Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 48 (4.12.1913)
- Date
- 1913-12-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 48 ^Jwffche «,Mstt»»-.» CSdte 9. atö moralisch bestens zu fördern. Jenes Publikum, das sonst nicht in die Lage kommt. Herrn Rabbiner Dr. Grunwald im Tempel zu höre», nahm hier Anlaß. ihm rauschenden Beifall zu zollen. — An der Debatte beteiligten sich noch die Herren Bernhard Hofbaucr. Wolf Pappcnhcim. Inspektor Prof. Canitz und Redakteur Th. Porgcs. Obmann Moritz Felsenhurp dankte dem Vortragenden für seine glänzcndcn Ausführnngcn und bat denselben, an der Vcrlvirklichung dieser vielversprechenden Idee!» im Vereine mit dem Vorstande niitzuarbcitcn. Indem der Vorätzende für das zahlreiche Erscheinen dem Publikum dankte, begrüßte er außer den obgcnannten Rednern Herrn Rabbiner Tr. Bardowitz ans Mödling, Herren Rabbiner Flesch, Kramer, Schenk. Frau Präsidentin Dr. Grnnfcld, Herrn Obmann Markus Bondi. die Herren: Kultnsvorftchcr Simon und Goldmann. Prof. Tr. H. Pollak. Prof. Antschcrl, Sekretär Tr. Adler, Amtsleiter W. Frcistadt lind Amtsleitcr R. Kraus, die Vereinsvorstcher Sieginund Bondi. Dr. Reiniger. S. Glückselig. Jakob Stern, sowie Herrn Leopold Hirsch. Ter Verein läßt diesen hochinteressanten Vortrag des Herrn Prof. David Kohn in Druck legen und ist derselbe auf Verlange» vom Vcreinsburcau, Wie». 2., Kleine Schiffgasse H), kostenfrei zu haben. YERLOBUNQ5-RINQE BRdUTSCHMUQK - - HOCHZEIT5QE5CHENKE EHE-RINQE.. in hervorragender Auswahl zu besondere bUiigan Praisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwel n-, Uhren-, Golda. Silberwarenhandlung Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. •יי* Provinzauflfäge Anden sofortige Erledigung. Eröffnung der neuerbauteu Toynbeehalle in Czernowitz. Am 15. November fand die feierliche Er- Öffnung der vom Ehepaar Markus und Anna Kißlinger erbauten Toynbeehalle statt. Zu dieser grandiosen Feier haben sich die Spitzen der Behörden eingefunden. Ter Andrang war ein so gewaltiger, daß man die Hilfe der Polizei in Anspruch nehmen mußte. Der Abend wurde durch den Jüdischen Gesangverein mit dem Haltelujalieb von Levandowski eröffnet. Es folgte hierauf die feierliche Einweihung durch den Oberrabbincr Dr. Josef Rosenfeld, der hervorhob, daß in diesem Hause gelernt und gelehrt werden soll, daß dieses Hans das moderne Beth Hamidrasch sein, welches unser Volk mit geistiger Nahrung versorgen soll. Hierauf begrüßte der Obmann des Kuratoriums Univ.-Prof. Dr. Leon Kellner die zahlreich erschienenen Gäste und erwähnte von den zahlreichen Telegrammen, die anläßlich der Einweihung eingelaufen sind, das des Metropoliten Erzbischofs Erz. Dr. Repta, das der Wiener Kultusgemeinde n. a. m. Dann sprach er über Tohnbee und sein Werk, über die Bedeutung solcher Institute, über die Folgen dieser in allen Ländern. Zum Schlüsse hielt Prof. Dr. Sternberg einen Lichtbildcrvortrag über: ״Aus dem Leben unseres Kaisers". Es folgte dann noch die Verabreichung des Tees. Soviel von der Feier selbst. Tie Toynbeehalle wurde auf Anregluig des Nniv.-Prof. Tr. Leon Kellner vom Großindustriellen Markus Kißlinger um den immensen Betrag von einer Million Kronen erbaut, welches Gebäude eine hebräische Schule und einen hebräischen Kindergarten, ein Lehrlingsheiin. eine Bibliothek, die Jcabank. einen Lesevercin umfaßt. Ter Bau ist ganz im orientalischen Stil gehalten. Die Grundlagen des Islams in der Legende. Prag. Ein spannender Vortrag vereinigte am ׳Ti. v. M. ein illustrcs Auditorium. Tic Mitglieder des ..Deutschen Vereines für Volkskunde und Sprachivijsenschaft" im Tcutschcn Kasino. Herr Tr. I. Eisenbcrg sprach über ״Tic Grundlagen des Islams in der Legciidc" und verstand es, in kurzen Züge» ein fesselndes Bild voin Werdegang der dritten, aus den Boden Asiens entstandenen Wcltreligion. Ter Islam erscheint als Rcligioiisgcbnude. deffen Baumeister den Plan hierzu gclicfcrt. den Grund ausgcgrabcii. Fundament. Mauern und Schutzdach ausgcsührt und befestigt hat. während der größte Teil des Baumaterials dem Judentum, teilweise auch dem Christentum entlehnt wurde. Es ist kein Wunder, daß die zeitgenössischen Juden, welche den Stifter des Islams bei der Arbeit sahen, ivie er Stein aus Stein de» früheren Religionen entnahm. Geschichte. Lehre und Gesetz danach gestaltete, für ihn sich nicht begeistern konnten. «Vergl. den vom Vortragenden gelieferten Artikel ..Koran" in der Newporker ״Eiictzelopedic Hebron׳", Pp.!