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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-04-30 · 18 (30.4.1930) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
18 (30.4.1930)
Date
1930-04-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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MM444444M»4444+44MMMM»444444M4M44M44M4444M4M44+ | * | Sprechsaal ♦ *;; Für diese Rubrik übernimmt die Schristleitung lediglich die preßgesetzliche Verantwortung Gegen Beschränkung der Arauenrechle I. Zur Auseinandersetzung mit der Orthodoxie. Die Auseinandersetzung, die unter der Ueberschrift „Gegen Beschränkung der Frauenrechte" in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" veröffentlicht war, hat nicht so sehr die völlige Verschiedenheit des liberalen Standpunktes dom. orthodoxen gezeigt, als eine häufig festzustellende Eigenart der liberalen Kampsesweise. Es sollte der erste Grundsatz, der liberalen Seite sein, sich in solchen Auseinandersetzungen nicht auf orthodoxes Gebiet zu begeben. Denn dort wird der -Orthodoxe gewöhnlich das Feld behaupten. Einmal, weil er ja vom orthodoxen Standpunkt aus in der Mehrzahl der Fälle Recht hat, und dann, weil der Liberale, wenn er sich auf orthodoxes Terrain begibt. Gründe ansührt, die nicht seine währen Gründe sind, und weil ihm damit der Glauben an die Richtigkeit seiner Verteidigung leicht verloren geht. Trotzdem erliegen die meisten Liberalen der Versuchung, sich in das wesensfremde Gebiet zu begeben. Auch Frau Krämer hat, wie mir scheint, einige Schritte über die Grenze getan. So sühn sie an, daß es in Württemberg Brauch ist, daß Frauen Grabreden halten; ferner, daß sich auch in der Orthodoxie manche Bräuche geändert haben; und schließlich, daß, wie aus der Bibel hervorgeht, die von Herrn Tr. Beermann als geheiligter Brauch angesprochene Sitte eben nur ein Brauch, nicht aber ein Gesetz sei. Diese Beweisführung fcfjeint mir den liberalen Standpunkt nicht vollt'mnmeii zu vertreten. Tenn wenn sich diese Sitte von einem Religionsgesctz Meilen ließe, dann würde sich der Einspruch derjenigen liberalen Juden, die diese Neuerung befürworten, eben gegen dieses Gesetz richten ,wcil es unzeitgemäß sei. Äerr Dr. Beeomann hat in der Auseinandersetzung einen großen Vorteil: er kämpft gegen die Neuerung wirklich, weil ein alter Branche dagegen spricht, Frau Krämer aber kämpft weder dafür, weil diese Forderung in Württemberg schon lange verwirklicht ist, noch, weil es schon in der Bibel steht, daß es erlaubt ist. Die liberale Antwort an Herrn Tr. Beermann müßte etwa lauten: Wir sind überzeugt, daß die Pflichten und der Charakter der Frau es nicht hindert, daß. sie an einem Grabe sprechen darf. Wir protestieren dagegen, daß man die liberalen Juden im Namen der Duldsamkeit dazu zwingen will, air einer ihnen widerstrebenden, für sie unbegründeten Ueberlieferung sestzuhalten. Wir stellen fest, daß die liberalen Juden durch diese Einzwängung in ihrer Ueberzeugung ebenso verletzt werden, wie es bei den Orthodoxen dann der Fall wäre, wenn man diese Neuerung zwangsweise einführen würde. Da die liberalen Inden diesen neuen Brauch nur her ihren Feiern, nicht aber bei den orthodoxen Feiern etnführen wollen, ist der orthodoxe Protest unbegründet und die Anwendung des Begriffes Duldsamkeit bei der Begründung der orthodoxen Forderung verfehlt. Wenn uns gesagt wird, daß die Sitte Jahrhunderte alt istso erwidern wir, daß das nicht grundsätzlich! für ihre Beibehaltung spricht, daß darüber wir selbst nach unserem Gefühl und unserer Ueberzeugung entscheiden wollen. Die Entscheidung, die unser Gefühl trifft, ist ganz unabhängig von der Entscheidung des Ortsrabbiners. Tie Bemerkung, daß. ein Laienkollegium