Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 4 (25.4.1912)
- Date
- 1912-04-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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UUPÖs '״öv1L3MUNU» qM -ipNK U3kpjM^" M HUNtz U3h3fi3g N? Mjj3yv׳L «Seite 4 Jüdische Bolttstirmve. Nr. 4 liche Katastrofe wurden verbrämt mit Bemerkungen, die in den vertrottelten Leserkreisen anschaulich die Vorstellung erwecken sollten, wie die ״MauschelS" in ihrer Todesangst wohl gezappelt haben. Ja selbst Ehepaar Strauß, dessen Tod ein Musterbc spiel sür treue Gattenliebe bietet, wie es auch ein katholischer Priester auf seiner Kanzel nicht besser erfinden könnte, auch das wurde noch über den Tod hinaus verhöhnt, sein erschütternd tragischer Tod lächerlich gemacht. Daß solche Preßbanditen noch ein Lesepublikum finden, ist so unerklärlich wie die Art und Weise, wie die Spitalsstiftuntz des verstorbenen Sonderlings Spitzberger von ihnen ausgebeutet wird. Daß Spitzberger seine buchstäblich erhungerten Millionen auch christlichen Kindern zu« kommen läßt, das findet der ״Czech" ganz in Ordnung, er zieht aber vehement gegen alle jüdischen Millionäre los, die keine Stiftungen machen, warum er nicht lieber erwähnt, daß auch die Suppenverteilung bei den Wiener Barmherzigen Brüdern mit dem Gelbe eines jüdischen Millionärs ermöglicht wurde, warum er nicht lieber den frommen Fürsten Schwarzenberg mit seinem Millioneneinkommen, die noch viel fröm» meren hohen geistlichen Würdenträger mit ihren Rieseneinkommen auffordert, interkonfessionelle Stiftungen zu machen? Wahrscheinlich, weil er weiß, daß diese frommen Herren nicht einmal für konfessionelle Stiftungen zu haben sind. Auf die Gefahr hin, daß der ״Czech" einen Nervenchok davon trägt, will ich ihm verraten, daß mich der Sonderling Spitzberger an einen hochwürdigen Antipoden erinnerte, an den bekannten Monsignore Drozd. Spitzberger hungerte, sparte seine mühsam erworbenen Groschen und stiftete ein interkonfessionelles Spital. Drozd lebte in Saus und Braus von fremdem Gute, stahl Millionen und stiftete bei Juden und Christen Unheil und Not. Wenn er gar zu üppig werden will, sollte sich auch der ״Cech" immer wieder an seine Drozde, deren es ja eine stattliche Zahl gib! erinnern, wahrlich er würde kleinlauter werden. Die jüdischen Millionäre haben es dem ״Ezech" überhaupt angetan, in jeder Nummer zählt er die Präsidenten der großen Banken mit jüdischklingenden Namen auf, häufig erwähnt er, daß nur Juden an den Waffen und Schlachtschiffen etwas verdienen, ja, er entblödct sich nicht, schon jetzt den Boykott einer in eine Aktiengesellschaft verwandetten Brodbäckerei zu predigen, weil er fürchtet, daß ein Herr Schick, Katz oder Lanzendorf an ihrer Spitze stehen könnte. Noch eine Merkwürdigkeit vom Wiener Kriegs׳ schauplatz. Fast gleichzeitig hielten die Freiheitlichen und Chnstlichsozialen ihre Wählerversammlung ab, die Christlichsozialen jubelten ihrem Weißkirchner zu, als er erklärte, daß unter den 30.000 in der christlichsozialen Aera angestellten städtischen Arbeitern und Beamten nicht ein Jude sei, den Freiheitlichen mußte Hofcat Kuranda erklären, daß es nicht wahr sei, daß die Freiheitlichen den Bezirk verjuden wollen, denn unter sechs Kandidaten sei ein einziger Jude. So freiheitlich hätte Hoftat Kuranda auch bei den Christlichsozialen sprechen dürfen. Die türkische und arabische Frage in Palästina. Ueber dieses aktuelle Thema sprach in der Zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona Rechtsanwalt Dr. Alexander Hausmann-Lemberg. Er sagte etwa folgendes: Die Türken sind die politischeu Herren