Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-04-08 · 14 (8.4.1931) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
14 (8.4.1931)
Date
1931-04-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2614107-2614120--3946-2621606
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Aum S0. Geburtstag von Dr. Max Zefelsohn Wie? — höre ich die große Zahl seiner Bekannten fragen - Max Jeselsohn dieser bewegliche, körperlich und geistig elastische Mann mit dem jugendfrischen Aussehen, vollendet wirklich schon das 60. Lebensjahr? Nein, es ist kein verspäteter Aprilscherz. Max Jeselsohn wurde tatsächlich am IO. April 1871 in einem badischen Landstädtchen geboren. Bei seinem Eintritt ins Berufsleben hat er, obwohl er aus einer Gemeinde stark konservativer Färbung stammle, nach eigenem Bekenntnis nicht viel vom Judentum gewußt. Erft die Einflüsse der Bne Brith-Loge führten ihn zum Judentum und seinen Kraftquellen hin. So ist Max Jeselsohn seit laugen Jahren innerhalb seines Wirkungskreises eine treue zuverlässige Stütze jüdisch-liberaler Weltanschauung geworden. Ueber ein Vierteijahrhundert hat er dem Synagogenrat (Vorstand) der Mannheimer Gemeinde angehört. Hierbei hat er die Interessen des religiösen Liberalismus mit Verständnis und Energie vertreten, ohne jemals die Gesamtinteressen der Gemeinde aus den Augen zu verlieren. Oberstes Ziel blieb ihm immer die Erhaltung der Einheit und Einigkeit der Gemeinde. Für dies sein Wirken ist ihm die Gemeinde Mannheim zu tiefstem Dank verpflichtet. Nicht zum Nutzen der liberalen Interessen hat er im vergangenen Jahr wegen Arbeitsüberlastnng, als politische Pflichten ihm die Uebernahmc des Amtes eines Stadtrates auferlegten, sein Synagogenratsamt niedergelegt. Lange Zeit gehörte er auch als Mannheimer Vertreter der Synode der badischen Landessynagoge an, davon mehrere Jahre als geschickter und temperamentvoller Führer der liberalen Fraktion. In den beiden letzten Sessionen machte ihn die Synode zu ihrem Präsidenten, dessen Geschäftsgewandtheit von allen Mitgliedern anerkannt wurde. Der großen Mehrheit der jüdisch Interessierten ist Jeselsohn als Vizegroßpräsident der Bue Brith-Loge bekannt geworden, ein bei festlichen Anlässen gern gehörter Redner. Und nun - bei feinem Eintritt ins siebente Jahrzehnt seines Lebens, da wünschen wir, daß seine jugendliche Begeisterungsfähigkeit, seine kraftvolle Energie, seine großen Fähigkeitelt noch lange der deutschen und badischen Judenheit, insbesondere auch unserer liberale,i Bewegung erhalten bleiben. Ad multos annos! Tr. Appel, Mannheim. Aus den Gemeinden Berlin. (6 0. Geburtstag.) Der Augenarzt und Familienforscher Dr. Arthur Czellitzer in Berlin beging am 5. April seinen 60. Geburtstag. Er hat »eben einer ausgedehnten Praxis die Zeit gesunden, sich als Sozialhygieniker, Erbsorscher und Genealoge einen Namen, zu machen. Als einer der ersten Aerzte erkannte er die Bedeutung der von Mendel an Pflanzen entdeckten Vererbung sgesetze für die menschliche Biologie und wußte die von ihn, schon vorher betriebene Familicnforschung mit bestem Erfolg für die Erbkunde nutzbar zu machen. Zahlreiche Vorträge, Aufsätze und die Mitarbeit an den großen Handbüchern der sozialen Hygiene zeigen ihn als eifrigen Sozialpolitiker. Diese Gesinnung führte ihn auch zu politischer Tätigkeit; er gehörte zu dem Kreise um Theodor Barth und Naumann und leitete Jahre lang die Berliner Parteiorganisation der „Freisinnigen Bereinigung", jener kleinen, aber für die politisch» Entwicklung bedeutsamen Partei. Im Jahre 1924 begründete Dr. Arthur Czellitzer die „Gesellschaft für jüdische Familicnforschung", als deren Vorsitzender §r