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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-10-22 · 43 (22.10.1930) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
43 (22.10.1930)
Date
1930-10-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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direktor Dr. Ranck als Mitglied des Preisrichterkolleginms sowie die ausfuhrenden Architekten Herr Dr. Ascher und Herr Robert Friedmann. Die Feier schloß mit dem Bortrag des 121. Psalms durch den Chor. * Aus den Gemeinden Achim bei Bremen. (Persönliche s.) Der ehemalige langjährige Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Alfred Heilbrunn, beging kürzlich unter Teilnahme weiter Kreise in erfreulicher Gesundheit seinen 80. Geburtstag. Dem tatkräftigeir selbstlosen Wirken ihres treuen Führers verdankt die Gemeinde ihre fortschreitende Entwicklung. Dem allgemein beliebten Greis wurden mancherlei Ehrungen bereitet. Battenfeld (Eder). (7 0. Geburtstag.) Am 4. Oktober vollendet Herr Siegfried Lindheim in Rennertehausen sein 70. Lebensjahr in voller geistiger und körperlicher Frische. Er erfreut sich iu allen Kreisen der Bevölkerung großer Beliebtheit. L. bekleidet seit langen Jahren das Amt des Vorstehers in der Synagogengemeinde Battenfeld. Dortmund. (Einrichtung eines z tv e i t e n Freitag- Abend-Gottesdienstes.) Am „Sabbat B r e s chiß" fand zum ersten Male der zweite Freitag-Abend-Gottesdienst von 19i/d bis kurz nach 20 Uhr statt. Damit ist ein lang 'gehegter Wunsch vieler liberaler Gemeindemitglieder erfüllt worden. Und cs darf vorab sogleich bemerkt werden, daß bei der recht zahlreichen Besucherschar der weihevolle und würdige Verlauf dieses Gottesdienstes allgemein Anklang gefunden hat. Das neue Einheitsgebetbuch liegt ihm zugrunde. Nach dem Vortrag des Ma tauwn durch den Vorbeter und vor dem herkömmlichen L'cho dandi trug Herr Rabbiner Dr. Appel in Anknüpfung an den Schöpfungsbericht des Sabbats den Psalm 8 vor. Es folgten dann abwechselnd Teile des alten Freitag-Abend-Gebetes hebräisch und deutsch und die kurze, aber sehr gehaltvolle Ansprache des Rabbiners. Neu ivar auch hierorts, daß der Vorbeter das K i d d u s ch , mit dem Gesichte der Gemeinde zugewendet, verrichtete. Für die liberalen Gemeinde- Mitglieder muß nun bezüglich des Gottesdienstes der vielgebrauchte Goethe-Ausspruch gelten: „Der Worte sind genug gewechselt; laßt mich auch endlich Tate n sehe n!" Auf einstimmigen Beschluß der Gottesdienst-Kommission und der beiden Gemeinde-Körperschaften tvird der bisherige Gottesdienst zu den Luachzeiten bestehen bleiben; vom 27. März ab findet dann lvährend des Sommer- Halbjahres nur ein gemeinsamer Freitag-Abend-Gottcsdienst statt. — In der hiesigen Gemeinde hat sich unter dem Vorsitze des Herrn Rabbiners Dr. Wilhelm eine Vortragsgeme in schuft gebildet, der sich etwa 10 Vereine angeschlossen haben. Es soll endlich einmal der Zersplitterung aus dem Gebiete des Vortragsivesens Einhalt geboten werden; die Tätigkeit der einzelnen Vereine mit ihrer Mitgliederschar bleibt dadurch unberührt. Als erster Redner wird Professor Martin Bub er am 16. November über den Chassidismus vortragen. Dresdeit. (Liberale Sicherungen in der Gemeindevertretung.) Nach den zwischen den Parteien getroffenen Abmachungen, welche noch