Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1912-10-17 · Heft 28 (17.10.1912) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 28 (17.10.1912)
Date
1912-10-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2621806-2621807-2621835--1758-2622823
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 28. ״Jüdische Bolksstimme." Seite 5. seinem ganzen Gefühle nach ein überzeugter guter Jude war. So erzählt ein Berufskollege des verstorbenen Künstlers, daß Antokolski einmal von Petersburg nach Wilna in der Uniform der Kunstakademiker gekommen war. Die gelden Messingknüpfe der Uniform trugen zwei hebräische Buchstaben, ״nem" und ״alcf", eingekritzt. Es waren dies die Anfangsbuchstaben seines Namens Mardochai Antokolski. Ter Freund rief ihm zu: ״Verrückter, was tust du denn, wozu exponierst du so dein Judentum?" Und Antokolski antwortete erregt: ״Ich betrachte es als eine Ehre, Jude zu sein'. Ich bin stolz darauf und will haben, daß jeder wisse, daß ich Jude bin." Antokolski begnügte sich aber nicht mit solchen Aeußerlichkeitenz es wird zum Beispiel wenigen bekannt sein, es ist aber doch Tatsache, daß dieser große Künstler, dessen Atelier von den höchsten Persönlichkeiten besucht wurde, niemals am Samstag oder an einem jüdischen Feiertag gearbeitet hat. Einem Freund namens Gurewitz, der ihn darüber befragte, schrieb er wie folgt: ״Du brauchst Dich hierüber nicht zu wundern. Ich weiß, ich bin ein sünd- Hafter Mensch. Aber den heiligen Sabbath entweihe ich nicht. Zeit meines Lebens war ich gewohnt, diesen wunderbaren Tag der Ruhe und des einsamen Gedenkens zu hüten und zu achten." Sehr treffend charakterisiert Antokolski der angesehenste russische Kritiker Stasow, indem er schreibt: In der Tiefe seiner Seele lebten festgewurzclt das ganze jüdische Leben, das jüdische Gefühl u!ch die Bilder aus dem jüdischen Leben seiner Jugendzeit. Und deshalb sind seine ersten Kunstwerke dem jüdischen Leben entnommen. Eine Jüdin auf dem Throne Bulgariens. In einer älteren Schrift finden wir Rachrichten über eine jüdische Frau, die Gemahlin des Königs von Bulgarien war. Tie hieß Sarah und war von strahlender Schönheit. Mönig Iwan Alexander (14. Jahrhundert) verliebte sich in sie, als sie in einer nicht bekannt gewordenen Angelegenheit ihn ausgesucht hatte. Der König verstieß um ihretwillen seine Gemahlin Theodora, sie gab um seinetwegen die Religion der Väter auf und nahm als gekrönte Köingin und Christin den Namen ihrer Vorgängerin an. Die Juden hatten keinen Grund, sich der Rangerhöbung ihrer vormaligen Religionsgenossin zu erfreuen. Sie war eine fanatische Christin geworden und tat nichts, Judenverfolgungen zu verhüten. Im Jahre 1452 beschloß ein angeblich zur Verteidigung des Glaubens abgehaltencs Nationalkonzil die Austreibung der Ketzer und Juden. Diese hatten in Tirnowo seit 1295 ein eigenes Viertel bewohnt. Man klagte sie der Verachtung des orthodoxen Glaubens an, drei Inden wurden wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt, kamen aber auf Fürsprache der Köuigiu durch des Königs Gnade mit geringeren Strafen davon.. Die jüdische Gemeinde von Tirnowo, von deren Friedhof noch Reste vorhauden sind, löste sich auf, ihre Mitglieder zerstreuten sich, — und bis heute wohnen in Tirnowo keine Juden. vorm. Hotel Romania Neu eröffnel! Wien II.. Kleine Sperlgasse Nr. 5. 