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Jüdische Volksstimme · 1913-10-09 · Heft 41 (9.10.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 41 (9.10.1913)
Date
1913-10-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 41.!ich: das hcrabwürdigcn des jüdischen Gotteshauses zu einem jüdisch-klerikalen Theater. Sic nahmen den großcn jüdischen Gott und machten aus ihm ganz einfach einen ״Pajatz". Hier in dem einen Tempel tritt er als Schauspieler auf, in dem anderen als Opernsängcr, im dritten Tempel wieder als erstklassiger Redncr. Bon den reformierten Tempeln schon gar nicht zu reden, dort kleidet man ihn in ein englisches Damenkostüm im Pariser Modchut und läßt ihn al-chct quitschcn. Das schlimmste aber von der ganzen Komödie, ist das Entreegeld! Sicht man cs auch bei anderen Völkern und Nationen, wenn jemand das Bedürfnis hat, das Gotteshaus zu betreten, um vor seinem Gotte das Herz auszuschüttcn, ein Entrccgcld dafür bei ihn einzuholcn? Und hier, bei uns, nahmen sic die Schul und machten ein Theater aus ihr, mit Theatcrprciscn: erster Platz 50 K, zweiter 30, dritter 20 usw. Ja, wohin soll denn das führen? Sind das vielleicht die Bestrebungen unserer sogenannten Agudas-Jisrocl-Judcn, den jüdischeu ״Dus" zu stärken? Ich glaube, im Gegenteil, über- Haupt in den großen westlichen Judcngcmcindcn ist das Thcatralisicrcn der jüdischen Gotteshäuser das beste Mittel, den jüdischen Glauben zu erschüttern. Gerade jetzt während der hohen Feiertage ist cs überhaupt in den Großstädten zu bemerken, daß: die Entrccgcldmcchodc für Beten gehen, ein Skandal ist, das nicht seinesgleichen hat. Daß die sehr reichen und mindergläubigen Juden das ganze Jahr kein Gotteshaus bctreten, ist doch übrig zu erklären. Wer aber ja hinkommt, ist der arme gesctzcstrcuc Jude, bei welchem das Gottes- Haus die einzige Zuflucht ist. Dort, in diesem Gottesha» sc, betet er für einen gesegneten Chaudcsch, dort betet er, daß der Boden gesegnet sei durch Fruchtbarfeit, dorthin kommt er jeden Frühmorgens beim Allmächtigen bckcn, er möge ihn heute verdienen lassen auf ein Stückchen Brot für seine hungrigen Kinder, in diesem Gottcshausc betet er um Heilung für seine müden, kranken Glieder und dorthin will er auch gehen zu Rausch Haschonoh ei» glückliches Neujahr zu erflehen. Habe» aber die Verwalter der jüdischen Gemeinden gerade zu der Zeit, in welcher der glaubcnstreuc Jude das größte Bedürfnis empfindet vor seinem Gotte sich auszuwcincn, einen Schutzmann hingcstcllt mit Gewehr bei Fuß und kaum schickt sich der arme Jude an, sein Gotteshaus zu betreten, da heißt cs: Halt! Langsam mit dem Gepäck, ein Billett! Kaum ist kein Entreebillctt vorhanden, existiert kein Neues Jahr, kein Gottesbaus, cs gibt keinen jüdischen Gott auf dieser Welt ohne Billctt! Wie schon erwähnt, sind noch dazu die Enlrceprcisc enorm teuer. Für die billigste Entrcckartc im jüdisch-klerikalen Theater könnte man sich bald den feinsten Sitz für die Hofoper verschaffen. Caruso scheint doch nicht das leisten zu können, was der himmlische Sängcr, »der jüdische Gott". Daß der sehr reiche und wenig glaubende Jude für den Rausch Haschonoh-Sitz gerne die paar Gulden bezahlt, ist doch kein Wunder, denn bei ihm ist doch der ganze jüdische Gottesdienst wirklich nur ein Thcatcrspicl. Kosten ihn während des ganzen Jahres die diversen Theater samt den Theatercyoristinncn sowieso ein Vermögen, geniert cs ihn ganz lvcnig, lvcnn er Lust hat, einmal