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Jüdische Volksstimme · 1913-12-04 · Heft 48 (4.12.1913) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 48 (4.12.1913)
Date
1913-12-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite tc* ״Jüdische Bolksstimme." ״*r --a=m=r־—־~— Nr. 48. beitsausschusses schreiten, welcher zunächst die Aufgaben organisatorischer Natur erledigt und dein Beginn positiver Arbeit die Bahn ebnet. Jever Tag ist (Gewinn! Darum kein Säumen! Leopold Grünhut. Aus der Agudas Jisroel- Bewegung. Agudas JiSroel in Tcutschland. Halberstadt. Die Tagesordnung der auf den 15. Kislcw <14. Dczcnrb.r) 5.74 hierher cinbcrufenen deutschen Telegiertcnversan.mlnng der Agudas Jisroel- Ortsgruppen ist wie folgt i.s.,1csetzt worden: 1. Eröffnungs- und Bcgrüßungsanspr.chcn. i. Bericht über die bisherige Tätigkeit der Agudas Jisroel. 3. Tic organisatorischcn Grundlagen der Agudas Jisroel. 4. Vorlage eines provisorisch.» Grnppenvcrbands-Siatuts für Deutschland. 5. Wahlen. I! .Cventualia. Würzburg. Am. 1!l. November hielt die Jugendgruppe der Agudas JiSroel den Erösfnungsabcnd ihrer Vercinstätigkcit im Wintersemester 1913—14 ab. Der erste Vorsitzende, Herr Hermann Engel, begrüßte die Gäste und Mitglieder. Alsdann erteilte er dem Redner des Abends, Herrn Tistriktsrabbiner Tr. Wohlgcmuth- Kissinge» das Wort zu seinem mit Begeisterung aufgcnominelle» Referate über ״Gedanken aus dein Midrasch". Pfungstadt. Hier wurde eine Agudas Jisroel- Mädchengruppe" gegründet, der sofort sämtliche junge Mädchen unserer Gemeinde beitratcn. Es wurde bcschlossen, im gleichen Sinuc tvie die Frankfurter Gruppe zu arbeiten. Zur Leiterin tvurde Frau Mainzer gewählt. Memel. Neben der bereits bestehenden Agudas- Jisroel-Ortsgruppc ist hier auf Anregung des Herrn Samuel Josscliowsky ein ״£rth. Jugendvcrcin" ins Leben gerufen worden. Agudas Jisroel in Amerika. Frankfurt a. M. Wie dem Frankfurter Bureau der Agudas gemeldet wird, wurde der Beschluß des Provisorischen Komitees, eine Delegation nach Amerika z.l entsenden, in allen Kreisen der Gcsetzestreuen Arnerikas mit freudigem Interesse ausgenommen. Die Führer der Orthodoxie in allen Gemeinden sehen den lange ersehnten Zeitpunkt für einen Anschluß an die Gcsinnungsvcrwandtcn der europäischen Länder für gekommen und treffen umfassende Vorbereitungen, um der! A»laß der Anwesenheit der Agudas-Dclcgation zu einer regen Tätigkeit zu benützen. Wo Ansätze von Ortsgruppcn der Agudas Jisroel bereits vorhanden sind, wie in Ncwyork, Baltimore, Boston, Fall River, Chicago, Jcrsey City, Toledo, St. Louis, Tenton, Pittsburg wird die Propaganda mit erhöhtem Eifer fortgesetzt und aus vielen anderen Städten melden sich neue Mitarbeiter, die ihre Tatkraft mit Begeisterung in den Dienst der Aguda stellen wollen. Tie Delegation besteht aus den Herren Rabbinern Dr. M. Hildesheimer-Berlin und Aron Walkin-Mstislawl. Agudas Jisroel in Russland. Warschau. Trotz der großen Erregung, die infolge des Beilisprozcsscs sich aller Gemüter bemächtigte, und sonstiger Hindernisse, die eine ausgiebige Propaganda erschivercn, sind in den leyten Tagen mehrere neue In der Gemeinde kennt man sie nur unter diesem Namen; ein vierzehnjähriger Gebrauch hat ihn geheiligt. Eigentlich hieß sie Winkel, was auf Hochdeutsch in Mina, in der populären Sprache unserer Stadt in