Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 38 (17.9.1930)
- Date
- 1930-09-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Das 75 jährige Bestehen der Leipziger Gemeindesynagoge Tie Leipziger Israelitische Religionsgemeinde beging am 7. September ^ie Feier des 75jährigen Bestsehens ihrer Gemeindesynagoge. Tiefe Feier verdient wegen ihrer interessanten Vorgeschichte über den engen Kreis der Gemeinde selber hinaus innerhalb des gesamten liberalen Judentums eine ganz besondere Beachtung. Nach der Reformation wurden den Juden, wie in ganz Sachsen so auch in Leipzig, der dauernde Aufenthalt untersagt. Tagegen war den Juden gestattet, gelegentlich der dreimal jährlich stattfindenden Messen sich in Leipzig aufzuhalten. In stets zunehmendem Maße haben die Juden von dieser Erlaubnis Gebrauch gemacht, und die verdienstvollen Arbeiten von Max Freudenthal haben gezeigt, welch einen außerordentliche Einfluß die Juden für den Aufschwung der Messen gehabt haben. Wohl gab es Zeiten, in denen äußere Verhältnisse die Juden vom Besuch der Messen zurückhi^'ten, sobald aber diese Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt waren, erfolgte meist ein Anschwellen der Beteiligung von Juden bei den Messen, und dies, obwohl, abgesehen von den sehr großen Umständlichkeiten der Reise, durch eine Fülle erheblicher Abgaben vor den Toren und innerhalb der Mauern Leipzigs und durch eine ganze Reihe von Plackereien und Schikanen der Aufenthalt in der Messestadt keineswegs als ungetrübte Annehmlichkeit empfunden werden konnte. Wohl das Bedrückendste von all dem, was den zu den Messen reisenden Juden auferlegt wurde, war die Behinderung in der Veranstaltung ihrer Gottesdienste. Ties um so mehr, als in der Messezeit regelmäßig Feste, sehr häufig auch die hohen Festtage (während der Michaelismesse) begangen wurden. Während des 16. bis weit in das 18. Jahrhundert hinein bestand, bis aus wenige kurze Unterbrechungen, ein striktes Verbot jeglicher gemeinsamer gottesdienstlicher Veranstaltungen, das eine zeitlang soweit ging, selbst gemeinsame Mahlzeiten zu verbieten, damit solche nicht zu einer Umgehung des Gottesdienst-Verbotes benutzt würden. Erst nach dem 7 jährigen Kriege konnten sich, mehr geduldet als gestattet, die jüdischen Meßgäste Gottesdienste in gemieteten Lokalen während der Messen einrichten. Wegen der Enge der Räume war es gegeben, daß bei der Menge der Messe-Besucher eine größere Zahl solcher Betlokale ^bestand, die sich landsmannschaftlich ausbauten. In den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts tauchte der Plan auf, eine stehende Synagoge für die Messebesucher einzurichten; er scheiterte daran, daß die von Seiten der Stadt Leipzig erbetene und erhoffte finanzielle Förderung des Planes nicht zustandekam. Großes Aussehen erregte es, als 1820 von Hamburger und Berliner Mestgästen ein Bethaus „Beth Jakob" crmmmmaBammmatmmtammmmKaaKaBammmmmmmmKmagammimmmmmmmm richtet wurde, in dem „nach dem Muster des Hamburger Tempels", d. h. mit deutscher Predigt, unter Begleitung der Orgel und mit Einlage deutscher Gebete Gottesdienst abgehalten wurde. Schon im Jahre 1820 war die Genehmigung der neuen „Erbauungsänstalt" beantragt und darauf hingewiesen worden, daß in ihr den religiösen >Lndachtsstunden neue Formen zugrunde