Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 24-25 (24.6.1931)
- Date
- 1931-06-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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zetteln belzusklgen. — DaS Kolleg bewilligt sodann Zuschüsse, dir aber angesichts der immer schlechter »verdenken Wirtschastsvcrhällnisse. größtenteils gekürzt »verden mußten. — Bei der Beratung über die Fricdhossverwaltuiig »oird die Friedhosskommission beauftragt, sich mit den zuständigen städtischen Stellen in Verbindung zu setzen, nm eine planmäßige (Gestaltung des Gesamtbildes der Friedhofsanlage durchzuführen. — Nach kurzer Aussprache »verden sodann Rechnung, Etat und Tarif der Friedhofsverwaltung genehmigt. — Herr Tr. Schleisner dankt beit Gemcindebeamten für treue Pflichterfüllung und mahnt alle an der Verwaltung der Gemeinde , beteiligten Stellen und Beamten, jede unnötige Ausgabe zu vermeiden. Namens des Kollegs dankt Herr Goldmann dem Vorstand für die Vorarbeiten zum Etat und fnv seine Mühewaltung im abgclauscneii Geschäftsjahr. Ter Vorsitzende dankt dem Leiter des Gemeinde-- büros, Herrn Herfkovits, für feine aufopfernde Tätigkeit, vor allein bei der Einziehung der Stenerrückstände. Hierauf erfolgt einstimmig!' Genehmigung des Etats. — Ohne Aussprache »vird beschlossen, am ln. Juli als Vorauszahlung »viederum i/, (> desjenigen Betrages von den Zcnsiten zu erheben, den diese im vergangenen Jahr an Gemeindesteuern leisteten. Ebenfalls »vird der Berwaltnngsbeitrag in unveränderter .Höhe beschlossen. Tie erste Hälste davon »vird gleich zeitig mit der neuen Vorauszahlung eingezogen. —Mit dem Konzern haus soll der Pachtvertrag sür den .Hilssgottesdienst an den Hoheit. Feiertagen für 1.931, 1932 und 1933 abgeschlossen werden. Doch ist eine Klauset einznsügen, die im Falle der Herabsetzung des Lebcnsmiitcl Index eine entsprechende Ermäßigung der Pachtsnnmie Vorsicht. — Der Vorstand »vird beauftragt, eine Neberprnsung säint licher Gcmeindestatuten in die Wege zu leiten, nm Veraltetes auszuscheiden und das Bestehende den neuerdings geschafsencir Satzunftc»» anznpassen. — Ter Vorstand plant, künftig auch diejenigen Ge meindcmitglieder, die nicht aus Grund eines. Einkommens, sondern ihres Vermögens bestenert sind, über die Reichsvermögensstener zu Gemcindeabgaben hera»»zuziehe». Sobald die Angelegenheit sprach reis ist, »vird sic dem Kolleg zur Beratung und Annahme vorgclegt werden. — Um ll Uhr »vird die ösfenllichc Sitzung geschlossen. In vertraulicher Besprechung »vird n. a. dic Ausirayme »»euer Gc meindeinitglieder beraten. Hannover. (Todesfall.) Tie Shnagogengeineinde und dar über hinaus die Stadt Hannover beklagt den Verlust eines ihrer Besten. Ferdinand Elsbach ist am 5. Jnui im UH. Lebensjahr nach kurzer schiverer Kraittheit verschieden. 'Die Beisetzung erfolgte am 8. Juni. Ta die F-ru'dhofshalle an der Strangriede die nach vielen Hunderten zählende Trauergeineinde nicht zu fassen verinochte, fand die Feier unter freiem Himmel statt. Landrabbiner Tr. 