Mine übersetzt wird, und war die Tochter des alten Raafs (Nabbiner). Als Raafs Mine ist sie dreien Generationeu bekannt. Soll ich euch ihre Geschichte erzählen'«' Es ist die alte, einfache Geschichte eines ״einschichtigen Herzens". Der ״alte Naaf" hat immer so geheißen, als ob er nie jung gewesen wäre. Er trug einen langen, weißen Bart t.nd einen dreieckigen Hut. Er ging nie aus dem Hause, außer zu seinen Funktionen bei Begräbnissen; die Trauungen vollzog er in ״Bcnarys Schul", die über dem Hose in seinem Hause gelegen war. Die alte Synagoge nämlich war wegen ihrer Baufälligkeit geschlossen worden, und man hatte Betstuben errichtet, in denen die verschiedenen Fraktionen der Gemeinde je!lach ihren rituellen Schattierungen ihren Gottesdienst hielten. Die Orthodorcn fanden sich in ״Benarys Schul'", einem in einem dunklen Hof gelegenen, von langjährigcm Ocllampendunst geschwärzten Saal, der von seinem Stifter den Namen trug. Hier wurden die Gebete in der Ursprache und in jenem sugierten Rezitativ gemurmelt und geschrieen, das den gemeingültigen Namen einer ״Juden- Ortsgruppen in Scyni, Tnschin, Mir Paritsch, Kopzowie, Kclmy und anderen Städten gegründet lvordcn. Warschau. Hier sind Bestrebungen im Gange, sämtliche hier existierenden orthodoxen Jugcnd-Lcrnvereine, deren Mitglieder nach viele» Tausenden zählen, unter dem Banner der 3 אגדת יש-אלU einem großen Verbände zu vereinigen. Der Vorschlag wird von allen Beteiligten freudig begrüßt. Agudas Jisroel in Galizien. Lemberg. Dieser Tage fand hier unter Vorsitz des Präsidenten, Herrn Samuel Rokcach, eine Sitzung des provisorischen Lcpideskomitccs statt, an der auch der Generalsekrctär für Galizien, Herr Mosis Schmclkcs aus Krakau tcilnahm. Es wurde mit Befriedigung konstatiert, daß im ganzen Lande das Interesse und die Begeisterung für die א־.ד."־, ישראל groß ist. Der Generalsekretär hat seine Propagandareisc bereits angetreten und wird in den nächsten Tagen in Ttanislau, Brody und Rzcszow bei der Konsiitniernng von Ortsgruppen mitlvirkcn. Agudas Jisroel in der Bukowina. Tcrcth. Nachdem unser verehrter דא2יד Herr Rabbiner Aschkenazy am שבת ח־ה״נן eine begeisterte!liebe gehalten und dadurch die Bestrebungen der Agudas Jisroel bei uns bekannt gemacht hatte, ist auch hier eine Ortsgruppe gegründet lvordcn. Tic Mitgliedcrzahl wächst von Tag zu Tag, so daß wir hoffen können, auf der ״Kenessia" der Agudas ebenfalls vertreten zu sein. Ganz besonderer Liebe erfreut sich die Aguda bei der Jugend, die bisher mangels jeder orthodoxen Organisation entgegengesetzten Bestrebungen widerstandslos verfallen tvar. Agudas Jisroel in der Schweiz. 'Zürich. Die Führer der Agudabewcguiig in der Schtvciz sind am 10. November in Zürich zusammengetreten, um über die Vorbereitungen zur Gründung einer Landcsorganisation zu beraten. Nach einem ausführlichcn Bericht über den Stand der Aguda, von Herrn Rabbiner Tr. Cohn-Basel, tvurde beschlossen, von jeder Ortsgruppe je zlvci Delegierte in' die Landcsorganisation zu bestellen und von diesen Delegierten einen Vorstand zu tvählen, der die Gesnintarbeit organisieren und kontrollieren soll. Basel. Hier hat sich auf Anregung von Frau Rabb. Dr. Cohn eine ״Agudas-Jisroel-Fraucn- und Mädchengruppe" gebildet, die sich die Ausgabe gestellt hat. Bclchrung über das jüdische Rcligionsgesctz und tiefere Kcirntnis