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Jüdische Volksstimme · 1912-04-25 · Heft 4 (25.4.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 4 (25.4.1912)
Date
1912-04-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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3U. 4 Indische Bolksstnnme S-ite 5 wurde und man die Steuerträger bloß als reine Marionetten betrachtet. Für die Dauer ist dies unerträglich und da wird man zu anderen Maßregeln greifen müssen, um gesunde Berhältnisse da oben herbeizuführe». Die Herren müssen sehr geplagt sein, wenn das Budget gegen frühere Jahre erst Ende Februar burchberaten wurde und die ltultussteuerträger in der zweiten Halste April den Steuerzettel eingehändigt erhalten haben; aus diese Weise freilich werden die der israel. Prager Gemeinde unterstehenden Beamten aus die Regulierung der Bezüge noch sehr lange warten und wenn alles den Schneckengang einlenkt, dann müßten die Beamten ein Alter des Methusalems erreichen, um ihre Wünsche erfüllt zu sehen. Die Herren vom Kultus sagen sich eben, daß sie kein Honorar für ihre Tätigkeit haben (!!!!) aber warum klammern sie sich so sehr an ihr Mandat und wollen nicht anderen Platz machen, die arbeiten wollen? Diese Kultusgemeinderäte, welche mit Glücksgütern gesegnet sind, die wissen ja nicht, wie z. B. ein jüdischer Lehrer mit seiner Familie zehnfach den Heller wenden und kalkulieren muß, um nur das nackte Leben zu sristen, der israel. Lehrer von heute kann mit Recht sagen: Ho lachmo anjoh, das Brod des Elends ist unser Berus, und dies ist der zerfahrene Zustand, wenn volle 2 Jahre schon die Regulierung der Beamlenbezüge das Plenum passieren soll und man verschließt sich modernen Reformen, die in anderen großen Jsraelitengemeinden schon längst durchgeführt worden sind. Wir werden aber immer den Herren den Satz “Justitia fundamentum regnorum“ zur Beherzigung rekapitulieren: denn nur aus Grundlage von Rechtsinn kann eine Kultusgemeinde geleitet werden. Eine Kullusgemeinde vom Range der Prager, darf keine Ausnähme machen, der muß der erste Rabbiner so lieb und teuer sein, wie der kleinste Bedienstete innerhalb dieser Körperschaft und dars sich nie die Autorität aneignen über die Köpfe der Steuerträger, mit einzelnen ihrer ״Schützlinge" im weiteren Perjonenkultus, wie es wiederholt schon geschah, zu treiben; denn dies führt nur zu Reibungs« flächen innerhalb der Gemeinde. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNG^ GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 3SO Milionen. Reserven cirka 113 Millionen Kronen. — Billigsten Tarife, Mitarbeiter wer Jen überall gesucht. — Generalagentur: Karl Bloudek, Brünn, Krapfengasse 18 20 An seine Eminenz den hochwürdigsten Herrn Fürsterzbischof Leo Freiherr v. SkrbenskF, der heiligen römischen Kirche Kardinal in Prag! An den obersten Seelenhirten der katholischen Einwohner dieses Landes, an den berufenen Nachfolger jener Apostel, zu denen ihr Herr und Meister, der große Stlster der christlichen Religion gejagt hat: ״Gehet hin und lehret alle Böller", wenden sich heute die Nachkommen jenes Volkes, aus dessen Mltle die Mutier dieses Großen Religionsstifters stammte. Wann immer den Juden ein Unrecht geschehen, wann immer deren heilige Religion und Gesetze, von denen es in der herrlichen Bergpredigt heißt, ״Eher werden Himmel und Erde vergehen, ehe denn auch nur em Wort des Gesetzes vergeht" — bedroht waren, da wandten sich die Juden an die hohen Fürsten der katholischen Kirche und niemals vergeblich l In Prag erscheint ein obskures Blatt, der ״XX. Vek", das seinen schändltchen Beruf darin sucht, das bisherige gute Einvernehmen zwischen den Bürgern christlicher und jüdischer Konfessionen dieses Landes zu vergiften und zu zerstören und das von dem ebenso verruchten wie staatsfemd- Uchen Bestreben geleitet ist, auch in diesem Reiche und insbesondere m diesem schönen Lande russische Zustände herbeizusühren. In seiner Stummer vom 18. April 1912 hat das genannte Blatt mit zwei Zetten einer ׳Nachricht emen solchen Mangel an menschlichem Gefühl, eine solche Verworfenheit der Gesinnung, ja geradezu einen solchen Hyänismus gezeigt, daß nur e.n offenes