Palästinas, die Araber bilden aber die Majorität der. Bevölkerung. Türken findet man fast ausschließlich in der Beamtenschaft und im Osfizierkorps. Der jüdischen Bevölkerung gegenüber verhalten sich die Türken syuipathlsch, da sie die Vorteile einzuschätzen wissen, die die jüdische Einwanderung dem Lande und dem türkischen Staate bringt. Die Hebung der landwirtschaftlichen Kultur und das damit verbundene enorme Wachsen der Steuereinnahmen, und zwar der türkischen Hauptsteuer, des Grundzehnts (Oscher), das Steigen der Zolleinkünfte und der Einkünfte der Eisenbahnlinien, der Zufluß von Arbeitskräften und Kapitalien, die nicht das Land ausbeuten, sondern zur Entwicklung des Landes beitragen, das Wachsen des Handels und des Exportes, die Gründung von Schulen und anderen öffentlichen Jnstitutionen ohne die mindeste Belastung des Staatssäckels, das Steigen des Bodenwertes, also des Nationalvermögens — das sind nicht wegzuleugnende Vorteile, die der jüdischen Einwanderung und der zionistischen Tätigkeit zu verdanken sind. Für die Vorteile braucht der türkische Staat keine Acquivalente zu bieten, da der Jude den türkischen Staat weder einen Mann (zu seinem Schutz) noch einen Pfennig kostet. An die böswillige Fabel von der Loslösung Palästinas vom türkischen Staatsverband glaubt kein Wrke im Lande; andererseits bedingt die jüdische Einwanderung das Wachsen des türkischen Prestiges und der türkischen Herrschaft im Lande, und zwar ebenso den ausländischen Einflössen gegenüber als auch der immer mehr wachsenden panarabischen Bewegung, die von zwei Seiten, Aegypten und Syrien, nach Palästina eindringt. Im gesellschaftlichen und politischen Leben herrschen auch zwischen Türken und Juden im Lande die denkbar besten Beziehungen. * Auch der Araber ist kein Feind der Juden. Ec empfindet — dank der Raffen- und Sprach- Verwandschaft — sogar eine gewisse Sympathie für sie. Sein Verhältnis zur jüdischen Kolonisation wird einerseits durch eine Jntereffengemeinschaft, andererseits durch einen Interessengegensatz bestimmt. Die Araber in den Städten hatten die größten Vorteile von der jüdischen Anfiedlung. Ihre Häuser und Bauplätze sind im Werte gestiegen, außerdem haben sie vermehrte Arbeits- und Erwerbsgelegenheit gefunden. Daher ist hier auch das Verhältnis gut, wenn auch Konkurrenzkonflikte speziell unter den Arbeitern nie ganz zu vermeiden sind. Auf dem Lande dagegen ist das Verhältnis der Araber zur jüdisch-ländlichen Ansiedlung nicht immer ein friedliches.namentlich infolge der Verhetzungen seitens verschiedener Panarabischer und anderer Agitatoren. Der mehr oder minder seßhafte arabische Fellache ist meist nur Pächter des dem städtischen Effendi, d. h. Großgrundbesitzer, gehörenden Grund und Bodens. Bei der extensiven arabischen Wirtschaft und bei den hohen Steuern und dergleichen verfällt der Fellache oft in Schulden bei Berufswucherern. Die Effendis und die Wucherer verkaufen gern den Grund und Boden den jüdischen Ankömmlingen, die den elfteren gute Preise, den letzteren die Möglichkeit, zu ihrem Gelbe samt Zinsen zu kommen, bieten. So bleibt der Fellache oft ohne Boden- Andererseits wächst die Zahl der jüdischen Arbeiter, so daß die Araber weniger Arbeitsgelegenheit Zu berücksichtigen ist aber hiebei, daß der Fellache nicht im europäischen Sinne seßhaft ist; er hängt nicht allzusehr an dem Boden und zieht leicht weiter in die syrische Wüste oder in andere Gegenden. Aber auch für die Fellachen wird im Laufe der Zeit die vermehrte jüdische Einwanderung mehr Arbeits- und Erwerbmöglichkeiten durch die höhere Kultur, die der europäische Jude ins Land bringt, bieten und so wird sich die Plattform bilden, auf der Araber und Juden friedlich nebeneinander in ehrlichem Wettbewerb leben werden. _ Krimner Üaefmeliten. Todesfall. Freitag ״en 19. d. ist hier der mähr.