der das Judentum bewegenden Frager» zu verbreiten. ״Schomre Schabvos", Wien. Verein der Sabathfreunde Am 23. November cröffnctc der Verein der Sabbathfreunde seinen Vortragszyklus dieser Saison mit einem Bortrage des Herrn ׳akad. Maler Prof. David Kohn, der über das Thema: ״Welche Aufgaben hat ein Schomrc Schabbos-Vercin zu erfüllen?" sprach. Dem zahlreichen Publikum, das zu de» ständigen Besuchcrn der Vorträge dieses rührigen Vereines zählt, gesellte sich diesmal eine erhebliche Anzahl persönlicher Freunde und Verehrer des allgemein beliebte», auch als Künstler sehr hervorragenden Referenten. Der Vortragende, der einem streng religiösen schule" geschaffen hat. Hier waltete unbeirrt der Lchainuies der Gemeinde (Tcmpelordner) Jecheskel Flesch, der Schwager des alten Raafs, und er verstand es, bei den Gebeten am lautesten zu stöhnen, wie ein Metronom mit dein Oberkörper zu schaukeln, um schriftgemäß mit allen Gebeinen den Herrn zu preisen, und bei dem Sündenbckenntnis mit den Fäusten so gewaltig auf die alte dürre Brust zu schlagen, daß sic wie eine Sturmglocke dröhnte. In diesem Konventikel hielt der alte Raas jeden Sabbath eine kurze Drösche (Rede) in hebräischer Sprache, einen Bibelvcrs oder eine Talmudsatzung scharfsinnig auslegend. Zu Hause paskente (entschied) er zweifelgequälten Hausfrauen, ob ein Huhn rein oder unrein, ein Tops brauchbar oder derwerflich sei. Auf diese Funktionen beschränkte sich seine Amtstätigkeit. Um die Glaubens- und Reformfragen, die langsam die Gemeinde zu zersplittern begannen, kümmerte sich der alte Gelehrte nicht. Er wollte den Frieden erhalten, indem er jeden tun und laßen ließ, was er wollte, und wenn sein Schwager, Jechcskel Flesch, der seine rastlosen Finger durch Drehen und kneten eines Wachskügelchens und sein rastloses Gemüt durch Aufspürung aller Gesetzes- Übertreter beschäftigte, mit einer neuen Denun- .Nation herbeigeschlichen kam. so rückte der alte Raas das schwarze Samtkäppchen auf seinen kahlen Scheitel mißmutig zur Seite und rief: Hollisc entstammt, ist eine Zierde der Wiener Orthodoxic. Er widmet seine Mußestunden am Samstag seiner Familie und dem Studium unseres heiligen Schrifttums. Den Sonntag verwendet er dazu, um im Volkshcim in uncingcnnützigstcr Weise einer große» Anzahl von Schülern aller Konfessionen einen gcdiegcncn künstlerischen Unterricht zuteil werden zu lassen. Seine Leistungen in der Verwaltung der ״Talmud Thora" sind einzig und findet er bei diesen zahlreichen Beschäftigungen noch Zeit, in ausgedehntestem Maße für Arme, Witwen und Waisen zu sorgen. — Die Er- Wartungen des Publikums waren hochgespannt: denn man hört nicht alle Tage in Wien Künstler ersten Ranges über jüdisch kulturelle Dinge sprechen. Die Ausführungen des Redners waren von rrgreifendcr Wirkung. Seine Darlegungen über die unendliche Wichtigkeit des Schabbos — der das grundlegende Glaubensbckcnntnis des Judentums involviert, durch seine Anerkennung Gottes als Schöpfer der Welt, durch die Bestätigung des Gedankens, daß alles: Erlverb und Erfolg nur von Gott kommt — machten auch auf den Teil des Publikums, dem die Sabbathidec mehr oder weniger fremd geworden ist, tiefe» Eindruck. — Ter Vortragende richtete einen dringenden Appell an den Verein, sich nicht darauf zu beschränken, nur die, leider in Wien nicht zahlreichen Posten, wo