durch ein besonderes Verbrüderungsfest der Volkspartei am Simchas Tauro besiegelt wurden, tvird zwar das Kollegium, wie mitgeteilt, aus im ganzen 20 Personen bestehen, von denen jedoch 5 den Vorstand bilden. Ferner sieht die von den Parteien beschlossene Gemeinschaftsliste für alle Wahlen, welche innerhalb der nächsten fünf Jahre stattfinden, vor, daß an erster Stelle stets 3 Liberale als Vorsteher und 7 Liberale als Gemeinderatsmitglieder stehen, so daß also diese Sitze als für die Liberale Partei gesichert zu gelten haben. Die Zuerkennung, des passiven Wahlrechts nunmehr auch an Ausländer erfolgt u. a. mit der Maßgabe, daß Verhandlungen mit Behörden nur durch r e i ch s d e u t s ch e Vorstandsmitglieder geführt werden dürfen. Dresden. (Ehrung eines geschätzten I u r i st e n.) Von verehrungsvollen Wünschen weiter Kreise der hiesigen Gemeinde, des sonstigen gesellschaftlichen und künstlerischen Dresden, der ihm beruflich nahestehenden Behörden und Freunde wird Geh. Justizrat Felix Bondi Ende dieser Woche in das siebente Jahrzehnt seines Lebens geleitet. Namensträger einer der angesehensten Familien der Stadt (aus einer alten Kulturepoche der Dresdner Judenheit) ist Felix Bondi der Tradition getreu auch selbst immerdar mit seiner Gemeinde und ihrer Leitung verbunden geblieben. Seit er bereits im * Gottesdienste Berlin-vste«. Liberale Synagoge Osten, Aula Mädchenschule Kaiserstraße 30. Freitag, den 24. Oktober, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Cohn. Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, Schonhauser Allee 162. Freitag, de» 24. Oktober, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: van der Zyl. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berlin-Westend. Liberale Synagoge Westend, Leistikowstraße 7-8. Freitag, den 24. Oktober, abends 7 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Andorn. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 26. Oktober. Johannisstraße 16: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Jelski. Kleiststraße 10: vormittags 10.30 Uhr; Ansprache Frau Paula Olleudorf, Breslau. Jahre 1902 aus dem Vorstand ausschied, den: gleichen Amte, das schon verschiedene seiner aufs engste mit der Geschichte unserer Gemeinde verbundenen Vorfahren inne hatten, wendete sich sein Gemeinsinn besonders segensreich dein M e n d e l s s o h n v e r e i n zu, dem, von Bondi geleitet, viele Begabte die Mittel zu ihrer Ausbildung und damit ihren Aufstieg verdanken. Wie in diesem seinem sozialen Lieblingsivirkcn spiegelt sich auch auf dem Gebiete der Kunstförd c r u n g (im Sächsischen Kunstverein) die feingcistige und liebenswürdige Persönlichkeit des Jubilars wieder, und nicht minder hoch zu veranschlagen ist seine Bedeutung und Beliebtheit als Jurist. Hier ist er neben seiner Praxis auch wissenschaftlich hervorgetreten, die Anerkennung, die ihm hierfür die Reichsrcgierung zollte, indem sie ihn 1920 in das deutsch-französische Schiedsgericht auf Grund der Bestimmungen des Versailler Vertrags berief, tvar ihm nicht nur selbst eine verdiente Freude, auch der gesamten Anwaltschaft und unserer jüdischen Gemeinschaft hat Geheimrat Boirdis Wirken immerdar zu Ansehen, verholfett und zu hoher Ehre gereicht. Kassel. (Persönliches.) Dem Vorsitzenden des Vorsteheramtes der