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Jüdische Volksstimme · 1913-10-09 · Heft 41 (9.10.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 41 (9.10.1913)
Date
1913-10-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 41 ״Attische volttsti««e? Seite S. Missionäre seien ein Opfer derselben Beschuldigung geworden. Zum zehnten Jahrestage des Todes des Julius Plotke in Frankkurt a. M. Von Prof. Dr. I. Rabbinowicz in M.-Weißkirchen. Am neunten Tischri werden cs zehn Jahre sein, daß Julius Plotke in Frankfurt a. M. die Augen für immer geschloffen hat. Das Rad der Zeit wälzt sich fort und fort, zermalmt Große wie Kleine. Niedrige wie Hohe; fortgeriffen wird der Mensch mit den vorübereilenden Ereigniffc und selten macht er Halt vor irgcndeiner Begebenheit. Namentlich sind es die Toten, die aus dem Gedächtnis der Lebenden rasch schwinden und so hat auch die Welt den vor zehn Jahren dahingerafften Plotke vielleicht schon vergessen. Doch gibt cs gewiß auch solche, denen das Andenken des Philanthropen, Plotke heilig ist, ja, die es gar nicht glauben können, daß das edle Herz eines Plotke zu schlagen auf-1 gehört haben sollte. Zu dieser Gemeinde von dankbaren Verehrern gehöre auch ich. Als Knabe schon wurde mir der Vater durch den Tod entrissen. Nicht vergessen kann ich jenen Tag, da der Gute unter der Lebenslast zusammcnbrach; doch ist es nicht Schmerz, der mich bei diesem Gedanken erfüllt. Die Zeit hat den Schmerz gelindert. Im Mannesalter starb mir die Mutter und ich war fern, fern und konnte nicht ihre letzten Segens- Worte vernehmen. Tief erklang die Saite im Herzen des Kindes, als die Nachricht von ihrem Hinscheidcn an mich gelangte, einem Gcfühlsmecre glich mein Herz beim Lesen der Worte der Mutter, die sie vor ihrem I Tode sprach. Doch Schmerz ist es nicht, das mich erfüllt, so ich ihrer gedenke. Sie war alt und schied nicht schwerI von der jammervollen Welt. Mit tief empfundener Dankbarkeit und inniger Verehrung gedenke ich meines größten Wohltäters unb1 väterlichen Freundes, des seligen Direktors Dr. H. Baer- Wald in Frankfurt a. M.; wie ein guter, milder Geist umschwebt mich stets die freundliche Gestalt des ehrwürdigen Greises. Er hat ein hohes Alter erreicht, konnte auf ein langes, segensreiches Leben zurückblicken und starb sanft. Sanft ist er heimgezogen, wie sein ganzes Leben sanft und milde war. Und darum ist es nicht Schmerz, den ich beim Gedenken des edlen Mannes empfinde. . I Verehrung und Hochachtung empfinde ich vor mciiicn Lehrern, dem seligen Gcmcindcrabbiner Dr. M. Horowitz in Frankfurt a. M. und dem seligen Oberrabbincr Di. Hirsch in Hamburg. Ja, Hochachtung und Dankbarkeit empfinde ich beim Gedenken dieser ausgezeichneten Männer, nicht aber Schmerz. Sie haben ihr Ziel erreicht, ein hohes Alter wurde ihnen zuteil und so sind sie lcbcnssatt zu den Vätern heimgegangen. Nicht so Julius Plotke. Seinem Lebenslaufe wurde jäh ein Ende bereitet; mit -17 Jahren dahingcrafft! In einem demnächst zu erscheinenden großen Roman schildere ich alle die genannten Persönlichkeiten ihrem Wesen nach und würdige ihre großen Verdienste. Tie Vorsehung war gütig gegen mich und hat mich mit angekommen, die von der Hand des Hausherrn in Trümmer fiel. Als nun der alte Mewes, der große, Weiße, baumwollene Handschuhe angezogen hatte, eine Flasche Liebfrauenmilch heraufgebracht und entkorkt hatte, da erhob Herr Ochs sein Glas, machte eine Panse, bis Mewes entschwunden war, und sprach, nachdem er sich geräuspert: ״Goethe sagt: ״O Wohl dem vielbeglückten Haus, wo das ist kleine Gabe!" Tiefer Wein ist nach ״Liebe Frauen" getauft, verzeihe Tie, Herr Assessor, ich will damit nicht sage, daß in Ihrem Hause etwas getauft ist, Gott bewahre! Ich will nur damit sage, daß ich dieses Glas ausbringe auf das Wohl der lieben Frauen, und ganz besonders auf das Wohl Ihrer lieben Nichte, Fräulein Emilie!" Dabei neigte er das Glas gegen