Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-06-24 · 24-25 (24.6.1931) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
24-25 (24.6.1931)
Date
1931-06-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2613366-2614107-2614127--4007-2621664
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

seiner Zeit, nämlich ferne eigene. Und was machen unsere Kantoren für Musik? Sie müssen? Hat sich schon einmal einer gegen diese angeblich „traditionelle", in Wirklichkeit! (mit wenigen Ausnahmen) deutsch-romantische Musik ooer Musiksassungen in breitester Öffentlichkeit gewehrt? Die katholische Kirche macht heute wie je (auch Palestrina war einmal „modern"!) in ihren Gotteshäusern modernste Musik ihrer Zeit. Niemand hat etwas dagegen, im Gegenteil, die Kirche fordert es von ihren Chorrektoren und fördert die Entwicklung. Und von solchen Stellen wird auch die hon vielen ersehnte Renaissance der Synagogen-Musik ausgehen, von den Stellen, die wirklich die Musik der Synagoge zu pflegen und zu verwalten haben, von den wirklichen jüdischen Musikern, den jüdischen Komponisten, deu jüdischen Organisten und Chordirigenten der Synagoge. Wenn überhaupt, scheinen mir die letzteren die gegebenen Musikdirektoren einer Gemeinde zu sein; denn sie leben (hoffentlich) in der Musik ihrer Zeit und ihre Ausbildung ist die umfassende eines Musikers. Sie kennen die Ideale und Wünsche der Jugend, die Jugend- und Volksmusikbeivegungen, die Pflege der Gebrauchs- und Gemeinschastskunst, die gerade für die Synagoge in der Pflege des Genreindegesanges so fruchtbar werden könnte; sie werden, und dann vermutlich leider nicht mit der stark musik-reaktionären Mehrheit der Kantoren, die Erneuerung der synagogalen Musik durchzuführen versuchen. Wünschenswert wäre freilich, daß« alle Funktionäre des jüdischen Gottesoienstes, Rabbiner, Vorbeter, Ehordurgeuteir und Organisten in der musikalischen Ausgestaltung des Gottesdienstes zusainmenarbeiteten und einander ergänzten. Tenn die Verbindung von gelehrtem Hebräer, Musiker, Historiker, Komponisten und Jnstrumentalisten wird selten sein. Man famt die Errichtung von Kantorenhochschulen nur aus das Dringendste wünschen, wie überhaupt alles getan und erstrebt" werden muß, was das Ansehen des Kantorewtanoes zu fördern geeignet ist uno was reichlich und zum Teil mit dollem Recht in diesem Blatte bereits vorgeschlagen wurde. Freilich sollte inan sich da nicht mit Kleinlichkeiten abgebcn und such nicht an Aeußerlichkeiten halten, indem immerfort auf die Stellung angespielt wird, die sich etwa die Rabbiner erkämpf! liaben. Die Aufgaben des CHasan und des Chord'.rigenten sind doch ganz andere, sie sind ja im jüdischen Gottesdienst an sich genau Umrissen. Werden crt überall Männer tätig sein, die von ihrer Vorbildung sogen können, daß« sie eine jachmännischmmfassende und tiefgehende .st, werden erst die Funktionäre gegenseitig davon überzeugt se.n, das« sie nur tun wirklich „Berufenen", nicht mit Berussbeamten oder gar Stümpern zu tun haben, tv rs sich das verloren gegangene Ansehen von selbst und ganz schnell wieder einstellen. Tenn schließlich hängt das Ansehen eines Standes von den Persönl'.chkeiteu ab,' die ihm augehören und von der Art, wie sie von ihrer Berufung erfüllt sind und sie selbst erfüllen. Das freilich ist dann Sache des Einzelnen und der — im tiefsten Grunde — nicht meßbaren Begabung, jenes -nkonimensurablen Irrationalen, daS nicht nur den Chasan, sondern jeden, auch deu Rabbiner, auch den Leiter des Chores zu einem „Sendboten der Andachtsgemeinschast" macht. Denn wir alle dienen ja nicht uns selbst, sondern in Ehrfurcht und Bescheidenheit dem Unnennbaren mit der Begabung, die er in uns gelegt hat und m.t der wir ihm unseren Dank am besten abstatten, wenn tv.r sie vor ihm in seinem Dienste, denr Gottesoienste, jeder au seinem Platze, ausbreiten. Tr. Oskar G u 11 r.t a n n, Berlin. .