Israeliten, Justizrat Dr. M. Rothfels, tvurden in sencer Eigenschaft als Vorsitzender des Vereins gegen Verarmung und Hausbettelei anläßlich dessen 50 jährigen Bestehens namens des Magistrats durch Stadtrat Dr. Haarmann die Glückwünsche und ein Anerkennungsschreiben des Oberbürgermeisters übermittelt. Auch Stadtschulrat Betting gratulierte dem Vereinsvorsitzenden für die seit 47 Jahren im Dienste ,der Wohlfahrtspflege an führender Stelle geleistete gemeinnützige Arbeit. Köln. (Zerfallner V o l k s p a r t c i..) Wie man hört, herrscht in der Zionistischen Volkspartei Krisenstimmung, hervorgerufen durch das Eintreten einiger Mitglieder für liberale Wünsche. Es ist seit langem bekannt, daß einige Herren die Politik des orthodoxen Flügels der Partei nicht mehr mitmachen, und so dürfte es voraussichtlich zu einer Spaltung kommen, die sich in den bevorstehenden Wahlen zweifellos bemerkbar machen wird. Köln. (L e h r e r b e r u f u n g.) Herr Lehrer David, bisher am Philantropin in Frankfurt tätig, ist am 1. Oktober in das Lehrkollegium der hiesigen jüdischen Volksschule eingetreten. Köln. (Frau A u e r b a ch 9 0 Jahre alt.) Am 22. ds. Mts. vollendete Frau Bendix Auerbach ihren 90. Geburtstag. Sie hat viele Jahre hindurch an der Spitze des hiesigen Israelitischen Frauenvereins gestanden. Ungezählte Mitmenschen haben der immer noch geistesfrischen Greisin die Liebe und Verehrung bewahrt, die ihr segensreiches Wirken erweckte. Magdeburg. (Zu den Wahlen für den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden.) Der Vorsitzende des Synagogen-Gemeinde-Verbandes der Provinz Sachsen, Herr Rabbiner Dr. Wilde, hatte die Vertreter der dem Preußischen Landesverbände angeschlossenen Gemeinden aus der Provinz zu einer Besprechung über die Aufstellung der Kandidaten für den Berbandstag des Preußischen Landesverbandes zum 12. ds. Mts. nach Magdeburg Billig, ~%- JiDohlSchmeckcncL, k nahrhaft. * ■ ■ ■ .ü# eingeladen. Auf die Provinz Sachsen entfallen zwei Mandate. Die bisherigen Vertreter waren San.-Rat Dr. Frankenstciil-Magdebnrg für die liberale Partei und Rechtsantvalt Dr. Felixbrodt-Halle a. S. für die jüdische Volkspartei. Es tvurde beschlossen, einen Wahlkampf zu vermeiden und sich auf den bisherigen Status zu einigen. Anstelle von Herrn S.-R. Dr. Frankenstein, der die Wiederwahl ablehnte, wurde von liberaler Seite Herr R.-A. Dr. Merzbach- Magdcburg aufgestellt; von Seiten der Volkspartei wurde wieder R.-A. Dr. Felixbrodt-Halle genannt. Als Vertreter für Dr. Merzbach wurden beilannt Mainzer-Halte und Pinthus-Erfurt, für Dr. Felixbrodt Walter Heinemann-Magdeburg; ein weiterer soll von der Volkspartei noch bekannt gegeben iverden. Damit ist ein Wahlkampf in Sachsen vermieden.. Mainz. (Tagung des h e s s i s ch e n O b e r r a t s.) Der Oberrat des Verbandes hessischer Gemeinden hielt eine Sitzung ab, die vom Verbandsvorsitzenden, Kommerzienrat Mayer, mit Begrüßungsworten für das neue Mitglied, G. Ebert, Osthofen, eröffnet tvurde. Lehrer Sulzbacher, Groß-Bieberau, hatte infolge feiner Uebersiedelung nach Nürnberg sein Mandat niedergelegt. Der hessische Verband will sich mit zwei Prozent an den Kosten der Reichsarbeitsgemeinschaft jüdischer Gemeinden beteiligen. Die Bestrebungen der Kalendcrreform sollen unterstützt tverden. Die Errichtung einer