Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 28 (17.10.1912)
- Date
- 1912-10-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 28. tusgemeinden, die Rabbiner, Religionslehrer/ Kantoren usw. vertreten sein. Um die Schaffung dieser Organisation zu ermöglichen, will die Redaktion dieses Blattes^ alle notwendigen Vorarbeiten in Angriff nch-! men und werden all diejenigen Personen, denen j es um die Zukunft und die Erhaltung unseres: Judentums zu tun ist, zur Mitarbeit cingeladen.! Vor allem ersucht die Redaktion diejenigen! Herren, die gewillt sind, an den Vorarbeiten teilzunehmen, ihre Adressen der Redaktion bekanntzugcbcn. Eine in kürzester Zeit einzuberufende Vorkonferenz wird den Rahmen für die Organisation zu schaffen haben, desgleichen ein Komitce wählen, welches die Einberufung eines mährischen Judentages mit einer festzusetzendcn Tagesordnung zur Ausgabe haben wird. Wir erwarten, daß unser Appell nicht wirkungslos verhallen wird. Die Redaktion. Londoner Brief. London, 13. Oktober. Der berühmte Nebel ist wieder gekommen. Und zwar so früh, wie Heuer, schon seit dreißig Jahren nicht. Vorige Woche kündigte er sich durch flüchtiges Erscheinen am Morgen au, ist dann Freitag in ziemlicher Stärke ausgetreten, hat in den Augen gezwickt und das Atmen erschwert und trotzdem allem ringsum etwas Gehcimnisvolles, Interessantes verliehen. Tie Häuscr an der entgegengesetzten Seite wurden unsichtbar, die Blumen iin Garten schienen wie mit einem dichten Schleier überzogen und alles war so eigenartig schön. Die Laternen scheinen wie rote Punkte, wie bcweglosc Glühwürmchen, und von den Straßenbahnen, Autos und Autobussen waren nur die Signale zu hören. Montag morgens wars schlimmer geworgen, mittags mußte man Gas anzünden und am Abend wars schon ganz echter Londoner Nebel. Die Luft war fast dick. Wir gingen in ein Geschüft, um etwas zu besorgen. Als wir nach einer halben Stunde wieder kerauskamcn, konnten wir kaum fünf Schritte weit sehen. Alles in graue, dichte Luft gehüllt. Wie schön cs war! Ta könneu auch Taschendiebe ihre Freude haben, da ists ganz leicht möglich, dem Vorübergehenden alles Mögliche abzunchmen und bequem zu verschwinden. — Doch was ist zu machen, wenn man die Straße kreuzen will? Man kann überfahren werden, ״in jemand hineinlaufen". Als ringsum kein Signal zu hören war, tappten wir mit vorgestrecktcn Händen in der Luft herum und langen aufs Geratewohl mit fcstgcschlosscnein Munde auf die andere Seite. Es war zu schön! So neu, so ungewöhnlich! Wir mußten lachen, herzlich lachen sogar׳, denn nun waren wir wieder an einer Ecke und sahen die zweite nicht. Aber frisch gewagt, dachten wir uns, licfcn hinüber und freuten uns nochmals über die kleine Flamme in der Laterne, die jetzt wie ein rotes Auge des Nebels anssah. und dann gingen wir — leider — schon nach Hause. Und heute lachte die Sonne wieder, während des Tages und überließ nun für den Abend dem Nebel das Regiment. L.... A. G. Fichte. ,ES sind heuer 150 Jahre bergannen, seit der große deuische Philosoph J. &. Fichte gehören wurde. Seine Philosophie, die einem grandiosen erlauben an die litt־ liehe Größe und Ausgabe des Menschen entsprungen isi, hat für das heutige Geschlecht mindestens noch dieselbe Bedeutung wie für seiner Zeitgenossen. Und für uns Juden eine besondere; denn indem wir daran gehen, unsere Gemeinschaft innerlich und äußerlich zu gestalreu, bedürfen wir der geisligen Leitung solcher Männer, die, loie Fichte, durchdrungen sind von dem Vertrauen in die Allmacht des Ballens und die Unhedingtheit der Pflicht.) jFichleo Werte sind kürzlich hei Felir Meiner in Leipzig neu erschieuen.s deiner hat das Recht, bloß für den eigenen Selbstgenuß zu arbeiten, sich vor seinen Mitmenschen zu verschließen, und seine Bildung ihnen unnütz zu machen; denn eben durch die Arbeit der Gesellschaft ist er in den Stand gesetzt worden, sie sich zu erwerben; sie ist in einem geivissen Sinne ihr Produkt, ihr Eigentum; und er beraubt sie ihres (Eigentums,!venu