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Jüdische Volksstimme · 1913-12-18 · Heft 50 (18.12.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 50 (18.12.1913)
Date
1913-12-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIV|2. Jahrg. Nummer 5 Bezugspreise: Für Oesterrcich-Ungarn, halbjährig . Kvonen 620־ ganzjährig.Krsnen 12־— Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Nutzland, ganzjährig ..Rubel 6 — Balkan, Frankreich m- Franks 14־— -S Erscheint jeden Donnerstagi ♦ Mit der hebräischen Beilage המצפה י Herausgeber: Max Hickt. »-----m | Inserate: die Sspaltige Petitzeile 3V h. .! Buchhändlerische Vertretung: Ott» Klem«, Leipzig, s .Telephon 3vvst/Vlli- Sprechstunden von 10—12 lihr; I Poslsparkassakonto Nr. 312.8-12. | Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht hon»- s j ricrt. — Manuskripten ist Rückporto beizUfügen. Brunn—Budapest. Wien, sZ*g15”1.״ Prag—Lemberg Adolf.Stand in Wien. Am 9. Dezember sprach Adolf Stand im ״Ersten Wiener zionistischen Fraucnvercin" über de» elften Zionisienkongretz. Ter Eindruck seiner Rede war geradczit nbettoältigend. Man mutz dort gewesen sein und ihn gehör! haben. Wollte die Feder ein Bild dessen skizziere», so würde sich ihrer eine Verlegenheit׳ bemächtigen. Unbeweglich steht der Mann aus der Bühne. Sein ernstes Gesicht nimmt den gewohnten traurigen Ausdruck an. Seine eiserne Stimme donnert durch den Saal und reiht den Zuhörer mit sich fort. Alle Augen hasten festgebannt aus feinen. Lippen, gespannt und hingerissen lauscht alles seinen Worten. ״Tausende jüdischer Jünglinge", so beginnt der zionistische Nestor, ״liegen nus den blutigen Feldern Thraziens und Mazedoniens. Bei Lüle-Buryas, ilirffiliffe, Adria,wpcl, Kumauowa, Jnnina״ Saloniki und Skutari ist jüdisches Blut in Ströme» geflossen. Jüdische Existenzen sind ruiniert, jüdische Kinder verwaist, jüdische Mütter ihrer Äadeichim beraubt. Auf der Botschaftcrkoiifereuz zu London,!nutz den Forderungen der Serben, Montcnegri- :iH irnd 'ZkVWnnstinhe«-׳Rechnung -g-lragen 1oe.de». Albanien mutz fein Skutari zurückcrhaltcn. Ucbcr Wünsche der Juden wird nicht cinnial theoretisch gesprochcn. Saloniki init seinen 88.000 Juden und 25.000־ Nichtjuden soll bulgarisch oder griechisch werde». Silisrra soll den Rumänen zufallen. Im griechischen Saloniki feiert Antiochus.׳Epiphancs sein altes Judenpogrom. Im rumänischen Silistra iverden jüdische Bürger des :Nenschenrechles beraubt. Welch bittere Schniach für das Jtideiivolk, für das Volk der Propheten, für das Voll der ältesten Kultur, wenn Serben und Kotzowalaclien von Europa fordern, während es von niemand beachtet! wird. Nein Mensch weitz, was das nächste Dezennium' bringen wird und wehe, dreimal wehe den Juden, wenn sie nicht gerüstet der Zukunft entgcgengche»." Auf den, Kongretz übergehend,־ erwähnt er zuerst der ״Histadruth; hatzafa haiwrith". Vor dem breite» Forum Europqs. waren die Juden zusainmengctrelen und hatten bewiesc», datz ihre Sprache lebt und. blüht. Gelehrte, Kauf-, leutc, Rabbiner und Beamten haben mit höchster Gelausigkeit in dieser Sprache verhandelt. Bei der Rede Biaiiks konnte man den alten Jesajas vor sich vermute». Tiefer hebräische Kongretz hatte ein Janusgesicht. Man. fühlte sich in die.alte staatliche Seibslqndigkcii Israels zurückversetzt und gleichzeitig