5 Minuten vom Stadtzentrum, in unmittelbarer Nähe des Nord- und Nordwi stbthnhofes. HRACHTNEUBAl)!!00 ZI1VMER Elegantes Familienhotel. Zentralheizung. Kaltu. Warmwasser in Jedem Zimmer. Lader im Hause — Elegante Halle. Musik-, Schreib- und Lesezimmer — Exquisite und rituelle Küche. Zimmer von K 3*60 aufwärts. -WH Besitzer Karl Qeiringer lener ilaefmcfitcn. Berlobung. Unser Mitarbeiter Herr Schriftsteller, Redakteur Friedrich Porges, hat sich Sonntag den 0. Oktober mit Fräulein Helly Mahner in Luudeuburg verlobt. Unsere besten Glückwünsche. Die Reb. AguLas Jisrocl. Am Montag den 21. Oktober d. I., halb 8 Uhr abends, Festsaal des ״Hotel Continental", Wien, 2. Bez., Taborftr. Nr. 4, wird Herr Rabbiner Dr. Arnold Klein aus Nürnberg über ״Die Weltorganisation der gesetzestreuen Judeuheit" sprechen. Gäste, auch Damen, willkommen. Verein der Sabbatfreunde. Am Mittwoch den 23. Oktober d. I., halb 8 Uhr abends. Festsaal des ״Hotel Contniental", Wien. 2. Bez., Taborstraße Nr. 4, wird Herr Rabbiner Tr. Aruold Klei n aus Nürnberg über ״Die Zukunft des Judentums und der Sabbat" sprechen. Gäste, auch Damen, willkommen. Herrn Dr. Klein geht der Ruf eines bedeutenden Redners voraus und gibt sich in hiesigen jüdischen Kreisen lebhaftes Interesse für diese Vorträge kund. Wien. Am 14. d. M. fand int Fünfhauser Tempel im Beisein der Angehörigen der vor vier Wochen abberufenen Philantropin Frau Regiue Landeis und in Gegenwart vieler Mitglieder der von ihr gegründeten Humanitären Vereine, wie behufs Ausspeiiuug armer Schulkinder im 12. Bezirk, ferner des Kaiser Franz Joses-Jubiläums-Kinderhort und der Freistätte eine solenue Trauerandacht statt, die aus sämtliche Teilnetzmer einen erbebenden Eindruck machte. Vor Schluß des Maariwgebetes trug Oberkantor Schleifer den Psalm 49 mit seinem gutgeschulten Chor ergreifend vor. worauf Ehrw. Herr Rabb. Dr. Max Grünwald die Verstorbene nach Verdienst zu ehrende Wohltäterin in knapper Kürze schilderte, sie ntit dem gemeinnützigen Wirken der heldenhaften Deborah vergleichend. Mit dem üblichen Menucho nechouno und el mole rachamim schloß die schöne Feier zu Ehren der edlen, unvergeßlichen Tante. Sie ruhe in Frieden'. Tie Jttgcttdschriftettkommission des Bereines israelitischer Lehrer in Württemberg, welche die Herausgabe eines Jugendbuches plant, richtete dieser Tage an den Rabbiner der Wiener Kultusgemeinde Dr. :Rosenmann das ehrenvolle Ersuchen, den Wiederabdruck eines Teiles seines Mannheimer Essans (erschienen in Wien 1910 bei 9t. Löwitl in jenem für die Jugend beslitumten Werke zu gestatten. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNG^ GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 ln eigenen Palais. — Versichertes Kapital drka 380 MlUonen. Reserven drka 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 5»/0 jährlich fallender garantierter Prämie Generalagentur für Wien, I., Asperr.platz I, Leiter David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag, Herein indsgasse 20, neu, Leiter Robert Gerstel. Sub-Direktion für Lemb.rg, Szajnocha 3, Leiter Lübl Taubes. Akünncr liuchriehten. Ernennung. Der Minister für Kultus und Unterricht hat den Professor am k. k. Realgumuasium in Brünn Dr. Heinrich Nedisch in gleicher Eigenschaft für das akademische Gymnasium in Wien ernannt. Jüdischer Jugendgottesdienst. Ab Oktober d. I. finden im großen Tempel, Samstag um 3^ Uhr nachmittags, Jugendgottesdienste für die Schüler des Realgymnasiums, Staats- und realschule statt. Die Erhörte hält Herr Prof. Dr. Schorstein. Sterbefall. Sonntag den 13. d. ist der peusionierte Oberlehrer Weinberger infolge Schlagansalles verschieden. Das Begräbnis fand Dienstag den Ist. d. statt. Hebräischer Sprachkurs. Wie im Vorjahre veranstaltet die Jüdische Toynbeehalle auch Heuer einen hebräischen Sprachkurs unter hervorragender fachmännischer Leitung. Einschreibung am Sonntag den 20. d. um 0 Uhr im Sagle der israelitischen Kultusgemeinde. Beginn des Unterrichtes Mittwoch den 23. d. um 6 Uhr