gelegt werden sollten. Der Rat der Stadt Leipzig erwies dem Plane jegliche Förderung und erwirkte auch, die Zustimmung des Königs. Tie offizielle Bestätigung trägt das Datum des 4. Oktober. Gleichwohl wurde schon zum Schlußfeste und zum Feste der Gesetzesfreude (30. September und 1. Oktober) das Bethaus in großer Feier eröffnet. Als Prediger fungierte am 1. Tage Dr. Zu nz, der über „Erweckung zum Forts chceiten" predigte, am 2. Tage Josef Wolf, der über „Segen der Gottesfurcht" sprach; Meyerbeer hatte zu der Feier Gesänge komponiert. Tiefer Gottesdienst hatte eiue außerordentliche Wirkung auf das gesamte deutsche Judentum, ja über Deutschlands Grenzen hinaus. Mit großem Geschick wurden für jede Messe die bedeutendsten Kanzelredner der Zeit herangezogen. Isaak Noa Manheimer predigte 1821, 1822 Immanuel Wolf; eine ganze Reihe von Predigten hielt Isaak Lewin Auerbach, ferner Ludwig Philippsohn, M. Heß u. a. Der Hamburger Prediger Gotthold Salomon schrieb 1822 an Isaak Noa Manheimer. Kopenhagen: „Es ist in der Tat eine große Idee, in dem Tummelplatz der Weltgeschäste ein Gotteshaus zu unterhalten und dort gerade die Herzen für das Bessere zu bearbieiten." Seit etwa der Mitte des 18. Jahrhunderts war eine kleine Zahl von Juden mit Genehmigung der Behörden in Leipzig ansässig gewirden. Diese Zahl vergrößerte sich. Im Beginne des 19. Jahrhunderts steigerte sie sich, sodaß um 1835 schon eine Art gemeindlicher Zusammenschluß bestand, wenn auch eine formelle Gemeindegründung erst 1846 zustande kam. Von diesen Leipziger Juden wurde das bezejchnete Bethaus, ursprünglich Hamburg-Berliner Synagoge, später Berliner Synagoge genannt, zu ihren Gottesdiensten benutzt. Und als nach der Gemeindegründung der Wunsch nach einer eigenen Synagoge nicht unmittelbar Gestalt gewinnen konnte, wurde dieses Bethaus, das inzwischen die Bezeichnung als Leipzig-Berliner Synagoge erhalten hatte, pon der Gemeinde übernommen. So ergab es sich als ein ganz Natürliches, daß nach Einrichtung der eigenen Synagoge 1855 auch die liberalen gottesdienstlichen Formen in den Gemeinde-Gottesdienst übergingen. Tie Vertiefung in die geschichtliche Entwicklung läßt erkeilnen, daß die Gemeinde in ihren Anfängen eindeutig das Bild einer liberalen Gemeinde getragen hat. Es dürfte wohl unter den bestehenden Gemeinden wenige, wenn überhaupt eine, geben, die in gleicher Weise schon in ihren Anfängen liberale Einrichtungen schuf. Im Lause der 75 Jahre hat sich das Bild der Gemeinde in ihrer Zusammensetzung und demgemäß auch in ihren Einrichtungen betracht, lich gewandelt. Tie in ihrem Anfänge etwa 80 Familien zählende Gemeinde hat heute ca. 14000 Seelen; wie groß der orthodoxe Teil der Gemeinde ist, geht daraus hervor, daß neben der Gemeindesynagoge 3 orthodoxe Synagogen und eine ganze Reihe von Bethäusern mit orthodoxem Ritus bestehen. Mußte in anderen Gemeinden der liberale Teil der Gemeinde um die Anerkennung seiner Grundsätze kämpfen, so gehen heute die gemeindlichen Probleme im wesentlichen von der entgegengesetzten Seite aus. Grundsätzlich haben die Gemeindekörperschaften die Berechtigung orthodoxer Forderungen nach Einrichtungen des Kultus und des Unterrichts anerkannt und sind auch bestrebt, ihnen gerecht zu werden. Noch ist es gelungen, die liberale Mehrheit in den