-schlef. Landesadvokat ‘ Herr Dr. Siegmund Wolf im 57. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene betätigte sich in vielen jüdisch-humanitären Vereinen, war langjähriger Präsident des Israel. Knaben-Freitischvereines, Mitbegründer der jndischen Lesehalle und Volksbibliothek. Er gehörte der hiesigen Bnai Brith-Loge ״Moravia" an. Ueber Anregung der Verstorbenen wurde das Jüdische Technikerheim begründet. Das Begräbnis fand Sonntag den 21. d. unter zahlreicher Beteiligung statt. Herr Rabbiner Dr. Lewy hielt dem Verstorbenen einen warm empfundenen Nachruf. Ehre seinem Andenken! Verein ״Bikur Choulim". Vor kurzem fand im Saale der Kultusgemeinde die ordentliche Generalversammlung statt. Nach Erstattung des Rechenschafts- und Kassaberichtes durch den Kassier Herrn Josef Jelinek wurde dem abtretenden Ausschusse daS Absolutorium erteilt. Ueber Anttag des Herrn Dr. S. Brunner wurde von der Generalversammlung der Beschluß gefaßt, daß auch Juden aus der Umgebung Brünns als ordentliche Mitglieder in den Verein ausgenommen werden können, und zwar mit dem Unterschiede, daß die in der Umgebung wohnenden Mitglieder wohl Ansprach auf Krankenunterstützung, jedoch keinesfalls auf Arzt, Krankenwärter und Arzneien haben. Nun gibt es in diesem Vereine dreierlei Mitglieder, 1. unterstützende, 2. ordentliche I. Klasse und ordeutliche Mtglieder II. Klasse. Wir bezweifeln, daß seitens der Behörde diese Aenderung der Statuten genehmigt werden wird. Verein ״Machfike Hadas". Die jüdische Bevölkerung Brünns wird dringendst ersucht, alte Kleider, Schuhe usw. der Peo-(Brocken-)sammlung zur Verfügung zu stellen. Arme Glaubensgenossen werden hiedurch Unterstützung finden. Laut Z 5, Absatz 7 der Statuten wird für die kürzlich verstorbenen 2 Mitglieder das heilige Kadischgebet vom Morenu Zedek (Vereinsraböiner) verrichtet. An unsere wohltätigen jüdischen Schwestern, Töchter und Frauen stellen wir die innige Bitte, auch unseres Vereinsbethauses eingedenk zu sein! Es werden benötigt Thora-Manterl, Wickelmappen, Porauches, Schulchandccken; bei gegebener Gelegenheit, sei es in heiteren, frohen, oder vorübergehend trüben Stunden, willkommene Opfergabe; solche allfällige Spenden übernimmt bereitwilligst Herr Rudolf Meißl, Krapfengasse 4, wo auch eventuelle Auskünfte erteilt werden. Dragee MacJmefiten. Dcbattenabend im Vereine ״Afike Jehuda". Dienstag, den 16. April l. I. hielt Herr Markus Brückner, Prag, ein Referat über das Thema: Welchen Wert hat ein jüdisches Museum? In sachlicher Art hat der Vortragende der Zuhörerschaft den Beweis geliefert, wie wichtig ein jüdisches Museum für die gegenwärtige jüdische Generation sei. Herr Dr. S. H. Lieben griff einigemale in die Debatte ein und bemerkte unter anderem, dah das Prager Museum, vor anderen jüdischen Museen den Borteil insoferne habe, als hier ausschließlich Gegenstände untergebracht worden sind, welche für die Existenz der alten Prager Gemeinde und dem ehemaligen frommen Wandel innerhalb der vielen Gemeinden Böhmens Zeugnis geben; während andere jüdische Museen ihre Sammlungen aus allen Erdteilen, nur nicht aus ihrer Heimat herbeigeschafft haben. Weiters bemerkte dieser hervorragend Gelehrte, daß Prof. Boris Schatz Motive für die Bezalel- Schule in Jerusalem, von dem Prager Judenmuseum mitgenommen habe. Der anwesende Rabbiner Dr. S- Arje in Smichow gab die Anregung, daß die jüdischen Religionslehrer