—.... | * | Aus den Gemeinden j * ( Altona. (Friedhof s s chänd u n g.) Tie Anlagen des Friedboss Bismarckstraße der Allouaer Jüdischen Gemeinde sind beschädigt und ein Grabdenkmal volltommen zertrümmert lvorden. Tie Kriminal Polizei hat eine Bekanntmachung erlassen, in der sie unter Zusicherung strengster Verschwiegenheit um Mitteilungen, die zur Ergreifung der Täter ,'ührcn können, bittet. Bisher fehlt von »hnen jede Spur. Beelitz. (Rabbiner Tr. Schreiber Scclsorg e t b e r Qiemcinbc.) Ter Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat .Herrn Rabbiner Tr. Schreiber in Potsdam mir der seelsorgerischen Betreuung der Synagogen Gemeinde Beelitz beaustragt. Berlin. (3 0 Jahre H ilssvere : n.) In Nr. 17 unseres Blattes vom 29. April berichteten lvir über die HO. Jahrcsversamm luitg be* Hilfsvereins dar deutschen Juden. Nunmehr veröffentlicht der Hil'svcrciu seinen.Jahresbericht für 1930, der auch eine lieber sicht über die 30 jabrige Tätigkeit des Hilfsvereins (1901—1931) gibt. Tas vornehm und mir zahlreichen Bildern ausgestattere Heft gibt die aus Anlaß des 30 jährigen Bestehens des Hilssvereins und der Jahresversammlung ain 19. April 1931 gehaltenen Ansprachen von Tr. Bernhard Kahn -.Dreißig Jahre Hilssveretn"Mar M. Warbürg.Hamburg (,.Tr. James Simoir und jüdische Hilssarbeit"), Tr. Julius Blau-Frankfurt a. M. (.,Tie Zusammenarbeit zwischen dem Hilssvcrcin, dem .Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Inden in Frankfurt a. M. und der Jewish Coloniiation Association in Paris") wieder. Es enthält ferner den Bericht über das Jahr 1930 über Emigration, Kinderheime, Ferienkolonien, Schulen, Ambulatorien, einen Bericht über die Hajftine-Stistung für Talmud-.hoch schulen, Mitteilungen über Zusammensetzung des Geschästssührenden Ausschusses, dcS Zentralkomitees und der Äokalkomitees des Hilfsveresns u. v. a. Bonn. (A m l s e i n f ü h r u n g.) Als Nachfolger des vor einem Jahre verstorbenen Lehrers und Kantors Bauer ist Lehrer L. Winterberg, bisher in «Guben tätig, am 29. Mai in sein Amt eingesührt lvorden. Ter erste Vorsitzende des Vorstandes, Herr Tr. mcd. Samuel, begrüßte in Gegenwart der Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentanz den neuen Lehrer, der mit einer kngzen Ansprache erwiderte. Während der Syuagogcnchor einen Psalm vortrug, ivurüe Lehrer Winrcrberg von den beiden ersten Gemeindevorstehern zu seinem Platz aus dem Almenwr geleitet. Rabbiner Tr. Levy hielt dann eine Predigt, die der Begrüßung des neuen Beamten galt und eins! Skizzicrung des Lcprcr^ und Kcnnorberuses und seiner Bedeutung für das Gcmeindeleben der (Gegenwart darstellte. Nach wcitepem Chorgesang fungierte der neugcwählte Kantor im Sabbatgotlesdienst. Breuna. (Persönliche s.) Der langjährige Vorsteher unserer Gemeinde, Herr B. Hamberg, beging kürzlich in' seltener körperlicher Rüstigteil und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag und lvurde aus diesem Anlaß von vielen Seiten geehrt. Seit 46 Jahren war der Jubilar Führer und Berater der Gemeinde, deren Interessen er mit Geschick und Eifer vertrat. Bei seinem Scheiden aus dem Amte wurde ihm durch den Landrat des Kreises Wolshagen Dank und Anerkennung für sein vorbildliches