß »korrumpierthatten, die durch »unerhörte Mänöverdie Redner beeinstußten» die -durch »geheuchelte Krankheitenfür sich Sttmung ■ machten usw. usw. Zum ein Loblied auf die stapfeeewAlSeftösterretcher-.׳ in deren Mitte die in der vorletzten' Nummer der «JL bischen Zeitungabermal» gepriesene »Einheitbei steht. .Einheit" herrscht in WesEft erreich. Das stimmt! Wer eine andere Meinung hat — ist ein Verräter. Und solche gibt e« nicht weniger im lieben Westösterretch. Da» Ketzergericht funktiontert glänzend: besser al» da» spa nische im Mittelalter. »Zionistischist nur dasjenige, auf welchem der Parteisekretär den Stempel »Emme»' aufgrdrückt hat. In Westösterretch ist Zionismus nicht lleberzeugung, sondern diktierter Befehl. NordauS zto> ntstische Schriften find »poßel-, eine Rede Wolffsohn» »korrumpiert-. Der Kongretzdelegierte ist ein Paragraph- Er darf auf dem Kongretz nur da» sagen, wa» der westösterreichisch« Sprecher hineingeredet hat. Und wenn er auf dem Kongretz eine andere Meinung vom Sach« verhalt bekommt — und das ist Westösterreich bei zwei Delegierten passiert — so ist er eben korrumpiert war den. Mögen die Herren Parteiführer Wien» von Stand lernen, seine eigene Ueberzeugung zu vertreten und auch daneben eine anher« Anschauung zu dulden und nicht durch ein verkehrte» System die besten Kräfte, wie Schnierer. Kann, Vork-Steiner,. Kremenezky, Gchaltt, usw. hinauSzuekeln und ihnen die Mitarbeit unmög ltch zu machen. Lhron Schwertfinger. Josef Md die Makkabäer, Eine Ehanukabrtrachtung von Dr. An Die schönsten, herrlichsten, dustverbreitendstea vlu> men in dem Kranze der Lugenden, der da« Haupt de» Patriarchensohnes Josef schmückte, bildete der Helden» mut. Wiel War denn Josef ein ausgezeichneter Schlachtenlenker, ein hervorragender Feldherr, der auf dkm Felde der Ehre für Thron und Vatettand wacker ge» kämpft und glänzende Siege errungen hatte? Da« Wohl nicht; dessenungeachtet war er ein großer Held. Ki lau j x^ bekoach sigbar sich, »denn nicht in der Stärke Ist de« Manne« Kraft-, rief die fromme Ehanna au«. Und der Psalmist fang: Nicht immer ist dem Könige geholfen, wenn er auch ein gü»ßr» Heer besitzt und der Held wird nicht immer infolge seiner großen Kraft gerettet.- Wer als« dann verdient, ein Held genannt zu werden? Se hokowesch e« jizro, »derjenige» der die Kraft, den Mut und den fefttn Willen besitzt, sich zu bezähmen und zu beherrschen, seine Leidenschaften zu unterdrücken, seinen MegeP, wie seiner Herrschsucht Grenzen zu setzen.- t«r ernannte. In diesem Hause aber schaltete und Waltete ein Dämon, der sich alle erdenkliche Mühe gab, den chönea, reizenden Jüngling zu verleiten und zu der» Ähren, zu berücken und zu bestricken. Josef aber ließ ich nicht verlocken, zog eS vor, lieber im finstern Kerker zu schmachte», als sich dem Laster in die Arme zu werfen. Er umgurtete sich mit Kraft, kämpfte er wacker und so gelang eS ihm, der Gefahr zu-entrinnen. Wem aber hatte er diese bewundernswerte Willenskraft zu verdanken? Einzig und allein der trefflichen Erziehung, die er im Vaterhause genossen. In dem Moment, als der Dämon ihn zu umgarnen droht, hörte er eine höhere Stimme, die ihm warnend zurief: Wie! Dein Vater itzt in tiefer Trauer und du werdest wanken? Da er» mannte er sich und das Bild de» teüern, kn Leiden ergrauten Vater« stand mit feurigen Zügen vor seiner Seele שנראית.