darüber nicht entscheiden könne, trifft nur den orthodoxen Juden, ebenso der Satz von den retigionsgeschlichen Sammelwerken. Herr Dr. Beermann hat nur bewiesen, daß die orthodoxe Frau keine Grabrede halten darf, und daß 'bei orthodoxen Drauerseiern keine Frau sprechen darf. Wir fühlen uns durch, seine Worte nicht betroffen, und verlangen die Anerkennung der Gleichberechtigung unserer Ueberzeugung. Eine solche Erwiderung wird den Orthodoxen zwar nicht überzeugen, soll es aber auch gar nicht. Denn er hat ja für sich ganz recht. Auf die Methoden der Orthodoxie einzugchen, ist für die liberalen Juden nicht notwendig. Frau Krämer hat anscheinend Herrn Tr. Beermann einige Jrrtümer in seiner orthodoxen Beweisführung nachgewiesen, aber damit noch keine liberale Antwort gegeben. Tenn diese müßte vor allem die wirkliche. Empfindung des Liberalen, wicdergebeu, der einen Artikel wie den des Herrn Dr. Beermann liest. Nur wenn wir auch immer diese Antwort geben, können wir verlangen, daß uns die Orthodoxen als gleichberechtigt ansehen. Alle Ausflüge in das Gebiet der orthodoxen Logik, alle Versuche, den Orthodoxen orthodoxe Jrrtümer nachzuweisen und dem liberalen Schlußergebnis eine orthodoxe Begründung zu geben, haben meines Erachtens feinen anderen als einen gewissermaßen sportlichen Wert. Franz Meitner, Breslau. II. Grabreden von Frauen. Sehr geehrter Herr Redakteur, gestatten Sic gu den freundlichen Bemerkungen der verehrter Frau Kraemer bzw. der „Grabreden von. Frauen" noch ein kurzes Wort. Ich wollte in meinem Schriftsatz lediglich dartun, daß für die Abschaffung von Bräuchen für jede Gemeinde allein der zuständige Rabbiner maßgebend ist. Wie die Entscheidung zu treffen ist, ist Sache seines Gewissens. Uebrigens ist in meinen Gemeinden die Frage nicht aktuell, würde sie es w-ewen, so würde für mich das Gebot, Streit und Zwietracht zu vermeiden, wie bei allen seelsorgerischeu Mäßnabimen, auch hier schwer ins Gewicht fallen. Mit besten Grüßen Ihr sehr ergebener Bez.-Räbb. T«r. Beermann. Vorstoß der Orthodoxie Nochmals um die Orgel in der Synagoge Levetzowstraße. Ms die Nachkriegszeit das Gemeindekeben wieder in ruhigere Bahnen lenkte, traten in Berlin Synagogenvereine zwecks geselligen Zusammenschlusses der Tempelbesucher ,ns Leben In keinem Bezirk der Hauptstadt erwies sich die Gründung eines solchen Vereins als eine solchje Notwendigkeit wie in der Gemeinde, die sich, um den schönen Tempel Levetzvwftraße schart, vielleicht die einzige Berliner Gemeinde, deren Mitglieder im Btzirk der Synagoge auch ihre Wohnung haben; ausgenommen die Vorsteher, die von der Hanptgemeinde ohne Wissen — und zum Teil ohne Billigung - der Gemeinde in den Synagogenvorfliand beordert sind. ¥ Gottesdienste ♦ »erNa-Nordeir. Liberale Synagoge Norde» (Schönhauser Allee 162). Freitag, 2. Mai, 7.15 Ahr abends, Gottesdienst. Predigt: Dr. Andorn. Sonnabend, vormittags 10 Uhr. Predigt: Rabbiner Dr. Wolf-Dresden. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten (Kaiserstraße 29-30). Freilag, 2. Mai, 7.3V Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salvmonsli. Berlin-Westens Liberale Synagoge Westend (Aula Leistikomstr. 7, nahe Reichskanzlerplah). Freitag, 2. Mai, 7 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Norden-Elberfeld. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Tecilienschvle, Nilolrburger Platz). Freitag, 2. Mai, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Wolf-Dresden. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 4. Mai. Johannisstratzr 16: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. Kleiststraße 1v: vormittags 10 Uhr, Gottesdienst der Jugend. Ansprache: Ludwig Herrmann. In D-eu Satzungen des Synagogenvereins Levetzowstraße der zur Zeit seiner Gründung über 700 Mitglieder zählte heißt es ausdrücklich, daßder Verein aufs entschiedenste für die Orgel des Tempels Levetzowstvaße eintritt. Um so lebhafter ist die Erregung in der Gemeinde, wenn die Orthodoxie von Zeit zu Zeit versucht, auf die Entfernung dieser Orgel zu dringen, damit die in der Synagoge Lessingstraße zusammengefäßten Konservativen des Bezirks Hansa-Moabit hier ihre Andacht verrichten können. Wohin die an den gemäßigt-liberalen Gottesdienst und an die Orgel seit den sechzehn. Jahren des Bestehens dieses Tempels gewöhnten Gemeirrdemitglieder zum Gottesdienst gehen sollen, wird nicht gesagt - wer den „neuen Ritus" schätzt, der jUitct in dem konservativen Gottesdienst kaum die in der heutigen Zeit doppelt notwendige seelische Erhebung. Die Konservativen lassen öfter die Gottesdienste im Tempel Levetzowstraße auf' ihre Besucherzahl hin „kontrollieren": schwach besuchte Sabbat-Gottesdienste weil ohne Predigt — sind für diese Herren immer ein starkes Argument für ihre Ansprüche' Am ersten und letzten Tage des Pessachfestes tonnte der 2082 Sitzplätze umfassende Tempel die Menge der Andächtigen kaum fassen. Kaum in das auf Freiheit und Frieden gestimmte Fest verklungen, da meldet sich auch schon wieder die Ortho-, doxie mit der Forderung: „Entfernet die Orgel!" Gewiß, Werbt für die lli-Tagung in Dresden! wer den Tempel Lessingstraße kennt, der weißdaß seine bauliche Beschaffenheit zu wünschen übrig läßt. Er hat aber über dreißig Jahre lang ausgereicht und wird auch für die gegenwärtige Generation ausreichen für die kommende erst recht, denn der Nachwuchs der Gemeinde ist gering, und sein Verbleiben bei der Fahne der Orthodoxie zweifelhaft. Tie Finanzlage der Gemeinde gestattet den Bau einer neuen großen Synagoge nicht - wenigstens würden die Steuerzahlung eine solche Verwendung der Gemeindegelder in der heutigen Zeit überhäufter sozialer Verpflichtungen nicht verstehen und itoctj weniger billigen. Tie Berliner Gemeinde wird überhaupt aus Jahre hinaus Stätten der Gottesverebrung - und diese müssen sein! — immer nur in Verbindung mit Gemeindehäusern errichten. Demgemäß muß sie auch das projektierte „Ledigenheim" bereits mit einen: tausend Personen umfassenden, mit Emporen versehenen Gemeinschaftssaale ausstatten. Darin werden die Besucher des bisherigen Tempels Lessingstraße ihren Gottesdienst halten können -- sünf Minuten von der Synagoge Levetzowstraße entfernt nach altem Ritus, ohne Orgel. Im Erdgeschoß wird eine Wochentagssynagoge zu täglich zweimaligem Besuch offenstehen. Zur stimmungsvollen Einrichtung des Betsaals im „Ledigenheim" - der freilich auch zu wissenschaftlichen Borträgen benutzt werden darf - steuern die Mitglieder der Gemeinde Levchowstraße unzweifelhaft gern bei. Bis dahin aber und für alle Zukunft wird sie die ihr liebgewordene Orgel mit allen Kräften verteidigen. Professor Tr. Eugen Wölbe. * Objektive Berichterstattung Sehr geehrter Herr Redakteur! Erlauben Sie uns ein paar Worte als Erwiderung auf die Notiz „Objektive" Berichterstattung" in Nummer 15 der „Jüdisch-liberalen Zeitung": Es ist richtig, daß die Redaktion der Jüdischen Telegraphen-Agentur in dem Bericht über die Rede des Herrn Benzion Fett in der Landesversammlung bei dem Satz: „Wir werden es nicht dulden, daß die jüdische Gemeinde zu einer religiösen Gemeinschaft degradiert wird" eine Korrektur vorgenommen hat, indem sie anstelle des Wortes „degradiert", das Wort „zurückgeschraübl" gesetzt hat; dies tat sie aber aus Gründen einer höheren Objektivität, da sie von dem Redner nahestehender Seite daraus aufmerksam gemacht wurde, daß dem Redner eine sprachliche Entgleisung passiert ist und er nichts