Wirken im Gemeindeinteresse ausgesprochen. Dresden. (A n s d e m Ge m e i n d c r a t.) In der letzten Sitzung lvurde im wesentlichen über einen Punkt des Sch acht Wesens in reichlich langer Aussprache debattiert. Es handelt sich darum, daß den Aufsehern beim Fleischverkauf vom Vorstand gekündigt worden war, rveil die Etatmittel nicht ansreichten, um sie weiter fest zu besolden. Als erstes liegt hierzu «in Antrag Loewenthal-Hausmann (orth.) vor, die 3 „Maschgichim" lviedcr cinzustollcn unter gleichzeitiger Erhöhung der Schächtgebühren. Dieser wird abgelehnt. Dann ein Antrag Äessec, der angenommen wird: „der Gemeinderat billigt das Verhalten des Vorstands" und „es wird dem Schächtausschuh anheim gestellt, im Einvernehmen mit dem Rabbinal und unter Hinzuziehung von tveiteren Herren (es sind dies die Herren Loeivkmthal und Dr. Schornstein) einen anderen Vorschlag zu machen, der die Gemeinde nicht stärker belastet, andernfalls es bei dem jetzigen Beschluß des Vorstands bleibt". Es werden dann noch verschiedene Anträge gestellt, die aber auch abgelehnt werden. So versucht vor allem Here Loewenthal, die Wiedereinstellung bis zum 30. Juni unter Gewährung! von -,3 Monatsgehalt durchzudrücken, wozu er und seine Freunde der Gemcrndekasse einen Beitrag zur Verfügung stellen. Ter Vorsitzende stellt fest, daß vorläufig der jetzige Zustand bestehen bleibt: ein Maschgiach, die beiden Schächter und Herr Salzmann. — Zur Besprechung über die angeregte Gründung einer D a r l e^h n s k a s s e hatte der Vorstand gegen 45 Gemeindemitglieder geladen. Sobald über diese wichtige Angelegenheit etwas Positives zu berichten ist, wird dies im Zusammenhänge geschehen. Frankfurt a. M. (Beratung des Etats 1931/38 am 10. und 11. Juni.) Noch Erledigung einiger kleinerer Vorlagen wird in die Beratung des Etats 1931 32 eingctrelen. Direktor Oppenheimer als Vorsitzender der Finanzkommission des Vorstandes entschuldigt die verspätete Einbringung des Etats, der eine Höhe von 1 619 255 Mark aizftveist, ivovon 160 277 Mark ungedeckt bleiben, obwohl er 288 21t Mark tvcniger beträgt als im Vorjahr. Tie Ausgaben, von denen etwa 65«'<i zwangsläufig sind, verteilen sich im iveseiittichen auf die vier Posten: Besoldungen, Philanthropin, Krankenhaus und Soziale Fürsorge. Ueber die Zukunft des Philanlhropins werden zur Zeit ans Grund der Arbeiten einer Sonderkommission Verhandlungen zwischen Schulrat und Gemeindevorstand gepflogen, deren Abschluß vor den Svmmerserien zu crtvarien ist. Der Vertreter des Vorstandes iveist nachdrücklich ans die Verarmung der Gemeinde hin, die einerseits eine erhöhte sozial Fürsorge erfordere, andererseits aber zu einer Verringerung der Einnahmen führe, so daß für die Wohlsahrtspslege nur etwa ein Betrag von 149 000 Marl (gegen 200 900 Mark im Vorjahr) und für kulturelle und soziale Institutionen nur etwa die Hälfte des früheren Betrages eingesetzt iverden konnte. Trotzdem dürfte der Steuersatz von 15 «h nicht erhöht lvcrden. Ter Ernst der Finanzlage — auch das abgelansene Jahr weist einen Fehlbetrag von 130 000 bis 140 000 Mark auf — veranlaßt den Redner, einen dringenden Appell an die Gemeindemitglieder zu richten, ihren Verpflichtungen restlos nachzukoinmen und darüber hinaus Opfersrendigkeit zu bekunden. Erschließt mit besonderem Dank an den z. Zt. erkrankten Tr. Geiger, dar den aufschlußreichen Bericht der gemischten Finanztonrmisjion versaßt hat. In der Generaldebatte unterstreicht Tr. Mainzer (lib.) die bittere Notivendigkeit, bis zum äußersten sparen zu müssen, da infolge der