zugleich das Archiv für jüdische Familiendokumente leitet und die Zeitschrift der Gesellschaft redigiert, die rasch zu einem wissenschaftlichen Mittelpunkt aller jüdischen Genealogen geworden ist. Die ihm eigene Verbindung biologischer und genealogischer Arbeitsmethoden erwies sich als ebenso günstig für das Aufblühen dieser Gesellschaft, wie das heute allenthalben neu erwachende Interesse an Vorfahren und Familiengeschichte. Die von ihm unermüdlich propagierte Familiensorschung bedeutet einen Schuhwall gegen die Zersetzung des modernen Judentums und einen Weg zur innerlichen Festigung der Jugend. Berlin. (Trauerfeier.) Am Sonntag, dem 29. März, hatte der Liberale Verein, Bezirksgruppe Süden, und der Verein Synagoge Lindenstraße zu einer Trauerseier für Herrn James Silber^ stein in den Trausaal der Synagoge eingeladen. Eine zahlreiche Trauergemeinde war der Einladung gefolgt. Man sah u. a. unter den Gästen führende Persönlichkeiten der jüdischen Organisationen, denen der Verstorbene nahegestanden hatte. Nach einem Harmoniumspiel von Herrn Stessen Cohn sang Herr Hauptkantor Berthold Friedmann „Herr, was ist Mensch". Danach ergriff Herr Dr. Manfred Meyer das Wort für den Liberalen Verein, sowie für den Synagogenverein. Er rühmte in seinen Worten nochmals die Treue des Verstorbenen und zeichnete ein genaues Bild des Dahingc-gangenen. Sodann sprach Herr George Goetz warme Gedächtnisworte namens des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Als letzter Redner sprach für den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Herr Dr. Martin umgangen. Bis vor kurzem gab es noch dort bei den Juden Vielweiberei. Hatte eine Frau während 10 Jahre kein Kind gckoren, oder hat sie keine Söhne zur Welt gebracht, so nahm der Mann gewöhnlich eine zweite Frau. Manchmal geschah es auch nur deshalb, daß die erste Frau alt wurde und dem Mann nicht mehr gefiel. Die Frau stand ganz unter der Gewalt der Schwiegermutter, sie mußte im Hause des Mannes und der Schwiegermutter leben. Der Mann hatte kein Recht, der Frau besondere Aufmerksamkeit zu erweisen, da er dadurch die Herrschaftsrechte seiner Mutter verletzen würde. Fälle, wo die Frau von dem Mann geschlagen wird, sind sehr häufig, zum Unterschied vom europäischen Rußland, wv das bei Juden außerordentlich selten geschah. Genügender Grund für eine körperliche Züchtigung ist schon ein nicht schmackhaft zubereitetes Essen. Die Frau hatte kein Recht, dagegen auch nur mit einem Wort zu protestieren, im Gegenteil, wahrend des Streites mit ihrem Mann bzw. der Schwiegermutter, schweigt sie und schlägt sich selbst häufig ins Gesicht. Bei der Verheiratung wird für die Braut eine bestimmte Kaufsumme („Klyn") bezahlt, und je höher diese Summe ist, desto besser ist ihre Stellung im Hause des Mannes. Umgekehrt werden ihr sehr häufig Vorlvürfe gemacht, wenn diese Kaufsumme eine niedrige war oder wenn der Marrn für sie überhaupt nichts bezahlt hat. Im letzten Fall muß sie oft von den Verwandten des Mannes und von dem Mann selbst hören: „Was bist Du denn wert, wenn man Dich ohne Geld bekommen hat?" Hat die Frau keine Kinder, so wird sie von ihrem Mann, seinen Angehörigen und der ganzen UmgÄung mit Verachtung behandelt, da die Kinderlosigkeit als eine Strafe Gottes für die Sünden der Frau betrachtet wird. Ebenso wie die Mohammedaner, verbringen die zentralasiatischen Juden ihr ganzes Leben aus dem Fußboden, auf welchem gearbeitet, gegessen und geschlafen wird. Die ganze Ausstattung der Wohnung besteht aus Decken, deren Wert natürlich bei dm Aermeren und Reicheren sehr verschrien H+++ >44444 Versammlungskalender Statin. Jüdische Reform-Semeinde. Sematndeabend