Gemeindekörperschaften aufrecht zu erhalten, hoffentlich gelingt es auch weiter,Zu verhüten, daß. die liberalen Einrichtungen der Gemeinde und damit die Gemeindefreudigkeit der Liberalen durch den Wandel der Verhältnisse beeinträchtigt wird.; > ' ~ i ■ i Aus Anlaß des Synagogen-Jubiläums fand am Sonntag, dem 7. September, in der Gemeindesynagoge ein Festgottesdienst statt. Nach dem Bortrag einer eigens für diesen Tag von dem hiesigen Oberkantor S. Lampel komponierten Festkantate hielt Gemeinderabbiner Dr. G o l d m a n n die Festrede. Sinn und Inhalt einer solchen Feier, so führte er aus, sei es, sich darüber Rechenschaft abzulegen, inwieweit die dem Gotteshaus bei seiner Errichtung gestellten Aufgaben verwirklicht tvordeu seien. Wie das Judentum Religion des Lebens sei. so habe das Gotteshaus die Bestimmung erhalten, dem Leben zu dienen. Dieser Bestimmung sei gerade bei biefent Gotteshause Rechnung getragen worden, indem das Gesetz des Lebens, das Gesetz fortschreitender Entwicklung, für die Gestaltung des Gottesdienstes maßgebend gewesen^ sei. Und. wie es Ziel aller auf den Glauben den einzigen Gott gegründeten Religion sei, den Fortschritt des Lebens auf die Einigung der Menschheit Hinzielen zu lassen, so habe auch in diesem Gotteshause der Gedarrte an Eintracht und Frieden, der Kampf gegen Haß und Zw-ie tracht eine Stätte gefunden. Wie jene Männer, die erst unter schwersten Kämmen die Errichtung dieser Synagoge ermöglichen mußten, von dem Vertrauen erfüllt waren, daß ihnen die Erfüllung ihrer Aufgabe gelingen werde, und wie sie im Vertrauen ans 'das Gedeihen ihres Werkes gewirkt haben, fo solle auch das heute lebende Geschlecht vertrauensvoll an die schweren Aufgaben der Gegenwart Herangehen, um das Ueberkommene der Zukunft fest und stack übermitteln zu können. — , - Nach Chor und Sologesang sprach Gemeinderabbinec Colin Worte des Gedenkens; er wies auf die Tatkraft und Opfcrbereitschaft der Männer hin, die die Gemeinde in Kl Damen- Velours-Manie! in modernen Farben, ganz c efüttert, mit Pelzbesatz .... Abbildung 1 DvtVV Eleg. Mantel aus gutem Drap6-Tuch, modern geschweifte .. Wickelform, marine, schwarz, echter Schiras-Persianer-Kragen . Abb. 3 w«vV Wickel-Mantel aus gutem vrape-Tuch, 1/IQ marine und schwarz, mit echtem Skunks-Opossum besetzt . . Abb. 2 XfcO»UU Übergangs-Mantel aus schwarz-weiß qq .a oder braun-weiß : enoppten Stoffen, flotte Gürtel-Form, ganz gefüttert w Übergangs- oder Sportmantel Ac aus reinwollenem Kamelhaar, Herren-Verarbeitun?.. 4ld«vv Mantel aus reinwollenem Velours, neue Wickelform, CQ mit echtem Skunks-Opossum-Kragen, ganz gefüttert. Mantel aus reinwollenem Velours-Iong oder Drapö qq aparte neue Form, mit echtem Opossum-Kragen, z. T. auch Manschetten bOtUv Smoking-KoStÜm aus gutem Marengo aa „Die Herbstneuheit" cute Schneider-Verarbeitung, Tresseneinfassung * Foblep-Haplel schwarz, mit großem australischen Opossum- Kragen,elegantverarbeitet Bisam Maolel aus Rücken-Fellen, lisai-Wannn-M modern gearbeitet, elegant gefüttert sehr elegant verarbeitet 290.00 390.00 390.00 Seidenstoffe Crepe Satin Qr. reine Seide, weiß, schwarz und farbig Crepe Marocain 7 ca gute Kleiderware, mod. Farben, Mtr. * »Ov metaii-Brokat imprime Q iranzösisches Fabrikat.Mtr. 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