allgemeinen Wirtschaftslage und der besonderer unserer Gemeinde ein weiterer Rückgang der Lleuerkrast zu befürchten sei. Teshalb beantrage er, alle Subventionen zu streichen und alle beantragten Erhöhungen avzulehnen, solange kein Geld für die Aermsten der Armen vorhanden sei: soziale Verpslichlnngen stehen höher. Tre Herabsetzung der Mlegcsätze durch die Ortskrankenkasse lvürde ohnedies den Zuschuß zum Krankenhaus erhöhen, so daß mit größeren Ausgaben und geringeren Einnahmen als im Etat vorgesehen gerechnet iverden müsse. Tie trüben Aussichten in politischer und nnrtschastlicher Hinsicht erforderten Einigkeit im Innern der Gemeinde, Vermeidung von Reibungen und Erhaltung des altjüdischen Optimismus. R a p h t a i i Fromm (kons.) wünscht eine Personalsperre sowie eine Nachprüfung der Gehälter, insbesondere eine Kürzung der Bezüge der höchslbesotdeten Beamten, zugunsten der Wohlfahrtspflege und schlägt vor, die Gehälter unter 3000 Mark nicht zu kürzen, entgegen der letzten Notverordnung. Er hasst, daß daS Philanthrvpin, dieses „Kullurwerk ersten Ranges", ungekürzt erhalten bleibe, obwohl es noch nicht alten konservative» Ansprüchen genüge: desgleichen hofft er auf Erhaltung und iveilere Entwicklung der von der Gemeinde subventionierten konservativen Religionsschuie, evtl, durch ihre Eingemeindung. Er setzt sich u. a. ein für Bewilligung der Subventionen, für Einrichtung einer Poliklinik, für Ersparnisse in der Verwaltung der Wohlfahrtspflege und schließt mit ermutigenden Worten für die Gemeinde, die alten Richtungen bis aufs letzte cntgegenkomme. Rechtsanwalt Simon (Bolksp.) ivnnscht >vie seine Vorredner verirauensvolic Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Gemeindevertretung. Ter Etat sei in Wahrheit ein Notetäl, aber er dürfe nicht nach lokalen Gesichtspunkten ausgestellt iverden, denn die Zudennot, von den Zionisten längst vorausgcsehen, sei eine allgeiuerne und könne nur behoben iverden durch Schaffung einer öffentlich gesicherten Heimstätte in Erez Jisroel. Ta her könne sich die Gemeinde dem Ausbauwerk nicku entziehen: der Steuerflucht, einem Ergebnis der Aisimilarionspolitik, könne nur begegnet iverden durch Erziehung zur Geiamtverpslichtung, darum sei dem llnterrichtswesen erhöhte Aufmerksamkeit zuznwenseii und das Schnlwcrk des Philanthropins solange nur irgend möglich zu erhalten. Auch seine Partei ivünschc Kürzung der Bezüge der höchstbesolveien Beamten zngunsten der Wohlfahrtsfüriorge. Nicht Abbau, sondern mindestens Erhaltung aller jüdische!! Positionen! Tarum tritt er ein für Geiväyrung der Subventionen, besonders für die hebräische Sprachschule, für Eingemeindungen, für Ausdehnung der Gemeindeausgaben, für Maßnahmen gegen die Verarmung des Mittelstandes, der bisher zuverlässigste!! Stürze der Gemeinde, für Tarlehenslasie, Benissumschjchtnng, Arbeitsnachiveiie usiv. Immer und überall aber sei der Zusammenhang mir der Gcsaintjudenheit zu pflegen. In der Spezi aloeb arte iverden die von der gemilchten Finanztonrinission gemachten Vorschläge fast unverändert angenommen, längere Diskussionen cntsvinnen sich nur bei den Posten Krankenhaus, Subventionen und Wohlfahrtspflege, hebräische Sprachschule, die sämtlich bewilligt iverden. Tcsgleichea ivird der außerordentliche Etat, der ein Defizit von 37 928 Mark ausiveist, mit 47 928 Mark angenommen. Ein besonders dringlicher Avpell des San. Rats Ettlinger, die jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurts vor dem drohenden Zusammenbruch zu rette», führt zu dem Beschluß, eine Sammlung, namentlich