Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-04-08 · 14 (8.4.1931) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
14 (8.4.1931)
Date
1931-04-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2614107-2614120--3947-2621607
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Gynagogengemeind« Düsseldorf gestellt. Er hat sie vor allem in den schweren Kriegsjahven aufopferungsvoll geleimt. Mit dem hiesigen Gotteshaus«, an dessen Entstehung und Bau er seinen rühmlichen Anteil hat, ist sein Name dauernd verbunden. Bei seinem Ausscheiden auS Wem Gemeindedienst« ernannten ihn die beiden Geineindekolbegien zum Ehrenmitglied der Synagogengemeinde Düsseldorf. Auch die hiesigen Wischen Humanitären Organisationen verlieren in dem Dahin-gcgani,heuen den zu jeder Zeit hilfsbereiten selbstlosen Arzt. Um das Schaffensöild des teuren Verstorbenen ganz abzurunden, muß auch seiner verdienstvollen Tätigleit als Arzt gedacht werden. Ueber 30 Jahr« war er Vertrauensarzt der hiesigen OrtSkrankenkass«. Durch seine großen iirztlichen Kenntnisse, durch sein liebevolles vermittelndes Wesen erwarb er sich die Liebe und die Zuneigung seiner Vorgesetzten Behörde, seirit'r von ihm betreuten Patienten und seiner Kollegen. Am 2. Peßachtage wurde er zu Grabe getragen. Mit ihm ist ein Stück Alt-Düsses dorf ins Grab gefunken. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Eschelbacher. Im Namen der Gemeindekollegien dankte der 1. Vorsitzende des Vorstandes Felsenthal dem Verstorbenen für sein Wirken und schassen im Dienste der Gemeinde. Tin Vertreter der Ortskranken lass« hielt ihm «inen »varmempfundenen Nachruf. Für die Beamten dankt« Rabbiner Dr. Klein dem Verstorbenen. Esst». (Rep rase n ta n t en - Wa hl.) Der Schwere der Zeit entsprechend hatten sich die religiös u,ck> politisch orientierten Richtungen innerhalb unserer Gemeinde auf «inen Kompromiß geeinigt, so daß eine Einheitsliste zustande kam, die Aussicht hatte, einstimmig «genommen zu werden. Im letzten Augenblick warb aber die ' ,Mrtschastspart«i des jüdischen Mittelstandes" für eine eigene Liste, so daß am Mittwoch, dem 2b. März, die Wahl ^ausgetragen werden mußt«. Von den 7 neu zu besetzenden Repräsentantensitzen entfielen auf die Einheitsliste 6 /Mandate; die Wirtschaftspartei' bekam 1 Platz. Frankfurt a. M. (Fr ick-Gebete in der Schule..) Die wzialdemokratische Presse Frankfurts lenkt die Aufmerksamkeit der Behörden darauf, daß in einem dortigen Realgymnasium (Musterschule), bas auch von vielen jüdischen Schülern besucht wird, jeden Morgen nationalistische Gebete nach Frick'scher Art gesprochen werden. An derselben Schule stelle «in nationalsozialistisch gesinnter Lehrer. im Geschichtunterricht Adolf Hitler in eine Reihe mit Gustav Adolf, Rudolf von Habsburg und anderen „großen Königen der Vergangenheit". Frtedberg. (Persönliches.) Am Tag« ihrer goldenen Hochzeit ist die Gattin des enneritierten Lehrers Ehrmann, Frau Regina »hnnann, eine um die sozialen Einrichtungen der Gemeinde verdiente Wohltäterin der Armen, aus dem Leben geschieden. Im Vorstand des Urauenvereins hat sie segensreich gewirkt, ihr Name wird stets mit Dank und Ehrerbietung geirannt werden. — An demselben Tage tvurde noch ein geschätztes Mitglied der Gemeinde, Frau Sabine Mayer, die Gründerin und langjährige erste Vorsitzende des Frauenvereins, dem sie zeitlebens ihre besondere Fürsorge zuwandte, aus einem an Arbeit und Wohltun reichen Leben heimgerusen. Ein tragischer Zufall war darin zu sehen, daß ztvei Stunden nach dem Tode der Greisin auch der älteste Sohn, Herr Eduard Mayer, seine Augen für immer schloß. Lehrer Seclig gab an den Bahren der Entschlafenen der allgemeinen Trauer über ihren Heimgang in ergreifenden Worten beredten Ausdruck. Gleitvitz. (Jüdische Studenten durften nicht char-?