er ihnen dadurch nicht nützen will. Jeder hat die Pflicht, nicht nur über-1 Griechisch und Hebräisch gemischter Dialekt ge- Haupt der Gesellschaft nutzlich^ sein zu wollen, sondern ן sprachen, aber auch das Türkische. Die Karäer ־״ " von Jerusalem und Konstantinopel sprechen arabisch, ebenso die Samaritaner von Palästina und die Juden von Jemen. Auch in Marokko herrscht das Arabische unter den Juden vor, ausgenommen die aus Spanien vertriebenen, die den jüdisch-spanischen Dialekt brauchen. Die Hebräer von Algerien sprechen die Sprache der Berber, die Fellahs von Abessinien das Amharische. Die Juden des Sudans sprechen ara- . t t bisch, die persischen bedienen sich eines befändegern .m weiblich. Strafen und bitter höhnen, ohne den rcn Dialektes. Die verschiedenen Juden Indiens Menschen zu sagen, wie sie bester werden sollen, ist ftxc%cn meistens das Amharische, das sie mit unfreundlich. Handeln! Handeln! Das ist es, Sanskritbuchstaben schreiben. In Afganistan sprechen sie arabisch. Die wenigen Juden in China sprechen chinesisch, während bei den Jsracliten von Hongkong und Schanghai die Verkehrsspräche bald arabisch, bald indisch ist! einige können auch gut englisch. In allen diesen so verschiedenen Dialekten sind viele Ausdrücke, besonders solche, die Kultdinge bezeichnen, hebräischen Ursprungs. auch seinen besten Misten nach alle seine Bemühungen aus den letzten Zweck der Gesellschaft zu richten, auf den — das Menschengeschlecht immer mehr zu veredeln, d. i. es immer freier von dem Zwange der Natur, immer selbständiger und selbsttätiger zu machen — und so entsteht denn durch diese neue Ungleichheit eine neue Gleichheit, nämlich ein gleichförmiger Fortgang der Kultur in allen Individuen. Hinstehen und klagen über das Verderben der Menschen, ohne eine Hand zu regen, um es zu berrinwozu wir da sind! Wollten wir zürnen darüber, daß andere nicht so vollkommen sind, als wir, wenn wir nur vollkommener sind? Ist nicht eben diese unsere größere Vollkommenheit der an uns ergangene Ruf, daß wir es sind, die für die Vervollkommnung anderer zu arbeiten haben? Lasten Sie uns froh sein über den Anblick des weiten Feldes, das wir zu bearbeiten haben! Lassen Sie uns froh sein, daß wir Kraft in uns fühlen, und daß unsere Aufgabe unendlich ist! Der Mensch kann weder ererbt, noch verkauft, noch verschenkt werden; er kann niemandes Eigentum sein, weil er sein eigenes Eigentum ist und bleiben muß. Er trägt tief in seiner Brust einen Götterfunken, der ihn über die Tierheit erhöht und ihn zum Mitbürger einer Welt macht, deren erstes Mitglied Gott ist. Dieser Funke ist das Gewissen. Der Mensch darf vernunftlose Dinge als Mittel für seine Zwecke gebrauchen, nicht aber vernünftige Wesen: er darf dieselben nicht einmal als Mittel für ihre eigenen Zwecke brauchen; er darf nicht auf sie wirken, wie aus tote Materie oder auf das Tier, so daß er bloß seinen Zweck mit ihnen durchsetze, ohne auf ihre Freiheit gerechnet zu haben. Er darf kein vernünftiges Wesen wider seinen Willen tugendhaft oder weise oder glücklich machen. Keiner kann tugendhaft oder weise oder glücklich werden, außer durch seine eigene Arbeit und Mühe. Wer nicht zuvörderst sich als ewig erblickt, der hat überhaupt keine Liebe und kann auch ein Vaterland nicht lieben. Echte Vaterlandsliebe ist nur da, wo die Nation erfaßt ist als unser einem gewissen besonderen Gesetze der Entwicklung des Göttlichen stehend. Ein Baptistendorf, das zum Judentum übergetreten ist. Wie bekannt, gibt es verschiedene Abarten der Baptisten, die Sabbatisten, d. h. sic heiligen den Sabbat, nicht den Sonntag. In Ungarn gibt cs ein Dorf Bözöddujfalu, dessen Bewohner zum größten Teil Baptisten sind. Es gibt dort noch einige Katholiken. Nun ist es gewiß beachtenswert, das; von den Katholiken des Torfes kein einziger Jude wurde, während alle Baptisten seit dem Jahre 1889 Juden geworden sind. Sie sind orthodore Juden geworden, bcobachtcn alle Vorschriften der jüdischen Religion, haben einen