Mittwoch, den 15. April, abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Schtaderger Rathauses, Rudolf Wilde-Platz. In der Vortragsreihe ..Probleme der Gegenwart" sprechen die Prediger Dr. Jelski, De. Lehman», Dr. Rosenthal über „Die Ehe". Eintritt frei. Gäste willkommen. "_ Berlin-Osten. Liberaler Verein für die Aagelegenhette» der Jüdische» Gemeinde zu Berlin, Bezirksgrnppe Osten. Am Dienstag, dem 14. April, abends 8 Uhr, findet in der Mädchenschule Kaiserstraße 30 eine ordentliche Generalversammlung zum Zwecke der Neuwahl des Vorstavdes der Bezirksgruppt statt. Anschließend daran, um 9 Uhr abends, Vortrag des Herr« Dr. Mar Mayer über: „Vorgänge im Grmeiudeleben feit der Wahl". Zu dem Vortrag sind Gäste, die Gesinnungsgenossen sind, ebenso die Mitglieder anderer Vezirksgruppen herzlich gelade«. Gottesdienste yerltv'Narde«. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freilag, den 10. April, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Plotke. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Swar» fensky.__ Verltn-vtte«. Liberale Synagoge Osten, Kaiserstraße 30, Aula der Mädchen? schule. Freitag, den 10. April, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Cohn. Vecliu-Mestend. Liberale Synagoge Westend, Leistikowstraße 7-8, Aula. Freitag, den 10. April, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabb.- Kand. Mehler. Berlin. Jüdische Nesorm-Semeinde. Gottesdienste am Sonntag, dem 12. April. Iohannisstraße 16: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. Kleiststraßr 10: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Rosenthal. Graetz. Mit Gesangsvortrag von Frau Strauß schloß die würdige Feier. Berlin. (A m t s j u b i l ä um,) Vor einigen Tagen feierte der zweite Kantor der Synagoge Levetzowstraße, Herr Max Kaiser, sein 25jäh-rigcs Amtsjubiläum. Ihm zu Ehren wurde vor Eingang des Peßachsestes eine Feier im Tr ausaal der Synagoge Levetzowstraße: veranstaltet. In den verschiedenen Ansprachen kam der Dank zum Ausdruck, den die jüdische Gemeinde und besonders die Besucher der Synagoge Levetzowstraße dem tüchtigen pflichttreuen Jubilar für seine langjährige Tätigkeit wissen. Darmstadt. (Steuerrecht für die hessisch«» Gemein den.) In der letzten Sitzung des Hessischen Landtags vor der Oster-Wertagung gelangte der Entwurf eines zweiten Abänderungsgesetzes zum Besteuerungsrecht der Religionskörperschaften zur Beratung. Der Entwurf, durch den die jüdischen Gemeinden Hessens, das Besteuerungsrecht erhalten, lourde einstimmig 'genehmigt. Dessau. (Erste öffentliche Morgenfeier in der Synagoge.) Der hiesige Synagogenchor veranstaltete in der großen Synagoge die erste öffentliche Morgenfeier zum Besten der Wohlfahrtspflege der jüdischen Gemeinde. In der überfüllten Synagoge waren zirka 6—6000 Personen anwesend, die zum weitaus größten Teile aus Nichtjuden bestanden. Unter den Erschienenen bemerkte man den Ministerpräsidenten Deist sowie fast das gesamte anhaltische Staatsministerium, ferner Vertreter der sonstigen staatlichen und städtischen Behörden, auch die höchste Geistlichkeit der evangelischen wie der katholischen Kirche war erschienen. Nach einem von Musikdirektor Prof. Preitz meisterhaft gespielten Orgelprüludium über synagogale Melodien sang der Synagogenchor unter Leitung seines Dirft genten, Herrn Chordirektor Brückner, den 46. Psalm in 1>er Bearbeitung von Lewandowski. Im werteren Verlauf des Programms sang Kantor Jckelheimer verschiedene hebräische Gesänge aus der Liturgie, u. a. das „Haschkiwenu" von Birnbaum. Herr Kammermusikus Beckenbach vom Friedrich-Theater ließ auf dem Violoncello mit Orgelbegleitung das altehrwürdige