>. will.) Mohammed schmeichelte sich selbst. Rachsolgcr der biblischen Propheten als auch Jesus zu sein, und war nicht müde, immer wieder zu betonen, daß sein Lcbcnsschicksal sich mit denen der frommen Gestalten des Alten und Neue» Testaments decken. Tic vonihm ausgestellten Grundlehrcn fände,׳ eine legendarische Ausschmückung der späteren Tradition, welche der Phantasie der Araber Ehre macht. Interessant ist. daß wir im Koran nicht 1,ur Zitate ans der Bibel, sondern auch aus den Evangelien finden. Ein Zitat, welches auch i n Talmud vorkomint. sührt er als unwiderleglichen Beweis für seine göttliche Mission an. Selbst im Koran nur vorübergehend angedcntrtc Legenden, ivclchc im Midrasch ihre» Ursprung finde», wie die Geschichte der gefallenen Engel n. a. »,. werde» von der späteren Tradition weiters entwickelt und mit erweiterten Zutaten ansgeschmückl und veeinslusscn aus diese Weise auch die späteren Midraschim. So verstand es der Prophet von Mekka, für das von ihm geschaffene Religionsgebäude sowohl jüdische als auch christliche Dogmen und Vorstellungen, wie der Vortragende in einer besonderen Monographie. ״Das Christentum im Islam" nachweist, nach seiner Weise auszulcgcn. Allgemeiner Beifall lohnte diese, mit wissenschastlichc» Belegen genützten Ausführungen. Rektor Dr. David Hosfmann. Das Berliner Rabbiner-Seminar feiert Sonntag den;!0. November den 70. Geburtstag seines Rektors Tr. David Hoffman». Die wisfenschaftliche Tätigkeit des Jubilars zeigt sich 11׳ den zahlreichen Werken über moderne Bibelkritik, über Mischna Talmud und Midraschim, die ihm in der ganzen Welt einen Ruf von gutem Klang erworben haben. Ein noch ungehobelter Schatz liegt in de»! Manuskript seiner zahlreichen Responsen. Dr. David Hoffinann ist eilt gebürtiger Ungar und war seinerzeit Hörer der Preßburger Jcschiwa. Moses Schmidt. Im jugendlichen Alter von :U Jahren ist Durch einen tragischen Zufall Moses Schmidt. Mitglied des Jtorates. aus einer Geschäftsreise durch Frankreich bei einem Eisenbahnunglücke getötet worden. Der Verstorbene betätigte sich durch viele Jahre in der zionistischen Bewegung. Als Zangwill die Jto begründete, schloß sich Schmidt der Jto an. Er wurde in den internationalen Rat der Jto gewählt. An Moses Schmidt verliert die jüdische Bewegung einen ernsten rührigen Mitarbeiter. Ehre!einem Andenken! Diskonto-Gesellschaft bei der Norddsterreiihischki» Bank für Industrie, Handel und Landwirtschaft reg, Genossenschaft mit beschränkter aftung in Brünn, Ferdinands^osse 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschäfte hauptsächlich auch für den Eskompt offener Buchforderungen. unter den allergünstigsten Bedingungen. Vermischtes. Der Direktor des israelitischen Biinvenin- .stitutes auf der Hohen Warte. Her Kais. Rat 'S. Heller beging vor kurzem die Doppelseier sei nes 70. Geburtstages und zugleich seiner lOjah eigen Tätigkeit als Leiter der genannten Blin denanstalt, die der Jubilar zu einer Musteranstatt gestaltete. Am 10. November fand in Kiew die Generalversammlung der indische» Emigrationsgejellschast stakt. An Stelle des ver slorbenen Pros. Mandelstamm wurde Herr Lew Brodsky zum Präsidenten der Gesellschaft ge wählt. Es wurde beschlossen, das Tätigte, tspeogramni zu erweitern und ans allgemein jüdische Kolonisation auszudehnen׳, desgleichen an die Gründung eines Emigratioiissondes zu schreiten. Die Bibliothek der isr. Knltnsgemeinde besteht gegenwärtig aus Z0.G7K 'Bänden und :!7X Handschrift n. Das österreichische Herren- Haus