>ieren.) An dem Festzug, der aus Anlaß der Oberschlesien-Feier n Gleiwitz stattfand, konnten die jüdischen Studenten nicht teilnehmen, weil die waffenstudcntischcn Korporationen im Festzug nicht mit jüdischen Thargierten Zusammengehen wollten. Die jüdischen Korporationen veröffentlichen nun nachstehende Erklärung: Die am Festzuge der Gleiwitzer Abstimmungsfeier beteiligten studentischen Korporationen haben ein gleichberechtigtes Zusammengehen mit den Chargierten der jüdischen Verbindung im K. E. Thuringia, Breslau, sowie der religiös Und politisch neutralen Verbindungen Akademischwissenschaftlicher Vereine, Breslau, und Akabemisch-rechtswissenschastlicher Vereine (Freie wissenschaftlich« Bereinigung), Breslau, abgelehnt. Sie haben diesen daher im letzten Augenblick unmöglich gemacht, am Umzuge teilzunehmen. Ohne Unterschied der Konfession und der Parteizugehörigkeit haben während des Abstimmungskampfes Akademiker aller Richtungen zusammengearbeitet: am 10 jährigen Gedenktage haben es studentische Kreise in Gleitvitz für angebracht gehalten, diese Einheitsfront zu durchbrechen. Im Auftrag« der Gleiwitzer Alteherrenschaft obiger Korporationen San.-Rat Dr. Schlesinger, Dr. mcd. Bibcrstein, R.-A. Dr. Kallmann, Dr. Walter Lang«, Dr. Med. Liebermann, Dr. Ernst Königsscld. Kerrusheim. (Friedhofsschändung.) In einer der letzten Nächte tvurden aus dem jüdischen Friedhof in Herrnsheim etwa zehn Grabsteine umgeworsen und beschädigt. Die Ermittlungen wurden durch die Gendarmerie und durch Beamte der Landeskriminalpolizei Worms ausgenommen. Landsberg (Warthe). (Silberne Hochzeit.) Kaufmann Leo Cohn und Frau, geb. Cohn, Markt 11, konnten jetzt das Fest der silbernen Hochzeit begehen. Ma»«heim. (Ein neues badisches Altersheim.) Die Jüdische Gemeinde Mannheim und die Juden Badens haben am 1. April das jüdische Altersheim in der Collini-Straße seinem Bestimmungsztveck übergeben. DaS für 60 Insassen -«rechnete HauS wurde zunächst vo n16 bezogen, die schon den ersten Sederabend in den schönen Räumen des Hauses verleben konnten. Besonderer Wert wurde vom Architekten, Regierungsbaumeister Fritz Nathan, dem Erbauer des neuen jüdischen Friedhofs in Frankfurt a. M., bei der Gestaltung der Räume auf das Eindringen von Licht, Luft und Sonne gelegt. Rortzhauseu. (Hakenkreuzler besudeln jüdische Läden.) In Rordhausen sind zu nächtlicher Stunde in die Schaufenster aller jüdischen Geschäfte mit Diamantenglasschneidern große Hakenkreuze eingeritzt worden. Die Läden wurden in gemeinster Werse besudelt. Die Täter sind noch nnbekannt. Rürutzerg. (L u d w i g R osenzwe ig 70 Ja hr« a lt.) Am 25. März 1931 beging Herr Kommerzienrat Ludwig Rosenzweig, der 1. Vorsitzende der Nürnberger Kultusgemeinde und Schatzmeister des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, sein 70. Geburtsfest. Die Feier gab den zahlreichen Körperschaften und Vereinen, denen der Jubilar seine Arbeit widmet, ben willkommenen Anlaß, ihm ihre Verehrung und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Für den Lau« dcsverband überbrachte die Glückwünsche der Präsident des Rates, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer. Wir behalten uns vor, auf das umfassende Wirken dieses ausgezeichneten Mannes noch in besonderen Ausführungen zurückzukommen. — Bad Salzuflen. (Persönliches.) In seltener geistiger und körperlicher Rüstigkeit beging der Ehrenvorsitzende der Gemeinde, Herr Salomon Silberbach, seinen 80. Geburtstag. Drei Jahrzehnte stand er bis zum Jahre 1926 an der Spitze der Gemeinde, und mit Umsicht hat ec die ihm übertragenen Interessen vertreten. Noch heute ist er trotz seines hohen Alters ehrenamtlich als Borbeter tätig, was auch seitens der Kurgäste