Kol nidrc erklingen, während Fräulein Anneliese Heumann, ebenfalls vom Friedrich-Theater, „Höre Israel" aus dem Oratorium Elias bon Mendelsohn-Bartholdy sang. Der Synagogenchor vervollständigte das Programm mit einer Motette von Nagler sowie den 150. Psalm, der unter Begleitung eines Posaunenchores gesungen wurde. Im Mittelpunkt der Feier stand eine fein durchdachte Ansprache des Herrn Landesrabbiner Dr. Walter ist. Bei Reicheren sind es mehr oder weniger kostbare Teppiche, Lei den Aermeren einfache Decken. Die Wohnungen der Juden sind meistens eng und schmutzig, eine Wohnnng besteht gewöhnlich aus einem kleinen Zimtner von 6 bis 7 Quadratmetern, in dem eine Familie von 6 bis 7 Menschen lebt. Neben diesem Wohnzimmer gibt es noch eine ganz kleine Kammer, wo Speisen und alte Sachen verwahrt lv-erden. Es wird sehr selten gebadet, Wäsche wird solange getragen, bis sie äußerst schmutzig wird. Infolge dieser unhygienischen Lebensweise sind unter den Juden Haut- und Augenkrankheiten, Lezw. Schwindsucht, stark verbreitet. In Bezug aus Krankheiten teilen die zentralasiatischen Juden die Vorurteile ihrer mohammedanischen Umgebung. Erkrankungen werden gewöhnlich dem Einfluß eines bösen Geistes oder eines bösen Auges zugeschrieben. Es existieren daher unzählige Beschwörungsformeln und Amulette für alle möglichen Krankheiten und eine ganze Reihe von Heilverfahren, deren Wiedergabe an sich schon äußerst unappetitlich ist. So besteht z. B. bei gewissen Krankheiten von Frauen und Kindern, die durch Überträgen der Krankheit von einer anderen Frau erklärt werden, die Kur darin, daß die Frau oder das Kind im Urin der schuldigen Frau gebadet werden. Es gibt Frauen, die berufsmäßig durch ihre Heilmethoden und Beschwörungen böse Geister austreiben und Kranke gesund mamachen. Namentlich gibt es zahllose abergläubische Gebräuche, denen sich Frauen unterwerfen müssen, die entweder keine Kinder oder nur Mädchen und keine Söhne geboren haben. Die Revolution hat natürlich auch für die zentralasiatischen Juden nicht nur materiell, sondern auch kulturell ganz neue LÄensbedingungen geschaffen, das Leben in jeder Beziehung bis auf den Grund aufgewühlt. Wie überall aber in solchen Fällen, ist das Verschwinden von Aberglauben und GÄräuchen, die sich im Laufe von Jahrhunderten eingebürgert haben, eine Aufgabe, die sehr lange Zeit erfordert und trotz allem revolutionären Druck nur sehr ly»asam sortschreitet. I. Lewin. über den „Milmensche»". Tic Feier hat, außer dem finanziellen Erfolg, in vornehmer Weis« dazu beigetragen, Aufklärung in tveite Kreise der Bevölkerung zu bringen! Dresden. (Festsetzung des neuen Etats.) Es wirr nicht leicht, dm diesjährigen Haushaltspla n, dessen Ausbalancierung an sich schwierig war, unter Dach zu bringen. Zwetzmal verschoben, wäre die sich mit ihm beschäftigende Sitzung deS Gemeinderats beinahe wieder hinfällig geworden; sie fand nämlÄ am Abend vor Peßachbeginn statt und hierdurch fühlte sich z. B. Herr Löwenthal am Erscheinen verhindert. Seine beiden Kollegen von der Volksvereinigung waren aber anwesend, doch gingen ihre? Ansichten auch sonst in den ihre Richtung besonders betpessenden Fragen vielfach auseinander. Da Herr Löwenthal fehlte, wurde auch sein inzwischen schriftlich eingegangener Protest Men daS Wahlergebnis zurückgestellt; Dr. Lcvy und im Anschluß daran auch der Vorsitzende R. A. Salinger erklären zwar namens ihrer Fraktionen, daß die Angelegenheit durch die Zurückweisung der mündlichen Beschwerde, in der letzten Sitzung eigentlich erledigt sei, daß man aber gern dem Wunsche des Herrn Reinhold (Bolksver.) auf Vertagung entsprechen wolle. Bei der hiernach folgenden