'Freund entrollte ein Lebensbild des Verstorbenen. Er hob I>er^ vor, daß sich in Ferdinand Elsbach zn hohen Geistesgaben und ungewöhnlicher Tatkraft ein »variucs Herz gesellte, das ihn befähigte, ein wahrer Menschenfreund zn sein. Ten Gr»lß uird Taut der Gc »ncinde entbot deren 2. Vorsitzender, Herr Rudolf Herzberg. Voir >910—1923 habö Ferdinand Elsbach für die Geineinde gewirtt, n. a. viele Jahre als 2. Vorsteher. Als Leiter des Äohtiahrts »vesens habe er in schwcrstcr Kriegsünd A'arhkriegszeit Ungeheures geleistet, durch seine Tatkraft und Umsicht in. der von ihin errichteten Kinderkiichc hungernde Kinder vor dein schliinmsten beivahrt. Bis in seine letzten Lebenstvochci» sei er den Kindern des Wai'ftnHauses! tvie ein treuer Vater gewesen. Namens der Zioilloqe bedanprte Rechisanivalt Ernst Müller de»» Heimgang dieses Mannes. Ein Mann von Format, fei er a»»frccht seinen Weg gegangen als Tkutscher nnd als Jude, ein Edelmann vom Scheitel bis zur Sohle. Es sprachen dann Worte des Tankes und 'Abschiedes ein Vertreter der Angcstclllcnschast des .Hauses Elsbach und Frank, der Senior der Ortsgruppe des Allgenreinen Arbeitgeberverbandes, dessen Vorstand Ferdinaird Elsbach über 25 Jahre angehörte, der Vertreter des stadthannoverschen Einzelhandels, der nun seines Führers beraubt ist, gleichzeitig inr Namen des Niedersächsischen Einzelhandels, der seinen 2. Vorsitzenden verlor, und ein Vertreter des Rcichsverbanifes sstr Herren-- und Knabenbekleidung. Wehmutsvolle Gesänge von Ober-« kantor und Chor »»mrahinten die Feier. Dassel. (7 0. Geburt sing.) Ter seit einigen Jahren hie» im Ruhestand lebende Lehrer L- Plaut beging arn 11. Juni seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar, der ans dein Kasseler Seminar hervor ging und in den Gemeinden Zimmcrsrode und Frankenbcrg als Kantor und Lehrer an der öffentlichen Volksschule mit sichtbaren Erfolgen wirkte, »vurdc durch körperliches Leiden z»var früh zum Ucbertritt in den Ruhestand gezwungen. Während des Krieges und auch in der Nachkriegszeit hat er aber seine pädagogische»» Fähigkeiten noch oft gern u»rd »villig in den Dienst der Allgeineinheit gestellt und sür sein hilfsbereites Wirken im städtischen Schuldienst unb an der Volksschule der israelitischen Oh'membe die Anerkennung seinftr Mitarbeiter und der Behörden gefunden. Möchte der Gesundheitszustand des Siebzigjährigen sich kräftige»» und »hin ein ungetrübter Lebenst abend bcschieden sein! Königsberg. (S o n d e r g o t t e s d i e n st a n t ä ß l i ch d e r T a - g u ng des V o l k s b unds deutscher Kr i e g sg r ä b cr s ü r sorge.) J»n Rahmen eines Freitagabend Gottesdienstes veranstaltete die. Shnagogcngemcinde Königsberg anläßlich des in Königsberg statt fiitbcubcit Reichsve rtretcrtages des Votksbundes deutscher Kriegsgräber fürsorgc einen Sondergottesdienst. Nach den liturgischen Gesängen des ersten Kantors Dr- Pick sang der Spnagogeuchor unter Leitung des Chordirektors Badrinn „Seele, tvas betrübst du dich?", »vorauf Gemeinderabbilrer Tr. Reinhold Lewin die Gedenkrede hielt. In seinjer Predigt »vies er darauf hin, daß gerade das Judentum von attersher die Toten ehre und seine Gräber heilig hatte. Aus diesem Grunde, sei cs a.uch voi» jüdischer Seite besonders zu begrüßen, daß der Volksbuud deutscher Kriegsgräbersürsorge die Gräber der in Feindesland Gefallenen aller Konfessionen in seine Obhut nimmt. Deswegen habe auch dic jüdische Geineinde gleich den. christlichen