Emilchen, die heftig zitterte, und fuhr mit gestcigertem Pathos fort: ״Ja, Fräulein Emilie, Ihr ganzes Wese hat schon bei der ersten Begegnnng einen tiefen Eindruck auf mich gemacht. Goethe, nein, Schiller sagt: ״Ter Zug des Herzcns ist dcS Schicksals Stimme!" Und so frage ich denn den Zug Ihres Herzens, Fräulein Emilie, ob Sie Ihr Schicksal mit dem meinige zu einige mit Ihrem Jawort bescheinige?" Er wischte sich mit einem makellosen Batisttuch die Stirn ab und blickte erwartungsvoll aus Emilchen, bei der sich der Zug des Herzens durch ein sichtbares Wackeln des Oberkörpers verriet. (Fortsetzung folgt.) edlen, großen Männern zufammengebracht und ich bin ( bcftrebt, all das Gute, das ich empfangen habe, zum ( Teil wenigstens durch Dankbarkeit zu vergelten. Und, so künde ich laut ihre Größe und ihre Verdienste. Alle, die genannten Männer haben auch Beziehungen zu Oesterreich-Ungarn gehabt und weiß ich mancherlei zu berichten, das von kulturhistorischem Werte zu sein scheint. Ich bin auch im Besitze von Briefen dieser Männcr und schon aus diesen könnte ein Schluß auf den Charakter der Schreiber gezogen werden. Doch, wie gesagt, an anderer Stelle teile ich vieles Wissenswerte und Interessante über die genannten Persönlichkeiten mit; hier im Gedenkblatt zum zehnten Todestage des Julius Plotke soll nur einiges aus seinen sowie seines besten Freundes S. Sommer an mich gerichteten Schreiben mitgeteilt werden, und zwar nur solches, was uns mit seinem guten Herzen vertraut zu machen geeignet ist. Auffällig ist bei Plotkes Schreiben eine gewisse Hast. Während die Briefe Baerwalds lang und ausführlich sind und aus denselben gleichsam die Ruhe und das Behagen des Schreibers zu ersehen ist, ineint man beim Lesen der Briese Plotkes die Hast des Verfassers wahrzunehmen, als ahnte er, daß ihm eine kurze Lebensdauer beschieden war. Aus einem Ncujahrsglückwunschschreibcn vom 15. September 1887: Mögen Sie, lieber Rabbinowicz, im nächsten Jahre weiter fortschreitcn in Ihren Studien und sich erhalten und erwerben ein gottergebenes, einfaches Herz und den Sinn für alles gute. Auf dem Coupon einer Anweisung vom 0. Juni 1888: Ich freue mich. Ihnen diesen Betrag bis auf weitercs monatlich senden zu können. Ihren Dank wollen Sie gefälligst an Herrn Ferdinand M. Samburg in Frankfurt a. M. und an Herrn Leo Jsaac richten, welche sich für die Verschaffung dieser Beträge eifrigst bemüht haben. Ter letzte Tank nach allen Seiten bleibt freilich die Erfüllung der Erwartung, die jeder, der Sie empfiehlt in Sie setzt: Leiw Tauw wejoschor! Besten Gruß. Aus einem Schrei^y vom 80. April 1885: lieber Ihren Brief, lieber Rabbinowicz. habe ich mich gefreut. Sie werdeck nun, hoffe ich, in Prag ans Ziel gelangen, sich eine tüchtige profane und theologische Bildung anzueigncn und immer fruchtbringen wirken ' zu können. Sie fangen ja schon ganz gut an. Auch von Direktor Baerwald habe ich gute Mitteilungen über Sie: der Herr Direktor will Ihnen sehr wohl, und niemand zweifelt, daß Sie dessen wert sind. — Mir geht es Gott Lob gut. Mein Kollege Schenitz ist von hier fort, und ich bin nun beim Landgericht in Frankfurt und habe daS Notariat erhalten. Im Sommer gedenke ich unter Gottes Beistand zu heiraten. Herrn Tr. Sommcr, Goldberg und Leivin geht cs auch gut und nchmen dieselben an Ihrem Fortkommen freudigen Anteil. Ich grüße Sic bestens. Aus׳ einem Schreiben vom 12. September 1800: Lieber Herr Doktor! Indem ich Ihnen für Ihre freundliche Zuschrift bestens danke, wünsche auch ich Ihnen aufrichtig Glück zum neuen Jahre, den besten glücklichsten Erfolg zum Guten in Ihrem Wirke» und volle Befriedigung in dem Streben für alles menschlich Schöne und Große. Mit bestem Gruße. Einige Monate vor seinem Hinscheidcn» also wäh rend seiner schweren Krankheit, er war nämlich über ein Jahr krank, beantwortete er mein Anersuchen um genauere biographische Taten über seine Person sowie