mit Dank und Bewunderung anerkannt wird. Außerdem erfreut sich der Jubilar im Kreise der andersgläubigen Bürgerschaft hoher Wertschätzung. Siegburg. (Persönliches.) Das Mitglied des Gemeindevorstandes, Herr M. Walter, beging unter lebhafter Anteilnahme der Gemeinde seinen 70. Geburtstag und gleichzeitig das 25 jährige Jubiläum als Vorsitzender der Thewra Kadischa. Die Gemeinde hatte ihrem um die religiösen Interessen verdienten Vorsteher einen Festgottesdienst veranstaltet, bei dem Prediger Seelig das segensreiche Wirken des Jubilars in gebührender Weise hervorhob. Die Thewra- Mitglieder hatten sich außerdem zu einer besonderen einfachen, geselligen Zusammenkunft rm Gemeindehaus« vereinigt. Der erst« Vorsteher, Herr H. Levison, widmete dem Jubilar herzliche Begrüßungsworte, und dann beleuchtete Prediger Seelig nochmals in seiner Festrede die Verdienste des Gefeierten um die Ausgestaltung der Chewra. Stuttgart. (Todesfall.) Am 15. März 1931 verschieß in. Stuttgart Herr Regierungsrat Dr. Karl NSrdlinger, das langjährige rechtskundig« Mitglied der früheren Israelitischen Oberkirchenbehörde und des Israelitischen OberratS, dessen Präsident er in de« Jahren 1924—1930 gewesen ist. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeindm und die in der süddeutschen Arbeitsgemeinschaft vereinigten jüdischen Verbände werden dem hochverdienten Manne für alle Zeiten «in treues und ehrendes Gedenken bewahren. Mtttzadeu. (6 0. Geburtstag.) Der erste Vorsitzende der Israelitischen Kultnsgemeinde in Wiesbaden, Herr Justizrat M a r x - he im er beging in diesen Tagen seinen 60. Geburtstag. Nicht nur in der Israelitischen Gemeinde, sondern äuch bei den christliches Mitbürgern der Stadt genießt Herr Marxheimer außerordentliches Vertrauen. Die Gemeinde dankt ihm kraft seiner starken Persönlichkeit, die allen Parteien innerhalb des Judentums gerecht zu weöde» wußte, ihre mustergültig« Führung. Ganz besonderer Dank gebührt ihm dafür, daß er die Gemeind« in der schweren Zeit der Inflation und der ganzen Nachkriegszeit vor völligem Untergang bewahrte. — Bon seiner vielseitigen Tätigkeit in den jüdischen Organisationen sei noch erwähnt, daß Herr Marxheimer mehrere Jahre Präsident der Nassau-Log« war und dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden als ordentliches Ratsmitglied angehört. 71 Augsburg. (Vortrag und Generalversammlung.; Am 30. März sprach Herr Rechtsanwalt IR. Eugen G u n z vor der hiesigen liberalen Ortsgruppe über „Macht und Recht". An Bei spielen aus dem täglichen Leben zeigte der Vortragende die Verflochtenheit des Rechts mit dem Alltag. Als Ordnung des Gemeinschaftslebens ist das Recht eine Macht, die den egoistischen Urtrieb des Menschen begrenzt. Wenn die Macht des Staats zur Verwirklichung des Rechts nicht immer ausreicht, so ist dies kein Beweis gegen das Recht, sondern beweist nur die menschliche Unvollkommenheit. .In Anlehnung an Jherings „Kampf ums Recht" betonte J.-R. Gunz, daß man um das Recht stets ringen müsse, wenn cs nicht verloren gehen solle. Die Schlußfolgerung hieraus sei, daß die. deutschen Juden, deren faktische Gleichberechtigung noch nicht voll ständig durchgeführt sei, stets von neuen darum.kämpfen müßten. Da zudem das Recht vom Willen der Nation getragen sei, dürsten die Juden nicht abseits stehen und ihre Blicke nach einem änderon Staate (Palästina!) richten, sondern müßten eifrig am Leben detz deutschen Volkes teilnehmen. Reicher Beifall lohnte die interessanten Ausführungen, die mit dem Rufe schlossen: „Im Kampfe sollst Du Dein Recht finden!" Im Anschluß an den Vortrag fand die diesjährige Generalversammlung statt. Herr Kom.-Rat D a n n erstattete den TStigkeitsbericht. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. An Stelle des von hier verzogenen Herrn Rabbiners Dr. Grünfeld wurde einstimmig Herr Rechtsanwalt J.-R. Dr. T e u t s ch in den Borstarck» gewählt. Berit«. (Sedcrabcnde.) Der Liberale Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B. veranstaltete an den ersten beiden Peßachtagen im Hotel Schneider, Königstraße 39, und am ersten Peßachtag in der Bne-Briß-Loge, Kleiststraße 10, Seberabende, an denen zirka 400 Personen teilnahmen. Die Leitung lag in den Händen des Hauptkantors Berthold Friedman n und des Kantors Friedrich L i ch t e n st e i n , die mit »nerkennenswertem Geschick die religiösen Zeremonien vollzogen. Die Anteilnahme war bedeutend größer als in den Vorjahren. Die Veranstaltungen fanden lebhaftesten Anklang bei allen Beteiligten. Auch die gastronomische Seite war sehr zu loben. — Es hat sich gezeigt, daß für derartige Veranstaltungen des Vereins ein Bedürfnis fträfcgt, so daß sie auch in den komlmendcn Jahren wiederholt werden sollen. Aus der Bewegung An die Ortsgruppen und Mitglieder der «Vereinigung für das liberale Judentum", au die Mitglieder der «Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschland»-. Montefiores „Outlines" erscheinen auf Deutsch! Die Bedeutung dieser für das liberale Judentum in Deutschland literarischen Neuerscheinung braucht hier nicht hervorgehoben zu werden; sie geht aus dem an anderer Stelle dieses Blattes abaedruckten Vorwort von Herrn Rabbiner Dr. Caesar Seligmann hervor. Das Werk wird Ende April erscheinen, der endgültige Ladenpreis RM. 6,— für das broschierte, RM. 7,25 für das gebundene Exemplar betragen. Der Verlag Gustav Engel (Leipzig) gewährt aber bis zum Erscheinen einen ermäßigtenSubfkriptionspreis von RM. 5,— für das broschierte, RM. 6,75 für das in Ganzleinen gebundene Exemplar. Claude G. Montesiore ist der Senior und daS gewählte Oberhaupt der World Union for Progressive Judaism (Weltverband für religiös-liberales Judentum) und ein Gelehrter von Weltruf — sein Werk gehört rn jedes jüdisch-liberale Haus! .. Hier aurschneidenl . Subskriptionsliste An die Religiöse vortragsfoige. Am Sonntag-, den 12. April, vormittags llx/a Uhr, spricht im Logenhaus, Kleiststr. 10, Herr Ministerialrat Goslar über «Das Eiperlmsnt des Judentums« Vor und nach dem Vortrage: Chorgesang. Eintritt frei. Vorstand der indischen Beneliide Der schönste Schmuck für Veranden, ««No«. Fensterbrett« nfw. find unstreitig meine Meltte» rühmten Tiroler Gebirgö Hängenelke« sowie Lalrstegia. gen. BalkonrLSchen, di« einen reichen Blumenflor erzeugen. Ein Sortiment dieser dankbar blühend« Balkonpflanze» liefere ich, solange die Bestände her- 0,» RM. 2.50 einsckließl. Se» «anweisung Zwei Sortiment« RM. 4.60. Willy Voigt, Leipzig CI. Sergstrabe Lv. O. 16. Vereinigung für das liberale Judentum E.V. Berlin SW 11 Hallesche Straße 1 Die Unterzeichneten bestellen hiermit INonlefiore, «Umriffe des Liberalen Zudenlums" ,11 bem bis Silbe April 1931 gültigen Subslri»tionS-iB°izugr-)PleiS broschiert RM. b,— oder in Ganzleinen gebunden RM. 5,75 (nähere Angabe s. u.!). Name Wohnort Straße u. Hausnummer Broschiert oder gebvndk« (bitte hierunter genau angeben Unzahl der bestellten Exemplare 8oeben erschienen: zweite Konferenz des Weuvemandesior religiös - iiherales Judentum umu uua ir mirem unun London, 19» —22. Juli 1930. Referats—Diskussionen - Beschlösse Broschiert 310 Seiten RM 3.—. für Mitglieder zum Vorzugspreis von^RM 2,— erhältlich durch ««MW für das liberale Mm 11. Berlin SW 11. Hallesche Strafe 1 Verlag: Bereinigung für tat liberale Judentum e. V., Berliu SW. 11. — Verantwortlicher Redakteur: t. B. George Goetz, Berlin SA. 61. — Druck: Hermann Wegner & Co., Berlin-Mariendorf. ^0273^89073429964081164262361^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.