im Jahre auch das sich anzuschcn, wie der jüdische Gott Theater spielt, ei» Entrccgcld dafür zu entrichten. Ist es doch schließlich nur zum Vergnügen und was tut nicht ein reicher Jude, um sick ei» Vergnügen zu verschaffen? Der arme Jude aber, wo — frage ich — soll er das Geld hcrnchmcn für ein Jcmc-nauroim-Billct im Theater? Er muß ja die paar Gulden für ein Winterkleid ersparen, einen Sack Kohle, ein Paar ganze Schuhe. Da nütze» aber keine Eiiuvcndungen, er weiß schließlich, daß ohne einer Entrcckarte läßt ihn der christliche Wachmann zum jüdischeu Gott nicht zu, und ivclcher strenggläubige Jude, sei er noch so arm, bleibt am Rausch Haschonoh oder Jaum Kippur zu Hause? Trägt er ctlvas ins Versatzamt, um dadurch das Entrcccgcld sich zu verschaffen. Hat er nichts zu versetze», läuft er zu Kohol beten Rachomim, schnorren heißt cs, um ein Karte. Wirft man ihn hinans, rennt er ein zivcites Mal hin. Ist cs doch kein Spaß: Jomim nauroim! Mit einem Worte, cs ist gewiß kein Leichtes. Der arme Jude aber wird alles Mögliche anwcndcn, die Hosen sogar versetzen, und eine Entrcckartc mutz sein! Diese Tatsache aber ist nur zu konstatieren bei der älteren Generation, bei diesen, in denen der jüdische Monat Elul Gefühle der Buße und Einkehr cnvcckt und die sich zur großen himmlischen Gerichtsverhandlung vorbcrcitcn: zum Jaum Hadin! Ganz anders aber die jüngere Generation! Denen ist im Gegenteil das Entreeshslem die beste Ausrede, ei» jüdisches Gotteshaus lvic die Pest zu meide» und gerade bei dieser Gelegenheit ist cs zu bemerke», lvic schädlich das Entrccvcrwcigcrn im jüdischen Gottcshausc für die jüdische Jugend ist. Während der Vater im Gottcshausc sitzt und schlägt sich auf die Brust al chct, sitzt der Junge im Kaffcchause, spielt Buki oder Billard. Andcrc hoffnungsvolle Junge» treiben sich am Rausch Haschonoh im Wurstelprater herum, zeigen ihre Reitkunst auf einem hölzernen Pferd oder machen gar weitere Ausflüge: zum ״Heurigen", zur ״eisernen Wand", zum ״verzauberten Schloß" oder gar zum verrückten Berg, und daß bei solchen Ausflügen die jüdische Moral wenig zu suchen hat, ist doch selbstverständlich. Manche junge Leute machen cs viel radikaler. Ich allein hatte die Gelegenheit״ folgender Szene bcizuwohncn: Ein junger Mann kam am Neujahrstagc zum Tempel, wollte hinein, ist aber selbstverständlich vom Wachmann zurückgcdrängt worden. Ganz aufgeregt vor Zorn, meinte der junge Mann: ״Wenn zum jüdischen Gott die Wege versperrt sind, so gehe ich zum christlichen!" Und er ging.... Ob er in der Liste der Ausgetretenen einen Platz ausgcfüllt hat? Ich weiß cs nicht, sein Name war mir fremd.... Und da suchen sie angeblich, unsere Gcmeindcführer, Mittel und Wege, die jüdische Moral zu heben, die Taufscuche zu hindern. O! ihr Naiven, laßt euch das von einem ganz gewöhnlichen Juden sagen: nicht mit Millionen für deutsche Schulvercinc! nicht mit dem Einführen von,deutschen Vornamen in den jüdischen Matrikcn, nicht mit Lueger-Denkmälern, ja, nicht einmal mit eurem Bestreben, am Sonntag feierliche Gottesdienste in den jüdischen Gotteshäusern cinzuführcn, werdet ihr die jüdische Moral heben, den jüdischen Glaubcn befestigen. Wenn cs euch mit dem jüdischen Volke wirklich ernst ist, wenn ihr wirklich das Bestreben habt, daß Juden Juden bleiben, so gebet vor allem dem jüdischcn Volke seine alte ehrwürdige Schul zurück! Jaget die Schutzleute vor den Toren der jüdischen Gottes- Häuser weg, vertreibet die ״Pajatzcn" von Gottes heigilcin Altar, die Opernsänger vom Omid, die Phrasendrcschcr von der Kanzel, die Thcatcrchoristinncn von der Galerie, die da jammern: ״Jesus, Maria, der Owinoh malkcno ist verpatzt....! Meint ihr cs Ivirklich ernst mit dem jüdischen Volke und dem jüdischen Glaubcn, dann müßt ihr vor allem dieses neue Goluthprodukt abschasfcn: das jüdisch-klerikale Theater! Wien, im Tischri 1913. Der Großrabbiner der Türkei über die jüdischen Kolonien in Palästina. Haim Nahum, der Groß'rabbincr der Türkei, hielt sich dieser Tage vorübergehenden Berlin aufum den hiesige» Organisationen, die sich an dem Hilfswerk für die türkischen Juden während der Balkankricge beteiligt haben, de» Dank der ottomanischcn Judcnhcit abzustatte», und um die Schaffung einer Krcditorganisation für die während des Krieges auSgcWandertcn und jetzt repatriierten Juden der türkisch gebliebenen Landesteilc mit de» hiesige» jüdischen Korporationen zu besprechen. Der Chacham Baschy — dies ist der offizielle Titel des GrotzrabbincrS — hatte die Liebenswürdigkeit, einen Mitarbeiter der ״N. I. K." zu empfangen, Und ihm u. a. einiges über seine Eindrülftz gelegentlich seiner letzten Reise durch Palästina mitzutcilcn. Der Großrabbincr erklärte, er habe mit wahrer Freude die wunderbarc Entwicklung der landwirtschaftlichen Kolonien Palästinas gesehen, die ebenso sehr den Juden zur Ehre, wie dem Staate und der einheimischen Bevölkerung zum Nutzen gereichten. Die jüdische» Kolonien seien wirklichc Kulturstätten und Muster von gut organisierten, modernen landwirtschaftlichen Siedlungen. Auch die Ordnung des GcmcindclcbcuS in ihnen könne als vorbildlich gelten, und sic brächten dem Staate nicht nur indirekt, sondcrn ganz unmittelbar durch die starke Steigcrung der Einnahmen großen Vorteil. ״Was mich aber besonders erfreut Und verwundert hat," fuhr der Großrabbincr fort, ״das ist das merkwürdige AuflcbcN der hebräische» Sprache in Palästina, besonders in den Kolonicn, wo sic schon heute zur lebendigen Umgangsspräche geworden ist." Der Chacham Baschy crlvähntc sodann, daß der türkische Thronfolger wahrscheinlich demnächst nach Palästina reisen werde, und erklärte, daß er Gelegenheit nehmen werde, dem Thronfolger die cingchcndc Besichtigung der jüdischen Kolonien zu einpschlcn, damit die mustergültigen Verhältnisse dieser Kownicn bei der Ausgestaltung der Kolonisation der muselmanischen Einwanderer berücksichtigt werden könntcn, die jetzt aus den ehemaligen europäisch-türkischen Provinzen nach der asiatischen Türkei auswandcrn und angcsicdclt werden müssen. Ucbcr die Verhandlungen des elften Zionistenkongrcsscs, der Anfang September in Wien tagte, zeigte sich der Großrabbincr sehr informiert. Er hat den Vcrlauf des Kongreßes nach den ausführlichen Depeschen der türkischen Zeitungen verfolgt und erklärte, er freue sich, sagen zu können, daß die Kongrcßbcrichte nirgends, wie früher oft, übelwollende Kommentare hcrvorgcrufcn hätten. Uebcrhaupt sei die Stellung der türkischen Regicrung und der türkischen Bevölkerung den Juden gegcnübcr äußerst freundlich, und cs sei ja bekannt, haß die Juden in der Türkei niemals unter ähnlichen Bcdrückungcn oder Verfolgungen zu leiden gehabt hätten, wie in den meisten anderen Ländern. ״Gerade die letzte Krise," fuhr der Chacham Baschy fort, ״hat aufs neue bewiesen, daß Volk und Negierung keine verläßlicheren Freunde als die ottomanischcn Juden haben. Dieser Ucbcrzeugung ist auch