Wahl der orthodoxen Kultuskommission und des Schächtausschusf e s, (Vorsitzender desselben Herr Weiger) zeigt es sich, daß die Bolksvereinigung an der O. K. K. gar kein Interesse hat, hingegen im Schächtausschuß mit drei Sitzen anstatt der ihr bewilligten 2 vertreten sein möchte; dies wird abgelehnt. Hierbei wird bemängelt, daß kein Orthodoxer von Seiten biefcr Partei den kürzlichen Verhandlungen des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes, im Punkte Schächtverbot beizuwohnen, für nötig befunden habe. Schließlich wird noch ein Antrag Lcvy angenommen, die Regelung der Ersatzleute dem Rechts- und Satzungsausschuß zu übertragen. Wie in fast allen Gemeinden kann man auch den hiesigen Etat, wie er nunmehr vorliegt und nach zweistündiger Aussprache beschlossen wird, mit den eigenen Worten des Vorsitzenden mir als Rotetat bezeichnen, so stark mußten gemäß dem Prinzip jeder geordneten Finanzgebarung: Keine Ausgabe ohne Deckung einzelnes und z. T. wichtige Positionen eingeschränkt lverden. Hierbei standen" Vorstand und Finanzausschuß vor sehr schwerwiegenden Entschlüssen, gilt es doch, in Fortsetzung der schon bisher betriebenen Politik Haupt-, sächlich Ausgaben sozialer und allgemein-kultischer Art aus den zu erwartenden Einnahmen zu bestreiten und dabei die eigenen Unkosten, z. B. durch den üblichen Gehaltsabbau um 8v/h ab 1. 4. zu verringern. An Einnahmen aus Steuern wird mit Mk. 208 OOOO, aus Wohlfahrtszuwendungen mit Mk. 28 OOO, aus Betplatzvermietungen mit etwa Mk. 19 000, aus der rituellen Fleischversorgung mit Mk. 11000 gerechnet. Die Gemeindehäuser erbringen sehr wenig Ueb-erschuß, ferner sind die Spenden im letzten Jahre so gering gewesen, daß man freudig den Vorschlag des Herrn Zucker aufnimmt, diese aus dem jüdischen Herzen fließende Einnahmequelle von Grund auf neu zu organisieren. Herr Hausmann (Volkspartei) hebt die oft im stillen sich vollziehende Gebofreudigkeit und damit die Leistungen seiner Freunde hervor, und dies veranlaßt Herrn Schapira (lib.) den ablehnenden Bescheid bekannt zu geben, den er an diesem Abend gerade von einem orthodoxen Ge? meinderatsmitglied wegen Unterstützung der Mittelstandsküche vorgesunden habe unter der Begründung, daß keine Generalversammlungen — als ob diese das Wichtigste bei der herrschenden Notlage seien — stattfänden und daß (wie von anderer Seite hinzugesügt wurde, was sich aber als nicht stimmend erwiesen hat, angeblich am Schabbos dort gekocht würde! — Die Unterstützung des Ritualbadcs mit Mk. 1600,— bleibt bestehen unter der Voraussetzung, daß dem Verlangen nach Rechnungslegung endlich entsprochen wird. Herr Reinhold beantragt, den für 'den Synagogenchor ausgeworsenen Betrag nur dann zu bewilligen, wenn ausschließlich jüdische Sänger beschäfligt werden, dringt aber damit nicht durch. Herr Schocken versucht vergeblich, den mit Mk. 900 unterstützten hebräischen Sprachkursen eine höhere Subvention zu erwirken, noch weniger Glück hat Herr Hausmann bez. Ahawas Reim (Bethaus des Brüdervereins), erstens wohl, weil schon die Schule Machsike -Thora unterstützt wird und zweitens, weil, wie der Vorsitzende bemerkt, nach einem Beschluß gehandelt werden muß, nur Adaß Jeschurun, solange dieser besteht, offiziell als den orthodoxer», Gemeindegottesdienst zu betrachten. Auch Herr Apt muß seinen Antrag aus Gewährung von Mk. 300 an den beim C. B. bestehenden neutralen Abwehrsond zurückziehen, zumal ihm grundsätzlich selbst von liberaler Seite keine Unterstützung zuteil wird. Dr. Lcvy (Zion.) will erst dann Abwehrgelder bewilligen, wenn der zu schaffende Reichsverbaich die gesamte Abwehrtätitzkeit übernimmt: gleichzeitig muß er aber