Gemeinschaften eine gottesdienstliche Feierstunde zur Erinnerung an die Gefallenen des Weltkrieges einbernscn. Berechtigter Wunsch sei es im Andenken ai» die Gefallenen, daß der Friede des Grabes, der alle Gefal'f.'nen ohne Unterschied der Koirfession umfasse, sich auswirken möge als Frieden des Lebens sür alle Teile und Schichten des Volkes, und daß dieser Frieden zum Segen »verden. möge sür die Vereinigung innerhalb der Bürgergemeinschaft »vie innerhalb der Bollcrgemeinschafl. Königsberg i. Pr. (S a n i t ä t s r a t T r. B u k o s z e r g c ft o r b e n.) Hier starb im 70. Lebensjahr Tr. Map Bukofzer, der über seine ärztliche Tätigkeit hinaus durch »visscnschaftliche Werke, sowie durch kulturelle und künstlerische Wirksainkeit bekannt tvar. Besondere Verdienste hat er sich als Hossmann-Forscher crtvorben, »vre er auch in der Wohnung des Dichters E. Th. A. Hoffinann getvohnt und von ihm eine Büste von starkcin künstlerischen Wert »nodettiert hat. Als feinsinniger Pianist »var er hoch geschätzt. Tie Beisetzung fand unter außerordentlich starker Beteiligung der jüdischen tvie der nichtjüdischen Bevölkerung in Gegenwart des Oberpräsidenten bei* Provinz Ostpreußen, Dr. h. e. Sichr, ans dem alten Friedhof vor dem Königstor statt. Tie Grabrede hielt der Geineindercibbincr Dr. Lewin; sie mürbe von Gesäugen des Herrn Oberkantor Tr. Pick und von musikalischen Vorträgen eines Streichquartetts umrahmt. Laildsberg (Warth«). (Stadtrat N o a ck 7 0 Jahre a l t.) Am 9. Juni konnte in geistiger und körperlicher Frische Stadtrat Noackk, der verdienstvolle Vorsitzende der hiesigen Synagogengeineinde, seinen 70. Geburtstag begehen. Noack hat sich um die jüdische Gemeinde» hochverdient gemacht, und sich auch als Mitglied verschiedener Wohlfahrtseinrichtungen den Tank der Gemeinde ertvorben. Da er an seinem Geburtstage auswärts iueittc und sich außerdem in der gegen' wärtigen Notzeit jede persönliche Ehrung verbeten hatte, nahmen Vertreter der Synagogengemeinde Am Sonnabend bereits Gelegenheit, ihm ihre Glückwünsche auszusprechen. Auch als Stadtrat hat er stets zum Wohle der Stadt Landsberg gewirkt, so dgß er sich allgemeiner Wertschätzung erfreut. Leipzig. (Gemeinde S i tz u ng.) Tie letzte Gemeindesitzung befaßte sich im wesentlichen mit Finanzfragcn, insbesondere dem Haushaltsplan. Air der Spitze der Tagesordnung stand die Beratung über eine Gemeinde-Anleihe, durch welche die kurzfristigen schwebenden Verbindlichkeiten der Gemeinde in eine langfristige Anleihe umgpwandelt »verden sollen. Tie Anleihe beträgt Mk. 250 000,— in der Form, daß die Gemeinde Kommunal Obligationen der geldgebenden Hypothekenbank übernimmt, die von den Stiftungen der Geineinde erworben werden. Aus dicsein Wege erhält die Gemeinde den Kredit ohne iveitere Deckung; sie »vird Schuldner und Gläubiger zugleich und kam» aus Grund der Anleihe-Bedingungen ohire weileres aufrechneu. Die Versammlung stimmt dieser Regelung der Anleihesrage zu. — Ter Haushaltsplan, der in Ausschußberatungeil eingehend vorbereitet ist, »vird durchberaten und »nit unwesentlichen Aenderungen angenommen. Bemerkenswert ist, daß der Gesamt-Haushalt mit Mk. 62.3 000,— abschließt (gegen Mk. 715 000,— iin Vorjahre). Die Stenern »verden »nit Mk. 478 