S. M. der Sultan, der mich bo> meiner Abreise in einer halbstündigen Audienz cmpfing, und im Gespräch diesen Gedanken und Gefühlen in freundlicher Weise Ausdruck gab." Während seines kurzen Aufenthaltes in Berlin hat der Chacham Baschy übrigens auch dem Zionistischen Zentralburcau in der Sächsischen Straße einen Besuch abgcstattct, lvo er im Gespräch mit mehrere» Mitgliedern des Zionistischen Aktions-Coinitcs längere Zeit verweilte. Diskmto-iiesellschaft bei der ° Nordüsterreichischen Bank 4fir Industrie, Handel und Landwirtschaft, reffstfierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschifte, hauptsächlich auch für den ע Eskompt offener Buchforderungen unter den aUerg&nstigsten Bedingungen. AnKdie zionistischen Advokaten, Aerzte u. Ingenieure Oesterreichs Der zionistische Verband ehemaliger Hochschüler in Wien hat sich zur Aufgabe gemacht, ein Verzeichnis der zionistischen Advokaten, Aerzte und Ingenieure Oesterreichs anzulcgcn, das in Druck gelegt und jährlich erneuert den Verbandsmitglicdern zugcsandt werden füll, um ihnen Gelegenheit zu bieten, bei der Aus- Wahl beruflicher Stellvertretung in erster Linie Gesinnungsgcnosscn heranzuziehen. Da der Verband von dieser Aktion eine Wirtschaftlichc Stärkung seiner Mitglieder erhofft, werden alle zionistischen Angehörigen obiger Bcrufskrcisc ersucht, Name, Stand und Adresse dem Verbände mitzutcilcn. Gleichzeitig ergeht an die Vertrauensmänner des jüdischen Nationalfouds das Ersuchen, die Aufmerksamfeit der beteiligten Kreise auf die Aktion zu lenken und sich gegebenenfalls mit dem Adersscnmatcrial ihres Sprcngcls an die Verbandslcitung zu wenden. Zionistischer Verband ehemaliger Hochschüler in Wien, 2. Bezirk, Karmcliterplatz 1; Emgejenäet. Löbliche Ncdaktiotfl Mit vorliegendem ersuche ich hösl., meinen vollinhaltliche» Anschluß alt den in der Reichs- Und Rcsidcnzstadt Wien gefaßten Protest gegen die böswillige Blutbcschuldigung der jüdischen Religion, die auch die Religion JcsU gewesen, veröffentlichen zu wollen. Wenn bis in die zweite Hälfte des vierten Jahrhunderts!inserer Zeitrechnung heidnische Mvrddrehlier bas Blutrituale gcgdN das Christentum ersonnen, um mordend und plündernd straflos über die Christen herfallen zu dürfen, so diente ibnc» daS DögiNa von der Transsubstantiation als Stütze für diese satanische Diffamie. Tic mosaische Religion aber ivcitz doch, wie allgemein bekannt, nichts von einer Eucharistik. Mit chcrNcnl Griffel hat Klio in die Tafeln der christlichen Martyrologic den Schutz cingegrabcn, den die ethische Lauterkcit der Mosaischen Religion den hart verfolgten Christcn angcdeihcn lasse». Nach Evangelium Matthäi (7, 12) hat auch Jesus gleich einigen seiner Vorgänger de» ethischen Lehrsatz ״Omnia ergo quaccumquc vultis, ut faciant homnics, et vos facitc illis" für das Alpha und Omega der Religion erklärt. Und wenn desscnungcachtet anderthalb Jahrtausende nach den angedeutctcn Vorgängen in Kiew Christen sich hcrbeilasscn, über die Existenz eines jüdischen Ritualmordcs zu Gerichte zu sitzen, sollten sic doch erst darüber schlüssig werden, ob ihr Vorhaben schon an und für sich nicht die vcrsittlichcndc Kraft des Christentums negiert. Mit vorzüglicher Hochachtung Rabbiner Simon Wolffsohn. Josef Hanus, Brünn Rudolfsgasse Nr. 25. sämtliche Damen-Modewaren, Bänder, Spitzen, Seidee Stoffe, Posantenterie, und ZugehOr für Damenschneid und Schneiderinnen.

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