Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 48 (4.12.1913)
- Date
- 1913-12-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 620־ ganzjährig.Kronen 12 — Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Rußland, ganzjährig.Rubel 6 — Balkan, Frankreich.Franks 14•— Mit der hebräische« Beilage המצפה Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die öspaltige Petitzeile 30 h. BuchhändlerisLc Vertrotung: Ott» Klemm» Leipzig. Telephon 3009/VIIi• Sprechstunden von 10—12 Uhr Poftsparkaffadeats Nr. äLtUL. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Ruaporto beizufügen. Brünn—Budapest. Wie«, i■ Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Leo Grünhut, Wien: Jüdische Nerlagsgesellschüft. -— 2. Mosenthal: Raafs Mine. — Aus der Agudas Jisroelbcwegung. — Verein Schomcr Schabbos, Wien. — Tie Grundlagen des Islams in der Legende. — Einweihung der Tovnbeehalle in Czernowitz. — Vermischtes. — Rundschau. — Korrespondenzen. — Briefkasten. Tr. M. Scherlag, Wien: Otto Hauser über die Juden iu der deutschen Literatur. — Joses Grob, Wien: Beim Shylock in Krakau. — Literatur. Ein jüdischer Reisender des Mittelalters. — Heine und das jüdisch Lichterscst. — Lust. Ecke. Jüdische Verlagsgesellschaft. ׳Wenn auch die vom Herrn Redakteur Hickl in überaus bewundernswerter Weise geförderte Angelegenheit der jüdischen Perlagsgesellschaft bis heute keine positiven Leistungen ausweisen kann, so sind doch die zahlreichen Beitritte zur Mitarbeiterschaft sowie das rege Interesse, welchcs sich überhaupt für die Sache kundgtbt, recht erfreuliche Zeichen. Nur droht von vornherein eine Gefahr: Uneinigkeit. Tie ״Jüdische Volksstimme" bringt fast wöchentlich eine Zuschrift betreffs der jüdischen Verlagsgesellschaft und jede lautet in einem anderen Sinne. Während der eine Herr Einsender besonders die moderne jüdische Belletristik gefördert seben will, meint ein anderer, das; sich die Tätigkeit der Verlagsgesell¬ Feuilleton. Raafs Mine. Von S. H. M o s e n t h a l. Jin Mai, wenn in der Orangerie in der ״Au" die Orangen- und Zitronenbänme aus der Terrasse im Freien stehen und Hunderte von mindern die adgefallenen weiften Blütenblältchen und die verfrühten gritnen Miniatursrüchtchen, die der Wind abgeschüttelt bat. vom Boden und von dem Erdreich der grünen hölzernen .slitbd auflesen und in ihren Schnupftüchern zu einem Knoten binden, sieht man wohl täglich eine Gruppe durch das Autor über die ״Mergelbahn" hinabwandernd, so anmutend, als wäre sie aus Richters Bildern zu den ״Kiuderliedern" lebendig geworden. Eine schlanke, etwas gebückte Frauengestatt in grauem Kleid, einen alt modischeu weihen Schal mit kleinen Palmen über den Schultern, aus dem Kopfe ein enges schwärzcs Strohhütchen, wie inan sie damals trug, das die lange Nase ans dein bleichen Gesicht noch mehr hervortreten lieft, und aus dem zwei dünne, graue Schmachtlocken hervorquollen, die an den eingefallenen Wangen herabslossen, führt, an beiden Händen drei Kinder von vier bis acht Jahren, schwarze Lockenköpschen mit dunklen Augen wie die Engelsköpfchen zu Füßen der schaft aus die Herausgabe von Jugendwerken beschränken solle und ein dritter regt die Gründüng einer jüdisch-belletristischen Zeitschrift an. Ich möchte mir, in der Hoffnung, der von mir angeregten Sache nützlich sein zu können, einige Bemerkungen gestatten. Zunächst die Wiederholung des im Aufrufe enthaltenen Satzes, daß cs sich hier nicht um die Gründung eines neuen Verlages, sondern um das Sein oder Nichtsein des jüdischen Schrifttums handle. Unser jüdisches Schrifttum ist nur in winzigen Bruchteilen, und diese nur einem Bruchteil des jüdischen Volkes bekannt. Tie erste und wichtigste Ausgabe der jüdischen Verlagsgesellschaft muß daher die sein, dem jüdischen Publikum die Tatfache von der Existenz eines ausgedehnten jüdischeu Schrifttums beizubringen. Tiefe Aufgabe wird am richtigsten dadurch gelöst werden, indem die jüdische Verlagsgesellschaft, von den bekanntercn (wissenschaftlichen) Werken ausgehend, immer mehr die unbekannten zur Verösentlichnng heranzieht. Tie jüdische Verlagsgesellschaft muß dabei gewissermaßen mit dem Leserkreis Schritt!)alten. Was die Tätigkeit während der nächsten Zeit betrifft, möchte ich nachdrücklichst die Verbreitung guter Vorträge zu ganz minimalen Preisen anraten. Das würde umso leichter durchsiihrbar sein, als die Herausgabe von Portrügen mit verhältnismäßig geringen Kosten verbunden ist und jetzt in der