000,— eingesetzt (gegen Mk. 526 800,— im Vorjahre). Ganz wesentlich herabgesetzt wurde der Posten Wohlfahrtspflege mit Mk. 102 100,— (gegen Mk. 171 640,— im Vorjahre). In einer kurzen allgemeinen Aussprache »vurdc von seiten der Liberalen darau,s hinge»vieseu, daß die Vertreter der Boltspartci ans Versuche, ri»ic Verständigung hcrbcizufijhren, nicht eingegangcn sind und „ach »vie vor einer Teilnahme an den Beratungen und damit einer Uebernahme der Verantwortung ansiveiche»». — Es »vird davon Kenntnis gegeben, daß ein Antrag ans Aenderung des Wahlrechts vq^liegt, über den in einer späteren Geineiudesitzung b-eratei» und beschlossen »verden soll. Lissa i. P. (G e in e i n d e »v a hl e»,.) Bei den Gemeindeivahlen, die nach dem allen preußischen Statut vorgeiivinmen »vurden, wurden in den Gemeindevorstand geivählt: .Heinrich Rosenblum, Isidor Cohn, Ignatz Zinigrod, Ehairn Kasten, Abraham Moßkolvicz. Sanilätsrat Dr. ^iinon Tchcrbel »vurdc zum Vorsitzenden der Repräsentanten, Juda Ehoinacks zu seinem Stellvertreter gewählt. Lissa i. P. «Breslauer Besuch.) Am 31. Mai d. I. suchten über 80 Mitglieder des Lissaer Hilssvercins ans Breslau und Landsleute aus andern deutschen Orten ihre Heimatstadt Lissa in zwei Reichspostautos ans. Sie wurden von den Geineindemitgliedern freudig begrüßt. In der festlich geschmückte»» Synagoge fand ein (Gottesdienst und eine Seclenseicr statt. Herr Roicnblnm begrüßt»»' die (Käste schon vorher im Namen des Vorstandes und der Reprä scntanten, Herr Grnnan im Namen der Chewra, des Litcralurvercins und anderer Vereine und Stiftungen. Herzbewegende Worte fand Herr Prediger Felix Brock» aus Schweidnitz in seiner Festpredigt. Altjüdischc Pietät, das Gedenken an dic Heimat und die Heimgegangenen hatte sic alle hierher geführt und würden sie auch in Zukunft wieder hierher leiten, wo sie einen so herzlichen, freudvollsen Empfang gesunde»». Nach dein Gottesdienste begaben sich Gäste und Gastgeber aus de» Friedhof, und dann vereinte sic eine geineinsaine Kasfetztasej. im Garten von Foest (früher Kaiserhof), »vo die .Herren Ansorge, Moops und Brock Ansprachen hielten und ihren Gefühlen des Tankes Ausdruck gaben. Ter Gedanke an dic gemeinsam verlebten Stunden »vird alten eine frohe Erinnerung bleiben. Oppeln. «R a b b i n e r >v a h t.) Hier wurde Rabbiner Tr. Psingst, bisher in Nordhaufen, zum Grineinderabbiner gewählt. Her» Tr. Psingst »vird sein Amt nach dci» hohen Feiertagen antretcn. Ortelsburg. (S t a d t ä t t e ft e r Jacob R o s e II b e r g ge storben.) In Königsberg verstarb der Dtadtälteste vo»» Ortelsburg, Ttadtrat a. T. Kaufmann Jacob Rosenberg, der langjährige Vorsitzende der Kreisspnagogengcmeindc Ortelsburg. Ter Verewigt».' hat lange Jahre hindurch die Geschicke der Kreiss'ynagogengemeinde geifertet Leser, die verreisen können sich die „jüdisch-liberale Zeitung** au! kurze oder längere Zeit ins Bad oder in die Sommerfrische nachsenden lassen Der Nach Sendungsantrag ist bei dem zuständigen Postamt zu beantragen. Es ist dringend ratsam, die Ueberweisung möglichst acht Tage vor der Reise zu bestellen. und seine hervorragenden organisatorischen Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinde gestellt. Darüber hinaus hat er sich in