zu Gunsten der Erwerbslosen, zu organisieren: die Knltussteuer bleibt bei 15 dock» soll daneben die Einführung einer Vermögenssteuer erivogen iverden. Tie Versammlung gibt ihre Zustimmung zur Anivendung der zmeiien Notverordnung, die eine Ersparnis von 30 bis 40 000 Mark bringen dürfte. Ein Antrag der Volkspartei, im 8 1 des Gemeindeftatuks „Israelitische Gemeinde" ia „Jüdische Gemeinde" abzuändern, ivird vertagt. Tie Wahlperiode wird um c i n Jahr verlängert, um die Wahl der ttzemeindevertretung mit der Wahl zum Landesverband zusammcnlegen ut können. — Einige Zahlen ans dein Erat 1931 32. Allgemeine Verwaltung: 40 800 Mark (Voranschlag 1930: 49 710. Ergebnis 1929: 51 951). Besoldungen: 578 005 («326 382 bcziv. 606 753). Unterrichtsweicn: 321 656 (351 950 beziv. 394 341,wovon für Philanthropm: 282 000 (312 000 beziv. 347 416). Krantenuans: 72 725 (67 75o öezw. 71169). Subventionen: 217 791 (303 495 be.ziv. 361 851), wovon für deu Landesverband: 62 729 (80 000 beziv. 103 000) und für Soziale Fürsorge: 140 000 (200 480 beziv. 228 666). Für die Jugendpilege iverden 7500 Mark eingesetzt. Tie Bestellung eines Jugcnddezerncnten ist vorgesehen. Kultusstener- Einnahme: 1080 000 (1 465 902 beziv. 1 520 374). Gesamtergebnis: 1 618 755 (1 847 466 beziv. 1 982 008). Gelftnkirchrn. (Aus der R e p r ä; c n 1 a n t c n - B e r s a m m - 1 tut 3.) Auf der Tagesordnung stand die Beratung des 5)aushaltplans^ 1931 32, der vom Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Josef Stamm, vor der Repräsenianz vertreten wurde und empfahl die Annahme desselben unter Zurückstellung aller parteimäßigen Interessen. Vor Eingang in die Tagesordnung begrüßte der 1. Vorsteher der Repräsentanten, .Herr Theodor Frenkel, das neugeivählte Mitglied des Vorstandes, Herrn Isidor Goldblum, und sprach dann dem aus Gesundheitsrückfikbten zurückgetretenen bisherigen 1. Vorsitzenden des Vorstandes Herrn Otto Samson den besonderen Dank des Kollegiums aus. Um einen teilweisen Ersatz der bestimmt zu erwartenden Steuerausfällie zu schassen, war vom Vorstand eine neue Steuerquelle ausgearbeitet, die ein sogenanntes Gemeindegeld vorsah, d. h. eine b-efondeste Be-« steuernng fedes Gemeindemitgliedes nach einer Staffelung von 2,— bis 10,— Mart. Als Umlage ist die gleiche Höhe des Vorjahres vorgesehen, und zwar 14 st» von der Reichseinkommensteuer und 30 o/o der Reichsvermögenssteuer nach der Veranlagung von 1930. Der Eto/ ist ausgebaut bei einer Ausgadenzisser von 57 450,— Mark der an Einnahmen aus der Umlage, die RM 39 520,— aufbringerr soll, gegenüberstehcn. Unter Einsetzung von Resten des Vorjahres und Einnahmen aus der Vermietung von Synagogenpkätzcn, sowie Zinsen, sott der verbleibende Rest durch Ersparnisse aus den Vorjahren gedeckt tverden. Die Einnahmen aus der Umlage vermindern sich gegen das Vorjahr um 28 v. H., die Ausgaben konnten trotz größter Einsparungen an allen Positionen nur um rd'. 15 v. H. gesenkt tverden. Während die Zuschüsse für bedürftige Gemeindemitglieder unverändert bestehen blieben, mußten die Ausgaben für kulturelle und soziale Zwecke teils verringert, zum Teil ganz gestrichen werden. Die Gehälter der Beamten sind um 6 »/g, die persönlichen Zulagen für Nebeneinkünfte um 20 o/o gekürzt worden. Bei den Beratungen fand sich für den Vorschlag des Vorstandes -aus Erhebung des Gemerndogeldes keine Mehrheit, so daß der Vorstaitd seinen Antrag zurnckzog. Unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Lage wurde die Miete für die Synagogen- Plätze ermäßigt, und zwar um durchschnittlich 