Wintersaison allerorten Vorträge stattfinden, so daß reichliches Material Sixtinischen Madonna. Alle drei wollen geführt sein und streiten sich neckisch nnd liebreich um dieses Vorrecht. Tem kleinsten, dem Mädchen, gebürt die Rechte iu dem schwarzen Filettbandschuh allein, in die Linke müssen sich die beiden anderen teilen. Aber wenn nun alle drei auf einen Angenblick ihr Plätzchen in! Stiche lassen, weil ein verspätetes Veilchen am Rasensamn det Mergeldahn oder eine tief herabbängende Kasranienbliite sie abgelockt hat, dann gibt es von neuem einen Wettkampf um die liebe Hand, ein Tummeln und Lachen, ein Haschen nach dem Kleide und dem Schal der Führerin, bis diese mit Schelten und Lächeln, mit gebeucheltem Zorn und verstohlenen Küssen den Frieden wieder herstellt. Der Aelteste gibt dann nach im Bewußtsein seiner Würde, er weift zu gut. daß er ja doch das Herzblättchen ist! So wandern sie binab zur Orangerie, wo sie, losgelassen, aus die Blütenjagd ausstürmen. Wer ein besonders großes Blütenblüttchen gefunden har, der trägt es im Triumph zu der Begleiterin bin. die sich an der steinernen Balustrade neben den nasenlosen marmornen Amoreten ans die Bank niedergelassen hat und die Blicke über den ״Bullen" (bowling-grcen), den großen, mit Marmorstatuen umsäumten Rasenplatz, schweifen läßt. Sie scheint zu träumen, die schmalen Lippen des zahnlosen Mundes bewegen sich still, die grauen Augen grüßen freundlich unsichtbare Gestalten. und große Auswahl vorhanden ist. Tiefe Vorträge werden nicht nur die jüdische Verlagsgesellschüft bekannt machen, sondern auch das Interesse für jüdische Wissenschaft anregen und Damit zur Anschaffung weiterer Werke animieren. Wird später an die Herausgabe von Buchwerken geschritten, so sind vor allem klassische Werke zu berücksichtigen. Gute und billige, even tuell übersetzte Ausgaben des More Nebuchim. des Knsari usw. oder geschichtsphilosophische Werke werden rasch Anklang finden. Ebenso kann an die Herausgabe jüdischer Tramen in hebräischer lind deutscher Sprache gedacht werden. Tie Tramatik bildet für jeden neuen Verlag ein wichtiges Propagaiidamittel. Immer muß jedoch der jüdischen Wissenschaft mehr Interesse zugewender werden als der jüdischen Kunst. Tiefe ist ersetzlich, crstere nicht. Und die Erstarkung jüdischer Wissenschaft ist die erste Bedingung für das Gedeihen des überlieferten Judentums. Tie Herausgabe von Werken kann in den ersten Jahren auch derart erfolgen, daß in den jüdischen Blättern von Zeit zu Zeit eine Liste von Werken erscheint, deren Herausgabe beabstchtigt ist. Meidet sich für ein Werk eine ge-!lügende Anzahl von Abnehmern, so kann die Herausgabe risikolos erfolgen Das wichtigste ist nun, daß der Verlag eine weitschauende, zielbewusste Leitung erbält. Diese Aufgabe wäre dadurch am besten;11 lösen, daß die bis beule angemeldeleu Mitarbeiter sofort an die Bildung eines drei oder fünfgliedrigen Ar Da weckt ein Ruf der Kinder sie ans. sie wendet den Blick voll Mutterseligkeit der Wirklichkeit zu! Die Kinder kommen, satt des Suchen-:׳, und schütteln ibre Blüten und Früchtlein in den Schoß, die sie sogleich in die Ecken des Schnupf tuches bindet. Sie huschen aus die Bank und drängen und drücken sich so dicht als möglich an sie beraa und liebkosen sie und schlingen die Aeruichen um ibre» Hals. ״Erzählen!" ruft das eine, ״ein Märchen, eine Geschichte!" ״Ein Gedicht!" ruft der Aelteste, .,vom braven Mann", vont ״Hanitchen", die der Mutter Freude, die der Stolz des ganzen Dorfes war!" ״'Nein, ein Lied!" ruft die Kleine. ״Ein Lied! ״In Mnrtills zerfallener Hütte"." und wie ein Kanarienvögelein beginnt sie die Melodie, t.nd die Führern! stimmt ein und die andern begleiten. Wer vorübergebt, lächelt wobl. Ter Garde leutiinnt, dessen Pferd am Bullengrün wa׳:>el, lächelt ironisch über die ״alte Jüdin", der Leb rer. der mit seinen Zöglingen durch die Dran gerie in die Eolettsche Schwintmschule gebt, lächelt woblgesällig der Gruppe zu. Wer ist die Frau mit den Kindern? Eine Gouvernante? Tas sind nicht Blicke nnd Küsse, die man be ,ahlt. Eine Mutter? Sie ist zu alt. Ein Groß Mütterchen? Sie ist zu jüngserlich. Wer ist sie denn? Es ist eben — Raafs Mine. QR055ER /KI5VERKflUF ist es noch nicht aber bis 30% billiger wegen Übersiedlung verkaufe alle Raucher-, Galanterie- und Lederwaren, Stöcke, Regenschirme, Feuerzeuge, elektrische Taschenlampen, Taschen- und Rasiermesser etc. FRANZ KUDA, Brünn (Bahnhofplatz, Pavillon). i