Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 18 (30.4.1930)
- Date
- 1930-04-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ftquenten Fortschritts; die politische und soziale Einbettung der deutsche« Juden in das deutsche Volk und die Anpassung der religiösen Formen an die Erfordernisse unserer Zeit schienen ihm allein die Ankunft des Judentums zu verbürgen. Diese Ausfassungen machten ihn zum gegebenen Führer des liberalen Judentums inunserer Gcmeiitde. Di« Vereinigung für das liberale Judentum und besonders deren hiesige Ortsgruppe wird diesem aufrechten und lauteren Charakter «in bleibendes Gedenken bewahren. — Die Beisetzung in ein Ehrengrab hat am vergangenen Freitag stattgefunden; wir werden über die Trauerfeierlichkeiten noch berichten. ★ BÜCHERSCHAU Dr. Max Freudenthal: Zum 200. Geburtstag Moses Mendelssohns. Philo-Verlag. Berlin 1929. Unter den zahlreichen Beiträgen zum Mendelssohn-Jubiläum ist diese Schrift eine der sympathischsten. Frcudeiithal, 4er mit der Geschichte der deutschen Juden im 18. Jahrhundert besonders vertraut ist, hat hier vier Abhandlungen vereinigt, die er in verschiedenen Festschriften hat erscheinen lassen. Wir lernen Mendelssohns Stammbaum kennen, dann das Milieu, aus dem seine Gestalt herausgewachsen ist, d. h. seine Heimat, die Gemeinde Dessau in ihrer Eigenart und ihrer Verflochtenheit mit den bedeutenden Gemeinden der näheren und ferneren Umgebung und schließlich den Weisen seihst als den besten Juden, den besten Deutschen und den besten Menschen, dem die heutige Generation die Grundlage ihres jüdischen Seins verdankt. Alles ist in einer so anmutigen Klarheit dargestellt, daß man sich keinen Leser vorstellen kann, der die Lektüre dieses Büchleins nicht als eine sittliche Erhebung und einen ästhetischen Genuß bezeichnen wird. Dr. L ö \v e u s t a in m , Spandau. Der Große Brockhaus, Band IV. (Chi—Dob). Der jetzt vorliegende vierte Band des in zwanzig Banden erscheinenden Konversationslexikons beweist, daß die Arbeiten gut fortschreiten und daß der Verlag auch darauf bedacht ist, die einzelnen Angaben ständig bis in die jüngste Gegenwart zu ergänzen. In diesem Band finden sich zu den Stichworten China, Christ und Deutsch ausführliche Abhandlungen. Bei „China“ sind die Ausführungen über das Religionswesen knapp und prägnant. Dabei wird auch die interessante Tatsache erwähnt, daß sich eine Gemeinde von Juden in Kaifeng-fu erhalten hat, deren Anfänge bis ins 12. Jahrhundert zuriiekznführen sind. Bei dem Artikel „Deutsches Reich“ vermißt man leider im Abschnitt lö „Kirche“ Angaben über die Organisation der jüdischen Gemeinden. Die Ausführungen über Christus und Christentum, die von einem liberalen Standpunkt aus geschrieben sind, geben einen guten Ueberbück über die verschiedenen Strömungen dieser Weltreligion tirod auch einen Einblick in moderne Tendenzen und Schwierigkeiten. Auch bei diesem vierten Band überrascht wieder «Ne außerordentliche Vielseitigkeit. Ist der Brockhaus auch in erster Linie auf das praktische Leben eingestellt, so werden doch Nebengebiete keineswegs vernachlässigt. So findet man unter den Stichworten dieses Bandes beispielsweise von solchen aiuf biblischem Gebiet David, Deborah und Deuteronomium, auf allgemein-religiösem Gebiet Deismus oder Determination. Zahlreich sind auch die Berührungspunkte zu modernen jüdischen