über einige andere Persönlichkeiten in Frankfurt a. M. mit nachstehendem Schreiben: Frankfurt a. M-, 14. April 1008. denjenigen, für die er gesorgt hat. Und zwar fand er immer, mit seinen Worten gesprochen, im Leiw Taniv wejoschor sein, höchstes Glück und wollte nicht in seiner Bescheidenheit zu den ״Großen in Israel" gezählt werden. Als Plotke vor zehn Jahren seinen Geist ausgehaucht hatte, schüttete ich mein kummervolles Herz in einem längeren Aufsatz, den die Oesterrcichische Wochenschrift gütigsr zum Abdruck brachte, aus und wurde der betreffende Aufsatz in Frankfurt a. M. sowie in ganz Deutschland mit großem Interesse gelesen. Ein Freund Plotkes, Justizrat Dr. Goldberg in Marburg a. d. Lahn, ein Nachkomme des 'Gaon R. Akiba Eger, schrieb mir damals, mein Artikel gehöre zu dem Besten, was über Plotke geschrieben wurde. Ich hatte auch damals das Bedürfnis, Plotkes Andenken irgendwie zu ehren und und so begann ich zu schriftstellcrn. Ich schrieb die ruffischeu Dorfgeschichten und widmete sie dem Manen des mir im Leben so nahe gestandenen Plotke. Sei» bester Freund, Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Sommer in Frankfurt a. M-, ein Mann, der durch gewisse Verhältnisse fast schon zu einer historischen Persönlichkeit geworden ist, richtete an mich damals nachstehendes Schreiben: Frankfurt a. M., 15. Februar 1904. Sehr geehrter Herr Rabbiner! Es hat mir große Freude gemacht, daß Sie an mich noch gedacht haben und ich sage Ihnen dafür und für Ihre freundlichen Glückivünsche herzlichsten Dank. Es ist mir selbstverständlich, daß Sie unseren armen Plotke genannt haben. Wer ihm im Leben je nähergetreten ist, kann ihn nie vergessen. Von Ihnen und eine wie schöne Stellung Sie sich errungen haben, hat er mir oft erzählt. Möge es Ihnen mit den Ihrige» stets gut gehen. Ich grüße Sie herzlich als Ihr ergebenster Dr. 2 o m m e r. Kassel, am 25. August 1004. Sehr geehrter Herr Rabbiner! Ich muß Sie zunächst um Verzeihung bitten, daß ich Ihre so freundliche» Zeilen erst heute beantworte. Aber die Störungen des Umzuges und die Arbeit in den neuen Verhältnissen haben mich daran gehindert. Ich danke Ihnen hiermit herzlich sür Ihre Arbeiten, die ich mir großem Interesse gelesen habe. Wie hätte sich unser arme Plotke darüber gefreut. Daß ich stets an ihn denke und denken werde, das brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Ich habe niemanden gekannt, der ihm ähnlich lvar und iverdc niemanden kennen lerne». Mt herzlichsten Wünschen für die Zukunft bi» ich Ihr ergebener Dr. 2 o m 111 e r. Wer ihm im Leben nähcrgetreten ist, kann ihn nie vergessen! schreibt sein Freund Tr. Sommer. Und doch hat Sommer sich nur des Verkehres mit Plotke erfreut. Mir war Plotke Lehrer, Erzieher und Wohltäter. Und so werde ich sein Andenken bis zum letzten Atemzug ehren! Gott gedenke ihm auch iu Elvigkeit all der Wohltaten, die er im Leben geübt! YERLOBUNQ5-RINGE BR/1uT5cnnucrc * * HOCHZE1T5QE5CHEHKE EHE-RINQE. in btrvorragandsr Auswahl zu besonders billig»» Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. 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Tie jüdischen Gemeindeführrr meinen es gewiß gut mit dem jüdischen Volke und bei allen Unternchmunge» oder Einrichtungen in der Gemeinde, sind sie gewiß nur von dem einen Gedanken beseelt, daß alles znm Wähle und Heile des jüdischen Volkes geschieht. Bei allem dem aber wird doch vieles gesündigt. Es ist nicht jetzt die Zeit, so manches aufzurollen, mit welchem unsere Gcmeindeführer gegen das Judentum sich versündigt hatten. Ein Ucbel aber im jüdischen Gemeindeleben, für welches nur die Führer der Gemeinde verantwortlich zu machen sind, ist cs, welches gerade jeht. in der Zeit der jüdischen Feiertage sich als Katastrophe für das Judentum und Totengräber der jüdischen Religion erweist. Das ist das neueste Goluthprodukt, näm-

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