Prags, mit ihrer» Schülern die Räume dieses Museums öfter aussuchen mögen, damit die Jugend hier empfange, was ihr daheim fehle. Zum Schluffe machte Herr Dr. S. H. Lieben den Anwesenden die Mitteilung, daß das jüdische Museum in 14 Tagen in seinem neuen Heime, im Gebäude der Prager isr. Beerdigungsbrüder, schaft, offiziell eröffnet und von da an, Samstag und Sonntag stets Jedermann zugänglich sein wird. Herrn Dr. S. H. Lieben gebührt unstreitig das größte Lob an dem Emporblühen dieses Institutes und die Prager Kultusgemeinde-Repräsentanz sollte daS Museum derart subventionieren, daß deffen Bestand bleibend gesichert sei. Leichenbegängnis Hosrat Prof. Dr. Alfred Ptibram. Am Mittwoch, den 17. April l. I. fand das Leichenbegängnis des beliebten, großen Klinikers und des noch größeren Menschenfreundes, Herrn Hostates, Prof. Dr. Alfred Pnbram, unter einer so zahlreichen Beteiligung, wie sie Prag seit langer Zeit nicht sah, statt. Dem Kondukte voran gingen die Zöglinge des isr. Mädchenwaisea- Hauses, dann schritt der Erzherzog Franz Ferdinand, Kaiser Maximilian - Veteranenverein, ferner die liberalen und katholischen Studentenverbindungen; hinter dem Wagen folgte der Sohn, Herr Doz. Dr. Hugo Pnbram mit den Brüdern des Verstorbenen, seiner die Rabbiner Dr. Schwarz, Prof. Dr. Deutsch, Kantor Mirsky der Tempelgemeindc, weiter sah man den Statchalter Fürsten Franz Thun, den Vizepräsidenten der Statthalterei, Hoftat Ritten von Herget, mehrere Hofräte dieses Gremiums, den Vizepräsidenten der Finanzlandesdirektion Dr. I. Ritter von Tersch, den Präsidenten des Oberlandesgerichtes für Böhmen Baron Weffely, den Vizepräsidenten des Handelsgenchtes, Dr. Robert Jsak, den Rektor, Hofrat Dr. Rauchberg samt dem alademischen Senate der Prager deutschen Universität, die Hoftäte, Prof. Dr. Horbaczewski, Meixner, Ott, Reinsberg der böhmischen Universität und die Prosessoren Thomayer, Chodounsky dieser Hochschule, wie auch die Grafen Mensdors-Ponilly, Erwein Nostttz, Herrenhaus- Mitglied Alexander Richter, Landtagsavgeorbneter, Dr. Carl Maria Herrmann, den Präsidenten der Kultusge» meinde-Repräsentanz, Dr. Rosenbacher samt deffen Stell- Vertreter Dr. Bendiener, viele Universitälsprosefforen, Dozenten, Arzte rc. In der Leichenhalle des Friedhosein Straschnitz hielt der Prediger Dr. Emanuel Schwartz dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf. Ferner sprachen: Hoftat, Pros. Rauchberg, der gegenwärtige Rektor der deutschen Universität, Prof. Dr. Friedl Prck, Prof. Lieblein, Hoftat, Dr. Pelc, Referent des Landessanitätsrates, Prof. Elschnig, Regierungsrat, Prof. Petrina u. a. m. Persoualia. Dr. Emil Wiesmeyer, Postsekretär in Prag, ist zum Postrat avanciert. Kultusgcmeiudcpräliminarc Pro 1912 weist an Ausgaben aus K 226.96879־, der unbedeckte Betrag per K 224.14219 wurde in der Sitzung vom 29. Februar l. I. aus die Sultussteuerpflichtigen umgelegt. Unter den Ausgaben figurierten Beiträge für den Israel. Gemeindebund sür Böhmen, österr. israel. Bund; also sür Institutionen welche gar keinen Zweck verfolgen und wäre es weit beffer, diese Ausgaben kulturellen Bestrebungen zuzuwenden, eventuell die Bezüge der Kultusbeamten zu regulieren, wie auch einen größeren Betrag sür das Koscherfleisch auszusetzen. Es ist geradezu sür die israel. Großgemeinde Prag beschämend, daß eine einzige Fleischbank existiert und so steuert man dem Terefe zu. Die Gemeinde muß dafür Sorge tragen, daß das Koschersleisch auch billiger ausgeschrottet werde. Wenn wir das Budget näher betrachten, so werden wir finden, daß wiederum so mancher Liebling der Herren Machthaber vom Kultus protegier