Rabbiner, Isaak Hirsch, der mit großer Sorgfalt darauf achtet, daß seine sämtlichen Gemeindcmitgiicder die Gebräuche des Judentums cinhalten. Diese Leute sind sehr arm, sind Handwerker oder Ackerbauer und leben von der Hand in den Mund. Dank einiger tausend Kronen, die in den israelitischen Gemeinden von Budapest und Bukarest aufgebracht wurden, konnte ein Haus für den Rabbiner errichtet wer- Die Geschichte einer tausendjährigen Synagoge. Die jüdischen Bewohner von Feodosia in der russischen Krim haben jetzt Gelegenheit, eine recht interessante Feier zu begehen. Es ist das die Tausendjahrfeier des Bestehens ihrer Synagoge. Die Synagoge war allerdings während dieser tausend Jahre nicht ununterbrochen in Benutzung, und mußte zur Zeit Katharina der Zweiten gewissermaßen aus der Erde hervorgcgraben werden, um sie für die Zukunft zu retten. Bei jener Ausgrabung wurden auch zahlreiche authentische Dokumente vorgefunden, welche sich auf die Entstehung der Synagoge beziehen und aus denen hervorgeht, daß die Synagoge heute genau 1000 Jahre alt ist. Der Gelehrte Dr. Harkavy, der diese und andere Dokuniente, die gleichfalls in der Synagoge vorgefunden wurden, überprüft hatte, erklärte diese für authentisch und für besonders wertvoll für die Erforschung der Geschichte der Juden in Rußland. Auf Grund dieses Aktenmaterials hat nun der in Feodosia lebende jüdische Gelehrte Farvel jetzt die Geschichte dieser Synagoge mit einer Geschichte der Juden in der Krim von ihren ersten Ansiedelungen noch lange vor der russischen Herrschaft bis auf den heutigen Tag geschrieben und herausgegeben. Dieses Buch enthält wichtiges und lehrreiches Material, nicht nur über die Geschichte der Juden in Rußland, sondern auch über die Geschichte der Juden in Italien, aus jener Zeit, da die Krim noch italienischer Besitz war. Ein jüdischer Staatsanwalt in Österreich. Ter Justizminister ernannte den Richter Dr. Heinrich Burstyn in Czernowitz zum Staatsanwaltstellvcrtreter in Suczawa. Tempelspenden an den hohen Feiertagen. In Budapest wurden an den hohen Feiertagen beim Thoraanrufen zirka 60.000 K gespendet. An der Spitze der Spender steht Herr Franz Kleinbcrger aus Paris mit 14.000 K, cs folgen sodann mit Spenden 2000 bis 3000 K Szekely Ferenc, Breitner L. Zsigmond, Winter- ______ __, berg Gyula, Baron Dr. Adolf Kohncr, Dr. Sanden"'in dem" sich zugleich die Schule und das dar'Lederer, Jakab Saloinon, Jakab Schwarcz, rituelle Bad befinden. Diese vor 20 Jahren freiwillig in den Bund Abrahams Getretenen ertragen alle Beschwerden des Lebens mit einer merkwürdigen Ausdauer und leisten allen Versuchen, sic zu einem neuerlichen Glanbenswechsel zu bewegen, hartnäckigen Widerstand. Wieviel Dialekte sprechen die heutigen Juden. Diese Frage beantwortete vor kurzem Heinrich Löwe in seinem Buche ״Tie Sprachen der Juden". Ter hebräische ״Hasman" weift nach, daß der Dialcktrcichtum der Juden daher rührt, daß sich die Juden dem Dialekt des Landes anpassen. In Polen, Rußland, Galizien und Rumänien herrscht der jüdisch-deutsche Jargon, das ״Jiddisch"! im letzteren Lande sprechen einige Juden auch spanisch .In Saloniki wird ein aus Moritz Bettelhcim und Lipot Kronberger. In Preßburg wurden ebenfalls einige größere Beträge gespendet. Erwähnenswert sind: Ludwig Weiß, Mitchef der Noßhaarfabrik Frankl und Weiß, 600 K, Denes Trebitsch, Bankdirektor, 300 K. Antokolski als Jude. Die zehnte Jahreswende seit dem Ableben des unvergeßlichen russischen Bildhauers Antokolski wird von der russischen Presse zum Anlaß genommen, sich mit den großen Schöpfungen des Künstlers zu beschäftigen. Hie und da findet man auch einen Hinweis auf seine Zugehörigfeit zum Judentum. Ein Mitarbeiter der ״Hazefirah" weiß aber auch zu berichten, daß Antokolsky nicht nur der Geburt nach, sondern auch Die schönste Schrift ln kürzester Zeit erreicht jedermann! K k. veh. aut, Scbrelbscbule Professor Rudolf Roublfscbek Praa Iil£lt7?knlat7 sn Bach auswärts brieflicher Unterriag, ,letzt nach etg. ges. gesch.Methode