קלטות דיוקנו של »בין רב׳ן׳ und dir Stimme der Verlockung und Verführung veriummte, daS Gute siegte und Böse zog sich scheu zu» rück. Allerdings mußte er längere Zeit infolge einer Verleumdung im Kerker verweilen, durch eine göttliche fügung jedoch gelang e» ihm endlich, nicht nur aus der insteren Rächt des Kerkers befreit, sondern sogar zum Regenten Schalst de« großen mächtigen ägyptischen Red che« ernannt zu werden. In dieser hohen Stellung entaltete er eine überaus segensreiche Tätigkeit. Hunderttausende wurden unter seiner vor- und fürsorglichen Leitung vom Hungerwde gerettet. Infolge seiner Su-;erst glänzenden Finanzverwaltuug erfreute sich das ganze Reich der schönsten Prosperität: dabei vergaß er e« nicht, seinen asten, liebreichen, schwergeprüften Vater mit seiner ganzen Familie nach Aegypten kommen zu lassen, wo er fie alle reichlich verpflegte und für die Er- Haltung deS Stammes sorgte. Damit allein begnügte er sich nicht, sein sehnlichster Wunsch.war vielmehr, daß seine Brüder, die Söhne Israel«, auch dann, wenn er der Erde entrückt sein wird, in seinem Sinne und Geiste leben, wirken und dafür sorgen Wögen, daß der Glaube der Väter und die alten Tradittyne» nicht vergeffen werden. Bor feinem Hinscheiden WFchwor er seine Brüder und sprach: Wenn Gott - wttb.eurer bedacht ein, euch aus der Knechtschaft befreien und in daS ver. heißen« Land bringen, so führet meine. Gebeine mit euch hinauf, da« heißt mit andern Worten: vergegenwärtigt euch stets mein Bild, erinnert euch eure» BruderS Josef, der sowohl in der Stunde der schwersten Prüfung, als in der Zeit des Glückes seinem Glauden und seinem Stamme treu geblieben ist, ahmet ihm nach, gehet tn seine Fußstapfen» damit dqS HauS Israel nie in seinen Grundfesten erschüttert werde. Tatsächlich hatte Mose« am Tage der -Befreiung Israels auS der ägypttschen Knechtschaft diesem Wunsche entsprochen. Auch die. Makkabäer hatten dttte Jahrhunderte später ihren Heldenmut wie ihre Glaubenstreue der vortrefflichen, streng religiösen Erziehung, die fie im Vaterhause genossen» zu verdanken. Lange Fest vor MatathiaS schon war der jüdische Staat seiner nationalen Selbständigkeit verlustig ge worden. Griechische Fürsten waren die Herren in Judäa, fie schatteten und walteten nach Herzenslust, setzten Hohepriester ein . und ab, und wie oft kam es vor, daß unwürdige Subjekte durch List, Schlauheit, Ränke und Bestechung zu de» höchsten Würden im jüdischen Staate gelangten. In je-er trüben, düsteren Zeit bildeten sich innerhalb de» Judentum« zwei Parteien heran«, die sich schroff gegenüberstanden und unausgesetzt bÄämps ten. Die eine Partei bestand au» den sogenannten Fortschritt«männern, dje man Hellenisten nannte, well fie mit den Griechen liebäugelten und fraternisierten. Den Griechen zu Liebe verleugneten fie ihre heiligsten Güter» ihre Sprache, Sitten, Bräuche und Formen« lernten eifrigst die Sprache der Griechen und eignete» fich deren Titten und Formen an, . obwohl die Griechen, deren Lebensweise sie nachahmten, nach wie vor ihre unversöhnlichsten Feinde waren. Die. andere Partei bestand au« wahrhaft frommen, gottbegeisterten Man nern, die mit allen Fasern ihres. Leben« dem Glauben der Väter treu blieben, aus Männern, die von dem Bewusstsein durchdrungen waren,.daß durch , da« Verleugnen der Sitten und Formen, nicht bloß daS natio nale, sondern auch dÄ-geistige, ideale Judentum dem Untergange cntgegengeführt werden muß, daher fie berett waren, für den Glauben an Adonai bis zu ihrem letzten Atemzuge zu kämpfen. Zu den hervorragendsten Persönlichkeiten dieser Partei gehörte , der fromme, edle MatathiaS auS dem Geschlecht« de« HaSmonäer. Er hatte fünf wackere, reichbtgabte Söhne: Johanan, Simon, Juda, Eleasar und Jonathan. Da er begrünbete Ursache hatte, der Befürchtung Raum'geben zu müssen, -aß da« Treiben der Hellenisten in der Hauptftadt Jerusalem einen höchst schädlichen Eindruck au rück. Dort widmete er seine ganze Kraft ausschließlich der Erziehung seiucr Kinder. Er leuchtete ihnen als Musterbild voran, schmückte sich mit der Krone des MärthrertumS, und das schöne Beispiel deS treuern, ausopfernden, greisen, gottbegeisterten BaterS wirkte z-ndend, anregend, erhebend underbauend auf haS Gemü t der Kindern die sichs zur Lebensaufgabe gemacht, mit ihrem Herzblute für den Glauben der Väter zu kämpfen, und so entstanden die Makkabäer, die HLminerer, die zur Zeit, als