Machtwort des obersten Seelenhirten, das alle Beziehungen zwischen Christentum und dlesein Blatte autorilanv aushevt, imstände ist, den Ehrennamen ״christliches Blatt" den der ״XX. Vek" so geschändet hat, von der Schmach rein zu waschen, ote diesem Titel dadurch angetan worden. ״Wie sich wohl diese Schiffbrüchigen vor dem Untergehen wehrten?" Hechtes m der bezeichnten Nummer, dann werden einige jüdisch-klingende Namen von Passagieren erster Klasse des untergegangenen Dampfers ״Titanic" genannt, woraus zwei Zeilen folgen, die einen wohl nicht mehr zu überbietenden Gegensatz zu den Worten aus Matthäus bilden: ״Selig die barmherzigen, denn auch sie werden Barmherzigkeit finden". Es heißt dort nämlich wörtlich: ״Es ist zu sehen, wer erster Klasse fährt. Es läßt sich aber auch vorstellen, wie sich wohl diese Mauscheln gewehrt haben!" ״Ich aber sage Euch, liebet Euere Feinde und tut Gutes jenen, die Euch fluchen"; ״Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst" und ״Wenn ich mit aller Menschen und Engel Zungen redete und hätte nicht der Liebe, dann wäre meine Stimme nur wie eine Schelle und wie tönend Erz!" Wie herrlich, wie durchdrungen vom Geiste der Menschenfreundlichkeit und vom Geiste der Nächstenliebe klingen doch diese Worte!!! mit Menthol X altbewährtes Mittel X gegen Kopfschmerzen. Buntes Allerlei. Jüdische Münze«. In Djibuki, einer sranzösischen Kolonie am Roten Meere wurden, wie aus Paris gemeldet wird, zahlreiche sehr alte jüdische Münzen zutage gefördert. Die Archäologische Gesellschaft in Frankreich, welche die Münzen genau untersuchte, gibt in ihrem Bericht hierüber der Meinung Ausdruck, daß an der Fundstelle einst die biblische Stadt Ezzion-Geber gestanden hat, wo bekanntlich die Schiffe des Königs Salamon, welche nach der Bibel noch Ophir gesandt wurden, um dort Gold zu holen, gesunken sind. Jüdische Kolonisation. Seit mehreren Jahren bemüht sich ein in Lissabon ansässiger Kaufmann, geborener Russe, namens W. Terlo, die portugiesische Regierung zu veranlassen, den jüdischen Kolonisationsgesellschaften auf den Hochplateaus von Benguela und Mossamedes in der Provinz Angola Land für jüdische Emigranten zur Verfügung zu stellen. Seine Bemühungen haben nunmehr Erfolg gehabt, da sie im Diaro do Governo einen diesbezüglichen Gesetzentwurf veröffentlicht hat, der in der portugiesischen Deputiertenkammer der parlamentarischen Kommission für die kolonialen Angelegenheiten zur Beratung übergeben wurde. Ehrung Tr. Grunwalds. Für die Bearbeitung der Gruppe ״Hygiene der Juden" in der historischen Abteilung der Internationalen Hygiene Ausstellung Dresden 1911 hat Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald in Wien das Ehrendiplom für wissenschaftliche Mitarbeit zuerkannt erhalten. Talmnd-Thoraschule in Nordafrika. In Konstantine (Nordafrika) wurde dieser Tage eine Talmud-Thoraschule eingeweiht, welche mehr als 800 Schüler fassen kann. Die Mittel hinzu wurden von Salamon Adida zur Verfügung gestellt. Ter Maler Isidor Kaufmann hat für sein im Künstlerhaus ausgestelltes Bild ״DerMagid", den 1. Staatspreis ^halten. Stiftung. Hofra: Jaques Simon de Boglar hat auf den Namen seines verstorbenen Enkels Paul v. Fenyvessy eine 1000 Kronenstiflung zugunsten der israelitischen Kinder- Ferienkolonie errichtet. Eine Protestkundgebung der Intelligenz Kiews gegen den Ritualmordprszeß. Sonntag erschien in allen großen russischen Blättern ein Blättern ein Protest der Intelligenz von Kiew gegen den Ritualmordprozeß, der sich gegenwärtig vor dem Kiewer Gerichte wegen der Ermordung des Knaben Justschinsky abspielt. Charakteristisch ist, daß mehr als die Hälfte der Unterschriften von Mitgliedern der Verbände abgegeben wurde, welche eine große Rolle bei der Entstehung des Prozesses gespielt haben. Ein Jude als Neberbringer des apostolischeu Segens. Nachdem der frühere Patriarch von Venedig zum jetzigen Papst erhoben wurde, bat ein reicher venezianischer Jude, welcher mit dem Expatriarchen freundschaftliche Beziehungen hatte, um Audienz und wurde sofort empfangen. Der Papst wollte Nachrichten von allen Bekannten und als er erfuhr, daß einer derselben, eine einflußreiche klerikale Persönlichkeit