starken». Maße n»n das Wohl seiner Heimatstadt verdient geinacht. Das Bertranei» seiner Mitbürger berief ihn als Stadtrat in den Magistrat, tvo er lange Zeit hindurch ebenfalls außerordentliches leistete. Bei seinem Ausscheiden ans dci» städtischen Diensten wurde ihm der Charalter eines Stadtältesten verliehen. Sein Hinscheiden err-egl in lvcitcstei» Kreisen der Stadt tiefstes Bedauern. Tie Beisetzung fand in Königsberg auf den» Jüdischen Friedhof i»i der Stefseckstraße statt. Osnabrück. «P c r s ö n l i ch e s.) Am 6. Juni verstarb der Lehrer und Prediger der Gemeinde, Sainnel Oberschätzky. 40 Jahre hat der Verstorbene in beiden Aemtern, die er bekleidet)', »nit Pflichttreue uiita vorbildlicher Hingabe gewirkt nn-d bei allen Gemeinde Mitgliedern »vie bei den Behörde»» Tank und Anerkennung gefunden. Eine statt liche Zahl von Schülern trauert nin den allzeit freundlichen Erzieher und Bereiter, dem die Liebe und Verehrung über das Grab hinaus erhalten bleibt. Tcr Vorstaird hat in einem herzlich gehaltenen Nachruf die Verdienste des treuen Beamten und selbstlosen geistig)?»» Führers dankbar anerkannt. Planen. «E in neuer a » l i s e n» i t i s ch< r V o »- st o ß d e r n a l i o »» a l s o z i a i i st i s ch e »r S t a d r v e r o r d n e 1 e n - F r a k - timt.) Zu» Stadtverordneten Sitzung voin 10. J»»ni Itflll lag ein Antrag der nationalsozialistischen Stadtverordneten Fraktion folge irden Inhalts vor: „Das Fleisch geschachteter Tiere »vird, soiveit es von den rituell lebenden deutschen Staatsbürgern jüdischer Rasse nicht abgenommeu »vird, als »ninberivertig der städtischen Freibank zuin Verkauf über »viesen. Ten Mindererlös haben die am Schächten interessierten Kreise zn »ragen." Ter Antrag ivnrde von de>» Antragstellern nur ganz kurz dahin begründet, daß sie bezlvecken, „den Juden in Plauen die Möglichkeit zn geben, ihre sozialen Einpfindungeir zn betätigen dadurch, daß das nicht nbgenommene Fleisch geschachteter Tiere sür billiges Geld der minderbemittelten Bevölkerung zngesühct tvird". Gegen den Antrag und dic demagogische Begründung nahm der Stadtverordnete Tr. Goldberg Stellung. Er »vies daraus hin, daß das von den jüdischen Interessenten nicht abgenommenc Fleisch geschächtet-er Tiere sehr gern von hiesigen christlichen Fleischern lvcgcn der Hoch »vertigkeit gekauft »vcrdc. Inr übrigen bestimme der aintliche Tierarzt darüber, ivelches Fleisch mindertvertig und der Freibank zuzuführen sei. Es sei also bereits eine gesetzliche Regelung vorhanden, »»Elches Fleisch als minderivcrtig zu bczcichneir sei. Der Vorstoß der Nationalsozialisten sei nicht etiva entsprungen der Absicht, dcnr Wohle der Allgemeinheit zu dienen, sonder»» lediglich aus parteipolitisch-anti semitische»» Gesichtspunkte»» heraus gestellt. Tic Hochwertigkeit des Fleisches geschächteter Tiere sei au'cch schon während des Weltkrieges festgcstcllt »vordem»; darnals sei ans Veranlassn»»g der Obersten Heeres-- leitung in der Zeit des Lndmdorffschen Einflusses eine Verordnung Publiziert ivordcn, wonach sür Konservenfleisch für das in» Felde stehende Heer mir Fleisch von geschlichteten Tieren genommen »verden durste, »veil sich infolge der absoluten Ausblntung des Fleisches dieses als haltbarer »vie jedes