malte׳ ׳man sich die Zu-- kunft unserer Selbständigkeit vor. Wahrlich, so mutz der Prophet zu Israel gesprochen haben und so wird einst aus der alten Scholle zu Israel gesprochen werden.! Ter Kongretz hat nach autzen einen demonstrative»! Charakter gehabt. Der Zug zum Herzl-Grab, das jüdische Turnfest sind ewig Zeugen jüdischer Kraft und. jüdischen Willens. Nach innen hat der Kongretz ein Herrj iiches Bild gezeigt. Palästina hat 30 Delegierte ent-> sendet, um 68.000 Schekekzahker ist die Lrgaiiiiatioi! I gewachsen. 50.000 Juden haben ihren Beitritt den» Zi»° > nismiis bestätigt. Für die hebräische Kultur ist der Kedemfonds geschaffen. Den Höhepunkt erreichte der Kongretz am denkwürdigen 9. September beim Beschlüsse» die Universität zu gründen. Zur Universität gehören drei Tinge: Schüler, Lehrer und Geld. In Rutzland ist um sechs Millionen Juden eine chinesische Mauer errichtcr. Die Schule ist ihnen verschlossen. Im Weilen tritt den Juden der Satz Dantes entgegen: ״Lasset die \ Hossnung fallen!" Mit einer fabelhaften Grausamkeit hat sich Europa geeinigt, den Juden zu vernichte». Sch«i> terhausc-n und Pogrome wilrdcn äi» jüdischer Zähigkeit׳ zu Schanden. Ta packt man die Juden bei der Achilles״ ferse. Dem ״Am-Hcitzefer" wird das Buch genommen. Die Universität zu Jerusalem in eine Sache menschsicher Selbsterhaltung. Sperrt man die Schule — öffnet man di» Schule. Lehrer sind in Europa im reichlichen Matze vorhanden. Jüdische. Dozenten sind an allen weitsichen Universitäten tätig und die hebräische Univcr siräi wird gewitz keinen Mangel leiden. Geld wird sein, lvenn inan es brauchen wird. In» Jahre 1901־, im Jahre des Weltkrieges hat Gerschon Zipper U>0.000 K im blutarmen Galizien gesammelt. Für die Universität sammelt das ganze Judentum. Alle Reserven werde» einberufen. Auf dem Kongretz ist eine halbe Million gezeichnet worden. Für feine Wissenschasr wird das Indenluin gebe». Tie Arbeit hat der eiserne Ussischki», der stahlharte Wille übernoinmen. Auf den kann man sich veriafsen. Tie Eröffnung des Kongresses cepräsenticrte drei Männer: Marburg. SokoWw und Leivin. Sie ersetzten Nordau nicht. Sie sind auch keine tleine Nordaus. Aber welch gewaltige Kluft zeigte sich da, vom Zionismus über brück;! Marburg der preutzische Profefsov mnd^Lewiu das^Medertiud he». £10:11». haben eine gleiche WeitaUschaumtg, haben gleiche seelische Dispositionen erreicht. Ueber die Abwesenheit Nordau» meinte der Redner, datz e» die grötzte Schmach sei, die dem Zionismus angetän wird, weint sich seine Ver» treter bestreben, die sür den Zionismus so rühmliche Tatsache zu verla:im siche», datz zwei diametral entgegen» gesetzte Aitschanunge» . im Zionismus vertreten sind. Tie ״politisckw" .und ״praktische' Richtung. Beide Anschallnngen werden van den beiten Söhnen unseres Vo> ■ ■־'■‘■יי■""!■> bh■ וי n.» f 11 i 1t ■1 o»W» Feuilleton. . Raafs Mine. Von S. H. M o s e ntha l. (Fortsetzung.) Ter Alte stieß dos Gläschen ans den Tisch und begann mit den Fingern heftig zu drehen. ״Merkwürdig?" rief er aus. ״Merkwürdig genug, daß so eine alte Kille, wie Frankfurt, die neumodischen Schmus (Reden) mitanhört. So ein hergelaufen Jüngel,das hochdeutsch darschent is׳redigt)l Eharbe und Mische (Schmach und Schande) für eine jüdische,Kille! Sie sollen, ihn nur behalten, worum nit? Aber das sag ich