anderes ausdrückeu wollte, als daß die Gemeinde nicht in ihre frühere Stellung einer nur religiösen Gemeinschaft zurückgeschraubt werden möge. So ein lapsus linguae mag w'ohl für den Augenblick dem politischen Gegner Schladenfreude bereiten, eine objektive Berichterstattung, die kein stenographisches Protokoll sein soll und sein will, hat aber dre Aufgabe, die gestochenen Worte in ihrer wahren Absicht wiederzugeben. Tiefe Praxis Übt die Jüdische Tesegraphen- Agentur nach jeder Seite hin und sie hat ihr nM selten auch aus Kreisen des Liberalismus manchen Tank eiWebracht. Wir glauben, daß sich diese Praxis auch! vollkommen debtt mit den Mahnworten zur Entgiftung des Meinungskampfes im Judentum, mit welchen Präsident Heinrich Stern die sechste Landesversammlung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden geschlossen hat. Mit vorzüglicher Hochachtung Redaktion der Jüdischen Telegraphen-Agentur Wurmbrand. N a ch w o r t: Wir geben loyalerweise das vorstehende Schreiben wieder, obwohl es u. E. nur die Berechtigung unserer Beanstandungen bestätigt. Bon zwei vorgenommenen Korrekturen wird nur die eine in der Zuschrift erwähnt. Und bei dieser wird offen zugegeben, daß die Korrektur „von bem Redner nahestehender Seite", also noch nicht einmal von ihm selbst, veranlaßt wurde. Wir erinnern, daß eine Nachrichten-Agentur weder einer „höheren" noch, einer „niederen" Objektivität zu btcuen hat, sondern daß sie objektiv zu berichte:: hat, was gesprochen worden ist. *;; Aus der Bewegung ff * Dortmund. (Di,skussionsaben.d und Generalversammlutt g.) Am letzten der Diskussionsabende über „Judentum und Christentum" sprach Rabbiner Dr. Appel über: Jüdisches im Christentum. — Ursprünglich ist auch im Urchristentum das Jüdische das Dominierende. „Wissen sollt ihr, daß nicht ihr die Wurzel traget, sondern die Wurzel trägt euch." — Erst später folgte die Trennung, die im 4. Jahrhundert durch die Maßnahmen des Konzils von Nicä« besonders verschärft wurde. Als wichtigste Gabe des Judentums verzeichnet das Christentum die Bibel; die Worte des alten Testaments wurden aber zur Deutundes Kommens des Messias genutzt. — Die Psalmen sind fast alle Kirchengebete geworben, die den Kern des christlichen Gottesdienstes bilden. — Der Glaube an den einen Gott ist — wenn auch in der Form der Dreieinigkeit — dem Judentum entnommen, ebenso wie restlos die Morallehre des Judentums als Maßstab und Richtschnur für christliche Anschauung dient. Jüdisch im Christentum ist auch die Einrichtung des Sabbats in allen seinen Auswirkungen. Wie die christlichen Feste größtenteils nach jüdischem Vorbilde entstanden sind, so auch viele Kulthandlungen, Gebete der Kirche, gottesdienstliche Handlungen, die Priesterkleidung und Anordnungen der Folge bei« Gottesdienste. — Wir müssen über diese Tatsachen orientiert sein, damit wir Anfeindungen entgegentreten können. — Dem gehaltreichen Referat, das mit großem Beifall ausgenommen wurde, folgte die diesjährige Generalversammlung unserer Ortsgruppe. — Der erste Vorsitzende Herr Artur Rosenberg erstattete den Geschäftsbericht. — Er konnte mit Genugtuung darauf Hinweisen, daß auch das verflossene Bereinsjahr ein recht erfreuliches gewesen ist. — Zur Einweihung des Gemeindehauses, durch das das Gemeindelebcn einen solch außerordentlich erfreulichen Auffchwung genommen hat, sprach Konrektor a. D. Goldschmidt den Glückwunsch unserer Ortsgruppe aus und überreichte der Synagogengemcinde eine Sederschüssel; anläßlich der Mendelssohnfeier stifteten wir ein Mendelssohnbild. Im Anschluß sprach der Vorsitzende der Gemeindeverwaltung den Dank für die Benutzung der Räume aus. — Wesentlichen Anteil nahm unsere Ortsgruppe an der Schaffung liberaler Richtlinien