aus paritätischen Gründen seinen Antrag aus Unterstützung des Keren Hajessod ebenfalls auf bessere Zeiten zurückstellen. Ein von Dr. Schornstein eingereichter Vorschlag, eine Darlehnskasse zu gründen, wird ohne Angabe von Einzelheiten als durchführbar bezeichnet und von allen Parteien begrüßt; ein Ausschuß von 25 geeigneten Persönlichkeiten der Gemeinde soll zusammentreten, um den Plan zur Verwirklichung zu bringen. Die Gemeindesteuer wird wiederum aus 131/-, «4, der Reichseinkommensteuer für 1930 festgesetzt, gleichzeitig wird beschlossen, einen Zuschlag hierauf von IO0/0 zu erheben, falls die Einnahmen hinter dem Voranschlag bleiben sollten. Der Ges amte tat beläuft sich auf Mk. 280 600, an Einzelpositionen dürfte in anderen Gemeinden vergleichsweise interessieaen, daß für Unterstützungen Mk. 48 000 und daß für Gehälter der allge-- meinen Verwaltung Mk. 26 000, des Rabbinats Mk. 27 000, der' Lehrer Mk. 22 000 vorgesehen sind. Dresden. (Wieder amtierend.) Mit der ihm eigenen, für seinen ganzen Werdegang charakteristischen Energie hat sich Rabbiner Prof. Winter von dem vor e inem Jahre ct<* littenen Unfall derart erholt, daß er am ersten Peßachtage zu einer besonders schönen, in Optimismus ausklingenden Zeitbetrachtung zum ersten Male wieder die Kanzel unserer Synagoge besteigen konnte. Die vielen Verehrer des auf Grund seines mehr als 40 jährigen Wirkens in der Dresdner Gemeinde geschätzten Gelehrten freuten sich, Pros. Winter im ungeschmälerten Besitze seiner Geistes- und Gnnütskräste an heiliger Berussstätte zu begrüßen, um von ihm eine in Prägnanz und Klarheit vorbildliche Darstellung des zu allen Zeiten oft verkannten Begriffes „Freiheit" als einer Sehnsucht sowohl des Einzclindividuums wie der Völker überhaupt zu erhalten. Düsseldorf. (Todesfall.) Am 31. März verschied plötzlich der ehemalige Vorsitzende der Synagogengemeinde, Sanitätsrat Dr. Samuel Mayer, im Alter von nahezu 81 Jahren. Bon 1890 bis' 1922 hat der Heimgegangene zuerst als Repräsentant, dann als Mitglied des Vorstandes, und von 1911 hat er als dessen Vorsitzender im Ehrendienste der Synagogengcmeiude Düsseldorf gestanden. Alle Kraft und Zeit, die ihm sein verantwortungsvoller Berus als Arzt noch übrig ließ, hat er jahrzehntelang mit Hingebung in den Dienst der Dereinsnachrichten Das Sommersemester an der Hebräischen Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde Berlin beginnt am 14. April. Anmeldungen von Einzelpersonen und ganzen Gruppen in die bereits bestehenden oder mit Beginn des Semesters neu zu gründenden Anfängerkurse nimmt während der Ferien der stellvertretende Leiter der Hebräischen Lehvanstalt telephonisch entgegen. Sprechzeit Montag-Freitag 2-^3 Uhr nachmittags unter Bismarck 52—80. 'Tie Kurse werden im Westen Klopstockstraße 58, in der Stadt Große Hamburger Straße 27 stättfiuden. Besprechungen für die Teilnehmer an Anfängerkursen Dienstag, den 14. April (7 Uhr abends), Große Hamburger Straße 27; Mittwoch, den 15. April (7 Uhr abends), Klopstockstraße 58. Der über 230 Jahre bestehende Verein zur Unterstützung armer Leidtragender (Schomer Laboker Umischan Abelrm) veranstaltet am 13. April 1931, abends präzise 8 Uhr, im Versammlungslokal der Synagoge Fasrnenstraße 79-80 seine Hauptversammlung. Aus Anlaß derselben wird Herr Rabbiner Dr. Phil. Martin Salomonski einen Vortrag über dar Thema: „Religion und Sensation" halten. Ferner wird die Versammlung durch musikalische Darbietungen deS Herrn OberkantorS Jahn nebst Orgelbsgleitung eingerahmt werden. Wir machen auf diese bedeutsame Veranstaltung aufmerksam. Gäste find herzlich willkommen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.