Gelcgenheit gegeben ist, den Sabbath zu beobachten, durch geeignete Bewerber zu besetzen, sondern hauptsächlich sein Augenmerk darauf zu richten, daß die sabbathhaltenden Gewerbetreibenden auch die Möglichkeit haden, zu existieren. DieS sei seiner Ansicht nach nur zu erreichen, wenn »ran denselben, die jedenfalls mit 11,1־ sagbaren größeren Schwierigkeiten zu kämpfe» haben als die Arbeitgeber anderer Kategorien, Arbeit und Verdienst verschafft. — Der Vortragende richtete auch an die Kultusgemcindc die eindringliche Bitte, diesem Vereine, der für die Erhaltung des Judciltums Großes zu leisten berufen ist, in ausgiebigerer Weise zu unterstützen, als dies bisher der Fall tvar. Die anziehende Rede, die in geistreich pointcrter Weise vorgetragencn Ausführungen des Redners fan- >>e» begeisterten Beifall. In der sich an den Vortrag anknüpfenden Diskussion ergriff Herr Dr. Gustav Kohn, Vizepräses der isracl. Kultusgemcinde und Landesschulrat, das Wort und führte aus, daß der Kultusvorstand diesem Vereine sehr sympathisch gegenübcrstche und die Wichtigkcit der Sabbathfeier für die Erhaltung des Judentums vollauf anerkenne, jedoch durch die großen Ausgaben für Kultus und Unterricht, speziell aber Armensürsorge, als auch Spital, Versorgungsanftalt, Wittven- und Waisenunterstützung usw. dermaßen in Anspruch genommen sei, daß bei dem Umstande, daß er eine bedeutende Anzahl, darunter auch der streng religiösen Richtung angehörende Vereine subventionieren müsse, es mit den finanziellen Mitteln der Kultusgemcindc schwer in Einklang zu bringen sei, einem einzelnen Vereine, und sei er noch so wichtig, größere Beiträge zur Verfügung zu stelle». Nichtsdestoweniger wäre er bereit, ein diesbezügliches Ansuchen des Vereines bestens zu befürworten. (Lebhafter Beifall.) Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald schloß sich in warmen Worten den Ausführungen des Vortragenden an und legte den Anwesenden dringend ans Herz, das scgcnsreichc Wirken dieses Vereines materiell sowohl. ״Red' nichts Jechcskel, ich will nichts wissen!" ״Worum nit, (Warum nicht?)" cntgegnete der Wachsdreher mit seiner stereotypen Redensart, ״du wirft's noch so weit bringen, daß die ganze Gemeinde trcfe (unrein) wird." Und brummend verließ der Verfolger den friedfertigen Greis. Aber ein anderer Dämon verließ den Friedfertigen nicht; er rumorte unablässig im Innern seines eigenen Hauses. Die Rebzen (Fron des Raafs) war eine ihres Sokrates würdige Gattin! Obwohl sie den lieblichen Namen ״Süß" führte, war sie nicht minder bitter in ihrer äußeren Erscheinung als in ihrer Gemütsart. Habsüchtig und geizig, zanksüchtig und boshaft, mit den grauen Gieraugen jeden Fehltritt in der Genieinde erspähend, mit den dürren Geierkrallen jedes Opfer zerreißend, so überfiel sie wie eine Harpye den armen Raaf. wenn er die Nahrung seines Geistes aus alten Folianten und Bibelkommentaren sog. in denen zu lernen und aus denen zu lehren seine einzige Erquickung war. Zöglinge des jüdischen Lehrerseminars versammelten sich allabendlich um den gelehrten Meister, der ihnen mit Geist und Witz die dunklen Stellen der Bibel auszulegcn, die verwickelten Probleme des Talmuds dnrch spitzfindige Dialektik in Kreuz- und Querfragen zu lösen verstand, und jedes kluge Verständnis seiner

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