Wanderlehrerstelle in Niederohmen tvird geplant, ebenso ist eine ähnliche Einrichtung für Altenstadt vorgesehen. Verschiedene Gemeinden erhalten Unterstützungen zur Finanzierung von Synagogenbauten, Instandsetzung von Begräbnisplätzeu, für Religionsunterricht und ähnliche Bedürfnisse. Die Gemeinde Appenheim hat ihre Synagoge verkaufen müssen; für die Renoviernicg des Begräbnis- Platzes tverderr 600 RM. bewilligt. Es wird noch mitgeteilt, daß in der Zeit vom 21. bis 23. Dezember in Stuttgart ein wissenschaftlicher Kursus für die Rabbiner der süddeutschen Landesverbände stattfindet. Rostock. (Todesfall.) Der .hier. im Ruhestand lebende Kultusbeamte Bernhard Silvitz tvurde am Tage vor dem Versöhnnngsfeste unter starker Beteiligung jüdischer und nichtjüdischer Kreise zu Grabe getragen. In der Synagoge, wo der Entschlafene aufgebahrt tvar, hatte vorher eine Trauerfeier stattgefnnden. Landesrabbiner Dr. Silberstein entwarf eiir Lebensbild des Heimgegangenen, und R.-A. Dr. Goldstaub dankte im Namen des Gesamtvorstandes für die in 44 jähriger ersprießlicher Tätigkeit geleistete Arbeit. N.-A. Paul Bernhard stattete' den Dank der ehemaligeic Schüler ab, und Oberpostsekretär Greve rief dem ehemaligeic Vorstandsmitglied der Partei Abschiedstvorte nach. Tann (Rhön). (Dreifaches I u b i l ä u m.) Die hiesige israelitische Gemeinde tvar irr der glücklichen Lage, ein dreifaches Jubiläum zu begehen. Vierzig Jahre tvaren seit der Errichtung der Synagoge verflossen. Der Israelitische Frauenverein konnte sein goldenes Jubiläum des fünfzigjährigen Bestehens feiern, und der Jünglingsverein (Chetvras Bachurim) blickte sogar auf das hundertjährige Bestehen zurück. Dieses dreifache Jubiläum vereinigte die Mitglieder der Gemeinde in der reich geschmückten Synagoge, wo Lehrer Müller einen feierlichen Festgottesdienst abhielt. Werbt neue Mitglieder! Juden in deutschen Städten Mannheim. „Das Schicksal der Juden war ursprünglich kein besseres als in anderen Ländern. Noch -ein Erlaß Johann Kasimirs von 1589 stellte als Regel auf, „daß den Juden als des Namens Christi' lästerlichen, auch, den Christen ärgerlichen und ihres Wuchers 'halber beschwerlichen Leuten in der Pfalz und ihren Landen keine häusliche Wohnung verstattet werden sollte". Vor Karl Ludwigs Zeiten gab es nur vereinzelte Juden in der Pfalz. Wie in religiöser Beziehung, so standen sie auch hinsichtlich des Geleites in einer gewissen Abhängigkeit von der Wormser Judenschast. Vor dem Rabbiner zu Worms mußte erscheinen, wer sich von den Juden in Kurpfalz in Religionssachen und im Kultuszeremoniell vergangen hatte. Der Kurfürst gestattete auf Grund seines Geleitrechtes das Reisen im Lande nur gegen Zahlung des Geleitgeldes. Aus einem Vertrag mit den Wormser Juden von 1618 ist ersichtlich, daß er sich von diesen jährlich 1650 Gulden zahlen ließ, wofür diese das Geleitgeld von chren Glaubensgenossen einzogen, die bei den Wormsern ihre Geleitzettel, das sog. Taschengeld, zu lösen hatten." „Die freieren Grundsätze unter Karl Ludwigs Regierung beruhten wie so vieles andere in erster Linie Mf hem Bestreben, das verödete Land neu zu besiedeln und neu zu bebauen. Diese Tendenz verfolgt mit besonderer Deutlichkeit die Mannheimer Judenkonzession vom 1. September 1660, die den hiesigen Juden eine bevorrechtete Stellung