hat den Präsidenten der Reichenberger Handelskammer Herrn Alois Neuntann in die Delegation gewählt. Am '׳. November fand Jünger mit einem wohlgefälligen ״Zwick" in die Backe belohnte. Aber wenn nun die junge Schar mit offenem Mtcnde und klugen Augen den Worten des gelehrten Meisters andächtig lauschte, dann polterte und klapperte Frau Süß herein und alle guten Geister des Talmuds flohen wie auf einer Himmelsleiter vor dem Dämon davon. ״Tüßleb. was ist da mehr?" fragte der Rabbi. Dann schüttelte sie ihr Herz aus wie einen Kübel, schob den Seminaristen keifend ihr Abendbrot zu, das sie vorsichtigt mit ranzigem Gänseschmalz bestrichen hatte, schimpfte über die teure Zeit, über die knauserige (sienteinde, die vor lauter ncniiiodischer Streichmacherci für die Rebzen nichts mehr übrig habe, tobte über beleidigende Reden, die man über sie geführt, und ward nicht müde bis ztmt Schluß, bis eine Helle Stimme von draußen ״Mutter! Mutter!" ries. Dann verzog sie sich wie ein Ge- Witter, das intnter ferner und ferner grollt, und blauer Himmel lächelte allmählich wieder über dem alten Raas und seinen Schülern, und die Engel des Talmuds stiegen vorsichtig wieder zu ihnen herab. Tie Helle Stimme war die der Tochter Mine, die wie eine liebliche Blume neben der mütterlichen Distel stand. Sic mochte das fünfundzwanzigste Jahr wohl überschritten haben, aber sie glich einer kaum Zwanzigjährigen. Aus der schlanken, vornehmen Gestalt hob sich ein schmaler Kops, von zwei langen schwarzen Locken ans beiden Seiten eingefaßt, welche die matte Gesichtssarbe wie Perlmutter leuchten machten. Die grauen Augen hatten nicht den stechenden Blick der Mutter geerbt, sie waren von einer weichen Melancholie, von einer milden Resignation umschleiert. Tie schmalen Lippen blieben gern geschlossen, weil die Zähne an häufigen Krankheiten litten. Deshalb suchte Mine beim Sprechen sie möglichst zu verbergen, und wer sie nicht besser kannte, hätte sie für ״affektiert" gehalten. R׳.׳.- mentlich ihr Onkel Jechcskel Flesch konnte ihre Sprechweise nicht vertragen. ״Mach' keine Schnittchen. Minkel". sagte er, ״tu' mir den Gefallen und red' nit hochdeutsch!" ״Soll ich jüdisch reden?" fragte sie. ״Worum nit?" bruiiunte jener und drehte heftiger sein Wachskügelcheu zwischen den Fin- Aber Mine sprach nicht nur hochdeutsch, sie sang auch zur Gitarre, die sie an einem blauen Band um die Schulter schlang. Sie fang: ״An Aleris send' ich dich". ״In Myrtills zerfallener Hütte", und wenn sic besonders bei Koloratur war. sogar Tancreds: ״Nach so vielen Leiden". Das klang dann auch durch die Tür hinüber zu den Schülern des alten Raafs, aber sie fürchte-- ten diese Töne nicht, denn die Talmudengel flogen vor ihnen!licht Davon׳, sie wurden höchstens ein bißchen zerstreut vom Lauschen. Wenn Mine ins Zimmer trat, war es. als ob die Lichter Hel ler brannten, sie hatte für jeden ein gutes Wort, steckte ihnen i» die Taschen der Röcke, die int Hanssiur hingen, heim!ich Aepsel uuD 'Nüsse, an Purim sogar einen Boles lKrapfeu׳. den sie vom Teig des mütterlichen Butterknchens verstöhlen abgezwackt hatte. Der alte Raas hörte sie gerne singen׳, manchmal, wenn seine himmliche Geduld durch ein Konzert der Frau Süß bis auf den Grund erschöpft war. sagte er. mit dem Zeige- und Mittelfinger die Wange seiner Dochter ,zwickend: ״Minkel, sing, mir: ״Nach so vielen Leiden!" Unter den Seminaristen befand sich einer, den sie den ״schönen Heuoch" nannten. Eine elternlose Waise, war er aus der Provinz in die Residenz gekommen, um zu ״lernen", und aß bei den wohltätigen Familien der Gemeinde ״tagweise" sein Mittagbrot". Von schlanker, zarter Gestalt, war er auffallend durch den Glanz seiner dunklen Augen, seiner fast blauschwarzen Lockenfülle. Alis dem schön geformten Munde leuchteten perlcngleiche Zähne׳, ein keimender Bart hauchte über die Oberlippe und über den Wangen des siebzehnjährigen Jünglings einen bläulichen Anflug, wie der Tau einer frischen Pflaume. (Forts. folgt.)