andere Koirscrvensleisch ertvieseir hatte. Diese Mitteilung rief große Heiterkeit auf Kosten der Antragsteller hervor. Stadtv. ^Tr. Goldberg beantragte schließlich, nm ein sür alle Mal die Rechtslage sestznstellen, die Ueberivcisung des Antrages an dm» Rechts- und Bersassungsausschllß. Tics geschah auch mit großer Mehrheit. Schrieidemühl. (L c h r e r k o n s e r e n 3 d e r Grenzmark P 0 s e n -- W e st p r e u ß c 11.) Am 7. Juni 1931 fand die Tagung der Lehrer und Kantoren der Grenzmark Posen-Westprenßen unter dem Vorsitz des Bezirksrabbiirers Dr. Rosenztveig in Schireidemühl im Gemeindehaus statt. Im Namen des Vorstandes der Gemeindv begrüßte der 1. Vorsitzende I. Letvin, die Erschienen und wünschte der Tagung, die zum Wohle aller Gemeinden der <8ftcnzinark sdattftnde, besten Erfolg. Den Auftakt der Tagung bildete ,etn Lichtbrldervortrag von Dr. Rosenztveig unter dein Titel: „Biblische Geschichten und Weltgeschichte", der durch reiches Bildmaterial den Zusammenhang der biblischeir Berichte mit den Ergebnissen der Ausgrabungen erläuterte. Das »vissenschaftliche Thema der Tagung lautete: „Wie unterrichte ich 1. Buch Mofe Kap. 1?" Ausführliche Referate dazu hielten die Lehrer Katz Flatvw und Dauiel-Schlochau. Im Anschluß daran berichtete Dr. Rosenzweig über die SchöP fungsgeschichte bei den Babyloniern. Auch Slandesfragen »vurden in ausführlicher Weise besprochen und einstiinmig von de»» Kai» ferenzteilirehmern 'der Beschluß gefaßt, in Zukunft keine T'rauungen ohne Einwilligung des Bezirksrabbiners vorzunehmen. Hiervon sollen die Gemeinden beiiachrichtigt werden. Ferner äußerte sich die Konferenz einstimmig dahin, daß es sich nach ihrer Anffassung »ich» mit der Ehre des von der Gemeinde a»,gestellten Kultusbeamiei, verträgt, wenn in seiner Gcinemde ein anderer Beamter gheick-er Ordnuirg von außerhalb zur Bornahme von Funktionen - außer ii» Krankhellsfällen oder Ortsabwescnheit — ohne seine Zustimmung erscheint. Die Tagung, welcher alle Anwesenden mit großem Interesse folgten, wurde nach achtstündiger Dauer voi» dein Var sitzenden Tr. Rosenzweig geschlossen. Stockholm, Schweden. (K a I» t 0 r c I» Iv e ch s e l.) Als Rachsvtae» des seit über 40 Jahre» in» Dienste der hiesigen Geineinde stehen an» Herrn Ferdinand Falk »vurdc Herr Leon RcKcnblüth «Frankfnrl a. zum Kantor geivähst. Stuttgart. (P l e II a r j i tz u n g de s B 0 r st e h c r a IN l e e. I In der Sitzung wurden diesmal die Gründe und Gegengriindc für die Einstellung eines unständigen Lehrers in Stuttgart erörtert. Herr Stadtrabbiner Tr. Riegcr betonte »ochinals die Not»vendig:e:t eines..weiteren Lehrers, da nach seiner Ansicht die 400 jüdischen hiesigen Schulkirrder aus zn viele Schule» verteilt seien, so daß es den lvenigen Lehrern nicht möglich ist, den Rcligionsnuterrichl über.ill. zu geben. Seiner Ansicht nach mürbe der Unterricht aualiia«:». leiden, da die Lehrer sich nicht genügend den jüngeren Schülern '.>ei Erlernung der hebräischen Sprache »vidmirn könnten. Tic Grüner, die von seiten dc's Vorstehcramtes dagegen vorgebracht wurden, »var.