für Gemeinde- Politik. Während der Breslauer Tagung wurde aus die vorbildliche Arbeit unserer Ortsgruppe hingewiesen. — Innerhalb des Gemeindelebens nimmt dieselbe eine beachtliche Stellung ein, die Mitglieder des neu gebildeten Gemeindevorstands stehen als Freunde unserer Bewegung nahe, zwei derselben, die .Herren Flörsheim und Weiser, gehören zu unserm Vorstand und engsten Förderern. — Konrektor Andorn und Artur Rosenberg wurden bei den letzten Gemeindewahlen in die Repräsentanz der Gemeinde gewählt. — Das innere Vereinsleben stand in seiner diesjährigen Arbeit zunächst im Zeichen der Gemeindewahlen. Zu denselben sprachen: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt am Main, und George Goetz, Berlin, die beide über Wahlfragen sprachen. — Zum 200 jährigen Geburtstag Moses Mendelssohns veranstaltete unsere Ortsgruppe in Gemeinschaft mit dem Central-Verein eine Festsitzung, in welcher der Dramaturg des Kölner Stadttheaters Dr. Simchowitz sprach. — Die Diskussionsabende über Judentum und Christentum fanden in deu Reihen unserer Mitglieder von Anfang bis Ende ein sehr reges Interesse. — Es sprachen zum Thema: Lehrer Siegmund Nußbaum geschichtlich einleitend: Die Entstehung des Christentums und die Kämpfe zwischen Judentum und Christentum zur Zeit seiner Entstehung. Konrektor M. Andorn über: Judentum und Christentum in seinen Grundbegriffen. — Rabbiner Dr. Wilhelm über: Der Jenseitsgedanke im Judentum und Christentum und Rabbiner Dr. Appel über: Jüdisches im Christentum. — Die Ortsgruppe richtete einen Kursus im Hebräischen ein, der von Herrn Konrektor Andorn geleitet wird. — Ein glänzend verlaufenes Chanukkahfest ebenso wie der von über 69 Personen besuchte Sederabend, den Herr Konrektor a. D. Em. Goldschmidt leitete, zeugte vom Erfolg der Bemühungen zur Hebung des religiösen Lebens in unserer Gemeinde. — Die neue, von Herrn Lehrer Falkenberg, Berlin, herausgegebene Hagadah leistete dabei vortreffliche Dienste und es sei ihm an dieser Stelle für seine wertvolle Arbeit auch der Dank unserer Ortsgruppe ausgesprochen. — Nqch chem Geschäftsbericht erstattete der Kassierer Riesenfeld den Kassenbericht, worauf ihm und dem Vorstand nach Anhören der Kassenprüfer Entlastung erteilt wurde. — Der Vorstand wurde einstimmig wiede» gewählt, um später nach einem Referat, das voraussichtlich Herr Flörsheim übernehmen wird, neugebildet zu werden. — Mit Dankesworten des Vorsitzenden an alle, die unser Wollen fördern und an den Vorsitzenden für seine Leitung, wurde die Generalversammlung geschlossen. Halle a. d. Saale. (Sanitatsrat Dr. Oppenheimer gestorben.) Am 21. April verstarb hier der Vorsitzende der Ortsgruppe Halle, Herr Sanitätsrat Dr. Gustav Oppenheimer. Der Verstorbene war bereits in jungen Jahren Mitglied der Repräsentanten^ Versammlung, wurde 1897 in den Gemeindevorstand berufen, dessen erster Vorsitzender er 1923 wurde. Einige Jahre spater wurde er bei Niederlegung seines Borstandsamtes einstimmig zum Ehrenmitglied der Gemeinde gewählt, was um so bedeutsamer ist, als diese Ehrung ein Novum in der Geschichte der hiesigen Gemeinde darstellte. Die große Hochschätzung, deren der Verstorbene sich erfteute, ist vor allem auf seine soziale Betätigung zurückzuführen, in deren Dienst er sich mit dem ganzen Können eines erfahrenen Arztes stellt«. Er war einer der ersten Begründer jüdischer Ferienkolonien; der Ankauf des Ferieiy» heims in der Dölauer Heide durch die Germania-Loge, der er als Expräsident angehört«, war sein Werk. Sein« umfangreiche fürsorgerische. Tätigkeit kam vor allem der Jugend zugute. In religiösen! Fragen flanb dieser vorbildlich soziale Mann auf dem BÄ»en des kon-

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