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Jüdische Volksstimme · 1912-04-25 · Heft 4 (25.4.1912) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 4 (25.4.1912)
Date
1912-04-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Jüdische Volksstimme Krankheiten der Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg im vr.Mbanr Sanatorium in TISCHNOWITZ kuriert. — Prospekte. Der HUfsvereiu der deutschen Juden. Der Hilssverein der deutschen Juden trat Sonntag, den 14. d., im Logenhaus der Logen U. O. B. B. zu seiner 10. ordentlichen Versammlung zusammen. Dr. James Simon, der Vorsitzende des Zentralkomitees, hieß in dessen Namen die zahlreich erschienenen Delegierten willkommen und erstattete alsdann den Geschäftsbericht über die Tätigkeit des Hilfsvereins. Dieser zählt jetzt über 25.000 Mitglieder und hat mehr als 160.000 Mark Jahresbeiträge. Dazu kommen noch Schenkungen und Zuwendungen in Höhe von 175.000 Mark. Das Schulwerk, das der Hilssverein in Galizien, Bulgarien, Rumänien, der europäischen und asitiatischen Türkei unterhält und unterstützt, wurde im verflossenen Schuljahr wiederum erweitert. Das gesamte Schulwerk, das der Hilssverein unterhält und unterstützt, umfaßt heute an 50 Bildungs- und Erziehungsanstalten. Es besteht aus 13 Kindergärten, 6 Knaben-, 2 Mädchen-, 4 gemischte, 2 Kolonie-, 2 Abendsortbildungsschulen, 1 Haushaltungs-, 1 Handwerker-, 1 Mittel-, 1 Handelsrealschule, 1 Lehrerseminar, 1 Kindergärtnerinnenkursus, 2 Mädchenheimen und 3 sonstigen Anstalten. An den gesamten Anstalten erhalten mehr als 6500 Kinder — fast die Hälfte in Palästina — ihre Ausbildung. Durch deutsche, vom Hilfsverein entsandte Lehrer wird an allen Schulen, an denen das Bedürfnis vorliegt, die Kenntnis der deutschen Sprache im Orient vermittelt. Die Krönung des Schul- Werks im Orient, wofür der Hilfsverein im verstoffenen Jahre rund 240000 Mark ausgab, ist das mit einem Kostenaufwand von über einer Million errichtete Technikum in Haifa. Als dann verbreitete sich Dr. James Simon über das Hilfswerk. In Galizien wurde die Tätigkeit iu bisheriger Weise fortgesetzt. In Rußland ist das System der blutigen Pogrome durch ein System anhaltender, immer drückender werdender Einschränkungen ersetzt worden. Das Hilfswcrk für Rußland und die Auswanderung erforderte im abgelaufenen Jahre 264.000 Mark. Die gesamte jüdische Auswanderung, die von 70 v. H. aus Rußland kommt, betrug im Jahre 1811 mehr als 100.000 Personen. Davon gingen 83.044 nach der Union. Der Hilfsverein hat im verflossenen Jahre für die verschiedenen Aufgaben, denen er sich widmet, mehr als eine halbe Million im verflossenen Jahre verausgabt. Nach diesem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Bericht gab Dr. Paul Nathan eine Uebersicht über die zehn׳ jährige Tätigkeit des Vereines. Die deutschen Juden wollten durch Bildung des Vereins der planlosen Wohltätigkeit Vorbeugen; es sollte Bildung und materielle Unterstützung verbreitet werden. Redner geht sann auf die Auswanderungsfrage ein; die Auswanderung ist das letzte Ventil, um die Bedrückungen der osteuropäischen Juden, namentlich Rußlands und Rumäniens zu lindern. Witte und Stolypin trösteten einst den Redner damit: ״Lassen Sw uns nur Zeit, die russische Judenftage wird auch einmal gelöst werden". Aber so lange können die armen, verhungerten Juden nicht warten. Angesichts der Erschwerung der Einwanderung nach Amerika, der hohen Kosten daf.ir, war es geboten, sich nach anderen geeigneten Auswanderungsgebieten umzuschauen. Kernes ist für den osteuropäischen Juden geeigneter als das osmanische Reich. Der Hilfsverein hat hier schon durch sein Schulwerk vorgeardcitet durch Heranbildung von Technikern und Lehrern; nun soll auch ein Nabbinerseminar in Jerusalem errichtet werden. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die osteuropäischen Juden ein ganz wertvoller Bestandteil der Bevölkerung des osmanische» Reiches werden können. Darauf erstattete der Schatzmeister Bericht und erwähnte unter lebhaftem Bestall der Versammtuno die mitgeteilten Schenkungen. In das Zentralkomitee werden hmzugewählt: Julius Busch- München und Prof. E. Mittwoch —Berlin. Zum Schluß stattete Justizrat Dr. Horwitz, während die Versammlung sich erhob, dem Zentralkomitee, insbesondere seinen Leitern, dem stets hilfsbereiten Dr. James Simon und dem arbeitseifrigen Dr. P. Nathan lebhaften Dank ab. Für die neue Frankfurter Universität schlägt der evangelische Theologe Prof. D. Martin Rade in Marburg, in der ״Christlichen Welt" die Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät vor. Man will bekanntlich ganz aus eine theologische Fakultät verzichten. Da tatsächlich für die Neugründung einer evangelisch-theologischen Fakultät, die zunächst in Betracht käme, kein Bedürfnis vorhanden ist und eine katholische auch nicht in Frage kommt, so meint Rade, weshalb nicht eine jüdische? Die jüdische Neligionsgesellschast ist die dritte der vom Deutschen Reich priviligierten. Sollte der Staat nicht ein Interesse haben, daß auch ihre Religionsdiener wissenschaftlich erzogen werden? Und zwar nicht in privaten Anstallen, sondern öffentlich, wie die christlichen Theologen an den Universitäten. Und hat nicht auch die Religionswissenschaft ein Interesse daran, daß die jüdischen Gelehrten auf solchem Platze ganz andere Gelegenheit finden, zu zeigen, was sie leisten können, als bisher im Winkel? Kurz, da die theologischen Fakultäten nach geltendem Brauch nicht anders sein können als konfessionell, sollte sich Frankfurt diese Spezialität nicht entgehen lassen. Als Lehraufträge ergeben sich: Altes Testament, Talmud, Geschichte des Judentums, Systematik, Religionswissenschaft und Religionsgeschichte; praktische Theologie. Für den Anfang können sie durch Kombinationen auf vier oder fünf Lehrstühle verteilt werden. Eine solche jüdischtheologische Fakultät wäre nach Rades Urteil die würdigste, gesündeste und nützlichste Anerkennung der Tatsache, daß jüdisches Kapital bei der Stiftung dieser Universität so stark beteiligt ist. Der Vorschlag ist ja gut gemeint und auch sehr erwägenswert, aber wenigstens bei einer jüdisch-theologischen Fakultät müßten doch jüdische Professoren angestellt werden, und davor hat unsere antisemitische Regierung bekanntermaßen einen unüberwindlichen Horror. Darum würde sie einem solchen Vorschlag, wenn er ernsthaft an sie heranträte, voraussichtlich allen erdenklichen Widerspruch entgegenstellen. — Ende März feierte der Chiefrabbi der Sefardim in England Chacham Dr. Moses Gaster sein 25 jähriges Amtsjubiläum. — Herrn Dr. Ginster, dem leitenden Arzte des Bikur Cholim Hospitals in Jerusalem ist vom deutschen Kaiser der Titel eines Sanitätsrates erteilt worden. — Ab März erscheint in Jaffa unter dem Titel Hachak lai (der Landmann) eine neue Fachzeitschrift in hebräischer Sprache. 1912 Wochenkalender 5672. אייר | April Jüdisch-volkliche Gedenktage. 8. bis 15. Jjar. 8. 5507 starb iu Akko der berühmte Kabbalist und hebr. Dichter R. Mose Chaim Luzzato. 9. 5384 wurde i» Eoimbra der Uanonikus Antonio Domen, weil er sich zum Judentum bekannte, öffentlich verbrannt. 10. 5376 starb der scharfsinnige Talmudgelehrte und Srklarer R. Meir Lublin, Rabbiner in Krakau. 11. 5648 starb in Amerika Michael Heilprim aus Pietzikow (Rußt.), ein groster jüd. Gelehrter, der 18 schiedene Sprachen beherrschte. 12. 5442 erlitten drei jüdische Märtyrer den Feuertod in Lissabon. 13. 5644 starb in Wien Ignaz Kuranda, einer der unermüdlichsten Kämpser für Freiheit und Recht. 14. 3880 starb Rabbi Meir "Baal-Nes" in Liberias. 15. 3431 starb in Prag der ״hohe Rabbi Löw", Baal- Scheut genannt. Vermischtes. Herr Oberrabbiner Buchler in Mor ist von Sr. Majestät mit dem goldenen Verdienstkreuze ausgezeichnet worden. — Die Pester Israelitische Gemeinde hat ein׳n MazzoSbedarf von 610-000 Kilogramm. An Arme wurden 62.000 Kilogramm Mazzos und 14.000 K Bargeld verteilt. — Hofrat Winterberg spendete wie alljährlich 1500 K an Arme. — Das Budget der o>thodoxen Gemeinden in Budapest betrügt 140.840 K, das Budget der Kongreßgemeinde 2'/״ Millionen Kco> neu. — Die Tragödin Rachel soll jetzt in Paris ein öffentliches Denkmal erhalten. Rachel ist als Jüdin gestorben. — Die Jeschibah tu Lida, welche unter der Leitung des Rabbiners Reine steht, hat im Wintersemester 1911 309 Schüler gezählt. — In Berlin wurden die Herren Dr. Markus Petachovsky und Dr. Leo Beck (Düsseldorf) zu Rabbinern der Berliner Jüdischen Gemeinde gewählt. — Minister Graf Zichy hat der Mensa der Preßburger Jefchidah eine Jahressubvention von X 600 dewilligt. — Der Schankwirk Groß in Miskolcz, der es wagte, die Richter des gehenkten Juden- Mörders Regula zu verteidigen, wurde von einem Gaste bestialisch erdrosselt. — Die Synagoge in Trestina wurde infolge eines Brandts eingeäschert. Festtage י?* אחרי מות קדושים Sehr seltene Gelegenheit. Von einem grossen Fabriklager sind mir viele tausend prachtvolle, schwere Tiger- Flanell - Schlaf - Decken mit hübschem, buntem Rand zum Verkauf anvertraut. Die Decken eignen sich für jede Haushaltung. sind warm und fest, ca. 190 cm lang u. 49 cm breit. 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