dir, Gott soll Teiu'״ Vater noch hundert Jahx leben lassen, aber solange ich Schcunmes.bin. konnut nur kein Hochdeutsche: .da herein! . Es seunen ,'sind schon solche), die so einen 'Neumodischen möchten. Unser größter Auscher (Reicher) Joel Reinach war' Posche Jesroel (Sünder) genug dazu! Tafür hat ihn Gott,-gelobt sei er! auch genug gestraft und von seinen sieben Kindern sind, vier hinweg gestorben. Worum nit?" Er hatte hei diesen gefälligen Worten sein Wachs- ׳ Luim״ kügelchen wütend zu einem Faden gedreht und polierte ohne Abschiedsgrnß zur Tür hinaus. Mine hatte emseht die Worte gehört, die in den, Unglücke des hochgeachteten Mannes Joel Reinach, ein Gottesgericht für dessen geläuterte Ueberzeugnng verkündeten. ״Tas sind die Frommen!" rief sic schaudernd aus, und nun begriff sie erst recht die schmerzliche Sehnsucht ihres jungen Freundes. Aber aus dein Gewitter des Fanatikers war ein Hoffnungssrrahl in ihre Seele gefallen. Joel Reinach, der angesehenste reichste Mann der Gemeinde, er teilte, wie sie eben gehört, Heuochs Gesinnung, er könnte vielleicht — doch, törichter׳ Gedanke! Er war ja unnahbar für sie, wie sür alle! Joel Reinach war der Chef des Hauses ״Gebrüder Reinach", die in ihrem großen steinernen Hause in der Entengasse ein Seiden» Warengeschäft besaßen. Das Geschäft besorgt««.־ seine Brüder und Neffen; er selbst, von Krankbeir und Unglück gebeugt, verließ seit Jahren, nicht!»ehr sein Gemach. Ueber das Geschäft auch war eine eigentümliche melancholisch-feierliche Atmosphäre verbreitet. Tie Seidenstoffe lagen in geschlossenen Mahagonischränken, selbst das Schonseusrcr zeigte nichts als die goldenen Buchstaben der Firma auf der riesigen Glastafel. Trat inan eilt, io wlirde mau von den Söhnen des Hauses und ihren Afsiierterr zeremoniell wie in einer fürstlichen Anticnmera empfangen. Kein lauies Wort wurde gewechselt, die Preise her Waren waren so heilig wie retigöse Toginen. Man verkehrte harr wie in einem Wohltätigkeirsbazar, in welchem .hohe Herrschaften als ׳berkäuser fungieren. Allein durch die Vortresslichleit der Waren und die nie anzuzweifelnve Preiswürdigkeit derselben war das Reinachsche Geschäft das erste und vornehmste der Residenz. Joel Reinach halte keine Söhne, aber sieben Töchter, die, früh mutterlos״. in regelmäßiger Reihenfolge zu n>n1ldersch^t'eu.,Jungsranett. her anblühten. Toch schien״M״ grarrsnincs Geschick, hsese stl lenen MädchenbstrtelV der Erde;u juij!; Wgnneu. Sobald eine der R'einachichen T-gPsto־ 'das achtzehirte Jahr erreicht hatte-.-bleichtHi-iht/f rosigen Wange». die. üppig» Gestalt viwwelkie', der Wurm in» Kelche nagte still ׳und Watrlich. Tüs die Blume entblättert zerfiel,.Piep der Toch ter waren bereits ins frühe Grab gesunken, be trgneri von allen, die sie kannten oder auch!Me von fern ihre ideale Schönheit bewundert hatte!;'. Von den drei letzten hatte noch keine das ver häagnisvolle achtzehnte Jahr erreicht.׳- lFortsrtzäug sölgf.) QR055ER flU5VERK/Wf : ist es noch nicht aber b:s - . 30% billiger wegen Übersiedlung verkaufe alle kaueliyr-, Kalautsrleunä LeäervaE» 8tSeke, keaensekirme, feuerreuge, elekfriseke lasekenlampen, lasekenuuä Rasler- Y1e88er etc kkäkL KODA, Brünn (^ahnhofplätz^ ־--—.^ '-:-1.־־"......י״ י י ־'־־ ־"־—■■yiMflwwyyy ״■יי■»»

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