einräumte, nachdem »sich hier schon in den fünfziger Jahren mehrere Familien — die ersten fünf kamen aus Pfeddersheim — auf Grund einer allgemeinen pfälzischen Konzession niedergelassen hatten. Nur noch bezüglich des Tafchengeleits wurde ihre Abhängigkeit von Wörms anerkannt, und in der Tat scheinen sich die Beziehungen' zur dortigen Judenschaft schon aus dem Grunde gelockert zu haben, wer sie in Mannheim sehr bald nach dieser Konzession eine starke, selbstbewußt austretende Gemeinde bildeten und außerdem hier seit 1661 ihren eigenen Begräbnisplatz hatten. Die Konzession von 1660 bezog sich auf die in Mannheim befindlichen deutschen Juden. Nchen ihnen gab es auch portugiesische Judeu, als deren Hauptvertreter 1661 Emanuel Carcassone, Abraham und Moses Astruck erscheinen. Die Mannheimer portugiesischen Juden hatten eine eigene Konzessionsurkunde, die leider nicht mehr aufgefunden werden konnte. Der Gegensatz zwischen deutschen und portugiesischen Juden wird allmählich erloschm sein, schon deshalb, weil die letzteren — 1665 bestanden sie noch aus 5 Familien — keinen weiteren Zuzug mehr erhielten und allmählich in der deutsch-jüdischen Gemeinde aufgrngen. Innerer Zwist blieb auch jetzt noch nicht aus, sofern eine Nachricht des Ratsprotokolls, wonach es im Jahre 1681 zu einer Schlägerei zwischen Juden in ihrer Synagoge kam, dahin gedeutet werden jfamt." „Die Mannheimer Juden hatten sich schnell vermehrt und waren meist zu Wohlstand gelangt. Als sich der von auswärts zugezogene Mordochai Dinkelspiel 1681 mit der Tochter des Mannheimer Schutzjuden Löb Zacharias verheiratete, bat der Stadtrat den Kurfürsten, keine weiteren Juden mehr zuzulassen, „damit dieselbigen mit der Zeit sich nicht über die Christen erheben und also jene stärker und mächtiger werden als diese, auch mithin den Christen allen Handel und Nahrung, die ohne das anjetzo gar schlecht ist und zerfällt, gänzlich entziehen und benehmen mögen". Diese judenseindlrchen Bemühungen fanden im KMnett des Kurfürsten insoweit Eingang, als 1682 die Zahl der in Mannheim zugelassenen Judenfamilien auf 84 beschränkt wurde..." „Ebenso wie das „Judenimetzeln" waren auch andere Gewerbe, die sie ausübten, der Gegenstand steter Eifersucht und feindseliger Angriffe der christlichen Konkurrenten, die sich durch die geschäftseifrigen Juden in ihrem Handwerk geschädigt glaubten." „Handwerker gab es nur vereinzelt unter den Inden Mannheims, dagegen zahlreiche Krämer, Metzger, Viehhändler. Als Karl Philipp nach Mannheim kam, wies der Rat darauf hin, es gebe nicht weniger als 15 Judenmetzger in M., von denen einer mehr verkaufe als 4 Christenmetzger zusammen. Von akademischen Berufen war ihnen nur der Zutritt zum medizinischen Studium gestattet, wovon sie jedoch nicht häufig Gebrauch machten. Mit Berufung darauf, daß sein Vater Leibarzt beim Kurfürsten Karl Ludwig gewesen sei, meldete sich 1728 Elkan Levi Bacharach aus Mannheim zum medizinischen Examen; dbwohl die Heidelberger Fakultät „proptes malas consequentias" lebhafte Bedenken äußerte, da die Juden doch „sonsten aller Ehrenstellen unfähig seien", so entschied dennoch der Kurfürst auf Zulassung." „Die Lage der Mannheimer Juden hatte sich gegen früher bedeutend gehoben. An Rührigkeit und Geschäftseiser haben sie es niemals fehlen lassen und unumwunden