36 o/o, Der Gesamtetat wurde üüu) Abstimmung mit allen Stimmen angenommen. — In der Sitzung vom 12. Mai lagen einige Neuanträge vor, die teils genehmigt bcziv. abgelehnt werden mußte». Es wurde ein Pratcstschreiben der jüdischen Volkspartei verlese», daß, an deu Oberpräfidenten in Münster gerichtet, Einspruch erhob gegen die Aenderung der §§ 12 und 14 der Gemeindesatzungen. Eine besondere Tiskussion wurde nicht geführt, doch gab der Vorstand die Erllärnng ab, daß ein entsprechender Bescheid an die Regierung in dieser Sache bereits ergangen sei, so daß es sich erübrige, auf die Einzelheiten des Protestes näher einzugehen. — Einen besonders schweren Verlust, hat unfere Gemeinde durch das Ableben des Herr» Albert Steinberg erlitten. 5)err Steinberg war seit mehreren Jahren Mitglied des Repräsewtanten-Kollegiums und stellvertretender Vorsteher desselben. Durch, seine sachkundige Mitarbeit hat er der Gemeinde wertvolle Dienst geleistet und auch in de» verschiedensten Ausschüssen seinen Rat zur Verfügung gestellt. Tie Beisetzung aus dem neuen Friedhof fand unter großer Beteiligung der Gemeinde am 27. Mai d. I. statt und war eiir Beweis für die große Schätzung, die er überall gefunden. Auch unsere christlichen Mitbürger haben durch ihre Teilnahme bewiesen, >vie sehr er beliebt gewesen; zivei Berufsvereine und ein Gesangvereiir haben ihm mit ihren Fahneir die letzte Ehre erwieffen. Tie Gemeinde ivird ihm ein ehrcuvolles Andenken beivahren. — Aufklärungsarbeit der Ortsgruppe im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten: Wir können mit Genugtuung verzeichnen, daß das Mitgliod der Ortsgruppe, Kamerad Tr. Eichengrün, zum zweiten Mate den 1. Preis als bester Schütze des Gelfentirchener Schlltzenbundes errungen hat. Guben. (L e h r e r >v e ck f e l.i Als Nachfolger des nach Bon» versetzten Lehrers und Predigers S. Winterberg hat die Gemeindp Herrn Lehrer Eohn zu ihrem Beamten gcivählt. Tie Amtseinführung fand kürzlich statt, indem der Vorsitzende de-s Vorstandes, 5/>crr Willi Hirsch, den neuen Lehrer und Prediger begrüßte. Herr Cohn hielt seine Antrittspredigt über die ihn envartenden Bernssaufgaben. —« Hier starb Herr James Kirfchbanm, der Vorsitzende des Repräsentanten llollegiuins, dem er drei Jahrzehnte angehört hatte. Tie Gemeinde verliert in dem Verblichenen einen eifrigen und hin-F'bungSvollen Vertreter ihrer Interessen. Der frühere Lehqer der Gubenev Gemeinde, Lehrer Bacher-Kassel, hielt dem Entschlafenen eiwen warmempfundenen Nachruf. Lehrer Cohn trug hebräische Gesänge vor, die eine ivürdigc Umrahmung bildeten. Hamburg. (U e b e r s i e d l u tt g von 60 jüdischen F a - nt i (I f n n a ch R u ß l a n d.) Durch die Tätigkeit des Geferd (Geschäftsstelle: Altona, Bahnhosstraße 88) war es möglich, in den letzten drei Wochen 60 hiesige jüdische Faniilien über Holtenau nach Rußland zu überführen. Tort sollen sie von der russischen Regierung in Birobidjan, eiuein riesigen, klimatisch sehr günstig gelegenen Landstrich, aus ihren Wunsch als Bauern angesiedelt iverden, da die Sowjetregierung diesen Landstrich unentgeltlich für eine jndischr Sowjersiedlung zur Verfügung gestellt hat. Hannover. (Sitzung des R c p r ä j e n t a n t e n t o l l e g i - ums.) Ter 2. Vorsteher, .Herr Hcrzberg, erösfne:e die Sitzung und gab einen Ueberblick über de» neuen Etat, der in Einnahme: und Ausgabe gegenüber dem vorjährigen Hiaushaltsplan eine Ersparnis von 20 305 Mark vorsieht. In den einzelnen Kapitelm fei angegeben, worauf diese Ersparnis znrückznsühren sei. Um ein Gesamtbild über die Finanzlage zu gewinnen, müsse man sich auch mit den Rückständen beschäftigen. An buchmäßigen Steuerrnckständen seien zu verzeichnen von 1924 bis 4. 