Fragen: Hermann Cohen wird gewürdigt, wobei die Textangaben ein Bild mit Faksimile ergänzt; Delitzsch Vater und Sohn sind vertreten; Dinier, Deutschvölkische Bewegung und Christlichsoziale Partei erinnern an den Antisemitismus der Gegenwart. Unzureichend sind die Angaben zu dem Kennwort Diaspora, auch bei Dissidenten wäre eine etwas größere Ausführlichkeit wohl angebracht. Bei Disraeli sind die zahlreichen Literaturangaben als besonders erfreulich zu erwähnen. So rechtfertigt dieser vierte Band das Vertrauen zum Großen Brockhaus, das seine Vorgänger geweckt haben. Walter L o e vv e n s t e i n. Bö Yim Rä, Das Gespenst der Freiheit. Kober’sclie Verlagsbuchhandlung, Basel-Leipzig. ln dem Verlagsprospekt wird erzählt, daß der Verfasser mit dem exotischen Namen im bürgerlichen Leben Joseph Schneiderfranken heißt, und behauptet, daß die Bücher dieses Mannes längst über ‘jeden Streit im Tageslärm hinausgerückt sind und „fraglos zum allerwertvollsten Gedankengut unserer Zeit gehören“. Wappnet man sich mit der erforderlichen Skepsis, die derart angekündigten Büchern stets am Platze ist, so wird man durch die Lektüre des Buches nicht mehr enttäuscht. Das Buch handelt — recht oberflächlich vom Irrbegriff der Freiheit, nicht von der wirklichen Freiheit. „Nicht das erstrebenswerte Ziel des Sehnens aller, die sich unfrei fühlen, soll hier nun etwa der Entwertung dargeboten werden, — sondern das Spottbild will ich unerbittlich aufzulösen suchen, das, mehr als je, die Freiheitsdurstigen in unseren Tagen narrt.“ Ein besonderer Abschnitt trägt die Ueberschrift „Religion“. Da heißt es voller Bescheidenheit: „Was ich dir hier begreiflich nahe bringen will, kann dir gar viel erklären, das oft, und bis zu diesem Tage dir so manches „Rätsel“ aufzugeben hatte...“ Wer so viel verspricht, hält natürlich weniger als gemeinhin erwartet werden darf. Erfreulich ist, daß die Durchdringung des Lebens mit religiösem Geist gefordert wird, weniger erfreulich, daß zwar die Erkenntnis vorhanden ist, daß auch Religion nur in wahrer Freiheit sich entfalten kann, dennoch aber gegenüber dem Entwicklungsprinzip in der Religion die Bremsen angezogen werden. Alles in allem: ein Buch mehr. Moritz Simon. Dr. M. Joseph Grözinger: Geschichte der jüdischen Philosophie und der jüdischen Philosophen von Moses Mendelssohn bis zur Gegenwart. Berlin 1930. Philo- Verlag. Es gewährt immer eine geistige Befriedigung, die Lebensanschauungen der Denker in systematischer Ordnung und in geschichtlicher Entwicklung vor seinem geistigen Auge vorüberziehen zu sehen. Wir haben glänzende Darstellungen der Geschichte der allgemeinen Philosophie, nur sehr wenige und wenig gute über die Entwicklung des jüdischen Denkens im Mittelalter; wir hatten bisher keine Geschichte der jüdischen Philosophie der neuesten Zeit. Diese Lücke will der Vs/fasser' ausfüllen und legt uns jetzt den 1. Band vor, der die jüdischen Denker des 18. Jahrhunderts umfaßt: Moses Mendelssohn und seinen Kreis. Alle Teilgebiete des Philosophierens, sowohl die theoretische Philosophie (Erkenntnistheorie, Metaphysik, Psychologie), als auch die praktische (Religionsphilosophie, Ethik, Aesthetik) bei Mendelssohn selbst und seinen Jüngern und Nachfolgern werden uns geboten; Herz Wessely, Markus Herz, Lazarus Bendavid und Salomon Maimon mit ihren eigenen Gedanken und ihren geistigen