Venedigs, schwer erkrankt sei, schwieg er betrübt und sagte schließlich zu dem jüdischem Freund: ״Dürfte ich Sie um eine große Gefälligkeit bitten? — ״Gewiß, Sanita möge befehlen", antwortete der Jude. — ״Gut, dann bitte ich Sie, dem Kranken unseren apostoli» scheu Segen zu überbringen." — Der Israelit, überrascht, konnte eine Bewegung nicht verbergen, aber lächelnd fügte Pius bei: ״Vielleicht ist die Verpackung schlecht, die Ware aber ist gut." Kongreß jüdischer Reservisten in Rußland. Der bekannte jüdische Kavalier des Georgenordens, M- Tscherkes aus Kischinew, kam dieser Tage in Warschau an und wandte sich an die dortige Be- Hörde um die Erlaubnis, nach Warschau einen Kongreß jener jüdischen Reservisten einzuberufen, welche an dem russisch-japanischen Kriege teil-;enommen haben. Der Zweck dieses Kongresses st. gegen das Projekt der russischen Nationalisten, die Juden von der Armee auszuschließen, in feiersicher Weise zu protestieren. Tscherkes wurde mit seinem Ansuchen an das Ministerium des Innern gewiesen. Das Mißgeschick des Täuflings. Ein Jurist jüdischer Konfession, der seine Zulassung zum richterlichen Probedienst jüdischer Fürsprache und Intervention zu danken hatte, entschloß sich, um eine rasche Karriere zu machen, die Taufe zu nehmen. Als er nun dessen ungeachtet jahrelang übergangen wurde, schüttelte er ratlos an den für die Beförderung zum Auskultanten maßgebenden Stellen sein Herz aus. Dort wurde ihm jedoch übereinstimmend der Rat erteilt, eine andere Karriere einzuschlagen, weil man einerseits den Justizdienst nicht mit Juden zu sehr durchsetzen könne, man anderseits jene Stellen, auf welche die Juden gerechten Anspruch haben, den Angehörigen üdischer Konfession reservieren müsse, nicht aber enen überlassen könne, welche nur in den Augen der rechtsuchenden christlichen Bevölkerung, nicht aber den Juden selbst als Juden gelten. Diesen Standpunkt der österreichischen Justizverwaltung kann jeder vernünftige, rechtlich denkende Bürger nur billigen! Korrespondenzen. Karlsbad. Die Chargen Wahlen des ״Jüdischakad. Klub Karlsbad" ergaben für das Jahr 1912 folgendes Ergebnis: MUC. Robert Löwenstein x, MUC. Alfred Kohn xx, MUC. Otto Lapper xxx. Nentra. Der Vorstand des Neutra-Preßburger ״Agudas Hasaubchim" Vereines erläßt soeben eine Einladung an sämtliche ungarländische orthodoxe Kantoren und Schochtim, unverzüglich die Idee der Landesorganisation zu propagieren, Distriks- Versammlungen einzuberufen und ihre Delegierten für den Landeskongreß der orthodoxen Gemeindebeamten, der demnächst in Budapest gelegentlich der Kommissionssitzung stattfinden wird, zu designieren. Ihre Wünsche: Pensionsrecht. Gehaltsregelung, Schiedsgericht und die Hinzuziehung von Schochtimdelegierten bei der Behandlung ihrer Fragen durch die Landeskommission, sollen zum Gegenstand der Tagesordnung genommen und den kompetenten Behörden unterbreitet werden. Die Beitrittsgebühr beträgt zwei Kronen für die Einschreibung und 30 Heller als Monatsbeitrag. Duna-Szerdahely. Hier wurde das neue Talmud Thoragebäude feierlich seiner Bestimmung übergeben. Es wurde durch die Munifizenz einiger Gutsbesitzer um 25.000 K errichtet. Stuttgart, den 21. April. Der württembergische Landtag berät eben über die Schaffung eines Gesetzes bezüglich der israelitischen Religionsgemeinschaft. Der Antrag die Bezeichnung israelirische Landeskirche zu wählen wird abgelehnt, weil dieser voraussetze, daß der Landesherr der 8ummus episcopus sei. Der konservative Antrag statt der Bezeichnung Israeliten Juden zu setzen, weil Israeliten Gottesstreiter bedeute und die Christen auf diesen Titel ebensoviel Anspruch hätten, wird abgelehnt. Die Oberbehörde soll auS einem engere» und weiteren Rate bestehen, die Mitglieder des engeren Rates sind vom Könige zu ernennen, die des weiteren zu wählen. Große Diskussionen entspinnen sich darüber, ob unter den notwendigen Einrichtungen einer jüdischen Gemeinde das rituelle Bad, die Mikwa aufzuzählen sei; bei diesem Punkte wird auf die große Divergenz zwischen Orthodoxie und Neologie hingewiesen. Die Beratung wird dann abgebrochen. Verbreitet die Jüd. Volksstimme‘

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