-iß rein finanzieller Art. Es »vurdc beschlossen, allerdings gegen eie Stimme des Rabbiners, den Israelitischen Obcrrat zu ersuchen, e»>- Lehrerzahl in Stuttgart nicht zu erhöhen. Weiter kamen Steuer angelegenheiten zur Beratung. Der Etat sür 1931 soll erst int Herbst ausgestellt werden, da n»an bis dahin mehr Uebersicht Ivo, laufende, notivendigc Ausgaben solle»» jedoch iitzivischen auch ibre Erledigung finden. Ta die Veranlagung einzelner Gemcindemitgtiecer zur Gemeinde und Landesumlagc sür 1930 »och nicht gemacht »vereen konnte, soll bei diesen die Hälste der in» Jahre 1929 gezahlte»' Kult ns steuer ei»»gezogn» »verden. Es soll aus Beschluß des Jsraelitiickien Oberrais vorläufig von den Steuerzahlern eine Borauszahlmrg sür 1931 beansprucht »verden, und zwar soll dic Knltsteucr von 1930 d-inzugrundc gelegt »vcrdei» und voir dieser Steuer die .Hälste erst.cinn-.at eingezogen »verden, damit die Geineinde ihren Berpsl-ichtungcn : e Zentralkasse gegenüber nachkomincn kan». Tilsit. (E i n >v e i h u n g eine s T e n k in a l s f ü r di e n, . fa t lenen.) Auf dein Friedhof der Kreissynagogengeineinde ai.!:: fand an» Sonnabend, dein 14. Juni, mittags 12 Uhr, die feiert:che Einweihung eines Tciikmals sür die Gefallenen der Kreissynagogcu geineinde statt. Tie religiöse Weiherede hielt Geiweinderabbincr Dr. Rösel. Namens der Ortsgruppe Tilsit des Reichsbnnds jüdisch.'»- Frontsoldaten, die den Gedenkstein gestiftet hatte, sprach deren Vor sitzender, Gutsbesitzer Kutztvor Kerstupöhnc», und übergab sodann oas Tenkmnt der Kreissynagogengeni-einde. Für den Vorstand der <>. »ncinde übcrnahnv Rcchlsainvalt Dr. Hugo Ehrlich das Tentinal und brachte zun» Ausdruck, daß diese es allezeit in Ehren halte» ivü»)". Nach Gesängen von Kantor Jafsee sprach Rabbiner Tr. Rösel cas- Kaddisch'Gebet. Tie Feier fand unter starker Beteiligung der ineindemilglieder statt. Ter Bundesvorstand und die Landcsverba.'.os leitnitg Ostpreußen des R. j. F. waren durch eine vom Landesv.r bandsvvrfitzenden Siadtrat a. T. Rechtsamvalt Tr. Erich Königsbcrg geführte Teputation vertreten. Berden. (F ü h r e r s ch u l N »r g s - K n r i»»s der i ü d i s ch . n Jugend.) Das Bestreben, jeinen Vereinen einen tüchtigen Führer nachlvnchs zu sichern, veranlaßte den Nordwestdeutschen Landesverband der jüdischen Jngeirdvereine Deutschlands, für die Pfingsttage einen Führerschnlungs-Knrsus nach Verden an der Alter einzuberusen. Ter Gedanke fand soviel Anklang, daß nnausgefordert auch Vereine benachbarter Lairdesvcrbände diese Tagung beschickten. Von groß angelegten Referaten hatte inan abgesehen. In streng sachlicher Arbeitsgemeinschaft sollte den jungen Menschen das Rüstzeug zur Tätigkeit und Führung in ihren Vereinen gegeben »verden. — Rach einleitenden Worten von Joe Israel, Hannover, dem Vorsitzende»» des Landesverbandes, sprach Franz Hehinann, Bicleseld, über: „Führersnm". Aus der Grundlage der stark theoretischen Aussütz rungen betvegte sich die Aussprache der Arbeitsgemeinschaft imn-ee mehr ins Praktische des bündischeu Lebens. — Nach einer kurzen Pause berichteten Walter Strauß, Bielefeld, über die. Gildenarbei», Lndivig Markreich, Breinen, über .die Arbeit der Jugendgruppen. Ter Aussprache gelang es, Mißverständnisse auszuklären und »reue Wirkungsniöglichkciten dieser besoirders tätigen Ziveiggruppcn zu gen. — „Jüdische Arbeit in unseren Bünden" »var die Ausgabe der ersten ^Arbeitsgemeinschaft des Montags. Um keinen wesentliche» 1 Punkt übersehen zu lassen, hielt der Leiter, Siegfried Bachar»»ch, Hannover, ein etiva einstündiges einleitendes Referat, das mit der Forderung begann: „Lerne »nit dein Zweifel riirgen durch plan mäßige Vertiefung und Bcrv»llko»nn»nnng deiner Knmtnijse" »mo mit der Forderung schloß: „Fange noch heute bei dir selbst au'" — Tie Aussprache gab reichlich Gelegenheit, Erfahrungen an->'.u tauschen, Fehler bloßzulegeu und erfolgreiche Wege zn zeigen. — Tie nächste Arbeitsgemeinschaft „Vereinsparlamentarismus" zeig!.' durch ihre geschickte Anordnung, >vie nahe beieinander frohes Spiel und ernste Arbeit liegen können. Anstelle trockner theoretischer Er ürterungen ging »nm» in medias res, ließ ein Schcinreferat halte»», Zwischenruse anbringen, dic der Schein-Versammlungsleiter abzn lvchren hatte ns»v. Dcn^örerir tvar es ein Leichtes, aus der lebe»: digen Praxis die blcibeiwe Theorie herauszuschälen uird durch tu»;.' Stichworle festzuhalten. — Curt Fricdma»»», Düsseldorf, leitete an» Nachmittag die. Arbeitsgemeinschaft: „Die Situation des jung.:» Inden". — In der abschließenden Arbeitsgemeinschaft unter Lei tu »»g von Joe Israel, Hannover, wurde tm Wechselspiel von Frage 11:1b Anttvort die Verbandsideölogie hcrausgearbeilet. Wupperthal-Elberfeld. (T 0 d e s f a l l.) Unser (tzesinnungsfteu»-.e, Herr Rabbiner Dr. Joseph Norden, »st durch das uncrivartele Hinscheiden seiner Gattin Frau Einitie Norden, geb. Meseritz, v> tiefste Trauer versetzt »vorden, an der die ganze Gemeinde ansrichtiK»! Anteil nimint. Tie Verstorbene stand erst im 55. ^Lebens»aiw und ersrente sich überall größter Beliebtheit. Unseren» Freund.- Tr. Norden i»nd allen Angehörigen sprechen »vir auch an dieser Stelle unser »»'ärmstes Beileid ans. Würzburg. (E i n >v c i l» n n g de s n e n c n (K e b ä u d e s d > » Israelitischen L e h r e r b i l d u n g s a n st a l t.) Der ne»» Schulban der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg »vnrbe ain 14. Juni mit einem Festakt eingeiveiht. Zur Feier hatten s»ck» in großer Zahl Vertreter staatlicher und städtischer Behörden, v:r Würzburger und anderer Kultusgemeinden, das Präsidium des Brr bandes bayerischer Gemeinden, Vertreter der preußischen und »vürlvem bergischen Landesverbände, jüdischer Gemeinden, die Direktoren d?» Würzburger höhercir Schulen und viele auslvärtigc Gäste eingefunde»». Studiendirektor Stoll schilderte in seiner Begrüßungsansprache bv »vechselvollc Geschichte der Anstalt. Wü-rzbUkg. (Persönliche s.) Der seit 33 Jahren hier tätige Lehrer und Kantor David Sonn feierte unter lebhafter Anteil-- nähme weiter Kreise seinen 60. Geburtstag. Seit 1917 »st der Jubilar auch als Gemeindesekrctär und Sekretär der jüdischen Wandersürsorge tätig, unb in dien Aemtern. erfreut er sich dank feines zuvorkommenden und pflichteifrigen Wesens höchster Wertschätzung. Bemerkensivcrt ist, daß auch der Vater des Jirbilars, ein tüchtiger Kenner des rabbiirischcn Schrifttums, trotz seiner 92 Jahre heutenoch allen religiösen Fragen lebhaftes Interesse entg-cgcnbringt. > Sendet de« fülligen Beitrag für das ». Quartal 1*31 auf das Postscheck-Konto der Bereinigung für das liberale Judentum Berlin Nr. 137069 ein.