mußten die christlichen Konkurrenten gestehen, daß sie „mehrenteils stärkere Handelsleute als die Christen seien". Der Weinhandel war fast ganz in den Händen der Juden und 1718 klagte der Rat, kein Christ könne darin.mit ihnen in Wettbewerb treten, weil die Juden im Herbst über den Rhein gingen und die Weine „gleich von der Kelter in großer Anzahl kauften". Auch den Getreidehandel beherrschten sie vollständig, und es gab kaum einen Staat, dessen Truppenverpflegung damals nicht von jüdischen Proviantfaktoren abhängig gewesen wäre." „Im Jahre 1722 wurden in der Pfalz 535 jüdische Familien gezählt, von denen 160 in Mannheim wohnten, und im Jahre 1728 berechneten die hiesigen Juden bei Anlage des Steuerkasters den Wert ihrer Häuser ans 36198 Gulden und der Steueranschlag ihres sonstigen Vermögens betrug 60050 Gulden, so daß sie damals insgesamt 86 248 Gulden versteuerten." „Lemle Moses, der 1724 kinderlos starb... scheint 1680 nach Mannheim gekommen zu sein und floh bei der Zerstörung nach Heidelberg. 1699 pachtete er mit verschiedenen anderen das Salzmonopol der Pfalz und führte für den Kurfürsten eine Reihe großer Geldgeschäfte aus. Er war bei Hofe sehr angesehen, und verschiedene stattliche Häuser in der Stadt verkündeten seine Wohlhabenheit." „Auf geschäftliche Erfolge, wie sie Lemle Moses und viele seiner Glaubensgenossen aufzuweisen hatten, blickte die christliche Bürgerschaft mit Neid, und wie in früheren Jahren benutzte der Rat jede Gelegenheit, um den Juden Schwierigkeiten zu verursachen." Geschichte Mannheims von den ersten Anfängen bis znm U ebergang an Baden. Im Aufträge des Stadtrates bearbeitet von Professor Dr. Friedrich Walter, Mannheim 1907. Passau. „Schon in frühen Zeiten kamen jüdische Händler mit römischen Legionen nach Passau. In einer Konventionssteuerliste aus dem Jahre 1209 werden erstmals verschiedene Juden mit Namen aufgeführt, welche zur Deckung der Baukosten für die neu errichtete SahttMauer und den Stadtgräben beizusteuern hatten. Im Jahre 1260 erteilte Bischof Otto den Juden in Passau wegen eines erhaltenen Darlehns eine zwei-- jährige gänzliche Maul- und Steuerfreiheit. Durch Bischof Georg I. wurde den Juden im Jahre 1407 die Ausübung der Heilkmtde strengstens untersagt. Fürstbischof Leonhard von Saymingen Überließ den Juden im Jahre 1431 ein eigenes Gelände zum' Bau einer Synagoge. Dies entflammte den Zorn der Bürgerschaft gegen den Bischof und vergrößerte den Haß gegen die Juden. Kaiser Siegmnnd wurde zur Schlichtung der fortgesetzten Reibereien angerufen. Die jüdische Gemeinde war inzwischen sehr groß geworden und bewohnte neben der Jüdengasse noch einen Teil der Ilzstadt. In einem Brief, den der Sekretär des Kaisers Friedrich III. am 22. Juli 1444 schrieb, rühmte er die Schönheit Passah und der Ilzstadt, welche er ein Judenstädtchen, oppidulum! Judaeorum, nannte. Er blieb noch als nachmaliger Papst Aeneas Sylvins den Juden gewogen. Jm> Jahre 1477 wurden die Juden aus Regensburg wegen Hostienschändung vertrieben. Bischof Ulrich ließ über die zerstörte Synagoge eine Kirche in Kreuzform erbauen, widmete sie dem Welterlöser und errichtete im Jahre 1479 eine Probstek." (Bilder aus meiner Heimatgeschichte. Von A. Friedmann, Ingolstadts '■ (Fortsetzung folgt.)

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