4. 1930 39 835 Mark, ans dem abgelaufenen Etatsiahr 64 177 Mark. An Stellengcldern (für Synagogeuplätze) ständen noch aus bis März 1930 3 646 Mark, a>i.s dem letzten Jahr 12 025 Mark. Man könne daraus Rückschlüsse auf die Zahlungsfähigkeit ziehen, aber auch auf die Langmut, mit der bei der Einziehung seitens der Gemeindeverwaltung vorgegangen werde. Ter Berivaltungsbcitrag sei mit 28 174 Mark in Ansatz gebracht, davon sei (weil erst iin 2. Halbjahr beschlossen) die .Hälfte angesvrderr und bis auf 6 631 Mark eingegangen. Eiiva 300 Mark seien ans berechtigten Gründen erlassen lvorden. Man müsse bei dieser Wirtschaftslage zivar immer mit neuen Rückständen rechnen, doch sei sorgfältig zu prüfen, ob Zwangslage oder Mangel an gutem Willen vorliege. Es» sei zu bedauern, daß die Gemeinde nicht größere Mittel für die Bedürfnisse ver Wohlsahrispflege zur Verfügung habe. Erhebliche Ersparnisse seien beim Chor und bei der Angcstelltenversicheruug erzielt lvorden. Die persönlichen Bezüge und Vergütungen der Beamten seien aus Grund der Notverordnung des .Herrn Reichspräsidenten niedriger geivordeu. — Zu diesen Darlegungen bemerkt .Herr Sternheim, man müssteine Kommission einsetzen, die diese ca. 126 000 Mark Rückstände zu bearbeiten habe. 5)err Goldmann wünscht, daß eine solche Kommission Klarheit darüber schafft, was überhaupt noch einzutreibem sei. Rücksichtslos müsse gegen böstvillige Zahlungssäumige vorgegangen werden. Es wird sodann eine sünfköpfige SieuerbeitreibungSkommissio» gewählt. — Ter Zuschuß des Magistrats zum Religionsuitterlicht an den Volksschulen beträgt 6160 Mark. Nach längerer Aussprache ivird beschlossen, eine Erhöhung dieses Zuschusses zu beantragen. — Der Zuschuß der Gemeinde zur Wohlsahrtspslege erhöht sich um 5 100 auf 35 600 Mark. 11 000 Mark erhält die Wohtsahrtsstelle vom Wohltätigkeitsverein, 8 000 Mark vom Fraueuverein, 11300 Mark von der ösfentlichen WohlfahrtSlpstege, aus einmaligen freiwilligen Zuwendungen bekam sie im letzten Jahr 16 000 Mark, aus regelmäßigen freiwilligen Zuwendungen 18 000 Mark. Der Gesamtumsatz stieg im letzten Jahr auf e.ttva 166 000 Mark für lausende Unterstützungen einmalige Beihilfen, Waisenhaus, Darlehnskasse, Vflegegelder, Brolversorgung Feuerung uns MittelstandZküche. .Herr .Herzberg betont, lvelche Fülle von Arbeit in der Zentralstelle geleistet wurde, wieviel Nervenkraft fk erfordere. Es ivird beschlossen, das Zahlenmarcriat den neuen Steirer- &u fährst n>eg — sie hieihen da .. Qeffne deine Qärten den ^Kindern vom Wedding/ Das „Berliner Tageblatt" hat folgende Zuschrift erhalten: „Tie Kinder vom Wedding! Heiß, staubig und finster sind die Straßen, laut und übervoll die Freibäder. Zudem fehlen Fahrgeld und Eintrittsobolus. Wenn du am Meer oder im Gebirge neue Kräfte sammelst, liegt dein Garten einsam und verriegelt vor den Toran Berlins. Oeffne ihn diesen Kindern! Es wird nichts beschädigt, nichts entwendet werden. Ein erfahrener Jugendleiter führt die Aufsicht. In einer Woche beginnen die ^Ferien." Wer beginnt mit der Ferieu-Garten-Hllse? Wir halten diese Anregung für außerordentlich begrüßenswert und bitten insbesondere unsere jüdischen Mitbürger um Beteiliguirgi. Mit dem „Berliner Tageblatt" haben wir eine Vereinbarung -etroffen, der zufolge wir Angebote von unseren Freunden zur Weitev» leitung gern entglegennehmen. k

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.