Zusammenhängen sowie im Urteil ihrer Zeitgenossen werden in erschöpfender Weise dargestellt. Voran feht ein Abriß der jüdischen Philosophie von Philo bis pinoza und eine Einführung in die Welt des Chassidismus. So wertvoll die sachliche Arbeit ist, so wenig ansprechend ist die Formung der Gedanken, der die jetzt auch für die Philosophie maßgebende, Einfachheit im Ausdruck und Klarheit der Sprache oft fehlt. Dazu kommt, daß das Buch von einer das erlaubte Maß weit überschreitenden Unzahl von Druckfehlern durchzogen ist, so daß die Lektüre schon rein ästhetisch sehr erschwert ist. Auch die Ausstattung läßt sehr viel zu wünschen übrig. Wir hoffen, daß die beiden nächsten Bände, die die jüdischen Philosophen des 19. Jahrhunderts (Krochmal, Steinheim, Lazarus, Steinthal, Cohen) und der neuesten Gegenwart (Bergson, Simmel, Cassierer, Joel u. a.) behandeln sollen, die sprachliche Präzision aufweisen werden, die das überaus verdienstvolle Werk in seinem Wert noch erhöht. Dr. Löwcnsta m m , Spandau. Eingegangene Bücher Die Schächtfrage unter Berücksichtigung der neuen ph>- siologischen Forschungen, von Dr. med. Jacob Levy mit einem Vorwort von Prof. Dr. med. et ph.il. Ulrich Gerhardt. Philo-Verlag, Berlin SW 68. 2. Auflage. Mitteilung Preisausschreiben. Moritz ManHeimer-Stiftung der Grotzloge für Deutschland ll. O.». B. Wir werden um Veröffentlichung nachstehender Zeilen gebeten: Die Moritz ManHeimer-Stiftung schreibt drei Preise von RM. 500,—, 300,— bezw. 200, falls eine unterschiedliche Beurteilung nicht eintreten kann, drei gleiche Preise von RM. 300,— - für Aufsätze aus, welche innerhalb des testamentarisch vorgeschriebenen Themas- Mensch e n l i e b e , Gerechtigkeit und Duldsamkeit ajs Grundpfeiler der menschlichen Gesellschaft frei zu wählende Einzelthemen zum Gegenstand haben. Die Aufsätze sollen 0 Seiten Groszoktav (21,2 Zentimeter breit, 38,8 Zentimeter hoch, Satzspiegel 24:17) nicht überschreiten und sind bis spätestens 1. Oktober 1930 in verschlossenem Kuvert mit einem Kennwort versehen an das- Büro der Grojzloge für Deutschland, Berlin W. 62, Kleiststraße 12. einzureichen. In einem anliegenden, „ gleichfalls geschloffenen, da-> gleiche Kennwort tragenden Kuvert ist der Name des Verfassers mii zuteilen. Großloge für Deutschland U. O. B. B. Vaeck. Goldschmidt. In memoriam! Am 1*1. April ds. Js. ist der langjährige 1. Vorsitzende und zugleich Begründer unserer Ortsgruppe, Halle, Leipziger Straße 70, nach langem, schweren Leiden verschieden. Ein religiöser Jude, hat er lange Jahre seines Lebens im Dienste unserer Religionsgemeinschaft gearbeitet. Ein Streiter im besten Sinne des Wortes, hat er sich ständig am Kampf gegen den Indifferentismus und für die Weiterentwicklung der Religion eingesetzt. Mit großen Geistesgaben ausgestattet, hat er dieselben mit seltenem Idealismus im Dienste unserer Arbeit verwendet. Nur wer ein ständiger Mitarbeiter mit ihm war, weiß, welcher wertvolle Mensch dahin gegangen ist. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Ortsgruppe der vereng iur des lib. Halle a./saaie Halle a./Saale, 23. April 1930 Staatlich genehmigte wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande Wolfratshausen im Isartal / 580 m über dem Meer (Gründung des jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe München) bildet junge Mfidrhen ans r.n tüchtigen Hassfranen and schafft die (iirnndlage sinm Wirtsehaftsberaf, Kam SoElalbernf and zam Lehrberuf Die Schule wird streng rituell geführt. Anmeldungen für das Sommerhalbjahr jetzt erbeten. Prospekte durch die Schulleitung. Jüdische Gemeinde Berlin Unsere verehelichen Gern ein de mitglieder weisen wir auf die Bekanntmachung betr. Erneuerung der Eintrittskarten für die Gemeindesynagogen hin. Diese Bekanntmachung ist im „Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin11 abgedruckt in den Gemeindesynagogen ausgehängt. Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin, im Mai 1930 für Feuerbeatattunjr »in Ürrliu von 2874, e. T. vrrM. koitteuloMe FenerbeNtattnnff Annahme W 35, Lützowstraße 44, Telephon: Lfltzow %0-bl WERKSTÄTTEN FÜR GRABMALKUNST 8. WEISS GRABDENKMÄLER U. ERBBEGRÄBNISSE BERL1N-WEISSENSEE LOTHR1NGERSTR. 8 - TELEPHON: WEISSENSEE 407 Ihr Kl die Die einzige Zeitschrift fflr jüdische Wohlfahrtspflege and Sozialpolitilc ist die Erscheint monatlich Jüdische Wohlfahrtspflege heransgegeben von derZentrahvohlfalirtsstelle der deutschen Juden und der Hanptstelle für jüdische Wanderfürsorge Aufsätze aus allen Gebieten der jüdischen and allgemeinen Wohlfahrtsarbeit, reichhaltige aktuelle Umschau (Jugendfürsorge, Soziale Gerichtshilfe, Gesundheitsfürsorge, Bevölkerungspolitik, Wanderung, Wirtschaftsfürsorge, Arbeitsnachweis, Berufsberatung n. a. m. Mitarbeiter: Rabbiner Dr. Baeck, R.-A. Dr. Georg Baum, Alfred Berger, Pastor Braune, Eugen Caspary, R.-A. Dr. Fraustädter, Dr. Erich Fromm, Professor Dr. Glaessner, Rabbiner Dr. Goldmann, Rabbiner Dr. Horovitz, Professor Dr. M. Moses, Professor Dr. Seligmann, Rabbiner Dr. Prinz, Professor Dr. Erich Stern, Siddi Wronsky u. a. Bezugspreis: 12 Mark jährlich. Abonnementsbestel- Jungen: „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik“, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstrasse 158. Malerarbeiten Renovierung von Wohnungen, Geschäftslokalen, Treppenfluren und Fassaden. Robert Gutheim Berlin W 50 Knlmbacher Strasse 7 B 5 Barbarossa 6260 stehen für Mai noch einige Plätze zur Verfügung. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß in den folgenden Monaten fast ausschl. die hündische Schuljugend berücksichtigt wird. Schriftl. Anmeldungen sind umgehend an das Büro des Reichsausschnsses der jüdischen Jugendverbände, Oranienburger Straße 13/14 zu richten. Der Verpflegungssatz beträgt Mk. 2.75 pro Tag Xtaclmg: Bmm«g«ng für d«S liberale Judentum e. L., Berlin SW. 11. — Berantwortlicher Redakteur: DiH.-Jng. Brun» Woyda, 1 (0NDII0REI Am Potsdamer Platz Eröffnung Heute! Drei Worte: | Qualität! (Preise! Bedienung! t § Inh. Conditorei Hessler Markus Friediger Hausverwaltung odunurdfür Heisezeit übernimmt m. Ia Referenzen und bekanntem Erfolge Bruno Kantorowicz Charlottenburg, Schillerstr. 5 Siatisiiscne-, Schreibmaschinenu. hamscnriiMe Urteilen jeder Art übernimmt Lina Hopp, Berlin HUI 87, Bachstrasse 3.1. Seiten«, ptr maip. nmrta Famnsgesciiäit handelsgerichtlich eingetragene Firma, ohne Aktiva und Passiva, wegen vorgeschrittenen Alters an zahlungsfähigen Käufer preiswert zu verkaufen. Angebote unter O. H. 7 Postamt S14 Berlin Vormittags-Abendschule Private Vorbereitungsanstalt. Direktor Danziger Berlin, Alte Jakobetrafie 124 Sammelt Spenden für Dresden! Berlin SW. 29. — Druck: Hermann Wegner $ Co., Berlin-Marinckorf. 820 3054 6916