der grausame AntiochuS nicht nur daS nationale, sondern auch religiöse Judentum vollständig vernichten wollte» sowohl die äußeren als inneren Widersacher niederschmetterten und daS Licht der Religion, daö bereits erloschen war, aufs neue wieder anzündeten und eS hell leuchten ließen. Mit Recht heißt eS im Talmud: Harogil bener Manuka hawjen Io bonow.Talmibe chachomim. Wer die wahre Bedeutung deS EhanukaltchteS zu erfassen versteht, wird zweifellos seine Kinder für den Glauben begeistern und sie so erzlchen, daß fie die Thora unter allen Umständen Hochhalten und daS Licht, der Religion nie erlöschen lassen werden, denn daS Gebot ist etne Leuchte und die Thora ein Licht-, und wo Licht ist, da ist auch Leben! " Trauerfeier für Dr. Adolf Schmidt. Dienstag den 9. Dezember, S Uhr" abends, genau nach Ablauft der dreißig Tage tieffter Trauer seit sier Beerdigung deS verewigten Rabbiners der Leopoldstädter Synagoge, Dr. Adolf Abraham Schmied! s. A» veranstaltete ter Vorstand der Wiener israelitischen Kultuvgemeinde eine Trauerfeier für denselben, die fich zu einer würdigen und solennen Kundgebung gestattete. Trotz deS schlechten Wetters füllte ein zahlreiches Pubttkum daS geräumige, vollbeleuchtete Gotteshaus der Tempelgaffe, dessen Bundeslade und Kanzel sowie da« Seelenlicht für den teueren Verstorbenen einen schwarzumflorten Anblick boten. Anwesend waren der Vorstand der Kultusgemeinde mit seinem Präsidenten Dr. Stern an der Spitze, die meistea Rabbiner, ReligiynSlehrer. Kultuöbeamten und Delegierten jüdischer Vereine? und Institute Wiens. Die Galerie hielt zahlreiches Damen- Publikum in schwarzer Kleidung besetzt. Nach einem stimmungsvollen, auf einem Harmonium meisterhaft auSgeführten Präludium, exekutierte Oberkantor Morgenstern den Sulzerschen Psalm 49׳ mit Begleitung deö verstärkten, von Prof. Josef Sulzer persönlich dtrigierten ChorS, der ergreifende Wirkung auSübte. Hierauf bestieg Rabbiner Dr. Max Grunwald die Kanzel und widmete dem Andenken seines verklärten Borgängerö warme und verehrungsvolle Worte, die den dertorbenen Seelenhirten nicht nur alS den weisen Lehrer und gewissenhaften Priester priesen, sondern auch den Menschen voll Güte, Edelsinns und Leutseligkeit zeichneten, der im Stillen viel Armut und Rot zu lindern und so manchen Frieden in der Famllie und Gemeinde durch den unwiderstehlichen Zauber seiner persönlichen Eigenart herzustellen vermochte. An die Leuchte solch eines Mannes wolle Redner die Begeisterung entzünden für sein heiliges Amt, daß eS zum Segen werde für daS Andenken deS tief Betrauerten und zum Segen für die Gemeinde immerdar. Der Redner widmete nun dem Dahingeschiedenen ein weihevolles Menucho nechono, sodann einen Kadisch, worauf Oberkantor Morgenstern in altjüdischer, herzergreifender Weise ein El mole rachamim rezitierte» dem der Chor die bekannten, in tiefstes Roll' getauchten Akkorde de» »Schiwtfft" folgen lieh. Sin besonder» feierliches Olenu beschloß die fast eine Stunde währende, überaus erhebende Trauerseier. A. L. Chanuka-Spende. - Chanuka naht heran! In einigen Tagen feiern wir den schönsten aller jüdischen Feiertage mit seinen kleinen Lichtern, in denen sich die Träume unserer Vergangenheit und die Hoff- ., nungen unserer Zukunft abspiegeln. Flammende Makkabäer-Reden, glänzende Abende und lustige Kommerse werden allenthalben kundgeben, die jüdische Jugend habe daS alte Ehauukoh in ein neues Fest jüdischer Ehre, Mischen Mute»' und jüdischer Begeisterung umgewandelt. Die alten Erinnerungen und Sitten erhalten in unseren nationalich Festen eine neue moderne Form, einen neuen nationaftn Wert. Und die« macht di« Schönheit und Erhabercheij dieser unserer Feste auS. Bei uns jungen Juden wuchsen die Keinen Ehanukäh-Lichter zu großen Fackeln national-jüdischer Begeisterung an. Wir heben alle alten Sitten und Gebräuche hervor, geben ihnen eine neue Form und ver-