abends. Hörer beiderlei Geschlechtes, welche den festen Vorsatz haben, dem Kurse ständig anzuwohneu. wollen sich eine Stunde früher dortselbst anmelden. Der Unterricht findet zweimal wöchentlich statt und wird kostenlos erteilt. Bekleidung armer Schulkinder. Wie alljähr lich, wird auch Heuer die Schulsektion des Vereines Machsike Hadas die unbemittelten Schüler Kleider, Schuhe und Wäsche beteilen und ergeht an die jüdische Bevölkerung die Bitte, Spenden für diesen Zweck au das Vorstandsmirglied Hrn. Rudolf Meisl, Brünn. Krapsengasse, zu senden. Die eingelaufeneu Beträge werden in der ״Jüd. Volksstimme" ausgewiesen. Nnterstüttnngsvcrein für mittellose jüdische Techniker. Mittwoch den 24. d. tun halb 9 Uhr abends findet im Lokale des Jsr. Freitischver eines die 24. ordentliche Geueralversammlung mit folgender Tagesordnung statt. 1. Rechenschaftsbericht. 2. Neuwahlen. 3. Eventualia. Bibclschule des Vereines Machsike Hadas. Die Mädchenabteilung der Bibelschule wurde am Mittwoch eröffnet tuid hat Fräulein Lva Steif in liebenswürdiger Weise die Leitung derselben übernommen. Anmeldungen können bis auf iveiteres in der Vereiuskauzlei, Adlergasse Nr. 12, zwischen st und 0 Uhr nachmittags er folgen. Lesehalle und Bibliothek der Brünner Knltusgemeiude. Wie unseren Lesern bekannt ist. wurde vor zirka drei Jahren seitens des Vor staudes unserer Kultusgeuieinde der Beschluß gefaßt, eine Lesehalle und Bibliothek zu begründen. — Wie aus dem P r ä l i m i 11 a r e f ü r d a s Jahr 1912 zu ersehen ist. wurde auch eine wenn auch nicht besonders hohe Summe diesem Zwecke zugedacht. Es wurden wohl Zeitschriften abonniert, Bücher angeschaftt, aber bis zum heutigen Tage ist vou einer Eröfftttlng des Leseiaales nichts bekannt. Vielleicht genügen diese Zeilen, um die maßgebendeu Fak toreu, zu veranlassen. Wandel zu schaffen. Krankkeilen der Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg in Dr. Kutbans Sanatorium in TISCHNOWITZ kuriert — Prospekte. Korrespondenzen. Bvskvtviy. Sonntag den 20. 0. findet die Trauung des Frls. Therese Werner. Tochter des Herrn Emil Werner, mit Herrn Artur Bir, Kaufmann in Wien, statt. Unsere besten Glück wünsche. Tie Red. Gvdiug. Der hiesige Realschulprofessor 0>g. E. Vogel hatte bei der Gemeindevertrelnug ein Gesuch um Ueberlassung eines Z,immers in der Realschule zwecks Abhaltung eines Stenographie knrses gebeten, lieber Antrag des Bürgermeisters Dr. Mauer f!) wurde diese Bitte unter Hinweis ans die politische Stellung des Petenten abgelehnt. Die jüdischen Gemeindeausschüsse brach ten nicht den Mut auf. darauf hinznweiien. daß eine derartige Behinderung der Erwerbsmög lichkeir auch bei einem politischen Gegner nicht fair sei und ließen den Antrag unwidersprochen durch! — Bei diesem Anlasse sei festgenagelt, daß folgende jüdische Frauen dem ״Südmährer bnnde" als Vereiussunktionäre angehöreu: Rubaczewski, Treixler, M. Frankl. Münster. T. Ung.-Hradisch. Die feierliche Eröfinung der von der jüdisch-akademischen Ferialverbindung ״Achiwah" im hiesigen Redoutensaale veranstal teten Bezalel-Ausstellung fand Sonntag den 29. September durch Herrn Dr. Artur Brauner. Obmann der hiesigen ״Zionistischen Vereini gnng". statt. Unter dem bei der Eröffnung zahlreich an wesenden Publikum bemerkte man besonders den Bürgermeister Stancl. den neugewählten Bür germeister Benesch. Landtagsabgeordnete» Dr. ^eifert, Kultusvorsteher Fürst mit den Milgüe V S S Spezial-Geschäft in Strumpfu. Wirkwaren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. Strümpfe, Socken, Handschuhe, Sportartikel 8W Brünn, Herrengasse Nr. 8- Berthold Herrmann 10. m m S

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.